Rezension: "Partials: Aufbruch"

Titel: Partials: Aufbruch
Originaltitel: Partials
AutorIn: Dan Wells
ÜbersetzerIn: Jürgen Langowski
Verlag: ivi
Seitenzahl: 512
Preis: 16,99€
ISBN-10: 3492702775
ISBN-13: 978-3492702775
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Worum geht's?
2076: 99% der Menschheit sind tot. Ein tödliches Virus namens RM hat sie schonungslos dahingerafft. Nun kämpfen nur noch wenige Überlebende um eine sichere Zukunft - doch kein Vorhaben ist so ungewiss wie dieses. Denn RM wütet noch immer und auch wenn die Überlebenden immun gegen das Virus sind, ihre Neugeborenen sind es nicht. Kaum ein Baby wird älter als einen Tag. Kira steckt mitten in ihrer medizinischen Ausbildung und arbeitet auf der Entbindungsstation. Sie muss jeden Tag dabei hilflos zusehen, wie die Neugeborenen sterben, ohne dass sie etwas dagegen unternehmen könnte. Als ihre beste Freundin schwanger wird, fasst sie einen riskanten Entschluss: Sie wird aus der sicheren Stadt fliehen und sich auf die Suche nach den Partials machen - jenen Wesen, die die Menschen vor Jahren erschaffen haben, um für sie im Kampf zu sterben, die sich vor Jahren gegen ihre Schöpfer erhoben und die Welt in Chaos gestürzt haben. Kira weiß, wie gefährlich ihre Mission ist, aber sie weiß auch, dass sie nur bei den Partials Antworten finden kann. Nur bei ihnen kann sie den Schlüssel für das Heilmittel finden, das die Menschheit retten kann.

Kaufgrund:
Der Klappentext hat mich neugierig gemacht. Das gesamte Setting klang so interessant, so vielversprechend, dass ich den "Partials"-Auftakt unbedingt lesen wollte!

Meine Meinung:
In "Aufbruch", dem Auftakt zur "Partials"-Reihe, entführt Autor Dan Wells in eine schaurige und düstere Zukunft. Im Jahre 2076 kämpfen nur noch wenige Menschen um ihr Überleben, denn über 99% der Weltbevölkerung sind an einem tödlichen Virus namens RM zugrunde gegangen. Doch RM zerstörte nicht nur die Vergangenheit der Menschen, es bedroht auch ihre Zukunft. Seit RM auf der Erde wütet, hat kein Baby mehr überlebt. In der Hoffnung, dass irgendwann ein Neugeborenes immun gegen das Virus sein wird, hat die Regierung das Zukunftsgesetz beschlossen. Es besagt, dass jede Frau ab ihrem 18. Lebensjahr so viele Kinder wie möglich in die Welt setzen muss. Protagonistin Kira, die auf der Entbindungsstation arbeitet, weiß: Die Chancen stehen schlecht und es muss unbedingt ein Heilmittel her, denn ihnen rennt die Zeit davon...

"Aufbruch" ist in drei große Abschnitte unterteilt. Der erste Teil legt vor allem Wert darauf, einem die Welt nahe zu bringen. Langatmige Beschreibungen findet man hier aber nicht, im Gegenteil: Der Auftakt ist ab der ersten Seite mitreißend. Die schrecklichen und schockierenden Umstände fesseln einen sofort an das Buch.
Der erste Teil legt bereits ein beachtliches Tempo an den Tag, aber der zweite und der dritte Part können ihn trotzdem in jeglicher Hinsicht übertrumpfen. Es wird mit jeder Seite aufregender, interessanter und überzeugender. Dan Wells hat mit seinem Auftakt der "Partials"-Reihe einen Pageturner geschrieben, der einen so sehr begeistern wird, dass man ihn nicht mehr aus der Hand legen kann.

Als hätten die Überlebenden nicht bereits genug Probleme, müssen sie sich auch noch um ihre Feinde kümmern. Neben den Menschen, die wie Kira in der Stadt leben, gibt es noch eine andere Gruppierung: "die Stimme". Sie wehren sich vehement gegen das Zukunftsgesetz und wollen sich nicht zum Zuchtvieh degradieren lassen. Die Stimme wird besonders im ersten Teil des Romans als gefährliche Bedrohung dargestellt, zu spüren bekommt man das allerdings kaum. Eder erfährt man auch nur sehr wenig über die andere Gruppe Überlebender, deren eigene Geschichte ich nur zu gerne gelesen hätte.

"Die Stimme" ist für die Menschen in der Stadt zwar das akute Problem, aber die wahre Gefahr lauert im Stillen: Die Partials, Wesen, die vor Jahrzehnten entwickelt wurden, um für die Menschen zu arbeiten, zu kämpfen und zu sterben. Sie gleichen ihren Erschaffern bis ins kleinste Detail, sind jedoch viel widerstandsfähiger, stärker und zäher. Was als größter Fortschritt in der Forschung gefeiert wurde, ist jedoch der Ursprung allen Übels. Denn die Partials tragen die Schuld daran, dass die Welt zu dem geworden ist, was sie in "Aufbruch" ist. Sie haben RM in Umlauf gebracht. Seit jener Katastrophe, die fast die gesamte Menschheit ausgerottet hat, haben sich die Partials nicht mehr gezeigt. Aber Kira weiß: Wenn sie RM heilen will, muss sie die Konfrontation suchen.

"Hoffentlich lässt die Fortsetzung nicht allzu lange auf sich warten!" waren meine ersten Gedanken, nachdem ich das Buch ausgelesen hatte. Zwar endet "Partials: Aufbruch" nicht mit einem fiesen Cliffhanger, da die Handlung des ersten Romans im Großen und Ganzen abgeschlossen ist, aber man wünscht sich trotzdem, dass man sofort weiterlesen könnte. Viele neue und offen gebliebene Fragen, auf die man um jeden Preis eine Antwort möchte, tummeln im eigenen Kopf und lassen einen nahezu nach einer Fortsetzung lechzen. Insgesamt liest sich der Auftakt der "Partials"-Reihe eher wie ein spannender Prolog, der bereits großartige Grundbausteine legt, aber gleichzeitig auch den Eindruck vermittelt, dass das Größte und Beste noch auf einen wartet. Ich bin schon sehr gespannt, ob Dan Wells die hohen Erwartungen, die er sich selbst zu verdanken hat, in der Fortsetzung erfüllen kann.

Die 16-jährige Kira ist die Protagonistin des Romans und trotz ihres jungen Alters bereits eine echte Kämpferin. Während viele ihrer Genrekolleginnen mit 16 Jahren nur ihr Liebeschaos im Kopf haben, schwirren Kiras Gedanken um viel bedeutendere Themen, nämlich die Rettung der Welt. Sie steckt zwar noch in ihrer medizinischen Ausbildung, aber die intelligente und fleißige Kira hat es sich bereits zum Ziel gesetzt, RM zu heilen und die kommenden Babys zu retten. Um den alles entscheidenden Durchbruch in der Forschung zu entdecken, würde sie alles opfern, was ihr lieb und teuer ist - sogar ihr eigenes Leben. Kira ist eine Frau mit Prinzipien, mit dem Herz am rechten Fleck, mit festen Moralvorstellungen. Sie ist aufgeweckt, mutig, tapfer, willensstark und kämpferisch, eben genau die Art von Protagonistin, die man einfach lieben muss.

Im Auftakt der "Partials"-Reihe lernt man eine Menge Nebencharaktere kennen, die Kira unterstützen, sich ihr in den Weg stellen oder sogar nach ihrem Leben trachten. Jeder von ihnen ist individuell und macht einen neugierig auf seine ganz persönliche Geschichte, aber Dan Wells verrät über sie nur das Nötigste. Er liefert durchaus genügend Infos, um sich ein eigenes Bild von den einzelnen Figuren machen zu können, aber zufriedenstellen konnte mich der Autor damit nicht. Neben Kira wirken sie alle ein wenig farblos und oberflächlich, dabei bietet doch jeder von ihnen so viel Potenzial! Zu ihrer Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass Kira wirklich ein Charakter-Highlight ist, dem so schnell niemand das Wasser reichen kann. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass Dan Wells seinen Nebenfiguren in der Fortsetzung mehr Aufmerksamkeit schenkt.

Auch wenn Kira sich nicht groß mit dem Liebeschaos auseinandersetzt, eine Liebesgeschichte gibt es in "Partials: Aufbruch" trotzdem. Sie entwickelt sich allerdings ganz anders, als man es von einem Jugendbuch erwarten würde. Tatsächlich ist die Liebesgeschichte nur ein sehr kleines Thema, das sich im Hintergrund des Geschehens abspielt und sich nicht aufdringlich ins Scheinwerferlicht drängelt. Dass die romantischen Gefühle kaum genügend Platz haben, um sich entfalten und entwickeln zu könne, liegt vor allem an Kira, die dank ihrer festen Prinzipien genau weiß, dass für die Liebe momentan noch kein Platz in ihrem Leben ist. Ehe sie sich ihren eigenen Gefühlen stellen kann, muss sie erst einmal ein anderes Problem aus der Welt schaffen: RM. Ich hatte während des Lesens immer wieder die Angst, dass "Partials: Aufbruch" in das typische Schema abrutschen würde, aber Kira hat mir stets aufs Neue einen Grund gegeben, auf sie stolz zu sein. Endlich gibt es mal eine Protagonistin, die weiß, wie sie ihre Prioritäten zu setzen hat!

Dan Wells hat für den Auftakt seiner Jugendbuchreihe eine fürchterliche Welt erschaffen, in die er nicht nur viel Herzblut, sondern auch unglaublich viel Recherchearbeit gesteckt hat. Er liefert unzählige Hintergrundinformationen, hält einige Entwicklungen seiner Welt aber auch noch im Dunkeln. Auf der Suche nach einem Heilmittel für den Virus RM stellt Wells seine Leser nicht einfach vor vollendete Tatsachen, er lässt sie intensiv an der Forschung teilhaben und erklärt auf (pseudo-)wissenschaftliche Weise, was Kira unter dem Mikroskop zu sehen bekommt. Ob und wie realistisch seine Ausführungen wirklich sind, vermag ich als Laie nicht zu beurteilen. Was ich aber mit Fug und Recht behaupten kann, ist, dass Dan Wells mit seiner Liebe zum Detail eine äußerst realistische und authentische Atmosphäre erschaffen hat, die einem das Gefühl gibt, dass die grausige Zukunft in "Partials: Aufbruch" nicht ganz so abwegig ist.

Cover:
Beim deutschen Cover haben sich die Grafiker am Original orientiert. Die Szene erinnert ganz stark an einen wichtigen Moment der Geschichte, was mir persönlich sehr gut gefällt, und die starken Farben machen das Cover zu einem echten Eyecatcher.

Fazit:
Mit "Aufbruch", dem Auftakt der "Partials"-Reihe, ist Dan Wells ein außergewöhnlicher Roman gelungen, der jeden seiner Leser in den Bann ziehen wird. Die erschreckende, aber überzeugende Geschichte um Kira, die in einer fürchterlichen Zukunft um das Überleben der Menschheit kämpft und dabei unglaubliche Entdeckung über die Partials macht, hat mich in vielerlei Hinsicht begeistern können. Das gesamte Setting, die Idee, die Charaktere - alles an diesem Roman ist ausgereift, durchdacht, strukturiert. Man spürt mit jedem Satz, wie viel Herzblut Wells in diesen Serienauftakt gesteckt hat. Aber so sehr mich das Buch auch faszinieren konnte, ich wurde bis zur letzten Seite das Gefühl nicht los: Hier geht noch mehr! Deshalb vergebe ich für "Partials: Aufbruch" von Dan Wells sehr gute 4 Lurche.


Über den Autor:
Dan Wells, Anfang dreißig, studierte Englisch an der Brigham Young University in Provo, Utah. Der überzeugte Mormone war Redakteur beim Science-Fiction-Magazin »The Leading Edge«. Mit dem Erscheinen seines ersten Romans »Ich bin kein Serienkiller« hat der Horror ein faszinierendes neues Gesicht bekommen. Nach »Mr. Monster« ist nun mit »Ich will dich nicht töten« seine Trilogie um den jungen John Cleaver abgeschlossen.

Kommentare:

  1. Schade, dass es dich nicht 100%ig überzeugen konnte. Aber so wie es aussieht, wirst du das "mehr" bei der Fortsetzung nicht bekommen :'(
    Die Meinungen sind ja nicht allzu berauschend - leider.

    lg
    Steffi

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  2. Steffi, das klingt ja nicht gut! :( Aber da mag ich jetzt gar nicht so drüber nachdenken. Ich war gestern auf einer Lesung von Dan Wells und ich bin felsenfest davon überzeugt, dass mir Band zwei gefallen wird! :)

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