Rezension: "Riley - Die Geisterjägerin"

Titel: Riley - Die Geisterjägerin
Originaltitel: Dreamland
AutorIn: Alyson Noël
ÜbersetzerIn: Ulrike Laszlo
Verlag: Page & Turner
Seitenzahl: 224
Preis: 12,99€
ISBN-10: 3442203856
ISBN-13: 978-3442203857
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Worum geht's?
Nach ihrem bedenklichen, eigenwilligen Handeln während ihres letzten Auftrags kommt Riley noch einmal mit einem blauen Auge davon und bekommt sogar Urlaub, um sich von den Strapazen zu erholen. Der Rat des Hier und Jetzt ist der Meinung, Riley solle mal wieder etwas mehr Zeit mit ihrer Familie und ihren Freunden verbringen. So ein Unsinn! Die junge Seelenfängerin braucht keine Erholung - sie braucht neue Aufgaben! Aber nun hat sie eben Ferien, die sie irgendwie hinter sich bringen muss. Und wie könnte sie diese freie Zeit besser nutzen als endlich herauszufinden, ob es ihr im Hier und Jetzt möglich ist, doch noch dreizehn Jahre alt zu werden? Wenn sie bloß mit ihrer Schwester Ever reden könnte! Aber dafür müsste sie ihr eine Botschaft schicken - und die einzige Möglichkeit, mit jemanden auf der Erde in Kontakt zu treten, ist, ihm in einem Traum zu begegnen. Im mysteriösen Traumland soll so etwas möglich sein, aber Rileys Mentor Bodhi hat ihr strengstens verboten, dorthin zu gehen. Noch ein Grund mehr, sich auf die Suche zu machen! Und ehe Riley sie sich versieht, steckt sie mal wieder in gefährlichen Schwierigkeiten...

Kaufgrund:
Die ersten beiden Bände der "Riley"-Reihe haben mich leider nicht überzeugen können, trotzdem wollte ich wissen, wie es mit Evers kleiner Schwester weitergeht. Wenn man einmal eine Serie angefangen hat, möchte man schließlich auch wissen, wie sie endet!

Meine Meinung:
Nach dem ärgerlichen Cliffhanger des Vorgängers, "Riley - Im Schein der Finsternis", habe ich mich tatsächlich auf den dritten Band der Serie gefreut. Endlich sollte Riley zu spüren bekommen, was es bedeutet, für ihre Taten einzustehen und Verantwortung zu übernehmen. Endlich sollte sie lernen, dass sie nicht immer nur ihrem eigenen Kopf nachgehen, nicht nur ihrem eigenen Willen folgen kann. Nach ihrem eigenmächtigen Handeln im letzten Teil hat der Rat des Hier und Jetzt beschlossen, Riley eine Lektion zu erteilen. Als ich das Buch in die Hand nahm, verspürte ich doch tatsächlich eine gewisse Genugtuung und war gespannt darauf, welche Folgen Riley erwarten würden.

Die Handlung von "Riley - Die Geisterjägerin" beginnt genau dort, wo "Im Schein der Finsternis" aufgehört hat, und setzt die Geschichte nahtlos fort: Riley muss ihre Taten vor dem Rat rechtfertigen und die Konsequenzen für ihre getroffenen Entscheidungen tragen. Während Riley auf ihre "Anhörung" wartet, bibbert und bangt, ist sie noch immer der felsenfesten Überzeugung, das Richtige getan zu haben. Sie ist sich zwar darüber im Klaren, dass sie sich unzähligen Anordnungen widersetzt hat, aber das interessiert sie nicht. Getreu dem Motto "Hauptsache, das Ergebnis kann sich sehen lassen" lässt Riley die Entscheidung des Rates über sich ergehen - und wird tatsächlich beglückwünscht. Ich konnte kaum glauben, was ich dort las. Statt Riley beizubringen, ein gewisses Verantwortungsbewusstsein zu entwickeln, und sie auf den Weg des Erwachsenwerdens zu lenken, wird sie von den mächtigsten Personen im Hier und Jetzt für ihre Leistung mit einem "wohlverdienten" Urlaub belohnt. Kaum waren die ersten Seiten gelesen, hätte ich dieses Buch am liebsten in die Ecke geschmissen!

Aber als bibliophiler Mensch tut man so etwas Grausames nicht mit seinen Büchern, also las ich bloß mit einer grimmigen Mimik im Gesicht und einem verstärkten Händedruck weiter. Immerhin flogen die Seiten dank Alyson Noëls flüssigem und lockerem Schreibstil schnell vorüber und ein neu aufkeimender Handlungsstrang konnte mein Interesse wecken, dem es schließlich mit seiner Magie und seiner Einzigartigkeit gelang, mich ein wenig von meinem Ärger abzulenken: das Traumland, jener Ort, an dem die Geister in die Träume der Lebenden "springen" können, um ihnen Botschaften zu übermitteln.

Aber wo Träume sind, da gibt es auch Albträume - und die spielen in "Riley - Die Geisterjägerin" eine große Rolle. Noël ist es leider trotz blutiger Beschreibungen nicht gelungen, eine düstere Atmosphäre aufzubauen, die einem einen Schauer über den Rücken laufen lassen würde. Darunter leiden nicht nur die vermeintlich gruseligen Szenen, sondern der gesamte Nervenkitzel der Geschichte.

Riley erzählt uns als Protagonistin auch im dritten Band der Serie die Handlung aus ihrer Sicht der Dinge und lässt uns an ihren Emotionen und Überlegungen teilhaben. Gewohnt egozentrisch, hochnäsig und altklug kommentiert sie alles und jeden mit ihrer herablassenden Art und zeigt damit deutlich, dass sie sich selbst für etwas besseres hält. Sie tut, was sie will, und nimmt dabei keine Rücksicht auf andere. Ihr ist nur wichtig, dass sie ihren Willen bekommt; koste es, was es wolle. Wieso sollte sie auch auf Regeln achten, wenn sie für einen Verstoß sogar noch honoriert wird? Mit ihrem leichtsinnigen, naiven und kindischen Charakter, der niemals hält, was er verspricht, kann Riley als Protagonistin schlichtweg nicht überzeugen.

In zwei, drei sehr kurzen Momenten konnte mich Riley diesmal jedoch tatsächlich berühren. Ihr Gefühl, irgendwo festzustecken, hat Noël so gefühlvoll beschrieben, dass man absolut nachvollziehen kann, wie schrecklich sich Riley fühlen muss. Man entwickelt beinahe schon Mitgefühl für sie, da zerstört Riley die emotionalen Augenblicke durch eine unpassende Bemerkung in typischer Riley-Manier wieder selbst.

Bodhi und Buttercup, Rileys Mentor und ihr Hund, haben sich in den ersten zwei Teilen zu einem Highlight der Buchreihe entwickelt. Der aufrichtige, ausgeglichene Seelenfänger und der sympathische Vierbeiner haben mir stets sehr gut gefallen und mir die Abenteuer mit der zwölfjährigen Protagonistin wahrlich versüßen können. In "Riley - Die Geisterjägerin" spielen Rileys Begleiter allerdings kaum eine Rolle. Noël erwähnt sie nur beiläufig und gönnt ihnen nur sehr kleine und kurze Auftritte, in denen sie sich nicht entfalten können. Wirklich schade!

Zum Schluss gibt es noch das erste Kapitel des letzten Bandes, "Riley - Der erste Kuss", als Leseprobe. Ein tolles Extra - besonders für diejenigen, die den Abschluss der Tetralogie nicht mehr abwarten können.

Cover:
Die Cover der "Riley"-Reihe sind für mich immer ein kleines Trostpflaster gewesen. Zwar konnte die Geschichte mich nicht überzeugen, aber die wunderschönen Blumen haben trotzdem einen vorderen Platz im Bücherregal verdient. Nun ziert allerdings nicht nur eine Blüte, sondern auch ein langweiliges Mädchengesicht das Titelbild. Wie schade, dass nicht einmal diese Buchreihe von dem Trend verschont bleibt.

Fazit:
"Riley - Die Geisterjägerin" bleibt auf dem Niveau der zwei Vorgänger. Eine Protagonistin, die sich partout nicht ändern will, und eine Handlung, die nicht die gewünschte Spannung aufbauen kann, können eben nicht überzeugen. Ich kann noch immer nicht nachvollziehen, wo die sympathische Riley geblieben ist, die mich in "Evermore" so sehr von sich begeistern konnte. Deshalb gibt es leider nur 2 Lurche.


Über die Autorin:
Die Geschichte um das Mädchen Ever machte die Amerikanerin Alyson Noël zur weltbekannten Autorin. In dem Buch geht es um eine 16-Jährige, die übersinnliche Fähigkeiten hat, und es geht um die Liebe: Ever trifft Damen, einen Unsterblichen. Mit ihren Teen-Fiction-Romanen um Ever steht Noël immer ganz oben auf den Bestsellerlisten. Noël, die in Orange County aufwuchs und heute mit ihrem Mann in Laguna Beach, Kalifornien, lebt, hat schon als Babysitterin, Stewardess oder Rezeptionistin gearbeitet, bis sie anfing, die Romanserie "Evermore" zu schreiben. Noël hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten; ihre Werke wurden bislang in 35 Ländern veröffentlicht.

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