Rezension: "Die Insel der besonderen Kinder"

Titel:Die Insel der besonderen Kinder
Originaltitel: Miss Peregrine's Home for Peculiar Children
AutorIn: Ransom Riggs
ÜbersetzerIn: Silvia Kinkel
Verlag: Pan
Seitenzahl: 416
Preis: 16,99€
ISBN-10: 3426283689
ISBN-13: 978-3426283684
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Worum geht's?
Als Jakob noch ein kleiner, unwissender Junge war, war sein Großvater sein größtes Vorbild. Niemand auf der Welt hat so viele unglaubliche Dinge erlebt wie Abraham: Er musste aus seiner Heimat fliehen und seine Familie verlassen, weil ihn grausame Monster verfolgten. Auf einer grünen Insel fand er Zuflucht in einem Waisenhaus, das besondere Kinder mit außergewöhnlichen Fähigkeiten beherbergte. Ein Junge, in dem Bienen lebten, wohnte dort, und auch ein Mädchen, das so leicht war, dass es davonflog, wenn man es nicht mit einem Band um den Bauch am Boden hielt. Neugierig lauschte Jakob den Erzählungen seines Großvaters, und mit jedem Wort wuchs sein Wunsch, einmal ein großer Entdecker zu werden.
Nun, als sechszehnjähriger, junger Mann ist ihm natürlich bewusst, dass all diese Geschichten bloß erfunden waren. Es waren die Hirngespinste eines alten Mannes, der den Verlust seiner Familie und die Judenverfolgung nie verarbeiten konnte. Als er eines Tages einen Anruf seines Großvaters erhält, in welchem er verzweifelt beteuert, die Monster wären zurück, kann er nur müde den Kopf schütteln. Doch als Jakob das Haus seines Großpapas erreicht, ist es bereits zu spät. Schwerverletzt stirbt Abraham in seinen Armen. Völlig traumatisiert fasst Jakob den Entschluss, den letzten Worten seines Großvaters noch einmal Vertrauen zu schenken, und reist zu jener Insel, auf der sich das Waisenhaus befunden haben soll...

Kaufgrund:
Das Cover bloß anzuschauen hat gereicht, um mich augenblicklich von diesem Roman zu überzeugen. Und dann noch der viel versprechende Klappentext... Hach! Diesmal sollte mich meine Liebe auf den ersten Blick nicht enttäuschen!

Meine Meinung:
Eine sonderbare Geschichte ist es, die sich hinter dem Titel „Die Insel der besonderen Kinder“ versteckt. Wundersam, ungewöhnlich und kurios – eben ganz „besonders“. Es ist nicht möglich, sich von ihr nicht in den Bann ziehen zu lassen. Sie fesselt ihre Leser mit einer überwältigenden Intensität; man wird es nicht glauben, wenn man sie nicht am eigenen Leibe spürt. Man wird immer wieder überrascht, bis die eigene Neugierde ins Unermessliche gewachsen ist und man in einen Leserausch verfällt, der einen alles um sich herum vergessen lässt. Kaum hat man einen neuen Anhaltspunkt gefunden, steht man vor der bedeutenden Frage: Was ist nun wahr, was ein Hirngespinst? Das dringende Bedürfnis, eine Antwort darauf zu finden, hat Ransom Riggs schamlos ausgenutzt, um uns einige Male in die Irre zu leiten – oder doch, um eine schockierende Wendung in seinen Handlunsstrang zu flechten? Um diese Rezension möglichst spoilerfrei zu halten, möchte ich nicht näher auf die genauen Themen eingehen. Eines sei aber gesagt: „Die Insel der besonderen Kinder“ ist ein absolutes Must-Read, das jeder mit einer Vorliebe für das Übersinnliche gelesen haben sollte.

Zwischen den zwei Buchdeckeln findet sich nicht nur eine großartige Handlung, auch eine große Vielzahl von alten und mysteriösen, fast schon unheimlichen Fotos ist dort zu bewundern. Ransom Riggs hat diese Bilder mit großer Sorgfalt und viel Mühe zusammengesucht – ja, es handelt sich tatsächlich um echte Aufnahmen! -, als hätte er befürchtet, seine Geschichte brauche einen bildhaften Gefährten. Ich weiß nicht, ob Riggs erst die Fotos hatte, und dann die Story durchdachte, oder ob es genau andersherum war. Fakt ist jedoch, dass sie „Die Insel der besonderen Kinder“ durch ihr perfektes Zusammenspiel zu einem unvergesslichen Buch machen. Während des Lesens wurde mir erschreckend häufig bewusst, wie realistisch der Roman durch die Bilder ist. Es scheint, als wäre die Geschichte tatsächlich so geschehen, als wäre sie aus dem Leben gegriffen. Nach einigen Aufnahmen musste ich sogar eine kleine Verschnaufspause machen, weil sie einen eiskalten Schauer über meinen Rücken laufen ließen. Ja, Ransom Riggs hat die Emotionen seiner Leser unter Kontrolle, wenn sie sein Buch lesen. Und er genießt es, mit Angst und Schrecken, aber auch mit Neugierde und Zuneigung zu spielen.

Das Ende der Geschichte hat mich sehr überrascht, denn mit solch einem offenen Abschluss hätte ich nicht gerechnet. Leider habe ich bisher nicht in Erfahrung bringen können, ob der Autor eine Fortsetzung des Romans plant oder nicht. Nun ja, „Die Insel der besonderen Kinder“ lässt uns zumindest stark darauf hoffen!

Protagonist Jakob beschreibt die Geschichte aus seiner Sicht. Schnell konnte ich den durchschnittlichen, normalen jungen Mann mit seiner selbstironischen Art in mein Herz schließen. Durch die abenteurlichen Erzählungen seines Großvaters angeregt, wollte Jakob als kleiner Junge ein bedeutender Entdecker werden. Mit der Zeit wurde diese kindliche Albernheit schnell vergessen, die Berichte seines Opas als Fantasien eines verwirrten alten Herren abgestempelt. Erst nach dessen Tod, als Jakob sich auf die Suche nach dem alten Waisenhaus seines Großvaters macht, kommt sein Entdeckergeist wieder zu Tage. Der Sechszehnjährige ist ein mutiger, verantwortungsvoller junger Mann, der sich nicht schnell unterkriegen lässt. Enttäuschungen und Rückschläge lassen ihn nur kurzweilig verharren, ehe er sich erneut aufrappelt und sein Ziel weiterverfolgt. Durch sein Abenteuer wird er zu einem reifen, erwachsenen Mann. Äußerlich merkt man ihm seinen Werdegang vielleicht nicht an, aber als Leser spürt man ihn durch die persönliche Erzählweise umso stärker. Jakob auf seiner Nachforschungsreise zu begleiten, hat mir unheimlich viel Spaß gemacht. Auf so einen sympathischen, authentischen Protagonisten trifft man selten!

Was für Nebencharaktere! Wenn Ransom Riggs es mit ihnen nicht richtig gemacht hat, dann hat es niemand. Alle Figuren sind so individuell, ausgewogen und facettenreich gestaltet worden, dass man sich an ihnen einfach nicht sattlesen kann. Dies ist zugleich mein einziger Kritikpunkt: Trotz der großen Aufmerksamkeit, die jeder Nebencharakter erhält, kamen sie immer noch zu kurz. Jede dieser „besonderen“ Figuren hätten die Rolle des Hauptcharakters verdient. Lieber Mister Riggs, dass sie ihre Charaktere ZU interessant gemacht haben, verzeihe ich Ihnen nur, wenn Sie endlich an einer Fortsetzung schreiben!

Cover:
Auf dem Cover ist eines der besonderen Kinder zu sehen. Durch die düstere Gestaltung wird die gruselige Atmosphäre des Romans grandios eingefangen! Wer sich von diesem Titelbild nicht sofort angesprochen fühlt und neugierig zugreift, weiß wahre Kunst nicht zu schätzen.

Fazit:
„Die Insel der besonderen Kinder“ ist ein ganz „besonderes“ Buch, eines der großartigsten Must-Reads des Jahres 2011. Mit einer atemberaubenden Geschichte, umwerfenden Charakteren und der realistischen Gestaltung durch die Fotos konnte mich Ransom Riggs von der ersten bis zur letzten Seite begeistern. Einziges Manko: 400 Seiten waren für diesen Roman viel zu knapp! In großer Hoffnung auf eine Fortsetzung vergebe ich ganze 5 Lurche.


♥ Vielen Dank an den Pan-Verlag für dieses Rezensionsexemplar! ♥

Über den Autor:
Ransom Riggs wuchs in einem kleinen Fischerdorf im südlichen Florida auf, einer Region, in der sich viele Amerikaner zur Ruhe setzen. Um nicht vor Langeweile zu sterben, begann er, in Musikbands zu spielen und mit seinen Freunden Filme zu drehen. Später studierte er in Ohio und Los Angeles Literatur und Filmproduktion. Ransom Riggs dreht heute Werbefilme für Firmen wie Absolut Vodka und Nissan und arbeitet als Drehbuchautor, Journalist und Fotograf. Mehr Informationen finden sich auf seiner Website: www.ransomriggs.com

Kommentare:

  1. Na das nenne ich mal eine begeisterte Rezension. Ich überlege mir schon lange, ob ich das Buch kaufen soll oder nicht, aber es hört sich fast so an, als müsste ich es bald bestellen...

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  2. @Stefanie: Nicht bald, sondern sofort! "Die Insel der besonderen Kinder" ist ein absolutes Muss, du wirst begeistert sein! :)

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  3. Hallo Leselurch,

    nun bei deiner begeisterten Rezi muss ich mir das Buch , glaube ich jetzt wirklich auch mal zu legen.

    LG..starone...

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  4. Hey, nach diesel rezi were ich das buch whole such mal lesen!

    Lg

    buchheldin alias prim ;)

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  5. ...und meine tastatur spinnt...

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  6. Das Buch fand ich auch Super... Mittlerweile sind es ja schon drei geworden, wobei es erst die ersten beiden auf deutsch gibt. In NL kommt der dritte Band im Januar raus, dann werde ich sie alle (nochmal) hintereinander weglesen.
    (die dt. Rechtschreibung ist nicht gerade meine Stärke...)

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