Rezension: "Der unvergleichliche Ivan"

© Knesebeck
Titel: Der unvergleichliche Ivan
Originaltitel: The One and Only Ivan
AutorIn: Katherine Applegate
ÜbersetzerIn: Ingrid Ickler
Verlag: Knesebeck
Seitenzahl: 264
Preis: 14,95€
ISBN-10: 3868736948
ISBN-13: 978-3868736946
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Worum geht's?

Ivan, ein stolzer Gorilla, fristet sein Leben fernab von seinen Artgenossen. Sein Zuhause ist nicht der Urwald, sondern eine heruntergekommene Zirkus-Mall. Früher wurde er als "unvergleichlicher Ivan" gefeiert: Von weit her kamen die Menschen, um ihn zu sehen - und mit ihnen kam das Geld. Nun sind die Glanzseiten jedoch vorbei und Mack, Ivans Besitzer, muss jeden Cent zweimal umdrehen, um über die Runden zu kommen. Für Ivan, die Elefantendame Stella und den herrenlosen Hund Bob ist klar, dass sie bis ans Ende ihrer Tage in der Zirkus-Mall bleiben werden. Sie haben sich längst mit ihrem Schicksal abgefunden. Doch dann schafft sich Mack ein neues Tier an: Das kleine Elefantenbaby Ruby soll wieder Menschen in die Mall locken. Je mehr Zeit Ivan mit Ruby verbringt, desto klarer wird ihm, dass sie nicht den Rest ihres Lebens in der kümmerlichen Mall verbringen darf. Nun ist es an Ivan, etwas zu ändern...

Meine Meinung:

"Der unvergleichliche Ivan", ein Kinderbuch aus der Feder von Katherine Applegate, erzählt die Geschichte von Ivan, einem Gorilla, der sein Dasein in einer Zirkus-Mall fristet. Er hat sich längst mit seinem Schicksal abgefunden, denn an sein früheres Leben in Freiheit erinnert er sich schon lange nicht mehr. Als jedoch das kleine Elefantenmädchen Ruby in die Zirkus-Mall kommt, kommen Ivans Erinnerungen mehr und mehr zurück und ihm wird klar, dass Ruby nicht an diesen Ort gehört. Sie braucht ein wirkliches Zuhause - und es liegt an Ivan, dieses zu finden.

Bevor Ivans Geschichte beginnt, wird man als Leser von einem Glossar begrüßt. Dort werden die wichtigsten Begriffe erläutert, auf die man im Laufe des Buches stoßen wird, wie etwa bestimmte Verhaltensweisen von Gorillas oder Ivans ganz persönliche Bezeichnungen für Dinge in seiner Umwelt. Schon hier wird deutlich, dass auf den nächsten Seiten viele humorvolle, aber auch bedrückende Momente auf einen warten werden.

In "Der unvergleichliche Ivan" lernt man viele großartige Charaktere kennen, die das Leserherz im Sturm erobern. Protagonist Ivan, ein Gorilla, der die Geschichte aus seiner Sicht erzählt und Lesern damit einen neuen Blickwinkel auf die Welt zeigt, ist als Hauptcharakter nicht nur einzigartig und individuell. Er vollzieht von der ersten bis zur letzten Seite eine enorme Entwicklung, die auf einer besonderen, emotionalen Ebene mitreißt. Man lernt von ihm und seinen Freunden - der weisen Elefantendame Stella, dem pfiffigen Hund Bob, dem zuckersüße Elefantenkind Ruby und der künstlerische Julia - so viel, dass ich mit Fug und Recht behaupten kann: "Der unvergleichliche Ivan" ist ein Buch, das nach dem Lesen nicht einfach im Regal verschwindet.

Katherine Applegates Schreibstil ist sehr schlicht und einfach. Sie nutzt keine komplizierten Strukturen, keine komplexen Wortbilder, sondern lässt sowohl Worte, Sätze als auch Kapitel kurz, knapp und präzise. Für die junge Zielgruppe ist ihre Schreibe perfekt, aber wer nun denkt, dass hinter "Der unvergleichliche Ivan" deshalb ein kindliches Buch ist, täuscht gewaltig. Trotz der Einfachheit ist Applegates Schreibe eindringlich, nachdrücklich und geht direkt ins Herz. Auch Leser, die schon lange aus der jungen Zielgruppe herausgewachsen sind, werden bei Ivans Geschichte berührende Textstellen finden, an die man sich noch lange Zeit erinnern wird.

Der Verlag selbst empfiehlt das Buch ab 8 Jahren. Ich kann mich dieser Altersempfehlung nur bedingt anschließen. Die locker-leichte und humorvolle Seite des Romans bietet Kindern diesen Alters sicherlich tolle Lesestunden. Es gibt aber auch viele bedrückende Momente, die zum Nachdenken anregen und die junge Leser möglicherweise noch nicht ganz erfassen können. Applegate zeigt in "Der unvergleichliche Ivan" deutlich die Kluft zwischen Mensch und Tier dar und kritisiert durch Ivans Augen den grausamen Umgang, den viele Menschen mit Tieren pflegen - sei es aus Profitgier oder Überheblichkeit. Auch wenn die Autorin sie nicht explizit beschreibt, so erwähnt sie trotzdem einige Gewalttaten. Schwerwiegende Themen wie Tod, Gefangenschaft und Unterdrückung spielen eine große Rolle und deshalb sollte Ivans Geschichte in jungen Jahren definitiv mit elterlicher Begleitung gelesen werden.

Die Geschichte von Ivan, wie Katherine Applegate sie beschreibt, beruht auf einer wahren Begebenheit. Erst 2012 starb der echte Ivan im stolzen Alter von 50 Jahren im Zoo von Atlanta, wo er die letzten 18 Jahre seines Lebens zusammen mit Artgenossen verbringen konnte. Zuvor jedoch fristete er sein Dasein 27 Jahre lang alleine in einem Käfig in einer Zirkus-Mall in Washington. Inwiefern ihre Erzählung der wahren Geschichte gleicht, erklärt Applegate in einem berührenden Nachwort.

Unterstützt wird die Geschichte von Katherine Applegate von wundervollen Bildern der Künstlerin Patricia Castelao, die auch für das Cover verantwortlich ist. Castelao hat für "Der unvergleichliche Ivan" insgesamt 52 einzigartige Illustrationen gezeichnet, die die Charaktere, wichtige Gegenstände und entscheidende Szenen der Geschichte liebevoll darstellen. Zusammen ergeben die Geschichte und die Bilder ein zauberhaftes Gesamtpaket, das einen ganz besonderen Platz im heimischen Bücherregal mehr als verdient hat.

Cover:

So wunderschön, liebevoll und bezaubernd wie die Geschichte selbst. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man sich nicht in dieses Cover verlieben kann!

Fazit:

"Der unvergleichliche Ivan" von Katherine Applegate ist wahrlich unvergleichlich. Die Geschichte um den Gorilla Ivan, die auf einer wahren Begebenheit beruht, hat mich in jeglicher Hinsicht begeistert. Wundervolle Charaktere, eine zauberhafte Geschichte und Illustrationen, die das Buch gemeinsam zu einem großartigen Gesamtpaket machen. Es ist eine Geschichte für Jung und Alt, die berührt und bedrückt, zum Nachdenken anregt und unvergessen bleibt. Für "Der unvergleichliche Ivan" vergebe ich 5 Lurche.


Über die Autorin:

Cristin Terrill hat Theaterwissenschaften studiert und ihren Master of Arts am Shakespeare Institute der University of Birmingham gemacht. Aufgewachsen in Texas, lebt sie inzwischen in der Nähe von Washington D.C. Zeitsplitter - Die Jägerin ist ihr erstes Buch. Die Filmrechte zu diesem Roman wurden bereits vor der Veröffentlichung verkauft. Zurzeit schreibt sie an der Fortsetzung der Geschichte.

1 Kommentar:

  1. Schöne Rezension. Ich sehe das auch so und mich konnte Ivan absolut verzaubern!!! Er ist so ein toller und ausdrucksstarker Charakter, der wahnsinnig viele schlaue Sprüche auf Lager hat.
    Ps. deine Autoreninfo bezieht sich noch auf Zeitsplitter ;)

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