Rezension: "Der Fluch von Scarborough Fair"

Titel: Der Fluch von Scarborough Fair
Originaltitel: Impossible
Autor: Nancy Werlin
Verlag: cbt
Seitenzahl: 384
Preis: 8,99€
ISBN-10: 3570307174
ISBN-13: 978-3570307175
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Worum geht's?
Lucy Scarborough wünscht sich nichts sehnlicher, als ein normales Leben führen zu können. Das ist allerdings gar nicht so leicht, wenn man ständig von der leiblichen Mutter verfolgt wird, die bei der eigenen Geburt verrückt geworden ist. Doch mit siebzehn Jahren soll sich Lucys Leben grundlegend ändern, als sie erfährt, was ihrer Mutter zugestoßen ist: Seit vielen Generationen liegt ein Fluch auf der Familie Scarborough. Er dafür sorgt, dass jede Frau mit achtzehn Jahren die Mutter einer Tochter wird und anschließend den Verstand verliert. Nur diejenige, die die drei Aufgaben aus der Ballade erfüllen kann, kann den Fluch brechen. Ihre Adoptiveltern Soledad und Leo und ihren besten Freund Zach an ihrer Seite, fasst Lucy den Entschluss, gegen ihr Schicksal anzukämpfen und die Rätsel zu lösen.

Kaufgrund:
Ich wurde durch das Cover auf diesen Roman aufmerksam, denn es war quasi "Liebe auf den ersten Blick"! Ich legte durch den aufregenden Klappentext große Hoffnungen in das Buch - und sollte nicht enttäuscht werden.

Meine Meinung:
"Der Fluch von Scarborough Fair" beginnt zaghaft, ruhig und beinahe unsicher. Während man die ersten Kapitel liest, kommt schnell ein bekanntes Gefühl auf: Ein Mädchen, das sich nur wünscht, normal zu sein; ein unabwendbares Schicksal; ein bester Freund aus Kindertagen, den das Mädchen plötzlich mit ganz anderen Augen sieht... Ja, in der breiten Masse des Genres sind solche Grundzüge nicht besonders innovativ. Umso neuer und kreativer ist dafür allerdings die Entwicklung der Geschichte. Sobald die "Kennenlernphase" abgeschlossen ist, ist "Der Fluch von Scarborough Fair" nicht mehr aufzuhalten.

Die Geschichte basiert auf der schottischen Ballade "The Elfin Knight". Die erste Idee zum Roman kam Nancy Werlin bereits 1997, aber erst jetzt fühlte sie sich dazu bereit, Lucys Geschichte niederzuschreiben. Die vielen Jahre, in denen Werlin die Handlung reifen ließ, haben ihr gut getan. Das Ergebnis kann man nun lesen: Eine perfekte Mischung aus einer berührenden, dramatischen Teenager-Tragödie und einer alten, mysteriösen Sage, mit der richtigen Priese Magie. "Der Fluch von Scarborough Fair" hat mich nach seinem zurückhaltenden Anfang so stark in den Bann gezogen, wie es selten ein Buch geschafft hat. Was so gewöhnlich beginnt, wird zu einem ganz außergewöhnlichen, tiefgründigen Abenteuer, das man so noch nicht gelesen hat. Auf einmal konnte ich nicht mehr mit dem Lesen aufhören, als hätte der Roman seinen ganz eigenen "Lese"Fluch auf mich angewandt. Die ursprünglichen Gedanken a la "Das kenne ich doch schon!" waren vom einen zum anderen Moment wie weggeblasen.

Bis zur letzten Seite steigert sich die Geschichte in jeglicher Hinsicht. Es wird immer spannender, emotionaler, dramatischer, bedrückender. Nach dem ständigen Hin und Her zwischen herzzerreißenden, liebevollen und aufregenden Szenen ist man als Leser selbst so mit Gefühlen überladen, dass man mit den Charakteren richtig mitfühlt und -leidet. Während der letzten Kapitel traut man sich dadurch fast nicht weiterzulesen, aus Angst, es könnte nicht so ausgehen, wie man es sich erhofft. Nancy Werlin ist ein dafür ein gut durchdachter Schluss gelungen, der die Geschichte großartig ausklingen lässt. Eine Fortsetzung halte ich jedoch für ausgeschlossen, da die großen Handlungsstränge allesamt abgeschlossen sind.

Lucy und Zach sind die beiden Hauptcharaktere. Während Lucy diejenige der beiden ist, die den schwierigsten Part übernehmen muss - schließlich ist sie es, die unter dem Fluch leidet -, ist Zach derjenige, der die Handlung am stärksten vorantreibt. Ihre Liebe zueinander stützt die beiden und gibt ihnen die Kraft, gegen den Fluch und das scheinbar unabwendbare Schicksal anzukämpfen. Hut ab vor so viel Charakterstärke; es ist unfassbar, wie viel Lucy und Zach durchstehen, ohne dabei komplett die Fassung zu verlieren. Auch unfassbar ist die enorme Entwicklung des Pärchens: Zu Beginn von "Der Fluch von Scarborough Fair" sind sie durchschnittliche Jugendliche, zum Schluss verantwortungsvolle Erwachsene. Aus Spoilergründen möchte ich hier nicht näher darauf eingehen, sondern die Worte wiederholen, die ich bereits zur Handlung gesagt habe: perfekt, außergewöhnlich, tiefgründig.

In Sachen Nebencharaktere habe ich kaum etwas zu meckern. Lucys liebevolle Adoptiveltern Soledad und Leo sowie ihre leibliche Mutter Miranda sind keine Anhängsel, sondern bemerkenswerte Figuren, die den Fortschritt der Handlung ebenso maßgeblich vorantreiben wie die Hauptcharaktere. Nancy Werlin schenkt ihnen genügend Aufmerksamkeit, sodass auch sie beweisen dürfen, welch faszinierende Personen hinter ihren Namen stecken.
Bloß die Rolle des Antagonisten hat mich ein wenig enttäuscht. Ich hätte mir mehr und vor allem ausdrucksstärkere Szenen gewünscht, aber leider erhält der Antagonist keine Möglichkeit, sich vollkommen zu entfalten. Schade drum, denn so blieb diese Rolle viel zu oberflächlich.

Die Autorin lässt ihre Geschichte aus der Sicht eines außenstehenden Erzählers beschreiben. Bei einer Story, die zum größten Teil auf Gefühlen aufbaut, hat mir diese Wahl nicht gefallen! Es ist Werlin zwar im Großen und Ganzen gut gelungen, die Emotionen ihrer Protagonisten nachvollziehbar darzustellen, aber es ist mir während des Lesens doch oft aufgefallen, wie ungünstig solch ein Erzähler in drastischen Situationen ist. Besonders in den Szenen, in denen Lucy ihre härtesten Schicksalsschläge erleiden muss, fühlt man sich als Leser so viel zu distanziert von der Figur.

Cover:
Das ist mal ein Cover ganz nach meinem Geschmack! Es ist nicht nur bildhübsch und ein absoluter Blickfang, nein, wer genau hinschaut erkennt sogar Bezüge zur Geschichte. Außerdem - ich kann es kaum fassen - ist endlich mal KEIN Mädchengesicht darauf zu erkennen... Ein großes Lob an die Grafiker, die es mit diesem Cover geschafft haben, Lucy und ihren Wunsch nach Freiheit so darzustellen, dass wir uns noch ein eigenes Bild von unserer Protagonistin machen können.

Fazit:
"Der Fluch von Scarborough Fair" ist ein besonderes Buch und hinterlässt einen bleibenden (positiven!) Eindruck. Nancy Werlin hat eine berührende und tragische Geschichte geschrieben, die durch ihre magischen Elemente zu einem packenden und speziellen Leseerlebnis wird. Die ein, zwei Makel haben mich kaum gestört, denn dafür hat mir das Gesamtpaket des Romans zu gut gefallen. Ich vergebe sehr gute 4 Lurche.


♥ Vielen Dank an den cbt-Verlag für dieses Rezensionsexemplar! ♥

Über die Autorin:
Nancy Werlin wurde in Peabody, Massachusetts, geboren. Sie hat in Yale Anglistik studiert und arbeitet heute als technische Redakteurin und als freie Jugendbuchautorin. 1999 erhielt sie den Edgar Award in der Kategorie bester Roman für Junge Erwachsene, 2006 wurde sie mit The Rules of Survival für den National Book Award nominiert. Nancy Werlin lebt in Boston.

Kommentare:

  1. Das Cover ist wirklich toll und gefällt mir sehr gut. Ich glaube, ich muss das Buch auch auf meine Wunschliste packen.

    Lg Favola

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  2. Eine schöne Rezension! Das Buch wandert gleich mal auf meiner Wunschliste etwas weiter nach oben :)

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