Rezension: "Unearthly. Heiliges Feuer"

Titel: Unearthly. Heiliges Feuer
Originaltitel: Hallowed
AutorIn: Cynthia Hand
ÜbersetzerI: Isabell Lorenz
Verlag: rororo
Seitenzahl: 400
Preis: 9,99€
ISBN-10: 3499256991
ISBN-13: 978-3499256998
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Worum geht's?
Clara, das sechzehnjährige Engelsblut, muss den Tatsachen ins Auge sehen: Um ihre große Liebe Tucker zu retten, hat sie ihre Aufgabe, ihr Schicksal, ihre Bestimmung nicht erfüllt. Sie hat versagt - und muss nun mit den Konsequenzen leben: Ein Schwarzflügel, ein gefallener Engel, hat ihre Schwäche bemerkt und es nun auf sie abgesehen. Als wäre Claras Leben noch nicht kompliziert genug! Plötzlich scheint es, als würde sie noch eine weitere Chance bekommen, sich als Schutzengel zu beweisen. Sie empfängt wieder Visionen, die ihr eine neue Mission zeigen. Eine Prüfung, noch schwieriger und dramatischer als zuvor: Denn Clara sieht, das jemand sterben wird. Jemand, der ihr sehr nahe steht...

Kaufgrund:
Ganz klar: "Unearthly. Dunkle Flammen" ist ein Serienauftakt, der mich regelrecht begeistern konnte. Ich wollte unbedingt wissen, wie es mit Clara weitergehen würde!

Meine Meinung:
"Unearthly. Heiliges Feuer", der zweite Band der Engelstrilogie von Cynthia Hand, schließt beinahe nahtlos an seinen Vorgänger "Dunkle Flammen" an. Dank einer kurzen und knackigen Wiederholung der wichtigsten Ereignisse und Geschehnisse des ersten Teils findet man ohne Probleme wieder in die Geschichte um das junge Engelsblut Clara hinein. Für Seiteneinsteiger wird der knappe Gedächtnisauffrischer der Autorin allerdings kaum reichen, um sich im Mittelteil der dreiteiligen Buchreihe zurechtzufinden. Wer "Unearthly. Dunkle Flammen" also noch nicht gelesen hat, sollte erst zum Auftakt der Trilogie greifen und diese Rezension nicht weiterlesen. Es besteht akute Spoilergefahr!

Bereits nach wenigen Seiten verspürt man wieder dieselbe Begeisterung, die einen auch an die Seiten des ersten Bandes gebannt hat. Clara ist noch immer die humorvolle und ehrliche Protagonistin, die man so sehr zu schätzen gelernt hat, und verzaubert mit ihrer Art erneut die Herzen der Leser. Nach diesem mühelosen Übergang zwischen den zwei Büchern, der die Lust auf "Unearthly. Heiliges Feuer" weiter wachsen lässt, freut man sich auf amüsante Lesestunden, die einen gut unterhalten werden.

Die anfängliche Euphorie ebbt allerdings bald ab, als sich herausstellt, dass dieser Teil der Trilogie in eine ganz andere Richtung einschlagen wird als sein Vorgänger. Die gesamte Handlung wird düsterer, ernster und verliert ihren jugendlichen Highschool-Charme. Jetzt beginnt das harte Leben und Themen wie das perfekte Ballkleid werden von dunklen Gefahren abgelöst, die ihre Opfer fordern. Was nun im ersten Moment nach Spannung pur klingt, ist allerdings eher ein Roman, der Wert auf Emotionen legt. Überraschende Wendungen oder packende Kämpfe, die einen vom Hocker hauen, gibt es hier kaum; es wir bloß alles angedeutet und erwähnt, womit die Autorin natürlich große Erwartungen in den Abschluss der Engelstrilogie setzt. Langweilig wird es in dem zweiten Band zwar nicht, aber die ein oder andere aufregende oder unerwartete Szene hätte ihm sicherlich gut getan.

"Unearthly. Heiliges Feuer" wendet sich anderen Themenpunkten zu als "Dunkle Flammen" und ist daher schlecht mit dem anderen Teil zu vergleichen. Cynthia Hand legt nun viel mehr Wert auf den Ernst ihrer Geschichte als auf ihren Spaßfaktor. Der Tod und seine Auswirkungen spielen in diesem Teil eine ganz entscheidende Rolle. Schlecht macht dieser extreme Imagewechsel das Buch nicht, aber es ist eben nicht das, was man erwartet hat, was bei mir im ersten Moment für einen gewissen Unmut sorgte. Doch sobald man sich auf die Veränderung einlässt, wird man von der emotionalen Haupthandlung begeistert werden und wieder - wenn auch nicht ganz so stark - dem "Unearthly"-Lesewahn verfallen.

Auch im zweiten Teil übernimmt Clara die Rolle der erzählenden Protagonistin. Nach den Ereignissen aus "Unearthly. Dunkle Flammen" ist Clara gezwungen, sich den Tatsachen zu stellen: Sie hat ihre Engelsmission nicht erfolgreich beendet, hat versagt, sich gegen ihre Bestimmung gewehrt. Zu Beginn nimmt sie ihren Misserfolg noch relativ gelassen - schließlich hat sie Tucker gerettet! -, doch je weiter die Handlung voranschreitet desto stärker scheint sie unter den Konsequenzen leiden zu müssen. Ein unermüdlicher Kummer breitet sich mehr und mehr in Clara aus und verändert ihr Wesen, macht sie ernster, vernünftiger, erwachsener - Charakterzüge, die sie dringend gebrauchen kann, denn ihr stehen schwierige Zeiten bevor. Claras Entwicklung hat ihr als Protagonistin und Kämpferin sicherlich gut getan. Sie hat noch immer ihren liebenswerten Charme, mit dem sie die Leser begeistern kann, aber man kann nicht leugnen, dass einem die "alte" vorwitzige Clara mit ihren frechen Sprüchen und ihren lustigen Gedanken fehlt.

An "Unearthly. Dunkle Flammen" hat mir die ungezwungene Liebesgeschichte besonders gut gefallen. Eine Protagonistin, die weiß, was sie will - das braucht das Genre und genau die hat Cynthia Hand ihren Lesern geboten! Umso enttäuschender ist es für mich, dass sie sich in "Unearthly. Heiliges Feuer" doch dazu entschlossen hat, auf die typische Schiene aufzuspringen. Der sympathische Tucker rückt immer stärker in den Hintergrund, während Christian für Clara noch attraktiver wird. Auf diese Weise erhält Christian die Chance, mehr aus seinem Charakter herauszuholen, aber dass Tucker dabei so wenig Aufmerksamkeit erhält, tut einem als Fan doch in der Seele weh. Clara, noch immer fest entschlossen, nur auf ihr Herz zu hören, will sich zwar nicht eingestehen, dass sie Gefühle für Christian hat, aber ihr Herz ist sich wohl nicht so sicher wie ihr Verstand...
Apropos: Cynthia Hand macht sich über die klischeehafte Liebesgeschichte selbst ein wenig lustig, indem sie Clara daran glauben lässt, sie würde niemals zu einem unsicheren Mädchen werden, das sich nicht zwischen zwei hinreißenden Männern entscheiden können würde. Tja, Clara - die Zukunft ist stets ungewiss...

Ein kleines Highlight der Geschichte war für mich Claras kleiner Bruder Jeffrey, der in "Unearthly. Heiliges Feuer" genau die Aufmerksamkeit bekommt, die ich mir bereits im ersten Teil für ihn gewünscht hätte. Endlich bekommt er die Möglichkeit zu zeigen, was in ihm steckt - und das ist einiges! Jeffrey entwickelt sich zu einem geheimnisvollen und interessanten jungen Mann, der sich nicht weiter hinter seiner Schwester und seiner Mutter verstecken will. Die Zeit, in der er seine eigene Engelsaufgabe überstehen muss, rückt näher und näher, aber ist Jeffrey wirklich schon bereit dazu, sich ihr zu stellen? Die Ereignisse aus "Unearthly. Heiliges Feuer" zwingen ihn, den Tatsachen ins Auge zu sehen und seine eigenen Entscheidungen zu treffen.

War ich im ersten Band noch gänzlich von Cynthia Hands schreiberischem Talent überzeugt, ließ mich die jugendliche Wortwahl der Charaktere diesmal oft genervt mit den Augen rollen. Der übermäßige Gebrauch des Ausdrucks "Boah" ist mir tatsächlich so sehr auf die Nerven gegangen, dass ich es in meiner Rezension nicht unerwähnt lassen kann. Dies ist allerdings nur ein kleiner Kritikpunkt, denn die Autorin schafft es mit ihrem flüssigen und sonst sehr angenehmen Schreibstil trotzdem, ihre Leser in einen unerbittlichen Lesefluss zu reißen. Ihre Sprache macht Spaß, der zwar von einigen "Boah" geschmälert wird, aber noch immer groß genug ist, um "Unearthly. Heiliges Feuer" in einem Rutsch durchlesen zu wollen. Die Seiten lesen sich so fix, dass man gar nicht mitbekommt, wie schnell der fast 400 Seiten lange Roman vorbei ist.

Cover:
Ganz im Stil des ersten Bandes gefällt mir auch dieses Cover ziemlich gut, allerdings nicht so sehr wie das zu "Unearthly. Dunkle Flammen". Immerhin sind meine Hauptkriterien erfüllt: Es passt zur Reihe und bezieht sich, wenn auch nicht sonderlich offensichtlich, auf die Geschichte.

Fazit:
"Unearthly. Heiliges Feuer" ist eine tolle Fortsetzung zu "Dunkle Flammen", der man allerdings ohne Erwartungen begegnen sollte. Der zweite Teil der Trilogie schlägt eine ganz andere Richtung ein als sein Vorgänger und kann einem deshalb nicht das bieten, was man nach "Dunkle Flammen" erwartet hätte. Es wird düsterer, emotionaler, ernster und die lustige und charmante Atmosphäre geht dabei fast vollständig verloren. "Unearthly. Heiliges Feuer" ist keinesfalls schlecht, aber eben nicht mit dem ersten Roman zu vergleichen. Wäre ich ohne Erwartungen an das Buch herangegangen, wäre ich sicher auch nicht enttäuscht worden. Ich vergebe gute 3 Lurche.



Über den Autor:
Cynthia Hand unterrichtet Kreatives Schreiben an der Pepperdine University in Los Angeles. Sie lebt mit Mann und Sohn in Südkalifornien. Besuchen Sie die Autorin online unter: www.cynthiahand.blogspot.com

Kommentare:

  1. Es ist doch immer wieder interessant, wie unterschiedlich die Lesegeschmäcker sind.
    Mir hat der erste Band gar nicht so gut gefallen und der zweite wird daher auch gar nicht erst gekauft^^
    Ich kann es grad' nicht anders beschreiben, als dass ich mich beim Lesen einfach irgendwie zu erwachsen gefühlt habe. ;)

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  2. @buecherparadies: Ich kann total verstehen, was du meinst, aber für mich war diese jugendliche "Feeling" innerhalb des Buches genau das, was mir so gut gefallen hat. Zumindest im ersten Band. Im zweiten Band war es dann irgendwie seltsam, weil die Autorin versucht hat, genau das drin zu lassen und trotzdem die Geschichte düsterer zu machen. Schlecht war der zweite Band nicht, aber es war eben nicht das, was ich mir gewünscht habe... Und wenn der erste Band nichts für dich war, ist wohl auch der zweite nichts für dich. ;)

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