Rezension: "Wired"

Titel: Wired
Originaltitel: Wired
Autor: Robin Wasserman
Verlag: Script5
Seitenzahl: 379
Preis: 16,90€
ISBN-10: 3839001153
ISBN-13: 978-3839001158
Kaufen bei:
Worum geht's?
Lia ist nach Hause zurückgekehrt, so wie es sich ihr Vater gewünscht hat. Nun arbeitet sie für BioMax, quasi als Aushängeschild, als Werbegesicht, und setzt sich für ein geregeltes und glückliches Leben zwischen Orgs und Mechs ein. Als sich die ersten Erfolge zeigen, wird Lia plötzlich mit Wahrheiten konfrontiert, die alles zerstören, an das sie je glaubte. Weder ihre engsten Freunde noch ihre Familie sind die, die für die sie sich ausgeben. Ihr Unfall, ihr Tod, verlief nicht so, wie man es ihr erzählte. Hin- und hergerissen zwischen Tatsachen und Behauptungen, weiß Lia nicht mehr, wem sie noch trauen kann - und darf. Denn jemand hat es auf die Mechs abgesehen und damit begonnen, jeden von ihnen systematisch auszurotten...

Kaufgrund:
Robin Wasserman hat in ihren ersten beiden Büchern über Lia Kahn ihr Schreibtalent mehr als deutlich unter Beweis gestellt. Ob sie es wohl schaffen würde, ihre Trilogie genauso grandios abzuschließen, wie sie begonnen hatte? Gespannt begann ich zu lesen.

Meine Meinung:
Im Gegensatz zu "Crashed", indem die Autorin ihre Leser ohne jegliche Erläuterung ins kalte Wasser warf, findet man sich in "Wired" auch trotz langer Lesepause zwischen den Bänden schnell zurecht. Immer wieder lässt Robin Wasserman die bisherigen Ereignisse aus den zwei Vorgängern Revue passieren, sodass Fragen überhaupt gar nicht erst aufkommen. Durch diese teilweise sehr langen Wiederholungen zieht sich der Beginn des Romans allerdings etwas in die Länge. Während ich anfangs der Überzeugung war, Wasserman hätte bereits hier mehr Spannung einbauen können, wurde ich spätestens ab dem zweiten Drittel eines besseren belehrt. Der Anfang war bloß die Ruhe vor dem Sturm.

Kaum erhält die Geschichte die Chance, an Fahrt zu gewinnen, reißt sie Spannung, Dramatik und Tragik an sich. Ein unerwartetes Ereignis folgt auf das nächste, die Schicksale überschlagen sich, aufregende Geschehnisse jagen einander hinterher. Lügen werden aufgedeckt, sicher geglaubte Tatsachen widerlegt, Vertrautes wird zur Bedrohung. Beim Lesen habe ich sogar die Zeit vergessen, so sehr hat mich das letzte Abenteuer von Lia mitgerissen. Robin Wasserman hat eine grandiose Geschichte geschrieben, die jeden ihrer Leser zum Nachdenken animieren wird.

Auch der letzte Band der Reihe wird aus Lias Sicht erzählt. Die Mech ist noch immer dieselbe, die wir in "Skinned" kennenlernen durften; eine selbstbewusste, sarkastische und mutige junge Frau, die sich stets für ihre Prinzipien einsetzt. Man merkt ihr dennoch an, wie sie sich im Verlauf der Trilogie verändert hat; sie ist reifer und erwachsener geworden. Mittlerweile scheint sie sich sogar mit ihrem Schicksal mehr oder weniger abgefunden zu haben, statt ihrem menschlichen Dasein nachzutrauern. Als sie von all den schrecklichen Geheimnissen erfährt, die ihre Mitmenschen (und Mit"mechs") vor ihr zu verstecken versuchten, bleibt sie standhaft. Lia wird nicht zur Rebellin, wie sie es in "Crashed" noch getan hätte.

An dieser Stelle möchte ich besonders hervorheben, wie großartig es Robin Wasserman gelungen ist, einen schwierigen Charakter wie Lia authentisch zu gestalten. Lia beschreibt die Welt um sich herum nüchtern, distanziert, so wie es eine Mech tun sollte. Trotzdem werden ihre eigenen Gedanken und Gefühle - wenn auch in einer merkwürdigen, kalten Weise - deutlich und nachvollziehbar dargestellt. In Wassermans Trilogie stellen sich die Menschen die Frage, ob und wie Mechs tatsächlich leben, denken, fühlen können. Durch Lia ist es der Autorin gelungen, diese Frage realistisch zu beantworten.

Die Nebencharaktere sind ebenso verblüffend wie die Handlung. Viele Figuren, die beinahe schon in Vergessenheit geraten sind, kommen zurück und bringen wichtige neue Erkenntnisse ein. Sie zeigen neue Facetten an sich, beweisen, dass Nebencharaktere ebenso große Entwicklungen vollziehen können wie Hauptcharaktere. Aber auch bekanntere Nebenfiguren treiben den Handlungsstrang entscheidend voran und müssen sich sicherlich nicht vorwerfen lassen, sie würden neben der Protagonisten untergehen.

Das Ende ist eine Sache für sich: erschreckend, ernüchternd und überwältigend zugleich. Bis zur letzten Seite wollte ich es nicht glauben, dass es sich hierbei wirklich um den letzten Roman der Reihe handelt. Zu viele offene und ungeklärte Fragen bleiben zurück. Ich bin mir sicher, dass die meisten Leser mit diesem Abschluss der Trilogie ihre Probleme haben werden. Es ist nicht das, nicht einmal ansatzweise, was man erwartet hätte. Ich für meinen Teil hingegen bin begeistert, einfach sprachlos. "Wired" liefert ein Ende, das man nie vergessen wird.

Cover:
Das Cover von "Wired" passt genau zu seinen zwei Vorgängern und macht seine Zugehörigkeit auf den ersten Blick deutlich. Noch immer fehlt mir der konkrete Bezug zum Inhalt des Romans, aber hübsch anzusehen ist es dennoch.

Fazit:
"Wired" hat mich umgehauen. Nach "Skinned" und "Crashed" habe ich nicht damit gerechnet, dass es Robin Wasserman tatsächlich gelingen sollte, ihren (selbst extrem hoch gesetzten) Maßstab noch einmal zu überbieten. Ein grandioser Abschluss einer noch viel grandioseren Trilogie... Ich vergebe 5 Lurche!


♥ Vielen Dank an den Script5-Verlag für dieses Rezensionsexemplar! ♥

Über die Autorin:
Robin Wasserman arbeitete als Lektorin, bis sie das Schreiben zum Beruf machte. Sie wohnte einige Zeit in Los Angeles, bevor sie merkte, dass sie trotz Strand und Sonne den Lärm und die Bagels von New York vermisste. Heute lebt sie in ihrer Lieblingsstadt und schreibt Bücher für junge Erwachsene.

1 Kommentar:

legal notice. based on design by Charming Templates.