Rezension: "Wenn du mich siehst"

Titel: Wenn du mich siehst
Originaltitel: Hereafter
Autor: Tara Hudson
Verlag: Heyne fliegt
Seitenzahl: 352
Preis: 14,99€
ISBN-10: 3453267230
ISBN-13: 978-3453267237
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Worum geht's?
Amelia ist tot. Sie ist vom Wasser verschluckt worden und ertrunken. Doch das Leben nach dem Tod ist so gar nicht, wie sie es sich vorgestellt hat: Statt vor den Himmelstoren auf Einlass zu warten, wandelt sie als Geist noch immer auf Erden; in der Kleinstadt, in der sie starb. Qualvolle Albträume führen ihr ihren Tod immer wieder vor Augen, aber sonstige Erinnerungen an ihr früheres Leben hat Amelia nicht mehr. Wer war sie? Ist sie gesprungen, war es ein Unfall, wurde sie geschubst? Und überhaupt: Wie lange ist sie schon tot, wie lang ist sie schon allein? Gerade durchlebt sie wieder ihren Albtraum, als der junge Joshua einen Autounfall hat und in denselben Fluss stürzt, in dem Amelia damals ertrank. Völlig verzweifelt versucht Amelia, ihn zu retten, und das unmögliche geschieht: Sie kann ihn berühren, ihn wachrütteln und er nimmt sie wahr, kann sie sehen und hören! In letzter Sekunde entkommt Joshua dem Tod und von nun an ist das Schicksal der beiden unentwegt miteinander verwoben. Schon bald entwickeln das Geistermädchen und der Junge tiefe Gefühle füreinander. Zusammen beschließen sie, mehr über Amelias Vergangenheit herauszufinden. Noch ahnt niemand der beiden, dass sie damit zwei Feinde auf sich aufmerksam machen, die Amelia endgültig aus der Welt der Lebenden verbannen wollen...

Kaufgrund:
Es war die Inhaltsangabe des Verlags, die mich dazu brachte, Tara Hudsons Debütroman "Wenn du mich siehst" unbedingt lesen zu wollen. Eine Geistergeschichte, eine Liebe jenseits aller Vorstellungskraft, fernab von Mainstream - all diese Dinge habe ich mir vor dem Lesen von diesem Buch versprochen.

Meine Meinung:
Hudsons Debüt beginnt mitreißend, im wahrsten Sinne des Wortes: Joshua ist mit seinem Auto von der High Bridge gestürzt und sein lebloser Körper wird von den Fluten immer tiefer ins Wasser gerissen. Eine spannende und atemlose Rettungsaktion beginnt, die die Neugierde der Leser weckt. Als Amelia und Joshua sich näher kennenlernen, beginnt eine zarte Liebesgeschichte, die jedes Mädchenherz höher schlagen lassen würde - wenn sie nicht die Haupthandlung des Buches verdrängen und den Charakter eines nervenden Kitschromans einnehmen würde! So begeisternd "Wenn du mich siehst" auch beginnt, es kann dieses hohe Niveau bedauerlicherweise nicht halten. Amelias Gegenspieler kommen neben der ständig präsenten Romanze ebenfalls kaum zur Geltung. Was nach dem starken Anfang also folgt, ist eine anstrengende Liebe zwischen zwei Jugendlichen, die in den nächsten 200 Seiten ausgetreten wird.

Nachdem man sich gefühlte hundert Male durchgelesen hat, welch großes Feuer ihre innige Liebe entfacht und wie glücklich Amelia und Joshua darüber sind, sich gefunden zu haben, geht es dann auch endlich mit der Haupthandlung weiter. Ich konnte es kaum glauben, denn nach der mittlerweile nervenden Turtelei hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben. Dazu wurde ich noch positiv überrascht! Es kam tatsächlich eine mitreißende Spannung auf, die mich für die letzten hundert Seiten noch an das Buch fesselte. Im Großen und Ganzen ist das Ende von "Wenn du mich siehst" nicht überraschend, aber immerhin gibt es so nach dem viel versprechenden Anfang und dem enttäuschenden Mittelteil noch einen durchschnittlichen Abschluss.

Die Geschichte wird aus Amelias Sicht erzählt. Anfangs war ich von dieser Perspektive restlos begeistert! Durch Hudsons grandiosen und gefühlsbetonten Schreibstil wurde es zu einem wahren Leseschmaus, Amelias Gedanken zu folgen, ihren Ängsten zu lauschen und sich von der gesamten melancholischen Atmosphäre mitreißen zu lassen. Je weiter der Roman allerdings kam, je wichtiger Joshuas Rolle wurde, desto enttäuschter wurde ich. All das, wovon ich zu Beginn so fasziniert war, verblasste mehr und mehr und wurde durch kitschige Liebesbekundungen ersetzt. Warum Miss Hudson das getan hat, bleibt mir ein Rätsel! Selbst die romantische Beziehung zwischen Amelia und Joshua konnte sie dadurch nicht vertiefen; im Gegenteil: man belächelt die beiden lieber, als mitzuschwärmen.

Von allen Charakteren ist Amelia die einzige, die in irgendeiner Weise Ecken und Kanten besitzt und somit nicht komplett wie eine perfekte Puppe wirkt. Dies liegt jedoch nur daran, dass die Autorin uns an ihren zweifelnden Gedanken und Gefühlen teilhaben ließ. Denn in ihren Grundzügen ist Amelia genauso wie Joshua, nämlich wunderhübsch, intelligent und sowieso fehlerfrei. Mit solchen Figuren kann sich doch niemand identifizieren! Wie soll man sich auf völlig unnatürliche Charaktere einlassen und sich in sie hineinversetzen? Richtig: gar nicht!

Nebencharaktere gibt es in "Wenn du mich siehst" eigentlich gar nicht. Es handelt sich hier mehr um "Einwegpersonen", die nur dann auftauchen, wenn sie die Handlung vorantreiben müssen. Eli, ein weiterer Geist, und Ruth, Joshuas Großmutter, sind die einzigen nennenswerten Rollen neben den Protagonisten. Mit ihnen habe ich durch ihre authentische Art viel mehr anfangen können und sie somit zu meinen heimlichen Stars des Romans erklärt. Leider mussten auch sie mich enttäuschen: Während Ruths Handlungsstrang quasi ins Nichts verläuft, endet Elis zwar um einiges spektakulärer, aber nicht so, wie man meinen sollte.

Cover:
Das Cover ist wieder einmal so gestaltet worden, dass die junge weibliche Leserschaft angesprochen werden soll. Gehen wir die Liste einmal durch: Mädchengesicht? Check. Schöne Verzierungen? Check. Geheimnisvolles Bildelement? Check. Leider hat dieses Cover nichts individuelles, was andere Titelbilder nicht haben, und geht somit leider in der Masse unter. Immerhin wurde durch das Wasser ein Bezug zum Inhalt geschaffen...

Fazit:
"Wenn du mich siehst" ist ein typischer Jugendroman, bei dem die Grundidee stimmt, aber die Umsetzung fast völlig daneben ging. Die Charaktere sind zu perfekt, die Liebesgeschichte zu kitschig und die Handlung an sich hat viel zu wenig Höhen. Dabei hat Tara Hudson wirklich Talent: ihr Schreibstil und ihre innovativen Ideen haben mir ausgesprochen gut gefallen! Insgesamt vergebe ich daher leider nur gute 2 Lurche.


♥ Vielen Dank an den Heyne-Verlag für dieses Rezensionsexemplar! ♥

Über die Autorin:
Tara Hudson liebte schon in ihrer Kindheit Geistergeschichten, mit denen sie ihre Freunde um den Schlaf brachte. Nach einem Jurastudium erinnerte sie sich als Erwachsene wieder an diese besondere Gabe und machte daraus einen Beruf. "Wenn du mich siehst" ist ihr erster Roman. Tara Hudson lebt in Oklahoma.

Kommentare:

  1. Soll ja wirklich nicht so gut gewesen sein. Stand eigentlich recht weit auf meiner Wunschliste, aber na ja... da alle Rezension durchweg ziemlich schlecht ausfallen, werd ichs wohl nicht lesen.

    Liebe Grüße,
    Elle

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  2. Vom klappentext her klang das Buch für mich auch süßer interessant und mystische, aber etwas positivere Rezensionen konnte ich auch nicht finden :-( Ich hätte da auch mehr erwartet.. Schade.

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