Rezension: "Rot wie das Meer"

Titel: Rot wie das Meer
Originaltitel: The scorpio races
AutorIn: Maggie Stiefvater
ÜbersetzerIn: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
Verlag: script5
Seitenzahl: 430
Preis: 18,95€
ISBN-10: 3839001471
ISBN-13: 978-3839001479
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Worum geht's?
Jedes Jahr färbt sich der Sand an der Küste von Thisby rot. Wenn der Herbst anbricht und das Meer die Capaill Uisce an Land schickt, ist es Zeit für das Skorpio-Rennen, das gefährlichste Pferderennen der Welt. Die Männer der kleinen Insel versuchen, die schnellsten der todbringenden Wasserpferde zu fangen, mit ihnen das Rennen zu gewinnen - und dabei nicht ihrer gefährlichen Magie und ihren reißenden Mäulern zu unterliegen und zu sterben. Auch Sean Kendrick fiebert dem Tag entgegen, an dem er mit seinem Capall Uisce die Küste entlang galoppieren kann. Denn in diesem Jahr hängt viel mehr als bloß Ruhm von seinem Gewinn ab. Auch für Kate Connolly, genannt Puck, steht einiges auf dem Spiel. Das Preisgeld des Rennens ist ihre letzte Chance, ihre Existenz und die ihrer Brüder zu retten. Als erstes Mädchen in der Geschichte von Thisby meldet sie sich zum gefährlichen Skorpio-Rennen an - und macht sich damit mehr Feinde als Freunde. Auch Sean ist der Meinung, dass Frauen nichts an der blutigen Küste zu suchen haben, aber die mutige Puck erkämpft sich seinen Respekt. Eine tiefe Freundschaft entsteht, doch dann fällt der Startschuss des Skorpio-Rennens und wieder einmal färbt sich das Meer rot...

Kaufgrund:
Es reicht doch, wenn "Maggie Stiefvater" auf dem Cover gedruckt steht, oder?

Meine Meinung:
In "Rot wie das Meer", dem neuen Einzelband von Ausnahmeautorin Maggie Stiefvater, geht es um das brutalste Rennen der Welt: das Skorpio-Rennen. Jahr für Jahr veranstalten die Einwohner von Thisby diesen Wettbewerb, der die Touristen auf die kleine Insel lockt, um herauszufinden, welcher Mann das schnellste Capall Uisce aus dem Meer gefangen hat - und Jahr für Jahr lassen die Männer bei diesem Rennen ihr Leben. Denn die Capaill Uisce, Pferde, die das Meer gebiert, sind keine gewöhnlichen Reittiere. Sie sind Raubtiere des Ozeans mit messerscharfen Zähnen, die sich nicht bändigen lassen, auch wenn die Männer von Thisby mit ihren Skorpio-Rennen versuchen, das Gegenteil zu behaupten. Die Capaill Uisce herrschen nicht nur über unglaubliche Kräfte, sondern auch über eine außergewöhnliche Art der Magie. Wenn sie ihre Reiter nicht mit ihren Mäulern zerreißen, übertragen sie ihre Liebe zum Meer auf sie und ziehen sie mit sich in die Tiefen des Wassers, aus denen sie nicht mehr auftauchen werden...

In diesem Jahr herrscht Furore auf der kleinen Insel. Kate Connolly, genannt Puck, hat sich für das gefährliche Skorpio-Rennen angemeldet. Sie will mit ihrer zahmen Stute Dove, einem gewöhnlichen Pferd, gegen die Männer mit ihren Raubtieren antreten, um von dem Preisgeld das Haus ihrer verstorbenen Eltern zu kaufen und somit ihre Existenz und die ihrer zwei Brüder zu sichern. Puck, die weibliche Protagonistin des Romans, ist eine zähe junge Frau, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Sie trägt das Herz am rechten Fleck und tut alles, um den Rest ihrer Familie zu schützen, der ihr noch geblieben ist. Aufrichtig und mutig stellt sie sich allem und jedem in den Weg, der versucht, sie noch vor dem Rennen vom Strand zu verjagen. Mädchen haben dort nichts zu suchen, sagen die Männer, vor allem nicht mit einem "Pony" wie Dove. Doch Puck weiß, dass sie keine andere Wahl hat: Entweder sie setzt ihr Leben aufs Spiel oder sie verliert alles, was ihr lieb ist. Die junge Protagonistin ist eine toughe Kämpfernatur, die man mit ihrer aufrichtigen Art schnell ins Herz schließt.

Kate gegenüber steht Sean Kendrick, der männliche Protagonist in "Rot wie das Meer". Jeder auf Thisby kennt seinen Namen, denn er hat das Skorpio-Rennen in seinem jungen Leben bereits sechs Mal überlebt und vier Mal sogar gewonnen. Obwohl sein Vater bei einem Rennen ums Leben kam, liebt und respektiert Sean nichts so sehr wie das Meer und die Capaill Uisce, die es zur Welt bringt. Er ist derjenige, der zur Hilfe gerufen wird, wenn es Probleme mit einem Wasserpferd gibt; denn niemand kennt diese Geschöpfe besser als er. Sean ist der "Pferdeflüsterer von Thisby", der einen ganz besonderen Draht zu den Reittieren hat, egal, ob sie aus dem Meer stammen oder an Land geboren wurden. Er ist ein stiller und zurückhaltender Protagonist, der nicht hinter seine Fassade blicken lässt. Er zieht die Gesellschaft der Capaill Uisce der der Menschen vor und behält seine Gedanken lieber für sich. Er braucht niemanden - außer Corr, seinen geliebten roten Capall-Hengst, der eigentlich Seans Arbeitgeber gehört und den er selbst wohl niemals besitzen wird. Sean Kendrick ist ein außergewöhnlicher Charakter, den ich unheimlich gern mochte. Er ist einer von der Sorte, die man so schnell nicht mehr vergisst!

Maggie Stiefvater erzählt die Geschichte abwechselnd aus der Sicht ihrer zwei Protagonisten Puck und Sean, die sich erst durch Kates Teilnahme am Skorpio-Rennen kennenlernen. Ihre Beziehung zueinander ist schwierig und komplex, da bereits ihre erste Begegnung beinahe in einer Katastrophe endet. Doch obwohl die beiden eigentlich Rivalen sind und jeder das Rennen unbedingt muss entwickelt sich zwischen Puck und Sean im Laufe der Geschichte eine tiefe Freundschaft. Sie zwei Hauptcharaktere sind beide auf ihre eigene Weise Außenseiter auf Thisby, die nicht nur mit den Blicken der anderen Bewohner zu kämpfen haben. Ihre Absichten, ihre Gemeinsamkeiten, aber auch ihre Unterschiede schweißen Sean und Puck aneinander und lassen ein inniges Vertrauen heranwachsen.

"Rot wie das Meer" mag im ersten Moment nach einer Pferdegeschichte mit magischen Elementen klingen, aber in Wahrheit handelt es sich um einen Roman, der es mächtig in sich hat. Bereits während des Prologs wird man Zeuge eines tragischen Unfalls, der ein Menschenleben fordert, und dies soll nicht die einzige Begegnung mit dem Tod bleiben. "Rot wie das Meer" wird seinem Titel gerecht und bietet dem Leser viel Blut, einige Leichen und unzählige Grausamkeiten, die für eine Gänsehaut sorgen. Es ist eine brutale Geschichte, die zarte Gemüter einige Male innehalten lassen wird, um das eben Gelesene erst einmal sacken zu lassen.

Gleichzeitig ist der neue Roman von Maggie Stiefvater aber auch eine höchst emotionale Geschichte über die Freundschaft zwischen Mensch und Tier. Die innigen Momente der Charaktere mit ihren Pferden sind der Autorin so gut gelungen, dass man sie sogar noch viel lieber liest als den Rest der Geschichte. Mit jedem geschriebenen Wort, jeder Geste von Puck oder Sean spürt man ihre Liebe und ihren Respekt zu ihren Tieren und ertappt sich selbst dabei, wie man die Pferde ins Herz schließt. Maggie Stiefvater ist es mit "Rot wie das Meer" abermals gelungen, einen überwältigenden Roman zu schreiben, der die richtige Balance aus Spannung und Gefühl findet.

Die Capaill Uisce geben dem Buch das gewisse Etwas. Sie sind die ausschlaggebende, innovative Idee, die die Geschichte zu einem Must-Read macht. Die gefährlichen Wasserpferde mit ihrer tödlichen Magie ziehen nicht nur die Bewohner von Thisby oder die Touristen an, sondern auch den Leser selbst. Sie faszinieren und verzaubern, man will unbedingt mehr von ihnen wissen und ihnen näher kommen, obwohl man ganz genau weiß, dass sie nach Fleisch lechzen. Maggie Stiefvater hat sich, wie sie in ihrem Nachwort erklärt, von dem Kelpie-Mythos inspirieren lassen, aber nur die Elemente übernommen, die sie für ihre Geschichte brauchte. Damit hat sie eine eigene kleine Legende erschaffen, die genau so perfekt ist, wie sie ist.

Maggie Stiefvaters Schreibstil wurde von dem tollen Übersetzerduo Jessika Komina und Sandra Knuffinke mal wieder - wer hätte es auch anders erwartet! - grandios ins Deutsche übertragen, ohne dass die Magie der Worte darunter gelitten hat. Mit ihrer malerischen Sprache zaubert die Autorin ihre Leser mitten in das Geschehen, mitten auf die kleine Insel Thisby. Maggie Stiefvater garantiert mit ihren Geschichten stets ein Kopfkino vom Feinsten! Man kann den kalten Wind an den eigenen Ohren spüren, wenn Puck und Sean auf ihren Pferden reiten, man kann das Meer zischen und fauchen hören, wenn es ein neues Capall Uisce an Land schickt, und man kann die Kraft und die Macht der Wasserpferde spüren, wenn sie mit ihren gefährlichen Hufen über den Strand donnern. "Rot wie das Meer" ist ein sprachlicher Leckerbissen, den man am liebsten in einem Happen verschlingen möchte.

Cover:
Das Cover ist mit seinen wundervollen Verzierungen mal wieder ein echtes "Cover-Highlight" aus dem Script5-Verlag. Ich muss zwar ehrlich zugeben, dass ich nicht gedacht hätte, welch grandiose Geschichte hinter diesem Cover steckt, aber toll schaut es trotzdem aus!

Fazit:
"Rot wie das Meer" ist ein absolutes Must-Read, ein Highlight 2012. Mit diesem Einzelband ist Maggie Stiefvater ein Meisterwerk gelungen, das mich vollkommen in seinen Bann ziehen konnte. Die Capaill Uisce haben mich verzaubert und in den Sog der Geschichte getrieben, die alles in sich vereint, was man sich als Leser wünscht. Spannende und brutale Momente ließen mich erschauern, während gefühlvolle und rührende Szenen mein Herz zum Schmelzen brachten. Ich vergebe volle 5 Lurche für einen Roman, der mich überwältigt und begeistert hat.


Über die Autorin:
Maggie Stiefvater, geboren 1981, hatte glücklicherweise immer Schwierigkeiten, ihren Hang zu Tagträumereien und Selbstgesprächen mit ihren Jobs zu vereinbaren. Anstatt also als Kellnerin, Kalligraphielehrerin oder technische Redakteurin zu arbeiten, versuchte sie es mit der Kunst. Heute lebt sie als erfolgreiche Musikerin, Malerin und Autorin in Virginia, ist verheiratet, hütet zwei kleine Kinder sowie zwei neurotische Hunde und hofiert eine verrückte Katze.

Kommentare:

  1. Hab mal eben deine Rezension durchgelesen..ich finde sie super toll geschrieben(wollte ich mal so erwähnt haben ^^#)
    Hab das Buch die tage als ebook-Version von meinem Schatz bekommen, weil ich so unglücklich gequengelt habe, dass ich noch unter meinem selbstauferlegtem Buchkaufstop leide^^
    Jetzt freue ich mich noch mehr auf das Buch!!
    lg und frohes Neues
    Aki

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  2. Dankeschön, Aki!!!
    Hihi, ja, das Gequengel ist bei diesem Buch aber absolut berechtigt!
    Ich hoffe, dir wird es ebenso gut gefallen wie mir! :)

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