Rezension: "Ewiglich die Sehnsucht"

Titel: Ewiglich die Sehnsucht
Originaltitel: Everneath
AutorIn: Brodi Ashton
ÜbersetzerIn: Ulrike Wasel, Klaus Timmerman
Verlag: Oetinger
Seitenzahl: 379
Preis: 17,95€
ISBN-10: 3789130400
ISBN-13: 978-3789130403
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Worum geht's?
Nikkis Schmerz war unerträglich. Nur deshalb ist dem Ewiglichen Cole in die Unterwelt gefolgt. Nur deshalb hat sie sich dazu entschlossen, Cole mit ihren Emotionen zu nähren und selbst alles zu vergessen. Alles und jeden, bis auf Jack, ihre große Liebe. 100 Jahre verbrachte Nikki im Ewigseits, doch mit ihren Gedanken war sie stets bei ihm. Nun ist die Nährung vollendet und Nikki erhält die Chance, noch einmal in die Oberwelt zu reisen, sich zu verabschieden - und Jack noch einmal wiederzusehen. Sie hat sechs Monate Zeit, ehe die Schatten sie wieder in die Unterwelt ziehen. Endgültig.

Kaufgrund:
An "Ewiglich die Sehnsucht" konnte und wollte ich nicht vorbeisehen. Schon lange habe ich diesen Roman auf meiner Wunschliste stehen und nun, endlich, konnte ich ihn lesen!

Meine Meinung:
Brodi Ashtons Buch "Ewiglich die Sehnsucht" ist ihr Jugendbuchdebüt und zugleich der Auftakt einer Trilogie. Es fängt eher durchschnittlich an, steigert sich aber rapide und kann mit einem grandiosen Ende hohe Erwartungen für die zwei Folgeteile setzt. Die Geschichte um Nikki beginnt sehr verhalten und verwirrend; genauso wie die erinnerungslose Nikki steht man völlig ohne Informationen vor einem riesigen Berg von Fragen. Man wird nur sehr langsam und sporadisch mit Neuigkeiten versorgt. Das und die interessante Struktur der Autorin - sie wechselt oft zwischen Vergangenheit und Gegenwart - weckt schnell das Interesse. Durch eine ordentliche Portion Spannung und einige unerwartete Wendungen entwickelt sich "Ewiglich die Sehnsucht" zu einem waschechten Pageturner - aber erst ab der zweiten Hälfte! Trotz des packenden Einstiegs empfand ich die ersten 200 Seiten eher als trist, als zu durchschaubar.

Bei "Ewiglich die Sehnsucht" handelt es sich um eine modernisierte Neuerzählung des Mythos um "Orpheus und Eurydike", hat aber sonst nur wenig mit der griechischen Mythologie gemein. Weder die verschiedenen Gottheiten, noch sonstige mythische Erzählungen spielen eine Rolle. Bloß die Unterwelt knüpft "Ewiglich die Sehnsucht" noch etwas enger an das griechische Vorbild, auch wenn Ashtons Version kaum dem Hades entspricht. Fans von "Göttlich verdammt" werden in diesem Roman also keinen Ersatz finden, denn dafür kommt die Mythologie (leider) viel zu kurz!

Mit Protagonistin Nikki, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, konnte ich leider nicht viel anfangen. Sicherlich ist sie eine liebevolle und sympathische Hauptfigur, aber ich konnte schlicht und ergreifend keinen Draht zu ihr aufbauen oder mich mit ihr identifizieren. Das lag vor allem an ihrer viel zu stereotypen Art, die man schon von anderen Protagonistinnen kennt: Sie ist das wunderschöne, zurückhaltende Mädchen, das eine schreckliche Vergangenheit hinter sich hat und für den beliebtesten Jungen der Schule schwärmt. Ja, das kommt einigen Viellesern sicherlich bekannt vor. Nikkis harte Vergangenheit und ihre Auswirkungen sind realistisch und haben mein Mitgefühl geweckt, aber ansonsten habe ich oft den Kopf geschüttelt. Einige ihrer Handlungen waren für mich entweder zu klischeehaft, oder sogar gar nicht erst nachvollziehbar.

Bei den Nebencharakteren verhielt es sich ähnlich. Auch sie waren bloß "nett" und blieben mir viel zu blass, zu oberflächlich, zu rund. Besonders den beiden Jungs Jack und Cole hätten mehr Kanten gut gestanden. Aber statt sie mit ein paar Fehlerchen zu gestalten, um sie authentischer wirken zu lassen, hat sich Ashton lieber dafür entschieden, beide zu perfekten jungen Männern zu machen. Während Jack die Rolle des Helden übernimmt, der alles für seine Liebe tun würde, ist Cole der rebellische Musiker, der voll und ganz auf das Motto "Harte Schale, weicher Kern" zugeschnitten ist. Alles scheint wieder einmal auf eine "Team"-Bildung (Bist du Team Jack oder Team Cole?) hinauszulaufen. Andere Nebencharaktere (neben den obligatorischen Teilnehmern am Liebesdreieck) gibt es zwar, sind aber nicht weiter erwähnenswert. Schade! Nikkis ehemals beste Freundin Jules habe ich auf Anhieb gemocht, aber leider hat ihr Brodi Ashton kaum Beachtung geschenkt.

Die Liebesgeschichte in "Ewiglich die Sehnsucht" hat mir gut gefallen, auch wenn es Unstimmigkeiten gab. Wie in vielen anderen Büchern des Genres wird auch hier nicht klar, wieso und weshalb sich Nikki und Jack lieben. Betrachtet man die Charaktere und ihre Persönlichkeiten näher, kommt man auch nicht recht auf die Hintergründe ihrer Verbundenheit. Obwohl mich solche Dinge eigentlich sehr stören, sehe ich diesmal gerne darüber hinweg, denn Ashton hat mich zum "mitlieben" gebracht. Sie beschreibt die Liebesszenen so emotional, so persönlich, dass man die innige Verbindungen zwischen Nikki und Jack am eigenen Leib zu spüren bekommt. Mitfühlen, mitleiden, mitschwärmen, mitweinen - für Lovestory-Fans ist "Ewiglich die Sehnsucht" genau das Richtige! Auch wenn mich Nikki und Jack als einzelne Personen nicht besonders begeistern konnten, in dieser Kombination sind sie unschlagbar!

Cover:
Oben hui, unten pfui! Nunja, das mag nun etwas hart ausgedrückt sein, trifft es aber auf den Punkt genau. Die gesamte Covergestaltung gefällt mir insgesamt ausgesprochen gut: Die Idee mit dem Granatapfel, die wunderschöne Schrift, der schlichte Hintergrund...Wäre da nicht wieder dieses Mädchengesicht!

Fazit:
"Ewiglich die Sehnsucht" von Brodi Ashton hat mich leider nicht so stark vom Hocker gehauen, wie ich es mir erhofft hatte. Die Charaktere sind zu stereotyp und die Mythologie kam definitiv viel zu kurz. Nichtsdestotrotz hat mir der Roman schöne Lesestunden beschert - vor allem durch die starken Emotionen! Wer also gerne Liebesgeschichten liest, greift mit diesem Trilogie-Auftakt zum richtigen Buch! Ich vergebe sehr gute 3 Lurche.


♥ Vielen Dank an Oetinger für dieses Rezensionsexemplar! ♥

Über die Autorin:
Brodi Ashton studierte Journalismus an der Universität Utah und erwarb einen Master im Fach Internationale Beziehungen an der London School of Economics. Sie ist Mutter von zwei Söhnen, lebt mit ihrer Familie in Utah und erzählt über sich, ihr Leben und das Abenteuer, Autorin zu sein, in ihrem Blog brodiashton.blogspot.com. Die Trilogie »Ewiglich« ist ihre erste Buchveröffentlichung für junge Erwachsene, »Ewiglich die Sehnsucht« der erste Teil davon. Die Geschichte ist von der griechischen Mythologie um Persephone, Tochter des Zeus und der Demeter, inspiriert, jedoch in einer modernen Highschool angesiedelt.

Kommentare:

  1. Sehr treffende Rezension. Mir ging es ähnlich. Hier und da ganz gute Momente, aber so insgesammt eher nicht so innovativ.

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  2. Dankeschön! Es freut mich, dass mir da jemand zustimmt. Bei den ganzen positiven Bewertungen habe ich mich über meine Meinung ehrlich gesagt ein wenig erschrocken :D

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  3. Ich hab mich auch gewundert, dass sehr viele das Buch direkt so grandios finden.

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  4. Schöne Rezi! Ich gehöre zwar zu den begeisterten Lesern, kann deine Kritikpunkte aber nachvollziehen. Ich hatte mir Ewiglich spontan gekauft und gleich gelesen. Ich war sofort gefesselt und kaum verwirrt (ich fand es eher spannend) und fühlte mich eben sehr gut unterhalten. Da habe ich auf die Steotypen überhaupt nicht so sehr geachtet (was ich auch oft bemängele). Aber jetzt wo du es sagst: so richtig weiß ich auch gar nicht mehr, warum Nikki und Jack sich verliebt haben. *Grübbel* :)

    LG Reni

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  5. Wirklich gute Rezension mit nachvollziehbaren Aspekten.

    Mich hat das Buch mehr begeistert. Deine Kritikpunkte kann ich jedoch teilweise nachvollziehen. Die Verwirrung ist zu Beginn sehr groß, weil man quasi mitten ins Geschehen geschmissen wird. So hatte ich das Gefühl, dass einige Seiten einfach vorab weggelassen wurden. Aber die Entwicklung hat mich dann überzeugt.

    Die Liebe zwischen Nikki und Jack hat mich auch mit dem Verlauf der Geschichte mehr für sich eingenommen. Zu Beginn habe ich mich einfach sehr oft gefragt, was Jack an Nikki findet.

    LG,
    Sandy

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  6. @Reni: Siehst du mal :D Ich hatte wegen meinem Unistress viele Lesepausen zwischendurch, in denen ich über das Buch nachdenken konnte. Wenn man ein Buch nicht "in einem Rutsch" liest, fallen einem solche Sachen wie die stereotypen Charaktere viel eher auf, denke ich. :)

    @Sandy: Dankeschön! :)
    Das Gefühl mit den weggelassenen Seiten kann ich gut nachvollziehen, es ging mir ähnlich! Ansonsten finde ich so eine große Verwirrung zu Beginn gar nicht so schlimm; ich habe ja erwähnt, dass es die Geschichte an sich spannender gestaltet. Für meinen Geschmack gab der gesamte Roman aber zu wenig Hintergrundinformationen raus. Sicher wird Brodi Ashton da im nächsten Band eher drauf eingehen (ich werde ihn auch auf jeden Fall lesen!). Trotzdem kann ich es langsam nicht mehr leiden, wenn Autoren komplett auf Infos verzichten, nur, damit sie noch eine Steigerungsmöglichkeit haben. Dieser "Trilogie-Wahn" geht mir auf den Geist! :)

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