Rezension: "Liebe macht anders"

© Kosmos
Titel: Liebe macht anders
AutorIn: Karen-Susan Fessel
Verlag: Kosmos
Seitenzahl: 176
Preis: 9,99€
ISBN-10: 344013346X
ISBN-13: 978-3440133460
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Worum geht's?

Anders ist neu in der Klasse - und macht seinem Namen alle Ehre. Die fünfzehnjährige Sanne stört das aber nicht, im Gegenteil: Sie hat noch nie jemanden so lächeln sehen wie ihn. Robert, Sannes Ex-Freund, ist Anders jedoch sofort ein Dorn im Auge. Er beginnt, in Anders' Vergangenheit herumzuwühlen, und merkt schnell, dass der Neue ein Geheimnis zu verbergen hat. Er hat ja nicht einmal einen Facebook-Account! Während Robert Hinweise sammelt, kommen sich Sanne und Anders immer näher. Sie genießen ihre Zeit miteinander - und ahnen nicht, zu welcher Gefahr Robert wird...

Meine Meinung:

Karen-Susan Fessels "Liebe macht anders" ist ein Jugendthriller, der sich auf besondere Weise mit einem außergewöhnlichen Thema beschäftigt. Die Autorin hat das große Geheimnis von Protagonist Anders geschickt in die Handlungsstränge einfließen lassen, sodass man als Leser trotz der vielen Hinweise von der Enthüllung schockiert sein wird. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass man sich im Vorfeld nicht allzu sehr mit dem Roman und seiner Geschichte beschäftigt hat. Der Klappentext kann zwar bedenkenlos gelesen werden, trotzdem empfehle ich: Einfach lesen! "Liebe macht anders" ist ein tolles und aufregendes Buch, das trotz der knappen Seitenzahl einen großen Spannungsbogen aufbaut und Jugendthriller-Fans begeistern wird.

Sanne und Anders, der neue Mitschüler, sind die beiden Protagonisten von "Liebe macht anders". Sie merken schon bei ihrer ersten Begegnung, das das, was zwischen ihnen passieren wird, etwas Besonderes sein wird. Etwas Besonderes, das sich fernab von jeden Klischees abspielt, auch wenn es sich im ersten Moment sehr kitschig anhören mag. Sanne und Anders verbinden Gefühle, die sich zaghaft und behutsam zu einer aufwühlenden Liebe entwickeln. Ihre Beziehung ist speziell, sonderbar, aber voller Emotionen, die berühren. Sie sind ein tolles Paar, das einem schnell ans Herz wächst und mit dem man absolut mitfiebert.

Karen-Susan Fessel nutzt verschiedene Erzählperspektiven, um ihre Leser intensiver an den Geschehnissen teilhaben zu lassen. Neben der Haupthandlung, die von einem außenstehenden, allwissenden Erzähler geschildert wird, gibt es auch Auszüge aus den Polizeiaussagen der beteiligten Charaktere und kurze Szenen aus ihren persönlichen Blickwinkeln. Fessel wechselt zwischen den verschiedenen Perspektiven hin und her und erlaubt ihren Lesern damit, sich einen eigenen Überblick über die Geheimnisse und Intrigen zu machen.

Dank der verschiedenen Erzählperspektive kommen auch die Nebencharaktere in "Liebe macht anders" nicht zu kurz. Man erhält einen guten Einblick in ihre Gedanken und Gefühle, in ihre eigenen Geschichten, sodass man ihr Verhalten nachvollziehen kann. Dies gilt vor allem für Robert und Justin, zwei Mitschüler, die Anders nicht ausstehen können, aber auch für Anders' Schwester Signe und seinen einzigen Freund Pascal, der im Klassenverband selbst ein Außenseiter ist. Karen-Susan Fessel hat jeden Charakter zu einer individuellen Persönlichkeit gemacht, die die Chance bekommen, sich selbst zu beweisen.

"Liebe macht anders" ist ein in sich abgeschlossener Roman, ein Einzelband, der einen nach der letzten Seite etwas unglücklich zurücklässt. Der gesamte Schluss entspricht nicht dem, was man sich für Sanne und Anders gewünscht hat, und auch ein paar wenige Fragen stehen noch unbeantwortet im Raum. Dennoch muss ich zugeben, dass genau das einen gewissen Reiz ausmacht. "Liebe macht anders" regt zum Nachdenken und Spekulieren an, sogar nach der letzten Seite, und das macht den leichten Ärger definitiv wieder wett.

Die Autorin beherrscht einen Schreibstil, mit dem ich zu Beginn große Probleme hatte. Sie schreibt, wie Jugendliche sprechen und denken: Ehrlich und authentisch, kurz und ohne malerische Wortbilder, dafür aber sehr extrem und zum Teil sehr obszön und vulgär. Besonders die Jungen, die sich - ihrem Alter entsprechend - untereinander aufspielen müssen, reißen im wahrsten Sinne des Wortes Sprüche, über die man nur den Kopf schütteln kann. Fessels Stil ist alles andere als schön, trotzdem trifft sie mit ihm den Nagel auf den Kopf. Ihre Sprache ist passend und sorgt für eine realistische Atmosphäre, auch wenn sie anfangs sehr gewöhnungsbedürftig ist.

Cover:

Das Cover ist durch die Farb- und Schriftwahl ohne große Verzierungen sehr schlicht, aber trotzdem ein echter Eyecatcher, der einen auf den ersten Blick neugierig macht. Mir gefällt es sehr gut! Übrigens: Das, was man im Hintergrund lesen kann, ist ein kurzer Abschnitt aus dem Roman, der sich recht früh abspielt. Wer genau hinschaut, wird sogar einen kleinen Fehler entdecken: Der Name des Lehrers, der seine Tasche mit Schwung auf den Tisch stellt, ist auf dem Cover noch anders als im Buch.

Fazit:

"Liebe macht anders" von Karen-Susan Fessel ist ein toller Jugendthriller über ein außergewöhnliches Thema, der sich definitiv zu lesen lohnt. Die Geschichte ist komplex und die Charaktere vielschichtig, sodass sie zusammen ein spannendes Lesevergnügen ergeben. Bloß der Schreibstil der Autorin hat zu Beginn für Einstiegsschwierigkeiten gesorgt, auch wenn er später mit seinen Stärken überzeugen konnte. Für "Liebe macht anders" gibt es eine klare Empfehlung an alle Fans von authentischen Jugendthrillern, die sich für außergewöhnliche Themen begeistern können! Ich vergebe 4 Lurche.


Über die Autorin:

Karen Susan Fessel arbeitet als freie Schriftstellerin, Journalistin, Lektorin und Dozentin für Schreibseminare. Für ihre Romane erhielt sie bereits zahlreiche Auszeichnungen, darunter „Die besten 7 Bücher für junge Leser“ und den „Rosa Courage!-Preis“.

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