Rezension: "Timeless"

Titel: Timeless
Originaltitel: Timeless
AutorIn: Alexandra Monir
ÜbersetzerIn: Antoinette Gittinger
Verlag: Heyne fliegt
Seitenzahl: 352
Preis: 14,99€
ISBN-10: 3453267583
ISBN-13: 978-3453267589
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Worum geht's?
Die siebzehnjährige Michele Windsor lebt allein mit ihrer Mutter und führt ein normales, geregeltes Leben. Das Mutter-Tochter-Duo war schon immer bloß zu zweit. Zusammen haben sie alles gemeistert, alles erreicht, alles geschafft. Für Michele gibt es keinen wichtigeren Menschen auf der Welt. Und dann, schlagartig, werden die beiden für immer auseinandergerissen: Bei einem schrecklichen Unfall kommt ihre Mutter ums Leben. Nun muss Michele zu ihren Großeltern ziehen, zu denen sie noch nie Kontakt hatte, und alles hinter sich lassen, was ihr je Halt gab. Jeder neue Tag ist für Michele bloß eine weitere Tortur, denn sie kann nicht über ihren schweren Verlust hinwegkommen. Doch dann findet sie eines Tages in den Hinterlassenschaften einen magischen Schlüssel, der alles verändert. Mit ihm kann sie, wenn auch nicht kontrolliert, in die Vergangenheit reisen. Dort trifft sie auf ihre Vorfahrinnen, die allesamt ihre Hilfe benötigen, und auf Philip, den mysteriösen Gentleman, von dem sie bereits seit Jahren träumt...

Kaufgrund:
"Timeless" beschäftigt sich nicht mit Vampiren, Werwölfen oder anderen mythischen Wesen, sondern mit einem anderen beliebten Thema: dem Zeitreisen! Ich war gespannt, wie die Autorin Alexandra Monir dieses Motiv in ihrem Debüt umsetzen würde.

Meine Meinung:
"Timeless" ist ein ständiges Hin und Her zwischen Gegenwart und Vergangenheit. Durch einen magischen Schlüssel ist Michele dazu in der Lage, in der Zeit zu reisen. Wann sie reist und wohin es dabei geht, kann sie nur bedingt entscheiden, doch eine höhere Macht scheint ihre Ausflüge zu kontrollieren, denn sie landet immer dort, wo sie gebraucht wird. Michele übernimmt quasi die Rolle eines guten Geistes, der in die Vergangenheit entschlüpft, um dort ihren weiblichen Vorfahren zu helfen und sie ihren Träumen und Wünschen näher zu bringen. Schnell muss Michele jedoch die Auswirkungen ihrer Zeitreisen zu spüren bekommen: Mit ihren Taten ändert sie den Verlauf der Geschichte - und damit auch ihre eigene Zukunft...

Die Handlung von "Timeless" dreht sich zum größten Teil um die romantische Beziehung zwischen Protagonistin Michele und dem Gentleman Philip, der 100 Jahre zurück in der Vergangenheit lebt. Ihre Liebe steht unter keinem guten Stern, denn ihnen bleiben nur die wenigen gemeinsamen Stunden, die sich während Micheles Zeitreisen miteinander verbringen können. Eine geregelte, normale Beziehung werden die beiden niemals führen können; kein Wunder also, dass sie ihre gemeinsame Zeit viel intensiver genießen und stärker ausnutzen als andere Jugendliche. Trotzdem entwickeln sich die Gefühle von Michele und Philip viel zu schnell. Es ist die typische "Liebe auf den ersten Blick" und die beiden brauchen einander gar nicht näher kennenlernen, um zu wissen, dass sie perfekt zusammenpassen. Bereits nach dem vierten(!) Treffen bekunden sie ihre Liebe und schwören, niemals mit jemand anderem zusammen sein zu können. Durch den schnellen Verlauf der Liebesgeschichte geht die romantische Atmosphäre leider etwas verloren. Dabei hätte es so schön werden können! Die zarte Liebe zwischen Michele und Philip ist auf eine besondere Weise sehr emotional; man merkt als Leser sogar selbst, wie gut sie als Pärchen harmonieren und wie perfekt sie sich ergänzen. Statt diese Grundzüge zu nutzen, um eine gefühlvolle Liebesgeschichte zu schreiben, die die Leser zum Schmelzen bringt, scheint Alexandra Monir bloß auf das eilige Liebesgeständnis hingearbeitet zu haben.

Es ist interessant und amüsant, Micheles Zeitreisen und deren Einfluss auf die Zukunft zu verfolgen. Kapitel für Kapitel entdeckt man neue Puzzleteile der Geschichte, die sich zum Schluss zu einem stimmigen Ganzen zusammensetzen. Einige Fragen lässt Alexandra Monir allerdings offen und wir dürfen darauf gespannt sein, wie die Geschichte um Michele und Philip in der Fortsetzung "Timekeeper" weitergeht.

Michele ist eine liebenswerte Protagonistin, die sich durch ihr ungewöhnliches Talent interessant macht: Sie ist leidenschaftliche Songwriterin. Schon längst hätte die Siebzehnjährige ihren Durchbruch feiern können, hätte sie den Mut dazu gehabt, jemanden - außer ihrer geliebten Mutter - ihre Texte zu zeigen. Doch dafür hat es dem sonst eher durchschnittlichen lieben Mädchen von nebenan stets an Mut und Selbstbewusstsein gefehlt. Nach dem tragischen Unfall, bei dem ihre Mutter ums Leben kam, ist Michele eine vollends gebrochene junge Frau. Sie muss ihren letzten Halt, ihr Zuhause, ihr Leben und ihre Freunde aufgeben, um zu ihren fremden Großeltern nach New York zu ziehen, zu denen sie bisher keinen Kontakt hatte. Dort findet sie zwar eine bequeme Unterkunft, aber keine Familie, keine tröstende Schulter und keine Unterstützung. Michele ist nur noch ein Schatten ihrer selbst, der lustlos in den Tag hineinlebt. Erst als sie in ihrem neuen Heim einen mysteriösen Schlüssel findet, mit dem sie durch die Zeit reisen kann, erwacht in ihr neuer Lebensmut. In der Vergangenheit trifft sie auf den attraktiven Philip, von dem sie schon seit Jahren träumt. Durch ihn entfacht wieder Micheles Leidenschaft. Sie beginnt noch einmal mit dem Schreiben und verfasst emotionale Texte, die das Herz berühren, indem die sympathische Protagonistin einen sicheren Platz hat.

In ihrem Nachwort bezeichnet Alexandra Monir New York als die wahre Hauptfigur des Romans. Die populäre Großstadt ist es nämlich, die die beeindruckendste Entwicklung vollzieht. Als Leser begegnet man sowohl dem modernen New York des 21. Jahrhunderts, als auch der altmodischen Stadt im frühen 20. Jahrhundert, zum Beispiel während der goldenen 20er Jahre. Auch der Einfluss des zweiten Weltkrieges wird thematisiert. Monirs ausführliche Recherchearbeit macht sich bei ihren Beschreibungen der Großstadt bezahlt. Egal, in welchem Jahr sich Michele befindet, man ist immer von dem aufregenden New York und seinen außergewöhnlichen Bewohnern fasziniert. Monir erzählt so lebendig von der Stadt, dass man sich beinahe jede Szene konkret vorstellen kann. Diese einzigartige Leseatmosphäre verleiht "Timeless" einen ganz besonderen Charme, der in der Endbewertung für viele Punkte verantwortlich ist.

Monir schafft mit ihren detailreichen Ortsbeschreibungen zwar eine äußerst realistische und interessante Atmosphäre - Kopfkino inklusive! -, doch durch eine unpassende Sprache und falsche Wortwahlen darf man diese nicht vollkommen genießen. Wenn Michele in die Vergangenheit reist, redet sie mit ihren Verwandten wie mit ihren Freundinnen des 21. Jahrhunderts. Von einer zeitgetreuen, gewählteren Sprache in den frühen Jahren des vorherigen Jahrhunderts fehlt hier jede Spur. Schade, denn der Charme der Vergangenheit leidet doch sehr darunter.

Die Zeitreisen versucht Autorin Alexandra Monir mit Hilfe von Einsteins Relativitätstheorie zu erklären, die besagt, dass man sich theoretisch in der Zeit bewegen könnte, wenn man in der Lage dazu wäre, die Lichtgeschwindigkeit zu erreichen. Für Michele und ihre engste Freundin Caissie ist klar, dass die wissenschaftliche Theorie mit Micheles Zeitreisen zu tun haben muss; schließlich fühlt sich die junge Protagonistin dabei so, als würde sie mit einer unfassbaren Geschwindigkeit in die Vergangenheit verschlagen werden. Auf uns Leser wirkt der Erklärungsversuch der Autorin allerdings eher suspekt als plausibel. Wieso sich Monir darum bemüht, die Magie aus ihrer Geschichte zu nehmen und sie mit einer - noch nicht einmal gänzlich überzeugenden - Wissenschaft realistisch darzustellen, ist für mich völlig unverständlich. Dadurch nimmt sie ihrem eigenen Roman den Reiz der Magie, den Hauch des Unfassbaren, die mystische Atmosphäre. Der gedrungene Erklärungsversuch tut der Geschichte zwar insgesamt keinen Abbruch, aber ohne Einstein hätte mir "Timeless" sicherlich besser gefallen!

Auf den letzten Seiten befinden sich einige informative Anmerkungen der Autorin, die beweisen, wie intensiv sie sich auf ihren Roman vorbereitet hat. Sie nennt nicht nur einige Literaturempfehlungen rund um die verschiedenen Themen in "Timeless", die schildert auch ihre eigenen Empfindungen während der Recherchen und erklärt, wie viel Wahres in dem Zeitreiseroman steckt. Ein tolles Extra!

Cover:
Das Cover entspricht beinahe dem amerikanischen Original und ist bis auf das langweilige Mädchengesicht, das bedauerlicherweise den größten Teil des Covers einnimmt, recht hübsch anzusehen. Die grauen Nebelwolken und die kleinen, feinen Verzierungen sind den Grafikern sehr gut gelungen und passen zur Atmosphäre des Romans.

Fazit:
"Timeless" ist ein schöner Auftakt einer Zeitreise-Saga, aus dem man viel mehr hätte herausholen können. Alexandra Monir hat eine Menge Handlungsstränge aufgegriffen, aber sich nur für sehr wenige die Zeit genommen, die sie tatsächlich gebraucht hätten. Für eine liebenswerte Protagonistin, ein wundervolles New York im Wandel der Zeit und eine interessante, wenn auch ausbaufähige Handlung gibt es gute 3 Lurche.


Über die Autorin:
Alexandra Monir wuchs in der Nähe von San Francisco auf und endeckte schon als Kind ihre Liebe zu Musik, Theater und Literatur. Sie nahm Gesangs- und Schauspielunterricht, bevor sie im Alter von siebzehn nach Los Angeles zog, um dort Sängerin und Songrwiterin zu werden. Sie arbeitete unter anderem mit den Produzenten von Aretha Franklin und Mariah Carey zusammen. Mit ihrem Romandebüt Timeless verwirklichte sich Alexandra Monir ihren großen Traum und wurde Schriftstellerin. Die Autorin lebt in New York und Los Angeles.

Kommentare:

  1. Das mit Einstein fand ich so lächerlich, dass ich es sofort vergessen habe.^^

    Bei diesem Buch finde ich es richtig schade, dass aus dem vielversprechenden Konzept meiner Meinung nach nichts wurde.

    Die "Instant Love" war für mich vielleicht sogar der größte Atmosphärenkiller. Aber auch die schwachen Reaktionen ihrer Urahninnen auf ihre Geist bzw. Zukunftsgestalt waren unauthentisch.

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  2. Ich kann dir da leider nur zustimmen! Gute Idee, nicht so tolle Umsetzung!
    Das mit Einstein fand ich wirklich mies gelöst, aber die Beziehung zwischen Michele und Philip fand ich nicht ganz so schlimm wie du. ^^ Die schnelle Entwicklung hat schon ziemlich genervt, aber die Atmosphäre hat für mich kaum drunter gelitten. Denn für die war größten Teils das tolle New York zuständig :)

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  3. Meine Rezi zu dem Buch steht noch aus.
    Ich fand die Liebesgeschichte ganz wunderbar. Ohne die, hätte mir das Buch wesentlich weniger gut gefallen. Mich haben viel mehr all zu lange Passagen über Klamottenstil und Beschreibungen der Kleider 'genervt'. :D

    Auf jeden Fall schön geschriebene Rezi.

    LG
    Lilly

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  4. @Lilly: Wirklich? Also, für mich waren eben die Passagen das Highlight! Da sieht man mal, wie verschieden die Geschmäcker sind ;)

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