Rezension: "Godspeed - Die Ankunft"

© Dressler
Titel: Godspeed - Die Ankunft
Originaltitel: Shades of Earth
AutorIn: Beth Revis
ÜbersetzerIn: Simone Wiemken
Verlag: Dressler
Seitenzahl: 480
Preis: 19,95€
ISBN-10: 3791516787
ISBN-13: 978-3791516783
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Worum geht's?
Endlich ist es soweit: Amy und Junior verlassen die Godspeed und landen auf der Zentauri-Erde. Gemeinsam mit zwei Drittel der Godspeed-Bewohner und den Menschen der Sol-Erde, die endlich aus ihrem Kryo-Schlaf aufgeweckt wurden, stellen sie sich der Herausforderung, diesen neuen fremden, und doch so faszinierenden Planeten für sich zu gewinnen. Doch Orion hatte mit seiner schlimmen Befürchtung recht: Die Zentauri-Erde ist längst nicht das Paradies, von dem alle geträumt haben. Grausame Monster und noch viel tödlichere Gefahren lauern zwischen den dichten Wäldern und warten nur darauf, die Neuankömmlinge aus ihrem Territorium zu vertreiben. Als wäre das nicht schon schlimm genug, kommt es zwischen den ehemaligen Bewohnern der Godspeed und den Sol-Menschen zu heftigen Konflikten. Amy und Junior haben alle Hände voll zu tun, ihre Leute zu beruhigen, da entdecken sie, dass die Zentauri-Erde dunkle Geheimnisse birgt. Plötzlich erweist sich alles, woran sie geglaubt haben, als falsch - und ihre Zukunft liegt in den Sternen...

Meine Meinung:
Nach begonnener Reise und langer Suche endlich die Ankunft: Die Godspeed schickt ihr Shuttle zur Zentauri-Erde und setzt genau dort an, wo der zweite Band geendet hat. Damit kommt es im letzten Band der Trilogie zu einem extremen Ortswechsel, denn statt der beengenden Metallwände des Raumschiffs kommen die Charaktere das erste Mal in den Genuss von einem festen Boden unter ihren Füßen, dem freien Himmel über ihren Köpfen und echten Pflanzen um sie herum. Die Zentauri-Erde ist ein blühender Ort, der geradezu danach schreit, erforscht zu werden! Beth Revis hat sich mit der Gestaltung des fremden Planeten viel Mühe gegeben und deshalb macht es gleich doppelt so viel Spaß, Amy, Junior und den Rest der Mannschaft auf Erkundungstour zu begleiten. Doch zwischen den dichten Wäldern und den tiefen Gewässern stecken große Gefahren, die nur darauf warten, den Neuankömmlingen die ersten Opfer zu entreißen...

Was für ein Nervenkitzel! In "Godspeed - Die Ankunft" gibt Beth Revis noch einmal alles und liefert ein Pageturner-Spektakel vom Feinsten. Vor Spannung kann man sich gar nicht von den Seiten lösen, schließlich könnte sich hinter jedem neuen Kapitel die Antwort auf eine der vielen Fragen finden, die die Zentauri-Erde mitsamt ihren Bewohnern bereithält. Für schwache Nerven ist der Abschlussband allerdings keine leichte Kost! Viele neue und altbekannte Charaktere sterben auf brutale Weise, was die ohnehin düstere Atmosphäre des Romans in ein blutiges Licht rückt, und nicht jedes Opfer bringt die Geschichte entscheidend voran. Beth Revis hat im Abschlussband viele komplexe Geheimnisse zu einer grandiosen Handlung verknüpft, die einen oftmals auf eine völlig falsche Richtung lenkt und einen schlussendlich mit einer großen Überraschung begeistern kann. "Godspeed - Die Ankunft" bietet eine wahnsinnig gute Geschichte, die definitiv für schlaflose Nächte sorgen kann.

Amy und Junior teilen sich auch im letzten Band ihre Rollen als Protagonisten und wechseln sich kapitelweise damit ab, die Geschichte aus ihrem persönlichen Blickwinkel zu erzählen. Im Verlauf der ersten beiden Bücher haben sie eine enorme Entwicklung vollzogen, die sowohl Junior als auch Amy zu jungen, aber verantwortungsvollen und robusten Anführern heranwachsen ließen. In "Godspeed - Die Ankunft" ist davon leider nur teilweise etwas zu spüren. Während Amy besonders zu Beginn vor allem durch ihren Egoismus glänzt, verstrickt sich Junior immer tiefer in sein eigenes kleines Eifersuchtsdrama. In Anbetracht der Tatsachen, dass die Zentauri-Erde viele Überraschungen für sie bereit hält, sind ihre Handlungen und Gefühle zwar nachvollziehbar, aber nach "Godspeed - Die Suche" hätte ich schlichtweg mehr von ihnen erwartet. Amy und Junior haben aber auch viele gute Momente, die sie spätestens im letzten Drittel wieder zu alter Stärke zurückfinden lassen.

Die Beziehung zwischen Amy und Junior wird im letzten Teil der Trilogie noch einmal vor eine schwierige Herausforderung gestellt. Neben Amys Eltern, die nun ebenfalls im Geschehen mitwirken und von Junior alles andere als begeistert sind, taucht plötzlich ein junger Mann auf, der ebenfalls an Amy gefallen findet. Dass Beth Revis ausgerechnet im Abschlussband noch eine Dreiecksbeziehung ins Spiel bringen musste, ließ mich zwar eher genervt aufseufzen, aber der Konflikt zwischen den aufgetauten Erdenmenschen und den Bewohnern der Godspeed ist der Autorin sehr gut gelungen. Amy und Junior stehen zwischen den verhassten Fronten und sind zugleich ein Bild für den Zusammenhalt. Eine belastende Aufgabe, die an beider Nerven zerrt und sie doch enger zusammenschweißt.

Obwohl das Hin und Her zwischen Auseinandersetzung und Zusammenspiel zwischen den Gruppen realistisch und nachvollziehbar inszeniert ist, hat mich Beth Revis hinsichtlich ihrer Nebencharaktere ein wenig enttäuscht. Es gelingt ihr zwar, sowohl die Menschen, die vom Raumschiff stammen, als auch die der Sol-Erde mitsamt ihren Ängsten und Befürchtungen, ihren Hoffnungen und ihrem Kampfgeist authentisch darzustellen, aber die einzelnen Personen gehen dabei leider unter. Während man von Amys Eltern und ein paar weiteren Aufgetauten durch ihre Wichtigkeit für das Geschehen noch einiges mitbekommt, sind die Bewohner der Godspeed nicht mehr als ein blasses Anhängsel. In "Godspeed - Die Ankunft" geht es alles andere als zimperlich vor. Die Geschichte fordert viele Opfer, doch statt sie als einzelne Charaktere zu betrauern, leidet man viel mehr mit Amy und Junior, die Angehörige und Freunde verlieren, zu denen man keinen eigenen Draht aufbauen konnte.

Cover:
Amy und Junior in dunklen Tönen - Ja, das Cover strahlt definitiv eine Atmosphäre aus, die zum Roman passt. Von den drei Covern der Reihe ist es auch mein Liebling, aber das die Originalcover kommen sie meiner Meinung nach nicht heran.

Fazit:
Mit "Godspeed - Die Ankunft" liefert Beth Revis einen großartigen letzten Band ihrer Trilogie. Der neue Handlungsort, die Zentauri-Erde, bringt viele spannende Neuerungen mit sich. Mit viel Action, reichlich Nervenkitzel und aufregenden Überraschungen führt die Autorin ihre Geschichte zu einem gelungenen Abschluss, der einen gierig an den Seiten kleben lässt. Für eine volle Punktzahl reicht es jedoch nicht. Amy und Junior schwächeln in ihren Protagonistenrollen und die Nebencharaktere kommen viel kurz. Nichtsdestotrotz ist "Die Ankunft" ein mehr als empfehlenswerter Trilogie-Abschluss, der Fans der Reihe nach der letzten Seite glücklich zurücklassen wird. Für "Godspeed - Die Ankunft" vergebe ich 4 Lurche.


Über die Autorin:
Beth Revis, geboren und aufgewachsen in den Ausläufern der Appalachen in North Carolina/USA, schrieb schon während der Schule lieber Kurzgeschichten, statt dem Unterricht zu folgen. Diese Gewohnheit behielt sie auch an der Universität bei - aus ihren Kurzgeschichten waren mitlerweile halbe Romane geworden. Nach ihrem Abschluss an der NC State University in Englischer Literatur wurde Beth Revis Lehrerin. Da sie es auch weiterhin nicht lassen konnte, Geschichten zu schreiben, statt Essays zu korrigieren und Unterrichtspläne zu erstellen, hat sie sich inzwischen ganz dem Schreiben gewidmet. Beth Revis lebt mit ihrem Ehemann und einem Hund im ländlichen North Carolina/USA. "Godspeed - Die Reise beginnt" ist ihr Debütroman und der Auftakt einer Trilogie.

Kommentare:

  1. Oh, so unterschiedlich kann man denken. Persönlich fand ich Amy und Junior sehr stark im letzten Band, und auch die Nebencharaktere ganz gut ausgearbeitet. Aber es war ein wirklich toller Abschluß. Da sind wir uns einig. ;)

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  2. @Sandy: Wirklich? Ich fand, dass die unnötige Dreiecksbeziehung im letzten Band die Charaktere seeehr runtergezogen hat... Aber ja, es war ein toller Abschluss und ich bin immer noch ein wenig traurig, dass die Geschichte nun vorbei ist. :)

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  3. @Leselurch: die Dreicksbeziehung fand ich auch vollkommen unnötig. Weiß echt nicht, was sich Beth Revis dabei gedacht hat.
    Ja, ich bin auch traurig über das Ende. Freue mich auf zukünftige Projekte der Autorin. :)

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