Rezension: "Phoenix - Tochter der Asche"

© Papierverzierer
Titel: Phoenix - Tochter der Asche
AutorIn: Ann-Kathrin Karschnick
Verlag: Papierverzierer
Seitenzahl: 400
Preis: 14,95€
ISBN-10: 3944544056
ISBN-13: 978-3944544052
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Worum geht's?
Vor 120 Jahren hat ein fehlgeschlagenes Experiment fatale Konsequenzen nach sich gezogen. Erst die Saiwalo, überirdische Wesen, haben wieder Recht und Ordnung nach Europa gebracht. Doch zu welchem Preis?
Nun, 2033 in Hamburg, kämpft die Phoenix Tavi gegen diese Herrschaft. Sie ist eine der letzten Unsterblichen und muss ihre Identität unbedingt geheim halten. Als ein blutrünstiger Mörder Hamburg in Angst und Schrecken versetzt, ahnt Tavi noch nicht, wie eng ihr Schicksal mit dem der Opfer verknüpft ist. Erst durch Leon, der als treuer Anhänger der Saiwalo in dieser Mordserie ermittelt, entdeckt sie unglaubliche Gemeinsamkeiten. Tavi weiß: Wenn die Phoenix sich retten will, muss sie Leon bei der Suche nach dem Mörder helfen. Aber wird sie ihm noch trauen können, wenn er erfährt, wer sie wirklich ist?

Meine Meinung:
Mit "Phoenix - Tochter der Asche" aus der Feder der deutschen Autorin Ann-Kathrin Karschnick startet eine neue Buchreihe, die sich unterschiedlicher Genres bedient. In einem fiktiven Hamburg, das sich wie ganz Europa nach einem fehlgeschlagenen Experiment vor 120 Jahren in eine streng kontrollierte Stadt verwandelt hat, tummeln sich jede Menge fantastischer Wesen. Unter ihnen ist Tavi, eine der letzten Phoenix, die ihr wahres Wesen um jeden Preis geheim halten muss. Karschnick verbindet in ihrem Auftakt Sci-Fi- und Fantasy-Elemente in einer düsteren Dystopie, die auch eine romantische Liebesgeschichte bereit hält. Aus dieser gewagten Mischung hat die Autorin eine völlig neue und extrem komplexe Welt geschaffen, die mit ihren innovativen Ideen und einer außergewöhnlichen Protagonistin sofort neugierig machen kann. Der Einstieg in den Roman gestaltet sich allerdings mehr als schwierig und mühselig, da Karschnick ihre Leser zu Beginn nur sporadisch mit Informationen über ihre Welt versorgt.

Je weiter man liest und je besser man sich in Karschnicks Welt zurecht findet, desto größeren Gefallen findet man an dem gesamten Roman. Mit jeder Information, die die Autorin liefert, kann man die Geschichte besser verstehen und sich tiefer in das fiktive Hamburg fallen lassen. Am stärksten merkt man diese Verbesserung, wenn Ann-Kathrin Karschnick jene Hintergründe über ihre Handlung liefert, die einem den Einstieg in das Buch so schwer gemacht haben. Trotzdem werden nicht alle Fragen beantwortet, die von der ersten bis zur letzten Seite aufgetaucht sind. Als störend empfindet man dies jedoch nicht. Karschnick hat genau das richtige Maß gefunden, um ihre Leser nicht frustriert zurückzulassen und dennoch neugierig auf die Fortsetzung zu machen.

Karschnick wechselt während der Geschichte zwischen den Perspektiven. Sie lässt einen Erzähler ans Werk, der sowohl die Gedanken als auch die Gefühle der Protagonisten lesen kann. Er begleitet abwechselnd mal Tavi, mal Leon und bietet Einblicke in die Figuren, die man sonst sicherlich nicht hätte durchschauen können...

… und dabei ist genau das bitter nötig! Tavi und Leon sind keine einfachen Charaktere, sondern komplexe Gestalten, die manchmal den Eindruck erwecken, als hätte die Autorin zu viel von ihnen gewollt. Besonders bei Tavi ist dies deutlich zu spüren. Es spielen so viele unterschiedliche Hintergrundgeschichten und Persönlichkeitsfacetten - bei über 2000 Jahren Lebenserfahrung kein Wunder! - in ihren Charakter, dass man sie auf Anhieb gar nicht alle fassen kann. Dadurch gestaltet es sich zu Beginn leider recht schwer, einen Zugang zu ihr zu bekommen.

Leider ist dies nicht der einzige Kritikpunkt, den man bei Tavi und Leon finden kann. In einigen Szenen sind sie sehr stark und beeindruckend, in anderen wiederum kann man ob ihrer Naivität nur den Kopf schütteln. Es sind wankelmütige Figuren und sie schaffen es wie kaum ein anderes Protagonistenpärchen ihre Leser sowohl himmelhoch jauchzend als auch zu Tode betrübt an den Seiten kleben zu lassen. Natürlich sollten auch Protagonisten ihre Ecken und Kanten haben, doch sie sollten nicht mit unglaubwürdigen Entscheidungen aus ihrem starken Charakter herausfallen. Obwohl ich Tavi und Leon bis zum Schluss gerne begleitet habe, konnten sie mich nicht vollkommen überzeugen.

Meine persönlichen Highlights waren dagegen die Nebencharaktere, in denen jede Menge Potenzial steckt. Sie bekommen zwar nicht einmal annähernd die gleiche Aufmerksamkeit wie Tavi und Leon, aber trotzdem wirken sie allesamt in ihren Persönlichkeiten reifer und gefestigter. Sie haben ihre guten und schlechten Seiten, die sie authentisch machen lebendig werden lassen. Besonders Nathan, Tavis Schützling, und Katharina, eine Hexe, haben mein Herz im Sturm erobert und ich hoffe sehr, dass die Autorin sie im nächsten Band nicht untergehen lassen wird.

Ann-Kathrin Karschnick verfügt über einen detaillierten Schreibstil, durch den sie sowohl Charaktere als auch Umgebungen sehr ausführlich beschreibt. Sie einzelnen Szenen, gar das gesamte Setting ist dadurch sehr gut vorstellbar und "Phoenix - Tochter der Asche" zu einem tollen Kopfkino-Erlebnis. Ab und an lenken die üppigen Schilderungen jedoch vom roten Faden der Geschichte ab, denn sie erwecken oftmals den Eindruck, für den weiteren Handlungsverlauf wichtig zu sein, obwohl sie in Wahrheit nicht noch einmal aufgegriffen werden.

"Phoenix - Tochter der Asche" ist ein Buch, welchem man ansieht, dass sowohl Autorin als auch Verleger Herzblut investiert haben. Besonders der persönliche Brief des Buches an den Leser, der sich auf den letzten Seiten befindet, lässt das Leserherz höher schlagen. Trotzdem haben sich einige kleine Fehlerchen in den Roman geschlichen. Ungewollte Worte und kleine Grammatikfehler haben sich in "Phoenix - Tochter der Asche" eingenistet und lassen beim Schmökern so manches Mal aufschrecken. Den Lesefluss stören sie allerdings nur geringfügig.

Cover:
Ich bin ein großer Fan von illustrierten Covern. Und wenn sie dazu noch so gut gelungen sind wie des "Phoenix", dann hat es einen vorderen Platz in meinem Regal bereits sicher. Das Cover sieht nicht nur toll aus, es passt auch großartig zur Geschichte und fängt die Atmosphäre perfekt ein.

Fazit:
"Phoenix - Tochter der Asche" von Ann-Kathrin Karschnick ist ein solider Auftakt einer neuen Buchreihe, die unterschiedliche Genres in sich vereint. Die innovativen Ideen und kreativen Ansätze der jungen Autorin machen ihren Roman zweifelsohne außergewöhnlich. Leider braucht man sehr lange, bis man sich in der Welt zurecht findet und man die Geschichte tatsächlich genießen kann. Auch die Charaktere haben noch einige Schwächen, an denen gefeilt werden muss. Nichtsdestotrotz gibt es für "Phoenix - Tochter der Asche" eine klare Leseempfehlung. Wer Lust auf eine neue Geschichte hat, die sich vom Mainstream abhebt, für den ist dieser Roman genau richtig. Für "Phoenix - Tochter der Asche" vergebe ich gute 3 Lurche.


Über die Autorin:
Ann-Kathrin Karschnick lebt im schönen Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. Nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau, ging sie in die Schifffahrtsbranche und leitet dort seit einigen Jahren die Internationale Heuerabrechnung einer Hamburger Reederei.
Am 02. Oktober 2013 erschien ihr aktuelles Werk im Papierverzierer Verlag mit dem Titel "Phoenix - Tochter der Asche". Es ist der erste von drei Teilen, die in einer dystopischen Welt spielen, wie sie sich unter den experimentellen Versuchen von Tesla entwickelt haben könnte und in der Fantasiewesen wieder die Bühne betreten.

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