Rezension: "Die Alchemie der Unsterblichkeit"

Titel: Die Alchemie der Unsterblichkeit
Autor: Kerstin Pflieger
Verlag: Goldmann
Seitenzahl: 352
Preis: 12,00€
ISBN-10: 3442474833
ISBN-13: 978-3442474837
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Worum geht's?
Icherios Ceihn wünscht sich nichts sehnlicher, als endlich für das Stipendium eines Medizin-Studiums angenommen zu werden. Als ihm ein Freund und Kollege, Raban von Helmstatt, die Adresse eines mysteriösen Auftraggebers nennt, der seine Chancen erhöhen könnte, ist er hellauf begeistert. Schließlich würde er alles für seinen Traum tun! Dabei ahnt der junge Gelehrte nicht einmal ansatzweise, welchen Auftrag der schaurige Anselm von Freyberg für ihn parat hält: Er soll in die Stadt Dornfelde reisen, in die Tiefen des Schwarzwaldes, und eine grausige Mordserie aufklären, die bereits drei Opfer forderte – und für den Mörder scheint noch lange kein Ende in Sicht. Die größte Überraschung erwartet Icherios jedoch erst bei seiner Ankunft und zerstört sein ganzes Weltbild, denn die Bewohner Dornfeldes setzt sich nicht nur aus Menschen, sondern auch aus Werwölfen und Vampiren zusammen...

Kaufgrund:
Das Cover war der Hauptgrund, warum ich "Die Alchemie der Unsterblichkeit" unbedingt lesen wollte. Es war sozusagen Liebe auf den ersten Blick!

Meine Meinung:
Der Einstieg in Kerstin Pfliegers Debütroman "Die Alchemie der Unsterblichkeit" dürfte sich gar nicht als solchen bezeichnen, denn der Leser erhält keinerlei Möglichkeiten, sich mit den Charakteren und Situationen anzufreunden. Ab der ersten Seite befindet man sich mitten im Geschehen und begleitet Icherios auf dem Weg zu seinem mysteriösen neuen Arbeitgeber. Während des ersten Kapitels ist es kaum möglich, sich einen Reim auf die Geschehnisse zu machen, doch die Autorin lässt uns nicht lange im Dunkeln. Während die Geschichte voranschreitet, lässt sie stückchenweise Informationen über ihren Protagonisten und seine Vergangenheit in die Handlung einfließen. Bis zur letzten Seite erfährt der Leser so neue Wahrheiten rund um "Die Alchemie der Unsterblichkeit". Pflieger hält uns durch dieses puzzlehafte Zusammensetzen aller kleinen Häppchen bei Laune und sorgt dafür, dass wir das Buch nicht mehr zur Seite legen wollen.

Leider muss ich zugeben, dass mich die Vergangenheit von Icherios mehr interessierte als die eigentliche Frage: Wer ist der brutale Mörder? Die Autorin hat ihre Krimigeschichte durchaus spannend gestaltet und sich sichtlich Mühe gegeben, die Identität des Täters unter Verschluss zu halten. Sie hat viele nebensächliche Handlungsstränge und Andeutungen eingebaut, um ihre Leser selbst zum Denken anzuregen und ihn auf falsche Fährten zu locken. Ihre Hinweise waren mir jedoch zu offensichtlich und so wusste ich relativ früh, wer für die Morde verantwortlich ist. In dieser Hinsicht wurde ich enttäuscht, aber ich muss zugeben, dass mich dieser Fakt gar nicht so sehr stört! Das "Drumherum" gefiel mir so gut, ich würde "Die Alchemie der Unsterblichkeit" trotzdem jederzeit weiterempfehlen! Waschechte Krimifans seien an dieser Stelle gewarnt. Diejenigen, die nach einem lesenswerten und abwechslungsreichen Fantasy-Krimi-Mix suchen, sind hier an der richtigen Stelle!

Neben den Kapiteln zur Hauptgeschichte rund um Icherios, die zahlen- und zeilenmäßig selbstverständlich deutlich überlegen sind, gibt es ab und an kurze "Nebenkapitel", die sich als Monologe des Mörders herausstellen. Diese haben mir besonders gefallen, da man so einen Einblick in seine verdrehten Gedanken und Beweggründe erhält. Zum Ende hin werden diese Sequenzen immer brutaler und teuflischer, man wird sogar "Zeuge" einer seiner Morde. Die Autorin hat während dieser schockierenden Szene kein Blatt vor den Mund genommen und für einen echten Nervenkitzel gesorgt.

Während des gesamten Romans wird immer wieder deutlich, dass sich die Autorin ein Beispiel am Gruselklassiker "Sleepy Hollow" von Washington Irving genommen hat. Allein der Name des Protagonisten Icherios Ceihn ist eine unbestreitbare Hommage an Ichabod Crane. Aber nicht nur der Name, sondern auch die Charakterzüge sind sich nicht unähnlich – zumindest, wenn man ihn mit dem Ichabod der Tim Burton Verfilmung vergleicht. Und wem Ichabod sympathisch war, der wird Icherios mit seiner tollpatschigen und umgänglichen Art lieben! Zusammen mit seiner ständigen Begleitung, seiner süßen und intelligenten Ratte Maleficium, bildet es ein Gespann, von dem man mehr lesen möchte.

Die Nebencharaktere sind für mich das absolute Highlight des Romans. Jeder von ihnen so individuell und einmalig, dass man sich über jede neue Szene mit den Figuren freut, stets überrascht wird und man niemals Gefahr läuft, die Personen untereinander zu verwechseln – und bei der hohen Anzahl der Figuren ist das eine große Leistung! Egal, ob der Charakter auf der guten oder der bösen Seite steht, sie sind ihren Prinzipien entsprechend hervorragend gestaltet worden. Die Autorin lenkt uns mit unseren Gefühlen für die einzelnen Figuren genau dorthin, wo wir hin sollen: Wir fühlen und leiden mit den Guten und ächten die Bösen. Und Pflieger ist sich dessen sehr wohl bewusst! Sie scheut nicht davor zurück, selbst die größten Sympathieträger ihres Romans sterben zu lassen, um die Dramatik ins Unermessliche zu steigern. So sehr ich diesen Figuren auch nachtrauere, für diesen schwerwiegenden Aspekt muss Kerstin Pflieger einfach gelobt werden. Nicht viele Autoren trauen sich, diesen Schritt zu gehen!

Ja, viele Interessierte werden bei diesem Klappentext wieder Seufzen müssen. Schon wieder Werwölfe und Vampire? Hat der Markt mittlerweile nicht genug davon? Nein, von diesen hier sich nicht! Denn es handelt sich hierbei nicht um attraktive Frauenversteher, sondern um die knallharten Jungs (und Mädchen!), die genau so blutrünstig handeln können, wie man es von ihren Rassen eigentlich erwarten würde. Kerstin Pflieger räumt mit den Klischees auf und schafft authentische Blutsauger!

Cover:
Wunderbar! Großartig! Ein Meisterwerk! Ich könnte ewig so weiterschwärmen von diesem Cover. Es zeigt die Silhouette Icherios in den Wäldern um Dornfelde, mit all seinen unangenehmen Bewohnern. Aus den Schatten starren gierige, böse Augenpaare und übermitteln die mysteriöse und unheimliche Stimmung des Buches. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich trotzdem: Durch das Cover hätte ich den Roman für sanfter gehalten, als wäre es an jugendliche Leser gerichtet. Weit gefehlt!

Fazit:
"Die Alchemie der Unsterblichkeit" ist ein lesenswerter Fantasy-Krimi-Mix, der zwar nicht mit Tiefe in dem Krimipart glänzt, dafür aber umso mehr tolle Charaktere und einer mitreißende Geschichte aufweist. Für fortgeschrittene Krimileser ist der Start in diese neue Reihe nicht empfehlenswert, aber wer nach einer gelungenen Abwechslung zur sonstigen Fantasy- bzw. Krimilektüre sucht, dem sei dieser Roman ans Herz gelegt. Ich vergebe knappe 4 Lurche.


♥ Vielen Dank an den Goldmann Verlag für dieses Rezensionsexemplar! ♥

Über die Autorin:
Kerstin Pflieger wurde 1980 in eine Surferfamilie hineingeboren. Durch Reisen an die Küsten Europas, Afrikas und Asiens lernte sie unterschiedliche Kulturen und Denkweisen kennen. Nach dem Abitur studierte sie Biologie in Heidelberg und arbeitet unter anderem für ein Institut zur biologischen Stechmückenbekämpfung. Kerstin Pflieger lebt mit ihren Hunden im Landkreis Heilbronn.

Kommentare:

  1. Mal wieder eine sehr, sehr schöne Rezi (:

    LG ♥

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  2. ich finde auch das es eine sehr schöne rezi ist... gefällt mir sehr gut...
    lg angela

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