Rezension: "Auracle: Ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe"

Titel: Auracle: Ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe
Originaltitel: Auracle
AutorIn: Gina Rosati
ÜbersetzerIn: Stephanie Lochner
Verlag: bloomoon
Seitenzahl: 368
Preis: 16,99€
ISBN-10: 3760789072
ISBN-13: 978-3760789071
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Worum geht's?
Anna Rogan hat eine besondere Fähigkeit: Sie kann mit ihrer Seele ihren Körper verlassen und durch Astralreisen selbst die entferntesten Winkel der Welt, sogar des Universums entdecken! Obwohl ihr bester Freund Rei sich darum sorgt, dass Anna während ihrer Reisen etwas zustößt, kann sie sich nicht zurückhalten. Sie will frei sein, fliegen, die Welt entdecken! Als ihr Freund Seth sich allein mit der zickigen Taylor treffen muss, die ein Auge auf ihn geworfen hat, macht sich Anna auf den Weg, um ihm körperlos beizustehen. Doch dann kommt es zu einem fürchterlichen Unfall, der Taylor das Leben kostet. Seth flüchtet aus Angst, unschuldig ins Gefängnis zu müssen, denn die Beweise sprechen gegen ihn und es gibt keine Zeugen - außer Anna! Doch als Anna versucht, in ihren Körper zurückzukehren, muss sie entsetzt feststellen, dass bereits eine Seele in ihm steckt. Taylor hat ihren Körper übernommen und setzt nun alles daran, um Seth ins Gefängnis zu bringen. Rei ist Annas letzte Hoffnung, denn nur er kann ihren Geist sehen. Aber Taylor hat nicht vor, ihren neu gewonnenen Körper wieder zu verlassen...

Kaufgrund:
"Auracle: ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe" ist mir in der Verlagsvorschau des bloomoon-Verlags sofort ins Auge gesprungen. Schuld daran war vor allem das einzigartige und wunderschöne Cover!

Meine Meinung:
Der Einstieg in "Auracle" fällt einem nicht leicht. Irgendwie macht alles, was passiert, einen seltsamen Eindruck. Auch die wirklich ungewöhnlichen Charaktere wirken mit ihrer aufgeschlossenen und zugleich geheimnisvollen Art eher suspekt als reizend. Unsympathisch sind sie keinesfalls, doch man mag Anna, Rei und Seth nicht recht einschätzen. Man wird nicht augenblicklich mit ihnen warm. Die Idee hinter der Geschichte - Annas außergewöhnliche Fähigkeit, mit ihrer Seele ihren Körper verlassen zu können - zieht einen dagegen sofort in ihren Bann.

"Ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe" - ein Untertitel, der mich nicht nur neugierig machte, sondern auch eine romantische und aufregende Liebesgeschichte erwarten ließ. Leider habe ich mir in dieser Hinsicht völlig falsche Hoffnungen gemacht, denn die Gefühle zwischen Anna und Rei spielen zwar eine wichtige, aber eine sehr kleine Rolle im Hintergrund des Geschehens. Bis zu einem gewissen Punkt behandeln sich die zwei Charaktere wie liebende Geschwister, nicht wie ein verliebtes Pärchen.

Als der Funken endlich überspringt, bleibt die Liebesgeschichte trotz der großen Gefühle eher ruhig, scheu und zurückhaltend. Nach schwachen Knien und dahinschmelzenden Herzen sucht man in "Auracle" weitestgehend vergeblich. Trotzdem hat diese schüchterne Liebesgeschichte ihren eigenen Reiz und man liest sie gerne, denn sie stellt einen Kontrast zu den sonst so aufdringlichen Teenie-Romanzen dar. Wäre ich nicht mit der Erwartung an das Buch herangegangen, eben das zu bekommen, hätte mich die still aufkeimenden Gefühle von Anna und Rei wohl stärker überzeugen können.

Gina Rosati hat sich für den paranormalen Part ihrer Geschichte ein neues und unverbrauchtes Thema ausgesucht, das einen auf Anhieb neugierig macht. Denn Protagonistin Anna besitzt die außergewöhnliche Fähigkeit, ihren Körper zu verlassen und durch Astralreisen die entferntesten Winkel des Universums zu entdecken. Jeder kann sich wohl an einen Augenblick in seinem Leben erinnern, in welchem man sich an einen weit entfernten Ort gewünscht hat - und Anna tut dies tagtäglich. Wenn der Unterricht ihr zu langweilig ist, verlässt sie mit ihrer Seele ihren Körper und reist in sekundenschnelle an spannende Orte der Erde (ein ausbrechender Vulkan ist aber auch wesentlich interessanter als Schulunterricht...).

Im Verlauf der Handlung bekommt Anna jedoch kaum die Möglichkeit, ihre besondere Gabe für Ferienausflüge zu nutzen. Seit Taylor nach ihren Unfall Annas Körper übernommen hat und Anna nur noch als astrale Projektion in einer anderen Dimension existiert, ist sie Taylor fast immer auf den Fersen, um im Auge behalten zu können, was dieses Biest mit ihrem Körper anstellt. Die Geschichte entwickelt sich rasch zu einem amüsanten Lesevergnügen, dass die Seiten nur so dahinfliegen lässt, einen aber nicht atemlos an den Roman fesselt. Die Autorin hat eine tolle Geschichte mit noch viel tolleren neuen Aspekten und interessanten, wenn auch zu Beginn schwierigen Charakteren geschrieben, aber leider weist die Umsetzung an einigen Stellen noch ein paar Schwächen auf.

Gina Rosati behandelt in "Auracle" nicht nur lustige Themen, auch wenn die gesamte Geschichte einen sehr heiteren Eindruck macht. Anna und Rei kämpfen in ihrem Abenteuer um die Unschuld ihres Freundes Seth, der Taylor getötet haben soll, müssen aber auch mit typischen Teenie-Problemen umgehen lernen. Als wäre all das nicht bereits schwierig genug, muss Anna sich auch noch mit der Alkoholabhängigkeit ihres Vaters herumschlagen. Für meinen Geschmack war vor allem der letzte Punkt zu viel des Guten. Gina Rosati hat ihren Figuren bereits genügend Steine in den Weg gelegt und hätte auf komplizierte Familienverhältnisse, die die Atmosphäre des Romans wohl bedrückender gestalten sollten, lieber verzichten sollen. Da die Autorin das Thema der Alkoholsucht auch bloß nebensächlich in die Handlung einfließen lässt, wirkt es eher aufgesetzt als tiefgründig.

Nach einem aufregenden Abenteuer, an dem ich trotz meiner Kritikpunkte gefallen gefunden habe, heißt es Abschied nehmen. Da "Auracle" als Einzelband gedacht ist und die Autorin nach eigenen Angaben auch keine Fortsetzung mehr schreiben will, muss man Anna und Rei nach der letzten Seite wohl oder übel zurücklassen. "Auracle" endet jedoch mit einem zufriedenstellenden Abschluss, der keine wichtigen Fragen unbeantwortet lässt. Der Haupthandlungsstrang ist definitiv abgeschlossen und bietet kaum Spielraum für einen zweiten Band, dafür aber genügend Platz für eigene Ideen, wie es mit dem astralreisenden Mädchen weitergehen könnte.

Annaliese, genannt Anna, ist die Protagonistin und Erzählerin des Romans. Sie ist ein ehrliches, aufrichtiges und lebensfrohes Mädchen, das trotz der dunklen Seite ihres Lebens niemals den Mut verliert. Sie zieht ihre Kraft aus der Energie des Lebens um sie herum und gibt niemals auf, ganz egal, wie prekär die Lage auch scheinen mag. Anna ist definitiv eine Protagonistin, die man in sein Herz schließt und die mag gerne auf ihrem Abenteuer begleitet. Ihre besondere Gabe und ihre Art, die so gar nicht mit anderen Romanprotagonistinnen zu vergleichen ist, machen Anna zudem zu einer sehr außergewöhnlichen Hauptfigur, die einem noch einige Zeit im Gedächtnis bleiben wird.

Rei, Annas bester Freund seit Kindertagen, erkämpft sich bereits nach wenigen Seiten mühelos den Platz des Lieblingscharakters. Der Halbjapaner ist nicht bloß sympathisch, sondern in seinem gesamten Auftreten ein angenehmer Zeitgenosse, mit dem man wohl selbst gern befreundet wäre. Trotz seiner jungen Jahre ist er ein reifer, ausgeglichener und bodenständiger Mann, der stets weiß, was zu tun ist. Seine besonderen Hobbies und Interessen heben Rei von den sonst so stereotypen Jugendbuch-Kerlchen deutlich ab: Er spielt selbst Gitarre, hat eine Vorliebe für Death Metal, ist Meister verschiedener japanischer Kampfkünste und außerdem ist er ein waschechter Gesundheitsfanatiker. Diese ungewöhnliche Mischung, gepaart mit seiner liebenswerten und witzigen Art, macht Rei zu einem Charakter-Highlight, über den man gerne noch viel mehr gelesen hätte.

Gina Rosati hat ein Talent für ungewöhnliche Charaktere mit speziellen Vorlieben und Interessengebieten. Sie gibt ihren wichtigen Figuren tollen Facetten und macht aus jedem von ihnen ein kleines Highlight. Für mich waren die unterschiedlichen Persönlichkeiten in "Auracle" große Pluspunkte, die viele Schwächen der Umsetzung ausgleichen konnten. Doch so begeistert ich schlussendlich von ihnen bin, zu Beginn war es schwierig, mit ihnen warm zu werden. Dies liegt jedoch weniger an ihnen selbst, sondern viel mehr an dem Schreibstil der Autorin. Rosati schreibt extrem jugendlich; sowohl ihr Stil als auch ihre Wortwahl könnten kaum besser zu Teenagern passen. Während der ersten Seiten war dieser Teenie-Stil eher irritierend als überzeugend, aber mit der Zeit konnte ich mich mehr und mehr für ihn begeistern.

Bloß Taylor konnte mich als Charakter nicht von sich überzeugen. Das Mädchen, das nach ihrem Unfall ihren Tod nicht akzeptieren will und kurzerhand Annas Körper besetzt, ist wahrhaftig ein Biest, dem man lieber nicht über den Weg laufen will. Taylor ist eine arrogante, egozentrische und rücksichtslose Person, die vor Nichts und Niemandem zurückschreckt, um zu bekommen, was sie will. Lügen und Intrigen sind für sie so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Taylor erweckt einen aufgesetzten und rundum unsympathischen Eindruck, der sie eigentlich zur perfekten Antagonistin macht. Leider lassen ihre Entwicklung im Verlauf der Geschichte und ihre Hintergründe sie nur wie eine schwache und unausgereifte Figur wirken. Tiefe besitzt Taylor nicht und schlussendlich kann man über sie und ihren vorhersehbaren Werdegang nur den Kopf schütteln.

Cover:
Das Cover ist einfach der Wahnsinn! Es versprüht eine beeindruckende Atmosphäre, die einem sofort Lust darauf macht, das Buch zu verschlingen. Die Farben und Effekte sorgen für ein gelungenes Gesamtbild. Mit dem Wasserfall im Hintergrund wird zudem ein Bezug zur Geschichte selbst hergestellt. Toll!

Fazit:
"Auracle: Ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe" von Gina Rosati ist ein Jugendroman, der sich von anderen abhebt. Mit der innovativen Thematik der Astralreisen kann die Autorin ihren Lesern mit Leichtigkeit viele tolle Lesestunden bescheren. Leider mildern einige Schwächen in der Umsetzung den Lesespaß. Die schwierigen und komplizierten Motive, wie etwa die Alkoholsucht von Annas Vater, die bloß nebensächlich in das Geschehen eingewoben wurde, und die zurückhaltende Liebesgeschichte konnten mir nicht das bieten, was ich vor dem Lesen von dem Roman erwartet hatte. Die außergewöhnlichen Charaktere können jedoch, sofern man sich auf sie und ihre jugendliche Art einlässt, einiges wieder gut machen. Insgesamt ist "Auracle: Ein Mädchen, zwei Seelen, eine Liebe" eine tolle Geschichte, die für gute Unterhaltung sorgt. Ich vergebe 3 Lurche.


Über die Autorin:
Gina Rosati hat schon als Sekretärin, Kuchendekorateurin und als Bibliothekarin gearbeitet, bevor sie Schriftstellerin wurde. "Auracle" ist ihr erster Roman. Gina ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Kommentare:

  1. Hi,

    magst du das Buch vielleicht vertauschen? 3 Sterne sind ja jetzt nicht sooo begeistert.

    LG

    Stephie

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  2. @Stephie: Tut mir Leid, aber vertauschen mag ich das Buch nicht. Es hat mir trotzdem viel Spaß gemacht, es zu lesen, und außerdem ist das Cover viel zu schön, als das ich es hergeben könnte! ;)

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