Rezension: "Silberlicht"

Titel: Silberlicht
Originaltitel: A Certain Slant of Light
Autorin: Laura Whitcomb
Verlag: Pan
Seitenzahl: 320
Preis: 14,99€
ISBN-10: 342628328X
ISBN-13: 9783426283288
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Worum geht's?
Länger als ein Jahrhundert ist es her, dass Helen als junge Frau starb. Seitdem streift sie als Licht durch die Welt, begleitet Literaten auf ihrem Lebensweg und flüstert ihnen Worte zu, wenn sie bei ihrer Arbeit ins Stocken geraten. Sie ist die Muse, die niemals von der Seite ihrer "Bewahrer" weicht, aber niemals aktiv in ihr Leben treten wird. Niemand sieht sie, berührt sie. Helen hat sich an ihre Einsamkeit gewöhnt, doch die Sehnsucht bleibt in ihrem Herzen. Bis sie eines Tages einem jungen Schüler ihres Bewahrers Mr. Brown begegnet: Er sieht ihr direkt in die Augen und lächelt sie an! Der Schüler heißt Billy Blake, aber Billys Seele hat seinen Körper verlassen. Diesen Platz hat James eingenommen, einst selbst eine Lichtgestalt wie Helen. Die beiden Lichter wissen genau: Sie sind für einander bestimmt! Solange Helen jedoch körperlos bleibt, können sie ihre Liebe nicht ausleben. Und so beginnt die verzweifelte Suche nach einem Körper, dessen Besitzer nicht mehr Leben will...

Kaufgrund:
Schon lange bin ich um "Silberlicht" herumgeschlichen. Die Idee der Handlung hat mich bereits beim ersten Lesen des Klappentextes angesprochen. Durch ein Rezensionsexemplar von Laura Whitcombs Roman "Seelenhüter" habe ich das Erstlingswerk der Autorin dann schließlich doch gekauft!

Meine Meinung:
"Silberlicht", der Debütroman von Laura Whitcomb, gewann sage und schreibe 4 Literaturpreise. Wenn Bücher so sehr gelobt werden, geht man auch mit hohen Erwartungen an sie heran. Nicht anders war es bei mir und diesem Buch. Bereits nach wenigen Seiten wusste ich: Dieser Roman hat seine Preise verdient! Doch leider sollte diese anfängliche Begeisterung nicht bis zur letzten Seite halten.

Die gesamte Geschichte dreht sich um Helen und James und die Liebesgeschichte zwischen den beiden Lichtern. Um den anderen spüren und berühren zu können, brauchen sie Körper - und finden diese bei problematischen Jugendlichen, die im Geiste bereits tot sind. Eine tragische Geschichte voller Dramatik, die unter die Haut geht, hätte es werden können. Die Handlung strotzt vor schockierender Momente, ohne Frage, aber berührt hat sie mich nicht. Sobald Helen einen Körper übernommen hat, wird "Silberlicht" platt, oberflächlich, langweilig, obwohl es so großes Potenzial hat. Es geht nicht mehr um die Lichter Helen und James, sondern um die Probleme der Jugendlichen Billy und Jenny. Die Autorin driftet von ihrer eigenen Geschichte ab, formt aus ihrer fantastischen Liebesgeschichte eine Schilderung über Drogen, Gewalt und Betrug. Helen und James gehen unter, teilen nur noch wenige romantische Augenblicke miteinander. Schade!
Zum Ende hin bessert sich "Silberlicht" stark, reißt das Ruder noch einmal herum und begeistert - leider viel zu spät. Die gesamte Handlung schließt mit der letzten Seite ab und lässt den Leser mit einem befriedigenden, aber nicht umwerfenden Gefühl zurück.

"Silberlicht" wird aus Helens Sicht beschrieben. Sie ist eine reife, liebevolle Lichtfrau, die sich verzweifelt an ihre Bewahrer klammerte, in der Hoffnung, irgendwann in den Himmel aufsteigen zu dürfen. Sie war mir ab dem ersten Moment sympathisch und ich hätte ihr stundenlang über ihr Leben mit ihren verschiedenen Bewahrer lauschen können! Als James in ihr Leben tritt, wird sie - von seiner eigenen Art angespornt - immer aktiver, geht Risiken ein, um ihrer langjährigen Einsamkeit zu entfliehen. Zusammen sind die beiden ein absolutes Traumpaar. An einigen Stellen kitschig, ja, trotzdem fühlt man sich bei ihnen kurzum wohl. Im Kontrast zu ihnen stehen die beiden Jugendlichen Billy, der nur noch seinen stetig missgelaunten Bruder hat und im Drogensumpf gelandet ist, und Jenny, deren Eltern streng religiös sind und sie so sehr mit ihrem Glauben einengen, dass sie keine Luft mehr zum Leben hat. Diese beiden sind quasi Vorzeigefälle für den Psychologen. Mir hat dieser enorme Gegensatz leider nicht gefallen, dafür blieben mir Billy und Jenny zu flach und zu unvollkommen.

Der Schreibstil der Autorin ist etwas ganz besonderes. Nachdem man die ersten Sätze gelesen hat, ist man gebannt von der traumhaften, bildschönen Sprache, die die Autorin nutzt. Beinahe könnte man denken, Helen hätte auch ihr als Muse die Wörter in die Ohren geflüstert und sie zu den märchenhaften Metaphern und eindrucksvollen Umschreibungen inspiriert. Da Helen und James einem anderen Zeitalter entspringen und sich dementsprechend ausdrücken, kommt der wunderbare Schreibstil auch in den Dialogen zwischen den beiden zur Geltung. Ja, es hätte doch so schön werden können, wenn Whitcomb auf die jugendlichen Körper verzichtet hätte! Den größten Teil des Romans befinden sich die beiden Hauptfiguren in ihnen und den schrecklichen und schockierenden Lebensumständen. Die Sprache wird platt, fast obszön und verliert jeglichen Reiz. Natürlich zeigt die Autorin dadurch, dass sie sich in anderen Umgebungen ebenfalls realistisch ausdrücken kann - aber musste das denn sein? Nachdem ich anfänglich so begeistert war, hat mir keine einzige Szene mehr gefallen, die nicht allein zwischen Helen und James gespielt und mit dem gehobenen Stil geglänzt hat.

Cover:
Schwierig, schwierig. Die Verzierungen sind wunderhübsch und strahlen einen ganz besonderen, verträumten Charme aus. Auch die Idee der durchsichtigen Frau finde ich gut und im Bezug zum Inhalt sehr passend. Der Gesichtsausdruck der Geistergestalt gefällt mir jedoch gar nicht! Man betrachte bitte ihr linkes Auge: Entweder ganz auf oder ganz zu, aber doch kein Mischmasch!

Fazit:
"Silberlicht" ist ein Paradebeispiel für eine tolle Idee mit einer zweifelhaften Umsetzung. Der Roman beginnt großartig, nimmt dann stark ab. Die romantischen Momente zwischen Helen und James laden zum Schwärmen ein, doch die gesamte Handlung wird oft zu langatmig. Mit einigen Seiten mehr hätte Whitcomb ihrer Geschichte mehr Tiefe verleihen können. Der traumhafte Schreibstil der Autorin geht in den groben Szenen völlig unter, was für eine Verschwendung! Für die Hauptcharaktere, einige tolle Kapitel und einen fulminanten Abschluss gibt es gerade noch 3 Lurche.


Über die Autorin:
Laura Whitcomb ist in Pasadena, Kalifornien aufgewachsen. Bevor sie ihre Leidenschaft fürs Schreiben entdeckte, hat sie als Englischlehrerin gearbeitet. Für "Silberlicht", ihren ersten Roman, gewann sie 4 Literaturpreise und war für weitere 5 Awards nominiert. Heute lebt und arbeitet sie in Portland, Oregon.

Kommentare:

  1. Oh, schade, dass es wieder einmal an der Umsetzung scheitert. Die Idee klang so gut. :)

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  2. Eine schöne Rezi .. ich bin froh, daß mal jemand genau wie ich nicht sooo begeistert ist. .. der Nachfolger (Seelenhüter) ist übrigens ähnlich .. ich denke, zu der Autorin werde ich wohl nicht mehr greifen, auch wenn die Cover so umwerfend schön sind.

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  3. @Libby: Ganz meine Meinung, ich habe mich auch sehr auf das Buch gefreut. Leider wurde nichts draus =(

    @Fabella: Momentan lese ich "Seelenhüter" und bi ca. auf Seite 150. Ich weiß noch nicht so ganz, was ich davon halten soll...

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  4. Mir ging es ähnlich wie dir. Bin total optimistisch an das Buch rangegangen wurde aber danach immer enttäuschter.
    Aber zum Glück hatte ich es mir nur aus der Bücherei ausgeliehen ^^

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  5. Ich hab mir das Buch letztens bei Rebuy für läppische 99 cent gekauft :D
    Die Story hört sich toll an. Ich denke den einen Euro war es bestimmt wert (:

    Liebe Grüße!
    http://eselohren.blogspot.de/

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