Interview-Übersetzung: Caragh O'Brien


Hier gibt es nun die Übersetzung des Interviews mit Caragh O'Brien ("Die Stadt der verschwundenen Kinder")! Das Original könnt ihr *hier* nachlesen. Viel Spaß beim Lesen!

Leselurch: "Die Stadt der verschwundenen Kinder" ist dein erstes Buch für junge Erwachsene. Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Caragh: Leselurch, erst einmal möchte ich dir danken, dass du mich um ein Interview gebeten hast. Ich freue mich, dass du „Die Stadt der verschwunden Kinder“ mochtest und ich fühle mich geehrt, dass du nun etwas über mich wissen möchtest.

Mit 13 Jahren habe ich angefangen, in der Schule ein Tagebuch für eine Hausarbeit zu schreiben und mit der Zeit gefiel mir die Idee immer mehr, dass Schreiben und Denken ein und dasselbe sind. Am College habe ich dann angefangen Geschichten zu schreiben und blieb dann dabei. Und Jahrzehnte später entstand mit "Die Stadt der verschwunden Kinder" mein erster Jugendroman.

L: Wie viel Zeit kostet es, eine Geschichte zu schreiben (von der Idee zum endgültigen Entwurf)? Zeichnest du die gesamte Handlung und die Charaktere auf, bevor du anfängst, oder entwickeln sie sich während du schreibst?
C: Mein Schreibtempo ist von Buch zu Buch unterschiedlich. Den ersten Entwurf zu "Die Stadt der verschwunden Kinder" schrieb ich in 2 Monaten, brauchte aber über ein Jahr um es zu überarbeiten. Ich bevorzuge es, die Geschichte zusammen mit Gaia zu entdecken. Obwohl ich normalerweise eine Idee von der Szene habe, auf die ich hinarbeite, skizziere ich diese nie bevor ich anfange zu schreibe.

L: Wie lang hast du nach einem Verleger gesucht?
C: Überraschenderweise musste ich nicht lange suchen. Es dauerte nur ein paar Monate einen Agenten zu finden. Und als er erst einmal angefangen hatte mein Manuskript den Verlagen vorzulegen, dauerte es nur einen Monat, ehe wir eine Antwort bekamen und uns 3 Angebote vorlagen. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich mich letztendlich für Nancy Mercado von Roaring Brook Press entschieden habe, mit der ich es durch und durch genieße zusammen zu arbeiten. Und als ich herausfand, dass mein Agent die Rechte an den deutschen Verlag Heyne verkauft hatte, war ich begeistert.

L: "Die Stadt der verschwundenen Kinder" ist das erste Buch einer Trilogie. Was wirst du nach dem Abschluss der Serie machen? Irgendwelche Ideen? Natürlich hoffen wir, dass du mit dem Schreiben weitermachen wirst. Denkst du darüber nach, andere "Young Adult"-Bücher zu schreiben?
C: Lustig, dass du gefragt hast, als ich gerade angefangen habe ernsthaft darüber nachzudenken, an was ich als nächstes arbeiten werde. Ich denke, dass ich weiterhin Jugendbücher schreiben werde, aber darüber hinaus habe ich mich noch nicht entschieden.

L: Wie bist du auf die Idee zu "Die Stadt der verschwundenen Kinder" gestoßen?
C: Als meine Familie vor ein paar Jahren durch die Südstaaten fuhr, lies mich eine schwere Dürre darüber nachdenken, inwiefern der Klimawandel die Gesellschaft und die Politik beeinflussen würde. Als ich erst einmal das erste Kapitel von "Die Stadt der verschwunden Kinder" geschrieben habe, fand ich Gaia so anziehend, dass ich einfach den Rest ihrer Geschichte aufschreiben musste, um herauszufinden, was mit ihr geschehen war.

L: 'Gaia' bedeutet 'Erde'. Hast du die Namen mit Bedacht ausgewählt?
C: Ja, absolut! Gaias Name passt gut zu ihren Fähigkeiten als Hebamme und ihrer Lebensenergie, so wie zu Mutter Erde.

L: Welche Charakterzüge der beiden Protagonisten Gaia und Leon magst du am liebsten?
C: I mag es, wie mutig und furchtlos Gaia ist, als sie sich dazu entschloss, ihre Eltern zu retten. Und ich mag es, wie Leon sich allmählich von seiner oberflächlichen Macht als Sergeant befreit und erkennt, was für andere Stärken in ihm stecken.

L: Welche Charaktere magst du am meisten? Warum?
C: Ich mag Gaia und Leon. Sie faszinieren mich einfach. Ich liebe es, wie sie sich entwickeln, besonders während der ganzen Trilogie über.

L: Wie viel Caragh ist in Gaia?
C: Ha! Gaia ist viel stärker und mutiger als ich es bin. Aber dadurch, dass ich sie nun kennen gelernt habe, bin ich mutiger geworden.

L: Eine Klimakatastrophe hat die Welt, wie wir sie kennen, in Gaias verwandelt. Könntest du uns mehr Informationen darüber geben? Was ist wirklich passiert?
C: Ich habe versucht, ein wenig über den Hintergrund der Weltgeschichte in dem Kapitel zu erklären, in welchem Gaia Heidelbeeren mit ihrem Vater pflückt, aber ich hoffte auch, dass der Leser seine Phantasie benutzen würde. Die Gegend um den Lake Superior – das Land der 10.000 Seen - ist zur Zeit sehr feucht. Um zum Brachland zu werden, müsste die Welt regelmäßig wärmer werden als sie derzeit ist. So eine Klimaveränderung unseres Planeten erscheint mir nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich; in Anbetracht dessen, dass es längst begonnen hat.

L: Erzähl uns bitte mehr über die politische Situation. Wie ist die Enklave entstanden? Die eine Seite der Mauer besitzt technischen Fortschritt - die andere mittelalterliche Lebensumstände. Wie das?
C: Ich stellte mir vor, dass eine Gemeinschaft von wohlhabenden Menschen mit Ressourcen und Technologien den Klimawandel verhindern und sich einen Zufluchtsort innerhalb einer Schutzwand bauen konnten. Sie tolerierten den Ausbau einer zweiten, ärmeren Gemeinde außerhalb der Mauer, und damit eine Spaltung der Gesellschaft der Besitzenden und Besitzlosen.

L: Was ist mit dem Rest der Welt? Gibt es andere Zivilisationen?
C: Ja!, Es müssen noch andere Gesellschaften existieren. Sie sind nur aus der Enklave durch die Einöde getrennt, so dass jedes Zusammenwirken sehr selten ist. Ich ließ mir ein wenig Freiraum, um mit der Fortsetzung zu spielen.

L: Wer ist dein Lieblingsautor und welche sind deine Lieblingsbücher?
C: Ich habe mehrere Lieblingsbücher wie zum Beispiel "Anthem" von Ayn Rand und "Pride and Prejudice" von Jane Austen. Außerdem mag ich noch Jugendbücher wie "Twilight", "The Hunger Games" und "The Knife of Never Letting Go".

L: Du hast eine Menge Fans in Deutschland! Wann wirst du uns besuchen kommen? :D Wenn du die Chance hättest, nach Deutschland zu kommen, welche Stadt würdest du am liebsten sehen?
C: Ich würde Deutschland liebend gerne besuchen. Letzten Oktober war ich für ein paar Tage dort und mir hat die Burg Eltz sehr gefallen. Ich habe mich gefühlt wie in einer anderen Zeit. Aber ich würde sehr gerne mehr Städte wie Beilstein besuchen, vielleicht könnt ihr mir welche empfehlen?

L: Gibt es etwas, dass du zum Schluss gerne noch loswerden möchtest?
C: Ich würde sehr gerne meinen deutschen Übersetzer Oliver Plaschka erwähnen, der unermüdlich an der deutschen Übersetzung meines Buches gearbeitet hat. Er und ich wurden Email-Freunde und ich bin sehr dankbar für seine Sorgfalt. Ich hoffe, er wird den Zweiten Teil ebenfalls übersetzen, dessen Original aber schon im November erscheint. Lurchi, ich danke dir nochmal für das Interview und die freundlichen Bereitstellung der Fragen auf Englisch. Es gibt mehr Grenzen als einfache Wände und du hast mir erlaubt, ein Teil deines Blogs zu sein.

1 Kommentar:

  1. Ein sehr schönes und interessantes Interview! Das Buch steht auch noch auf meiner Wunschliste, jetzt mehr denn je!

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