Rezension: "Sirenenfluch"

Titel: Sirenenfluch
Originaltitel: Siren's Storm
Autor: Lisa Papademetriou
Verlag: Loewe
Seitenzahl: 317
Preis: 12,95€
ISBN-10: 3785570481
ISBN-13: 978-3785570487
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Worum geht's?
Kaum ein Jahr ist vergangen, seit Wills Bruder Tim durch mysteriöse Umstände zu Tode kam. Obwohl Will dabei war, kann er sich an nichts erinnern. Mittlerweile hat nicht nur seine Familie, sondern auch die Polizei die Suche nach der Wahrheit aufgegeben...
Nun ist es Sommer und Wills beste Freundin Zoe ist mit ihrem Vater für die Ferienzeit nach Shelter Bay zurückgekehrt. Die Stimmung der beiden ist gedrückt, denn keiner von ihnen hat Tims Tod überwunden. Trotzdem versuchen sie einander eine Stütze zu sein. Doch dann taucht Asia, eine fremde und geheimnisvolle Schönheit, auf der keinen Insel auf. Mit ihrer lieblichen Art und ihrer verführerischen Stimme bringt sie jeden Mann dazu, zu tun, was sie will. Auch Will fühlt sich ab dem ersten Moment zu ihr hingezogen. Zoe jedoch bleibt misstrauisch, denn mit Asia kommt das Grauen in die Stadt...

Kaufgrund:
Im Klappentext wird mit einer aufregenden Geschichte geworben, die sich nicht mit Vampiren und Werwölfen, sondern mit bildhübschen Sirenen beschäftigt. Nach Tanja Heitmanns Novelle "Sirenenlied" war ich neugierig darauf, wie Lisa Papademetriou mit der Thematik umgehen würde.

Meine Meinung:
Die schöne Insel Shelter Bay zieht nicht nur die Aufmerksamkeit vieler Touristen auf sich, auch gefährliche Wesen tummeln sich auf ihr. Sie haben ein bestimmtes Ziel vor Augen und scheuen kein Opfer, um es zu erreichen. Was sich so spannend anhört, ist leider nicht so aufregend umgesetzt worden. Im Grunde ist die Handlung von "Sirenenfluch" ein ständiges Auf und Ab, denn obwohl es einige interessante und vielversprechende Momente gibt, werden diese ständig durch langatmigen Alltags-Szenen unterbrochen oder von ihnen abgelöst. Kaum kommt man in den Lesefluss, wird man auch schon wieder aus ihm herausgezogen. Leider wird der ganze Roman dadurch sehr zäh. Schade, denn die wirklich spannenden Kapitel haben mir ausgesprochen gut gefallen!

Das Ende von "Sirenenfluch" hat mich dagegen maßlos enttäuscht. Es macht den Eindruck, als hätte Papademetriou selbst den Überblick über ihre Geschichte verloren. Nach der großen Auflösung wird man mit komplizierten und wirren neuen Handlungssträngen beworfen, mit denen man nicht recht umzugehen weiß. Die Autorin scheint mit aller Macht versuchen zu wollen, in ihren Lesern die Neugierde auf den Folgeteil zu wecken. Das hätte sie besser sein gelassen, denn so hinterlässt "Sirenenfluch" in meinem Kopf Stichworte wie "gedrungen" oder "verworren", und nicht "Wo bleibt die Fortsetzung?".

Papademetriou beschränkt sich nicht auf einen einzelnen Protagonisten, sondern bietet ihrer Lesern gleich ein sympathisches Protagonistenpärchen: der eher zurückhaltende, nachdenkliche Will und die extrovertiere, spontane Zoe. Obwohl man es im ersten Moment nicht erwarten würde, sind die beiden seit ihrer frühsten Kindheit die besten Freunde - aber Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an! Zoe und Will durchlaufen ganz getreu dem Motto "typisch Teenie" die schwierigsten Phasen des Erwachsenwerdens. Der Autorin ist es dabei gelungen, die Handlungen und Gefühle realistisch darzustellen, sodass man sich leicht in die beiden hineinversetzen kann. Der große Kontrast zwischen den Hauptfiguren ist ein enormer Pluspunkt. Egal, ob man als Leser mehr der ruhige oder impulsive Typ ist - mit einem der beiden Protagonisten kann man sich auf jeden Fall identifizieren.

Bis auf die geheimnisvolle Schönheit Asia bleiben die Nebencharaktere viel zu stark im Hintergrund. Sie bekommen noch nicht einmal die Gelegenheit, ihr eigenes Potenzial entfalten zu dürfen. Dieser Fakt hat mich besonders an der Figur Kirk Worstler gestört. Von allen in Shelter Bay wird er bloß als bedauernswerter Irrer abgestempelt, dabei steckt hinter seinem merkwürdigen Verhalten eine dramatische und tragische Geschichte. Papademetriou webt seine familiäre Vergangenheit zwar mit in die Handlung ein, aber Kirk als Charakter kommt nur einen sehr geringen Teil der Aufmerksamkeit, die er eigentlich verdient hätte.

Erfrischenderweise beschreibt die Autorin die Geschichte aus der Sicht eines außenstehenden, auktorialen Erzählers und nicht aus der Ich-Perspektive, wie es die meisten anderen Autoren des Genres tun. Durch die Wahl dieses Erzählers und ihren leichten, lockeren Schreibstil gelingt es Papademetriou, die "frische Brise" aus Shelter Bay direkt in die Köpfe ihrer Leser zu bringen.

Ein Kapitel in "Sirenenfluch" besteht fast ausschließlich aus Logbucheinträgen eines Kapitäns - mein absolutes Highlight des Romans! Durch diesen ausführlichen und emotionalen Bericht erhält man durch die Augen des Kapitäns eine ganz neue Sichtweise auf den bisherigen Verlauf des Geschehens. In ihrer Danksagung bezeichnet die Autorin dieses Kapitel als "Hommage an Bram Stokers 'Dracula'" und genau so kann man es sich auch vorstellen. Wunderbar gemacht!

Cover:
Leider ist das Cover nicht besonders aussagekräftig oder individuell, da können weder der schöne Hintergrund noch die wässrigen Effekte viel mehr herausholen. Ein klarer Fall von "hübsch, aber nicht viel dahinter".

Fazit:
"Sirenenfluch" ist ein amüsantes Jugendbuch für Zwischendurch, bietet aber nicht mehr als eine kurzweilige Unterhaltung. Die Hauptfiguren können zwar überzeugen, nehmen aber einen zu zentralen Platz in der durchsichtigen Handlung ein. Schade, dass Lisa Papademetriou ihren starken Nebencharakteren so wenig Beachtung geschenkt hat. Insgesamt vergebe ich 3 Lurche.


♥ Vielen Dank an den Loewe-Verlag für dieses Rezensionsexemplar! ♥

Über die Autorin:
Lisa Papademetriou hat bereits mehrere Jugendbücher veröffentlicht. Sie lebt mit Mann, Tochter und Hund in Massachusetts und arbeitet derzeit an der Fortsetzung von "Sirenenfluch".

1 Kommentar:

  1. Hallöchen,

    ich konnte dem Buch auch leider nur 3 Punkte geben, hatte in etwa dieselben Probleme wie du. Es zog sich teilweise wirklich, wobei ich aber sagen muss, dass mir persönlich das Ende gefallen hat.
    Auch wenn Band 1 durchwachsen war, möchte ich Band 2 gerne lesen, weil ich Will doch recht sympathisch fand und ich auch gerne so etwas wie eine Auflösung haben will.
    die Logbucheinträge mochte ich auch!

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