Rezension: "Bruderliebe"

© Dryas-Verlag
Titel: Bruderliebe
AutorIn: Stefanie Heindorf, Kathrin Lange
Verlag: Dryas
Seitenzahl: 316
Preis: 12,95€
ISBN-10: 3940855375
ISBN-13: 978-3940855374
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Worum geht's?
Die junge Adlige Theresia wird von ihrer Stiefmutter Henriette aus der Öffentlichkeit herausgehalten. Niemals wird sie zulassen, dass ihrer Tochter das gleiche Schicksal widerfährt wie ihr - und wenn sie sie dafür in ein Turmzimmerchen einschließen muss!
Doch Theresias Wunsch, endlich die Welt und die Menschen kennenlernen zu dürfen, und der gesellschaftliche Druck wachsen und wachsen, bis sich selbst Henriette beugen muss. Als Theresia debütiert, geschieht das Unausweichliche: Sie verliebt sich gegen den Willen ihrer Stiefmutter in Sebastian, den Sohn eines reichen Bürgers. Aber Henriette ist nicht die einzige Person, die etwas gegen diese Verbindung einzuwenden hat...
Als Sebastian ein dunkles Geheimnis seiner Vergangenheit aufdeckt, bricht für das verliebte Pärchen eine Welt zusammen. Sie ahnen nicht, dass sie nur das Opfer einer Intrige sind, und plötzlich droht alles zu eskalieren...

Kaufgrund:
Ein historischer Roman mit märchenhaften Elementen? Ist doch klar, dass ich mir so ein Buch nicht entgehen lassen kann!

Meine Meinung:
Die Geschichte von "Bruderliebe" beginnt eher ruhig. Die wichtigen Ereignisse der Vergangenheit und die handelnden Charaktere sowie ihre Beziehungen zueinander werden in der ersten Hälfte es Romans ausführlich vorgestellt. Langweilig wird es dank einiger aufwühlender Momente nicht, aber spannend wird es erst in der zweiten Hälfte des Romans. Heindorf und Lange haben sich viele fürchterliche Intrigen und grausame Wendungen für ihre Figuren einfallen lassen, die einen als Leser unwiderruflich an die Seiten fesseln. Besonders der Titel lässt ein ungutes Gefühl aufkommen - aber was steckt wirklich hinter der "Bruderliebe"? "Bruderliebe" ist ein historischer Roman voller mitreißender und bewegender Szenen, der Fans des Genres absolut begeistern kann.

Jedes Kapitel wird durch ein kurzes Zitat aus dem grimmschen Märchen "Rapunzel" eingeleitet. Diese knappen, aber prägnanten Sätze sorgen für eine märchenhafte Stimmung und machen einen neugierig darauf, inwiefern das Märchen auf den nächsten Seiten in den Roman eingeflossen ist. Die zwei Autorinnen halten sich zwar nur sehr vage an ihre Märchenvorlage, aber die entscheidenden Parallelen sind durchaus zu erkennen. Stefanie Heinsdorf und Kathrin Lange haben sich aus "Rapunzel" nur die Aspekte geliehen, die für ihre eigene Geschichte wichtig waren. Die Handlung als solche ist jedoch eigenständig und frei.

In "Bruderliebe" gibt es eine Vielzahl von Charakteren, die in das Geschehen eingreifen und eine maßgebliche Rolle spielen. Um jedem von ihnen gerecht zu werden - egal, ob Baronesse, Zofe oder Gelehrter - gibt es einen allwissenden Erzähler, der die Geschichte mit tiefen Einblicken in die verschiedenen Figuren schildert. Der Roman wird aus vielen unterschiedlichen Perspektiven erzählt, die nicht nur die Charakteren näher beleuchten. Auf diese Weise erhält man als Leser Einblicke in die Planung der Intrigen - und muss schmerzenden Herzens dabei zusehen, wie die guten Figuren in ihr Unglück rennen...

Heindorf und Lange haben für ihre Geschichte facettenreiche Charaktere entworfen, die zusammen eine bunte Mischung aus individuellen Persönlichkeiten ergeben. Obwohl viele von ihnen in ihren Grundzügen Märchenfiguren ähneln (die unschuldige Prinzessin, der liebevolle Vater, die böse und strenge Stiefmutter, …), so haben sie doch alle ihren eigenen Charakter, der sie interessant macht. Theresia und Sebastian, die Protagonisten der Geschichte, schließt man mit ihren gutmütigen, verliebten Seelen schnell in das eigene Herz, aber auch Theresias Stiefmutter Henriette macht mit ihren sonderlichen Absichten so neugierig, dass man gerne mehr von ihr erfahren würde.

In ihrem Nachwort erläutern die Autorinnen, welche Teile ihrer Geschichte auf wahren Persönlichkeiten oder Begebenheiten basieren. Auch auf die Bedeutung des "Rapunzel"-Märchens gehen sie ein. Ich war ein wenig überrascht, wie fiktiv "Bruderliebe" ist, denn die Figuren und Handlungsstränge erschienen mir viel zu real und authentisch, um erdacht zu sein! Ein großes Lob an die Autorinnen für ihre tolle Recherchearbeit und ihr Gefühl für Geschichte, die aus "Bruderliebe" einen tollen historischen Roman gemacht haben.

Märchen sind magisch, übersinnlich, mysteriös und zauberhaft. Auf "Bruderliebe" mögen diese Worte auch zutreffen, allerdings in einem völlig anderen Zusammenhang. Die Atmosphäre des Romans ist wahrlich geheimnisvoll, aber die einzige Magie, die man zwischen den Buchdeckeln findet, ist der Zauber, der einen an die Seiten bannt. Übersinnliche Dinge geschehen hier höchstens in den Köpfen der Charaktere, aber einen paranormalen Historienkrimi erwartet den Leser trotz der märchenhaften Elemente nicht.

Cover:
Schlicht, aber schön. Im einzigartigen Stil der "Die grüne Fee"-Reihe gehalten, ist auch dieses Cover ein kleiner Augenschmaus im eigenen Regal. Zwar bin ich kein Fan von Gesichtern auf Coverbildern, aber die blasse Schönheit verleiht "Bruderliebe" auf den ersten Blick zweifelsohne einen eleganten und interessanten Touch.

Fazit:
"Bruderliebe" aus den Federn von Stefanie Heindorf und Kathrin Lange ist ein historischer Roman, der Fans des Genres absolut begeistern kann. Durch die vielen Märchenelemente, die die Autorinnen aus "Rapunzel" in ihre Geschichte eingewoben haben, erhält "Bruderliebe" eine ganz besondere Atmosphäre. Gemeine Lügen und schreckliche Intrigen sorgen dazu für eine gehörige Portion Spannung, während die facettenreichen und durchdachten Charaktere den Roman zu einem kurzweiligen Lesevergnügen abrunden. Für "Bruderliebe" vergebe ich historische 5 Lurche.


Über die Autorin:
Die Autorinnen leben mit ihren Familien in der Nähe von Hildesheim. Stefanie Heindorf arbeitet als Lehrerin. "Bruderliebe" ist ihr erster Roman. Kathrin Lange veröffentlicht seit 2005 historische Romane. "Bruderliebe" ist ihr erstes Werk für den Dryas Verlag. www.kathrin-lange.de

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