"Spiegelkind"-Blogtour: Endstation 2!

Willkommen zurück zum zweiten Teil der "Spiegelkind"-Blogtour bei Lurchi! Heute habe ich den zweiten Teil des Interviews mit Frau Stiepani für euch dabei und ich kann euch versprechen, dass er noch viel besser ist als der erste! Außerdem gibt es noch eine zweite Hörprobe für euch. Viel Spaß - und denkt an das Gewinnspiel, denn heute abend ist Teilnahmeschluss!

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10. Es ist wichtig, für ein Hörbuch den "richtigen Leser" zu finden. Wie finden Sie die Sprecher? Veranstalten Sie Sprechercastings? Haben Sie eine feste Leser-Akte mit Stimmproben in Ihrem Büro? Oder machen Sie einen gemütlichen Filmeabend und lauschen den Gesprächen der Schauspieler/Synchronsprecher, um die richtige Stimme zu finden?
Bereits mit der Entscheidung für die einzelnen Titel denken wir über die Sprecher nach, die die Geschichten interpretieren sollen.
Die Sprechersuche ist wahnsinnig spannend. Ich hatte ja schon geschrieben, dass man manchmal beim Lesen bestimmte Stimmen im Ohr hat, manchmal tatsächlich schon einen Schauspieler, den man für die Ideal-Besetzung hält. Nach diesen Stimmen sucht man dann.
Natürlich geben die Inhalte bestimmte Kategorien vor.
Ist die Hauptfigur jung und ein Mädchen, suche ich natürlich nach einer solchen Stimme.
Sprechercastings veranstalten wir dabei weniger. Aber es ist schon so, dass wir uns zu den einzelnen Büchern verschiedene Hörproben anhören, aus dem Internet, von den Agenturseiten, von den Tonstudios, von anderen Hörbüchern und auch aus dem Synchronstimmen-Bereich.
Gern arbeite ich natürlich mit Sprechern, mit denen ich schon mal gut zusammengearbeitet habe.

11.Apropos Stimme. Die meisten Leser sind Schauspieler bzw. Synchronsprecher, die man aus den Medien kennt. Wie ist es mit dem Traumberuf "Hörbuchsprecher" aus? Hat man auch als unbekannter Bücherwurm die Möglichkeit, diesen Beruf zu ergreifen?
Eigentlich arbeiten wir hauptsächlich mit ausgebildeten Schauspielern, oder Sprechern, die eine Sprechausbildung genossen haben.
Sprechen ist wie ein Instrument spielen und das muss man lernen und üben.
Natürlich gibt es Stimmen, die „schöner“ klingen als andere, aber sehr selten ist jemand so begabt, dass eine schöne Stimme ausreicht.

12. Die Schauspielerin Jule Böwe liest "Spiegelkind". Wieso und warum haben Sie sich ausgerechnet für Jule entschieden?
Da möchte ich zitieren:
Tagesspiegel:
Niemand vereint das Schroffe und das Sanfte wie Jule Böwe.

Porträts über Jule Böwe betonen meist das Heutige an ihr. Sie sei das Gesicht unserer nervösen Zeit, hieß es einmal, an anderer Stelle stand, die neoexistenzialistische Verlorenheit unserer Tage ließe sich bestens auf ihr Gesicht projizieren.
Und auf ihre Stimme.

Jule Böwe hat eine zerbrechliche Stimme, teils heiser, teils sehr jung – mit einer Intensität, die wie gemacht für Spiegelkind ist.
Die Welt von Juli Rettemi zerbricht, gerät aus den Fugen wird immer unsicherer bis sie die Sache selbst in die Hand nimmt, aus ihrem Leben in der absoluten Normalität ausbricht. Jule Böwe kann genau das transportieren. Dass sie zugesagt hat und die außergewöhnliche Geschichte von Alina Bronsky interpretiert ist ein Glücksfall.

13. Einige Leser entscheiden sich bewusst gegen das Hörbuch - oder zumindest gegen gekürzte Fassungen. Man möchte das "ganze Buch" erleben, schließlich haben sich die Autoren bei jeder ihrer Szenen etwas gedacht. Ist es für Sie eine schwierige Aufgabe, ein Buch in seine Hörbuchfassung zu kürzen? Nach welchen Kritierien sortieren Sie die "unwichtigeren Szenen" heraus?
Die meisten Lesungen sind gekürzte Lesungen. Da werden die Texte für das Hörbuch bearbeitet, entweder von Kürzern oder auch von den Autoren selbst.
Da ein Hörbuch ja eine eigene Interpretation des Buches ist und nicht nur vorgelesen ist, werden gerade mit der Bearbeitung/Kürzung die spannenden und wichtigen Teile herausgearbeitet und Handlungsstränge zusammengefasst, so dass das die Konzentration beim Hören erhalten bleibt und die eigene Dynamik, die eine Lesung ausmacht transportiert wird. Über das Hören erschließt sich ein Text anders als beim Lesen.
Wichtig ist, dass nicht nur das Handlungsgerüst übrig bleibt, sondern die Atmosphäre des Buches übertragen wird. Beim Lesen blättere ich zurück, lese Sätze noch mal. Das geht beim Hören nicht. Da ist wichtig, dass die Spannung und das Gefühl für den Text durch die Interpretation erhalten bleibt.
Lesungen, also Hörbücher sind eine eigene Form der jeweiligen Bücher. Sie sind nicht nur vorgelesen.

Die Kürzungen werden genau gelesen, es darf kein Anschlussfehler dabei sein, also jemand darf nicht einfach im Raum stehen ohne dass er hereingekommen ist. Die Passagen müssen gut sprechbar sein, es darf nichts Wesentliches fehlen, vor allem, wenn es Fortsetzungen gibt.

14.Bekommt man beim Kürzen nicht ein schlechtes Gewissen?
Es gibt schon Fälle, da tut es mir um jedes Wort leid, aber wie eben schon beschrieben, handelt es sich bei einem Hörbuch, bzw. bei einer gekürzten Lesung um eine eigene Interpretation, wie etwa eine Theaterinszenierung oder vielleicht eine Übersetzung.

15. Wie sieht es nun bei "Spiegelkind" aus? Das Buch hat knapp 300 Seiten, das Hörbuch ganze 5 CDs. Wenn man den Google-Suchergebnissen glauben schenken kann, entspricht eine CD ungefähr 30 Buchseiten - das wäre ja quasi ein "halbes Spiegelkind". Wie sind Sie mit dieser knappen Zeit umgegangen?
Das kommt auf die Buchseiten an, andere Seiten gehen von 35 Buchseiten pro CD aus. Ich berechne das nach Wörtern oder Zeichen.
Bei Spiegelkind sind 70% erhalten, und das Wunderbare an der Kürzung von Spiegelkind ist, dass Alina Bronsky selbst gekürzt hat. Somit ist besonders sensibel mit dem Text umgegangen worden.

16. Wie verliefen die Aufnahmen des Hörbuches? Ich hoffe natürlich, dass Sie und Ihr Team großen Spaß daran hatten, aber "Spiegelkind" ist schließlich kein leichtes Buch für Zwischendurch. Es trägt eine tiefe Bedeutung in sich. Hat die Stimmung darunter gelitten?
Die Stimmung hat überhaupt nicht darunter gelitten, im Gegenteil. Jede Szene, jeder Gedankengang von Juli Rettemi, Ksü und den anderen haben Spaß gemacht.
Wir haben sehr viele Varianten und Möglichkeiten ausprobiert. Jule Böwe hat dem Text, den Stimmungen und Gefühlen von Juli genau nachgefühlt. Es waren besonders intensive Aufnahmen. Das ist nicht immer so.

17. An welchen Moment der Aufnahme erinnern Sie sich besonders gerne?
Ich erinnere mich gern an den Anfang. Das ist aufregend, wenn die Stimme aus den Lautsprechern kommt und ich in die Geschichte gesogen werde.

18. Hand auf's Herz: Wie hat Ihnen "Spiegelkind" persönlich gefallen? Wer war Ihre Lieblingsfigur? Was ist besonders hängen geblieben?
Für mich ist Alina Bronsky eine außergewöhnliche Autorin. Ich mag ihre beiden Bücher vor Spiegelkind sehr und habe mich wahnsinnig über Spiegelkind gefreut.
Wie in Spiegelkind eine „sichere“ Welt Risse bekommt und dann aus den Fugen gerät und Juli Rettemi damit umgeht, sich zurecht finden muss und welche Lösungen sie findet, dass ist sehr besonders.
Gleichzeitig kann die „fiktive“ Welt der absoluten Normalität eins zu eins auf unsere Welt, unser jeweiliges individuelles Empfinden übertragen werden.
Spiegelkind ist ein Buch, nicht nur für junge Menschen, sondern unbedingt auch für Erwachsene.

19. Juli hat es als Scheidungskind nicht leicht. Als ihre Mutter verschwindet und sich niemand darum zu kümmern scheint, platzt ihr der Kragen und sie macht sich auf eigene Faust auf die Suche. Für ihr Alter ziemlich mutig! Wie stehen Sie zu Juli? Haben Sie die ganze Zeit mitgefiebert?
Ich habe die ganze Zeit mitgefiebert. Es sind besonders auch die leisen Szenen, die einen den Atem anhalten lassen.
Es ist ein schöner Moment, wenn Juli das erste Mal im Quadrum landet, geführt und begleitet von einem Bären, der normalerweise für Gefahr steht oder ein Kuscheltier aus Stoff ist. Hier ist er ihr Beschützer und führt sie in eine sichere Welt. Man kann als Hörer und Leser ausatmen.

20."Spiegelkind" hat nicht nur phantastische Elemente. Die Welt, die in der Geschichte beschrieben wird, gleicht einer grausigen Zukunftsvorstellung! Halten Sie eine solches System für möglich?
Wenn man sich die Zukunftsvorstellungen der Autoren aus den letzten beiden Jahrhunderten ansieht, also „alte“ Science Fiction, bemerkt man, wie viel der utopischen oder dystopischen Ideen eingetroffen sind und wie viel nicht.
Ich hoffe nicht, dass ein solches System Wirklichkeit wird, aber vorstellen kann ich es mir schon. Vieles ist ja leider schon wahr, sieht man nur die Abneigung der Menschen gegenüber allem Anders-Seiendem, Nicht- Bekanntem, Ungewohntem an. Das können Kulturen, Religionen Kleidungsstile, Hautfarben sein. Da ist die Welt von Spiegelkind schon Wirklichkeit.
Sich in der „absoluten Normalität“ aufgehoben fühlen, lässt das eigen Urteilen, Denken und Fühlen verkümmern, extrem ausgedrückt.

21. Wissen Sie schon, wie es mit "Spiegelkind" weitergeht, und können uns einen kleinen Hinweis geben? Einen Tipp? Eine winzig kleine Andeutung vielleicht...?
Kann ich leider, leider nicht. Ich bin selbst schon sehr gespannt!

22. Was ist Ihr nächstes Projekt? Können Sie uns dazu schon etwas verraten?
Wir arbeiten gerade auf Hochtouren am neuen Programm.
Besucht die Arena Audio Seite und die Arena Seite, dann erfahrt ihr mehr und findet spannende Hörbücher und Bücher.

23. Damit neigt sich unser Interview leider auch schon dem Ende zu. Gibt es vielleicht etwas, das Sie gerne noch loswerden möchten, Frau Stiepani? Ein Wunsch, eine Bitte, eine Forderung an uns Leser und Lauscher?
Vielen Dank für die interessanten Fragen und die Möglichkeit über mein Herzensthema Hörbuch zu sprechen.
Mein Wunsch: lest und hört viel.
Einen schönen Tag
Sabine Stiepani

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Nochmals vielen Dank an Frau Stiepani für dieses Interview!

Hier kommt auch schon die zweite Hörprobe. Viel Spaß beim Lauschen!

Oder klicke *hier*, um die Hörprobe zu downloaden.





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Zum Schluss möchte ich euch nochmal an das Gewinnspiel erinnern. Schaut dazu bitte in den vorherigen Post der "Spiegelkind"-Blogtour (*klick*)! Heute ist der letzte Tag, an dem ihr mitmachen könnt! Viel Glück!

Nun endet die Blogtour also. Ich hoffe, ihr hattet, so wie wir (besonders ich!), viel Spaß daran! :)

Kommentare:

  1. Vielen Dank für den gelungenen Abschluss. Schade das die Blogtour nun endgültig vorbei ist!

    LG
    Sarah

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  2. Die Blogtour hat wirklich großen Spaß gemacht und ich hoffe es gibt bald wieder eine.^^

    LG
    Alissa

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  3. Liebe Lurchi,

    ist die Überraschung schon angekommen? Das Buch soll zwar erst im April herauskommen, aber es könnte doch sein, dass der Verlag es dir vorher schickt...!?!

    Viele Grüße, Franci

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  4. Hallo noch mal Lurchi :)

    Ich bin heute wieder 2. Teil der Blogtour hier her gekommen!

    Ich habe mit Freude die Fortsetzung zum Interview mit Frau Stiepani gelesen. Jetzt habe ich viele interessante Sachen zum Thema Hörbuch und dem Buch "Spiegelkind" erfahren. Es ist schön, dass mal aus 1. Hand zu lesen.
    Nun kann ich es echt kaum erwarten das ich das Buch lesen darf!

    Deine Frage Buch vs Hörbuch hatte ich gestern schon beantwortet. ;)

    Nochmal herzlichen Dank und einen schönen Abend.

    LG Morgaine

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