Rezension: "Dance of Shadows: Tanz der Dämonen"

Titel: Dance of Shadows: Tanz der Dämonen
Originaltitel: Dance of Shadows
AutorIn: Yelena Black
ÜbersetzerI: Edigna Hackelsberger, Larissa Rabe
Verlag: bloomoon
Seitenzahl: 384
Preis: 17,99€
ISBN-10: 3760799140
ISBN-13: 978-3760799148
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Worum geht's?
Vanessa hat es geschafft: Die New Yorker Ballettakademie, die beste Ballettschule des Landes, hat sie aufgenommen. Zusammen mit 19 weiteren talentierten Tänzerinnen und Tänzern wird sie darum kämpfen, an der Akademie zu bestehen und ihre Karriere als Primaballerina voranzutreiben. Doch im Gegensatz zu allen anderen Schülern hegt Vanessa gar nicht den Traum einer großen Tanzkarriere. Sie ist aus einem ganz anderen Grund an die New Yorker Ballettakademie gekommen: Sie will herausfinden, was mit ihrer Schwester Margaret geschehen ist, die vor drei Jahren angeblich von der Schule weggelaufen und seitdem spurlos verschwunden ist. Zusammen mit ihren neu gewonnenen Freunden macht sich Vanessa auf die Suche nach Hinweisen; ohne auch nur im geringsten zu erahnen, in welche Gefahr sie sich damit begibt. Als sie die Hauptrolle in jenem Stück bekommt, vor dem auch ihre Schwester geflohen sein soll, beginnt Vanessa zu verstehen. Denn immer, wenn sie tanzt, versucht eine dämonische, böse Macht von ihr Besitz zu ergreifen...

Kaufgrund:
"Dance of Shadows" ist mir augenblicklich aufgefallen, als ich die Verlagsvorschau des neuen Imprints "bloomoon" durchstöberte. Nicht nur das wunderschöne Cover, auch der vielversprechende Klappentext machten mich neugierig und setzten den Roman ganz weit oben auf meine Wunschliste.

Meine Meinung:
"Dance of Shadows", der Serienauftakt von Yelena Black, ist ein Buch, das mit einer innovativen Idee neugierig auf sich macht. Die Autorin webt in ihrem Jugendbuch zwar typische paranormale Wesen ein, in diesem Fall Dämonen, aber sie macht es auf eine völlig neue Weise, die ich so noch nirgendwo gelesen habe. Sie verbindet die düstere und dunkle Magie mit dem reinen klassischen Tanz, dem Ballett, und kombiniert damit zwei Welten, die kaum unterschiedlicher sein könnten und doch so viel miteinander gemeinsam haben. Bereits der spannungsgeladene Prolog verspricht eine aufregende Geschichte und spätestens nach Vanessas ersten Tagen an der Akademie, an denen Blut vergossen wird, ist man als Leser ganz im Bann des Romans. Man möchte um jeden Preis wissen, was hinter den merkwürdigen Ereignissen steckt, und wie es mit Vanessa weitergeht. Was ist tatsächlich mit ihrer Schwester Margaret passiert? Und was ist es, das versucht, die Kontrolle über die junge Primaballerina zu gewinnen?

Die Geschichte konzentriert sich in erster Linie auf das Ballett und die schwierigen und anstrengenden Proben, an denen die Schüler der New Yorker Ballettakademie teilnehmen müssen, um die Aufführung am Ende des Jahres tadellos darbieten zu können. Vanessas Tagesablauf besteht quasi nur noch aus Proben und Übungsstunden - kein Wunder also, dass die Autorin die Tanzszenen häufig wiederholt und zum Hauptbestandteil ihrer Geschichte gemacht hat. Mich hat das Ballett fasziniert und ich habe jede einzelne Szene begeistert verschlungen. Wer dem klassischen Tanz jedoch nichts abgewinnen kann und erwartet hat, dass er nur eine nebensächliche Rolle im Geschehen einnehmen wird, dem werden die vielen Proben möglicherweise langatmig erscheinen.

Der magische Handlungsstrang der Geschichte webt sich erst relativ spät in das Hauptgeschehen des Romans ein. Zwar spürt Vanessa bereits zu Beginn die seltsamen Kräfte, die sich ihrer zu bemächtigen versuchen, während sie tanzt, doch sie spielen eher eine kleinere Rolle. Je näher die letzten Seiten rücken, desto stärker tritt die Magie jedoch in den Vordergrund und holt einiges nach, was Fantasy-Fans bis dahin vermisst haben könnten.

Leider hat die Handlung doch einige enttäuschende Logiklücken, die selbst die expressive Tanzleidenschaft nicht überdecken kann. Einige Mal gerät man ins Stocken, wenn Vanessa auf einen neuen Hinweis stößt. Wie kann es sein, dass Mädchen an einer renommierten Akademie verschwinden und weder die Polizei noch Familie oder Freude ernsthafte Unternehmungen in die Wege leiten? Wie kann es sein, dass bei Nachforschungen selbst die offensichtlichsten Dinge nicht genauer unter die Lupe genommen wurden? Diese und einige ähnliche Fragen stören das sonst so schöne Gesamtbild des Romans, denn so gut mir die Magie des Tanzes so gut gefallen hat: Über eine oberflächliche und nicht klug durchdachte Handlung kann auch sie nicht gänzlich hinwegtrösten!

Mit dem Epilog ist auch die Handlung des Romans im Großen und Ganzen abgeschlossen. Trotzdem bleiben einige essentielle und zentrale Fragen unbeantwortet, die eindeutig auf eine Fortsetzung schließen lassen. Wie viele Bände die "Dance of Shadows"-Serie haben wird, steht meines Wissens noch nicht fest, aber Yelena Black hat sich noch genügend Stoff übrig gelassen, um die Geschichte um Vanessa noch ein paar Seiten weiterzuschreiben. Auch ein Erscheinungstermin des zweiten Bandes ist noch nicht bekannt.

Vanessa ist eine Protagonistin, mit der man sich sehr schnell identifizieren kann. Sie ist ein liebenswertes Mädchen, dass trotz ihrer jungen 15 Jahre bereits wie eine junge Frau handelt. Sie ist ein wenig naiv und leichtgläubig - typischerweise verliebt sie sich sofort in den attraktivsten Jungen der Akademie verliebt -, aber vor allem sympathisch, aufrichtig und diszipliniert. Als Balletttänzerin weiß sie genau, wie wichtig eine strenge Selbstbeherrschung ist, und daran wird sie auch immer wieder erinnert. Schließlich darf sie ihre Aufgabe, die Suche nach ihrer Schwester, niemals aus den Augen verlieren - ganz egal, was kommen mag. Vanessa ist eine authentische Protagonistin, die man sehr gern auf ihrem Abenteuer begleitet; auch, wenn man sie einige Male gerne schneller in die richtige Richtung des großen Geheimnisses schubsen würde.

Auch Vanessas Freunde wachsen einem schnell ans Herz. Steffie, Blaine, TJ und Elly sind ebenso herzallerliebst wie die Protagonistin selbst und stellen genau solche Freunde dar, wie man sie sich selbst nur wünschen könnte. Leider bleiben sie im Verlauf der Handlung recht blass und durchschnittlich. Viele weitere Nebenfiguren bleiben ebenso oberflächlich wie Vanessas Freunde. Bei ihnen ist es allerdings nicht so störend, denn die Autorin holt in ihrem aufregenden Finale noch einiges auf ihren Charakteren heraus und verspricht damit, in den Folgeteilen näher auf sie und ihre Hintergrundgeschichten einzugehen.

Was mich während des Lesens ein wenig gestört hat, war die Tatsache, dass die Autorin viele fachspezifische Begriffe erwähnt, sie aber nicht genauer erläutert. Als Ballett-Laie konnte ich mir nicht genau vorstellen, wie Vanessa tanzt, wenn sie eine "arabesque" vollführte oder sich ins "relevé" erhob. Besonders zu Beginn des Romans habe ich deshalb oft das Buch beiseite gelegt, wenn eine Ballettfigur erwähnte wurde, und sie erst einmal im Internet recherchiert. Sobald ich aber mit den verschiedenen Ausdrücken eine Bewegung verbinden konnte, sorgten die Tanzszenen für eine unglaubliche und beeindruckende Atmosphäre, die einen völlig in ihren Bann zogen.

Yelena Black hat einen tollen und angenehmen Schreibstil, der einen bereits nach wenigen Sätzen mitreißt und zum Weiterlesen animiert. Die Autorin schreibt mit einer überwältigenden Ausdrucksstärke und man spürt ihre Leidenschaft für das Tanzen und die Magie in jedem einzelnen Wort. Der Auftakt der "Dance of Shadows"-Reihe ist gespickt mit authentischen und zugleich bezaubernden Szenen, die für ein aufregendes Kopfkino sorgen. Als Leser fühlt man sich beinahe, als säße man selbst im Lincoln Center und würde das Ballett der Geschichte mit eigenen Augen genießen dürfen.

Cover:
Das Cover ist einfach grandios! Die wabernden Schatten im Hintergrund, die hingebungsvolle Balletttänzerin und die Blüten, die sich von ihrem Kleid lösen, sehen schlichtweg umwerfend aus und fangen die Atmosphäre des Romans großartig ein. Übrigens: Unter dem Schutzumschlag sind ebenfalls die Schatten im Hintergrund sowie die fallenden Blütenblätter zu sehen. "Dance of Shadows" ist also in jeglicher Hinsicht ein echter Eyecatcher!

Fazit:
"Dance of Shadows" von Yelena Black ist ein Serienauftakt, der mit seiner innovativen Idee, das Ballett mit dunkler Magie zu verbinden, zu gefallen weiß. Leider reicht die oberflächliche Umsetzung der Geschichte nicht an die großartige Grundidee heran. Einige Ungereimtheiten lassen einen während des Lesens ins Stutzen geraten und stören das Gesamtbild enorm. Fans des klassischen Tanzes kommen hier jedoch vollkommen auf ihre Kosten, denn Yelena Black beschreibt die atmosphärischen Tanzszenen mit starken Emotionen und erzeugt mit ihren Worten ein Kopfkino vom Feinsten. Für "Dance of Shadows", einen ausbaufähigen Serienauftakt, vergebe ich drei Lurche.


Über den Autor:
Yelena Black hat an der Columbia University studiert und lebt als Autorin in New York. Sie liebt das Tanzen - und die Magie, die darin steckt.

Kommentare:

  1. Huhu,

    bin total einer Meinung mit dir :D

    Aber bei mir gab es nur 2 von 5 Punkten. Ich musste mich wirklich sehr quälen um dieses Buch zu beenden. Ich konnte mit den ganzen Tanzszenen auch nichts angfangen. Da schaue ich mir lieber Tanzfilme an ;)

    Wirst du die Reihe weiterverfolgen?

    LG,
    Svenja

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  2. Schade dass das Buch doch nicht so toll ist wie das Cover. Aber naja, das Thema wäre ohnehin nicht wirklich meins ;)

    Sehr schöne Rezi :))

    Liebe Grüße,
    Inessa

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  3. Ich werde es auch demnächst lesen. Kann sehr gut deine Kritik verstehen. Ich bin allerdings auch gespannt, wie es mir gefallen wird, vor allem, da ich selbst einen sehr großen Bezug zum Tanzen habe.

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  4. @Svenja: Ja, weiterverfolgen werde ich die Reihe definitiv. Ich habe mich einfach absolut in die Atmosphäre und in das Ballett verliebt. Aber wenn du mit den Tanzszenen nichts anfangen kannst, ist es wohl nicht das Wahre für dich! :(

    @Inessa: Das Buch ist wirklich nur etwas für diejenigen, die etwas mit Ballett anfangen könnnen... Schade!

    @Nazurka: Bin gespannt auf deine Rezi und wünsche dir viel Spaß beim Lesen! :)

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  5. Als ich eben noch den Inhalt gelesen habe dachte ich, ui das könnte ein Buch für deine Wunschliste sein.
    Nachdem ich aber deine Rezension gelesen habe, hast du mir einen sehr guten Einblick gegeben und sehr schön beschrieben was du nicht so gut fandest. Genau das würde mich wohl auch stören. Ich mag es nicht wenn nichts hinterfragt wird und mit Ballett kenne ich mich ebenfalls nicht aus ;-) Das Buch wandert also nicht auf die Wunschliste.

    Liebe Grüße
    Vanessa

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  6. Schade, die vielen Logiklücken und die blassen Nebencharaktere würden mich auch sehr stören. Allerdings bin ich ein ziemlich großer Tanzfan und habe schön früher begeistert Ballerina-Bücher verschlungen ... vielleicht wage ich trotzdem mal einen Blick!
    Schade auch, dass bisher so wenig über geplante Fortsetzungen bekannt ist, ich weiß gern direkt vorm Lesen des ersten Bandes, ob ich mich auf eine Trilogie oder noch längere Reihe einlasse.

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  7. @Vanessa: So, wie du es nun beschreibst, hast du wohl die richtige Entscheidung getroffen, wenn du es nicht auf die Wunschliste gesteckt hast. Danke für dein Lob! :)

    @Bücherdiebin: Wenn du Tanzfan bist und dich besonders fürs Ballett begeistern kannst, solltest du dir das Buch auf jeden Fall kaufen. Denn die großartige Atmosphäre ist es definitiv wert!!!
    Ich finde es auch schade, dass bloß so wenig über die Fortsetzungen bekannt ist. Ich weiß wohl, dass es einen zweiten Band geben wird - aber dann? Hm... Abwarten und Tee trinken! ;)

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  8. Ich lese es momentan & bin gerade auf Seite 60. Bisher gefällt es mir ganz gut, aber ja, das Blatt kann sich schnell wenden ;)

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  9. Hallo Lurchi,

    ich fand das Buch wiederum sehr gut, aber bestimmt weil ich sehr Ballett interessiert bin ^^

    Bin auch schon gespannt auf die Fortsetzung - schade das auch der Verlag noch nicht weiß wieviele Fortsetzungen folgen werden.

    Ganz liebe Grüße,

    Conny von dieSeitenfluesterer-unserBuchblog

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  10. @Sandrina: Das ist aber doch schon einmal ein guter Anfang. ;)

    @Conny: Das mit den Forsetzungen finde ich auch sehr schade. Wir hatten das Thema ja weiter oben schon einmal... Man weiß einfach gerne schon am Anfang einer Reihe, ob man sich damit auf eine Trilogie oder etwas längeres einlässt!

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  11. Hallö! (:
    Ich liebe dieses Buch! Da ich auch eine kleine Ballett-Maus bin, haben mir auch besonders die Tanzszenen gut gefallen! Auch eine tolle Rezension, du hast genau die Kritikpunkte aufgegriffen, die mir ebenfalls in den Sinn gekommen sind.
    Und eine tolle Site!
    Liebe Grüße

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  12. Huhu!
    EIne schöne rezi! Ich verstehe was du mit den Balett begriffen meinst, da ich selbst tanze weiß ich was eine arabesque ist, aber ich kann verstehen, dass es verwirrend war :) Der zweite Teil ist grade auf Englisch erschienen. :) Liebe Grüße!

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