Rezension: "Godspeed - Die Suche"

Titel: Godspeed - Die Suche
Originaltitel: A Million Suns
AutorIn: Beth Revis
ÜbersetzerIn: Simone Wiemken
Verlag: Dressler
Seitenzahl: 464
Preis: 19,95€
ISBN-10: 3791516779
ISBN-13: 978-3791516776
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Worum geht's?
Drei Monate sind vergangen. Drei lange Monate, in denen sich das Leben auf der Godspeed komplett verändert hat. Junior hat nach dem Tod des Ältesten die Führung übernommen und sofort dafür gesorgt, dass die Mannschaft nicht mehr über die Wasserversorgung unter den Einfluss der Droge Phydus gesetzt werden. Nun sind sie keine willenlosen Arbeiter mehr, doch ihre neu gewonnene Meinungsfreiheit ist eine gefährliche Waffe gegen Junior. Sie akzeptieren ihn nicht als neuen Anführer, vertrauen ihm nicht und sind nicht von ihm überzeugt. Als dann noch das Essen knapp wird und die Menschen immer unruhiger werden, muss Junior den Tatsachen ins Auge sehen: Eine Rebellion seiner eigenen Mannschaft steht kurz bevor... Während sich das Chaos auf der Godspeed immer weiter ausbreitet, erhält Amy mysteriöse Nachrichten und Aufgaben, die sie einem lang gehüteten Geheimnis des Raumschiffs näher bringen. Zusammen mit Junior entdeckt sie etwas Furchtbares, was alles Bisherige unwichtig erscheinen lässt...

Kaufgrund:
Der erste Band der Trilogie, "Godspeed - Die Reise beginnt", hat mir bereits sehr gut gefallen. Dass "Die Suche" dann ebenfalls ein Lesemuss ist, dürfte wohl selbstverständlich sein!

Meine Meinung:
"Godspeed - Die Suche", der zweite Band der "Godspeed"-Trilogie, setzt drei Monate nach den Ereignissen aus dem ersten Teil an. Vieles ist in dieser Zwischenzeit geschehen und so legt das Buch bereits mit der ersten Seite ein rasantes Tempo an den Tag. Es wird sofort spannend und mitreißend, denn ein düsteres Geheimnis umgibt die Godspeed, dem Amy und Junior auf die Schliche kommen müssen. Eine mysteriöse und außergewöhnliche Schnitzeljagd beginnt, die nicht nur die zwei Protagonisten in ein Wechselbad der Gefühle wirft. Man freut sich über jeden noch so kleinen Hinweis, den man findet, nur um im nächsten Augenblick von der Wahrheit schockiert und beängstigt zu werden, die er mit sich bringt. Einige der entdeckten Geheimnisse sind sogar derart bedrückend, dass man gern eine kleine Lesepause einlegen würde, um sie erst einmal zu verdauen. Doch die Geschichte hat ihre Leser viel zu fest im Griff, als dass man sich von den Seiten losreißen könnte. Manchmal kommt es einem so vor, als könnte man Amys und Juniors Herzen durch die Buchseiten pochen hören - dabei ist es das eigene, das vor Aufregung Purzelbäume schlägt!

Trotz der Bemühungen der Autorin war es am Ende doch offensichtlich, wer der Drahtzieher der Attentate ist. Diese Enthüllung ist ein wenig enttäuschend, doch glücklicherweise ist die Frustration nicht von langer Dauer. Denn Beth Revis hat eine weitere Aufdeckung parat: die Offenlegung eines viel größeren Geheimnisses, das alles bisherige in den Schatten stellt. Diese schockierende Wendung lässt die kleine Enttäuschung so unwichtig erscheinen, dass man sie kaum noch eines Gedankens würdigt. Ehe man sich versieht, ist man in "Godspeed - Die Suche" dann schon auf den letzten Seiten angelangt. Die Autorin ärgert uns nicht mit einem Cliffhanger und schließt die Handlung des Romans ab, lässt das Ende jedoch offen, sodass noch genügend Spielraum zum Weiterrätseln bleibt, wie es im letzten Teil weitergehen könnte.

Junior hat im zweiten Band der Reihe die Rolle des Ältesten eingenommen und muss nun für Ordnung und Gerechtigkeit auf dem Schiff sorgen. Leichter gesagt, als getan, denn der faire und ehrliche junge Mann hat die Phydus-Versorgung auf der Godspeed abgeschafft. Er möchte nicht, dass die Bewohner weiterhin unter dem Einfluss der Droge stehen und somit ruhiggestellt werden. Junior will während seiner Herrschaftszeit alles anders machen, den Leuten das Recht auf eine eigene Meinung geben und sie nicht unterdrücken und kontrollieren. Er bleibt seinen Prinzipien treu und nimmt es in Kauf, es schwieriger zu haben, wenn er seine Mannschaft dafür nicht unter Drogen setzen muss. Leider sind ihm die Bewohner der Godspeed dafür nicht so dankbar, wie man meinen sollte. Sie sehen Junior nicht als neuen Anführer an, verweigern die Arbeit und planen sogar Aufstände. Die Godspeed verfällt in völliges Chaos, niemand hält sich an irgendwelche Regeln und plötzlich ist nicht einmal mehr genügend Essen für alle vorhanden. Junior wird an seine Grenzen getrieben und muss verstehen lernen, dass das Falsche manchmal doch zum Richtigen führt...

Amy nimmt in "Godspeed - Die Suche" noch immer eine Außenseiterrolle ein, die sie stärker belastet als im ersten Band. Niemand außer Junior respektiert oder akzeptiert sie. Sogar Drohungen und Beschimpfung muss sie über sich ergehen lassen. Sie ist der Freak, das schwarze Schaf auf dem Schiff, auf dem jeder herumhacken kann, um seine Aggressionen loszuwerden. Um Abstand zu den Bewohnern der Godspeed zu bekommen, distanziert sie sich und schottet sich von den anderen an. Sie erbaut eine Mauer um sich selbst, um sich zu schützen, und lässt niemanden mehr an sich heran. Dadurch fällt es nicht nur Junior, sondern auch dem Leser selbst schwer, an Amy heranzukommen und mit ihr zu empathisieren. Das macht sie als Figur jedoch auf keinen Fall unsympathisch! Dank der Kapitel, in denen Amy die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, bekommt man trotz ihrer unnahbaren Art mit, was in ihr vorgeht, und man kann jeden ihrer Gedanken, jede ihrer Handlungen nachvollziehen. Mit den Seiten taut Amy Stück für Stück mehr auf. Dies liegt vor allem an der neuen Herausforderung, der sich das toughe Mädchen stellen muss. Mehrmals muss sie über ihren Schatten springen und über sich hinauswachsen, doch jede einzelne Aufgabe bringt sie weiter auf der Suche nach dem Geheimnis der Godspeed. Dieser Rotschopf ist eine absolute Kämpfernatur!

Die Beziehung zwischen Amy und Junior spielt in "Godspeed - Die Suche" eine tragende Nebenrolle und spielt sich eher zurückhaltend im Hintergrund ab. Durch die Verhältnisse auf der Godspeed müssen die beiden Liebenden mit vielen Problemen und Hindernissen kämpfen, die sie ebenso auseinandertreiben wie zusammenführen. Es ist ein ständiges Hin und Her aus Brechen und Zusammenfinden, das die Autorin Beth Revis auf emotionale und zärtliche Weise erzählt. Amy und Junior sind ein ungleiches Pärchen, das einen als Leser einfach begeistern muss. Hier prallen Welten aufeinander, die unterschiedlicher kaum sein könnten! Trotzdem finden die beiden trotz aller Schwierigkeiten immer wieder zueinander und beweisen damit, dass die Liebe keine Grenzen kennt.

Cover:
Darüber lässt sich sicher streiten. Die Farben gefallen mir ausgesprochen gut, die Gesichter dagegen überhaupt nicht. Deshalb betrachte ich lieber die bloßen Farben, die auf die Buchdeckel gedruckt wurden, und lasse den Umschlag mit den Profilbildern der Protagonisten beiseite!

Fazit:
"Godspeed - Die Suche" ist im Gegensatz zu vielen anderen zweiten Teilen einer Trilogie absolut kein Füllerband. Hier wird es noch spannender, noch erschreckender, noch beeindruckender! Dieses Buch lässt einem einen Schauer über den Rücken laufen und lässt einen nicht mehr los, ehe man es ausgelesen hat. Ein Wahnsinns-Buch, das die volle Punktzahl zurecht verdient hat. Deshalb gibt es für "Godspeed - Die Suche" 5 Lurche!


Über die Autorin:
Beth Revis, geboren und aufgewachsen in den Ausläufern der Appalachen in North Carolina/USA, schrieb schon während der Schule lieber Kurzgeschichten, statt dem Unterricht zu folgen. Diese Gewohnheit behielt sie auch an der Universität bei - aus ihren Kurzgeschichten waren mittlerweile halbe Romane geworden. Nach ihrem Abschluss an der NC State University in Englischer Literatur wurde Beth Revis Lehrerin. Da sie es auch weiterhin nicht lassen konnte, Geschichten zu schreiben, statt Essays zu korrigieren und Unterrichtspläne zu erstellen, hat sie sich inzwischen ganz dem Schreiben gewidmet. Beth Revis lebt mit ihrem Ehemann und einem Hund im ländlichen North Carolina/USA. "Godspeed - Die Reise beginnt" ist ihr Debütroman und der Auftakt einer Trilogie.

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