Rezension: "Riley - Die Geisterjägerin: Der erste Kuss"

Titel: Riley - Die Geisterjägerin: Der erste Kuss
Originaltitel: Whisper
AutorIn: Alyson Noël
ÜbersetzerIn: Ulrike Laszlo
Verlag: Page & Turner
Seitenzahl: 224
Preis: 12,99€
ISBN-10: 3442203864
ISBN-13: 978-3442203864
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Worum geht's?
Eine neue Aufgabe verschlägt die zwölfjährige Seelenfängerin Riley Bloom in das antike Rom, wo der Geist eines Gladiators sein Unwesen treibt. Er hat sich in seiner eigenen Welt verschanzt und weigert sich strikt, in das Hier und Jetzt überzugehen. Nun ist es Rileys Aufgabe, ihn zum Gehen zu bewegen; eine Mission, an der bereits viele Seelenfänger gescheitert sind. Riley versteht nicht, wieso. Schließlich kann es nicht so schwer sein, mit einem Geist zu reden! Sie ist sich sicher: Für sie ist diese Aufgabe ein Kinderspiel. Doch als sie dem Gladiator begegnet, bekommt sie die ersten Zweifel. Dieser Geist ist ein echter Härtefall! Da lernt Riley die hübsche Messalina kennen, die ihr helfen will, zu dem Gladiator durchzudringen. Nebenbei erfüllt sie Riley ihren größten Wunsch und macht sie endlich zu einem Teenager. Durch Messalinas Unterstützung beflügelt, fühlt sich Riley für ihre Aufgabe bestens gerüstet. Dass die Gefahr sich in der Zwischenzeit längst angeschlichen hat, bemerkt Riley erst, als sie schon viel zu tief in Schwierigkeiten steckt...

Kaufgrund:
Was man einmal angefangen hat, das soll man auch zu Ende bringen. Voller Optimismus, im letzten Band der Tetralogie endlich auf eine Riley zu treffen, die erwachsen wird, begann ich mit dem Lesen.

Meine Meinung:
Im letzten Band der "Riley"-Tetralogie reist die junge Seelenfängerin nach Rom, wo sie ihren bisher schwersten Fall lösen soll. Die Handlung setzt nur kurze Zeit nach den Geschehnissen in "Riley - Die Geisterjägerin" ein und führt die Geschichte ohne Umschweife oder eine Wiederholungsphase fort. Alyson Noël legt von Anfang an ein zügiges Erzähltempo an den Tag und ehe man sich versieht, steckt Riley schon mitten in ihrem Auftrag, den Geist eines Gladiatoren dazu zu überreden, endlich in das Hier und Jetzt überzugehen.

Sowohl der antike Handlungsort als auch Rileys Mission klangen vielversprechend und versprachen eine spannende Geschichte für das Finale der Buchserie. Leider entpuppte sich die Handlung nach einem guten Start schnell als ein durchschnittliches Leseabenteuer, das beim Leser gemischte Gefühle hinterlässt. Einerseits ist man von der Geschichte und ihren interessanten Handlungssträngen gefesselt. Riley lässt sich von ihren Wünschen und Sehnsüchten zu Dingen verleiten, die sie von ihrem Auftrag ablenken, bis sie sogar ihr Ziel ganz aus den Augen verliert. Bevor sie weitermachen kann, muss sie erst wieder zu sich selbst finden - und dabei entdeckt sie eine völlig neue Seite an sich. Rileys Zwiespalt zwischen Traum und Vernunft zu verfolgen, hat durchaus seinen Reiz. Andererseits ist die gesamte Geschichte so vorhersehbar, dass sie ihren Reiz wieder verliert. Riley läuft mit offenen Augen in ihr Verderben und das tut sie so oft, dass man nach einiger Zeit nur noch genervt den Kopf schütteln kann. "Riley - Die Geisterjägerin: Der erste Kuss" hat definitiv mehr Schwächen als Stärken in der Handlung, ist aber trotzdem ein nettes Buch für Zwischendurch. Von allen vier Bänden der Tetralogie hat dieser mir mit Abstand am besten gefallen.

Riley, die in den anderen Bänden ihrer Reihe hartnäckig auf ihr schlechtes Image hingearbeitet und beinahe durchweg einen negativen Eindruck hinterlassen hat, ist in "Der erste Kuss" kaum wiederzuerkennen. Schon zu Beginn des Romans zeigt die sonst so stark von sich überzeugte Protagonistin die ersten Anzeichen ihrer Veränderung: Statt ihrer neuen Aufgabe mit einer selbstsicheren Einstellung entgegenzutreten - mal ehrlich, wann hat Riley jemals an sich selbst gezweifelt? -, geht sie sie diesmal sehr zögerlich und mit großem Respekt an. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte handelt sie reifer, durchdachter und rücksichtsvoller, nicht etwa impulsiv oder unüberlegt, wie man es sonst von Riley gewohnt ist. Sie hat endlich aus ihren Fehlern gelernt, ist einsichtig und bemüht sich darum, sie nicht mehr zu wiederholen. Ja, in "Der erste Kuss" wird die junge Riley Bloom tatsächlich erwachsen - langsam, aber sicher!

Man könnte von ihrer positiven Entwicklung wirklich begeistert sein, würde Riley nicht immer in den ungünstigsten Momenten wieder in ihre alten Verhaltensweisen zurückfallen. Eben noch hat sie einen mit ihrer neuen Art verblüfft, sodass man an die eigene Meinung über sie infrage stellt, da handelt sie erneut unfair, kindisch oder demütigend und denkt nur noch an ihren eigenen Vorteil, den sie aus der Situation ziehen könnte. Es scheint, als würde Riley selbst nicht genau wissen, ob sie nun weiter ein naives Kind sein will, das sich mit leichtsinnigen Entscheidungen ständig in Gefahr begibt, oder ob sie doch dazu bereit ist, endlich eine junge Frau zu werden, die Verantwortung übernehmen kann. Bis Riley in dieser Hinsicht einen endgültigen Entschluss fassen kann, hat es ganze vier Bände, eine ganze Buchreihe gebraucht - eindeutig eine viel zu lange Zeit...

Alyson Noël hat ein Händchen für interessante und tiefgründige Nebencharaktere, die die Hauptfigur im direkten Vergleich blass aussehen lassen. Das hat sie während der gesamten "Riley"-Reihe immer wieder aufs Neue bewiesen. Auch im letzten Band der Serie konnten die Nebenfiguren glänzen. Allen voran die wunderschöne Messalina, die Riley ihren größten Wunsch erfüllt: endlich ein Teenager zu sein. Obwohl Riley ihr das Versprechen abnimmt, keine falschen Spielchen zu spielen, handelt Messalina nicht völlig uneigennützig. Sie trägt ein Geheimnis mit sich, eine schwere Bürde, die sie schon seit Jahrhunderten belastet. Messalina hat viele Gesichter, doch welches ist ihr echtes?

Bodhi und Buttercup, die zwei sympathischen Serienhighlights, bleiben leider wie bereits im dritten Teil außen vor. Sie dürfen ihr Potenzial nur selten unter Beweis stellen, liefern während ihrer kurzen Auftritte jedoch umso stärkere Leistungen ab. Die beiden Figuren haben sehr entscheidende Rollen inne, die das Geschehen maßgeblich beeinflussen.

Alyson Noëls Schreibstil war sonst immer ein großer Pluspunkt für ihre Bücher, da er stets für einen leichten und lockeren Lesefluss sorgte; auch dann, wenn die Geschichte selbst mitreißen konnte. In "Riley - Die Geisterjägerin: Der erste Kuss" jedoch wirkt Noëls Sprache fehl am Platz. Die Geister der verstorbenen Römer und Gladiatoren, die sich nicht vom Kolosseum lösen wollten, sprechen mit Riley, als würden sie aus der gleichen Zeit stammen. Bedauerlicherweise leidet die gesamte antike Atmosphäre des Romans darunter, die Noël durch ihre aufmerksame Recherche und ihre detailreichen Beschreibungen aufgebaut hat.

Cover:
Wie bereits beim dritten Band bin ich auch diesmal davon enttäuscht, dass ein eintöniges Mädchengesichter den Weg auf das Cover gefunden hat. Die hübsche Blüte allein auf einem weißen Hintergrund, wie bei den ersten zwei Teilen, hätte mir viel besser gefallen...

Fazit:
Der Abschluss der Tetralogie um die Geisterjägerin Riley von Alyson Noël ist zwar besser als es die ersten drei Bände waren, kann aber trotzdem nicht überzeugen. Obwohl sich Riley endlich zum Guten verändert, ist ihr Charakter viel zu wankelmütig, um sich als sympathische Protagonistin zu beweisen. Für eine nette Handlung, tolle Nebencharaktere, aber leider eine schwache Hauptfigur vergebe ich insgesamt knappe 3 Lurche.


Über die Autorin:
Die Geschichte um das Mädchen Ever machte die Amerikanerin Alyson Noël zur weltbekannten Autorin. In dem Buch geht es um eine 16-Jährige, die übersinnliche Fähigkeiten hat, und es geht um die Liebe: Ever trifft Damen, einen Unsterblichen. Mit ihren Teen-Fiction-Romanen um Ever steht Noël immer ganz oben auf den Bestsellerlisten. Noël, die in Orange County aufwuchs und heute mit ihrem Mann in Laguna Beach, Kalifornien, lebt, hat schon als Babysitterin, Stewardess oder Rezeptionistin gearbeitet, bis sie anfing, die Romanserie "Evermore" zu schreiben. Noël hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten; ihre Werke wurden bislang in 35 Ländern veröffentlicht.

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