Rezension: "Dornenherz - Jedem Ende wohnt ein Anfang inne"

© Coppenrath
Titel: Dornenherz - Jedem Ende wohnt ein Anfang inne
AutorIn: Jutta Wilke
Verlag: Coppenrath
Seitenzahl: 224
Preis: 14,95€
ISBN-10: 649613700
ISBN-13: 978-3649613701
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Worum geht's?

Ruth sollte ihre kleine Schwester Anna von einer Party abholen – und nun ist sie tot. Anna gibt sich die Schuld am Tod ihrer Schwester und setzt alles daran, ihren Eltern den Verlust zu ersetzen. Sie wird Ruth immer ähnlicher, verliert sich selbst immer mehr aus den Augen, bis sie eines Tages durch einen Zufall einen Jungen kennenlernt: Phil, durch den alles wieder anders sein kann. Viele Jahre früher, im 19. Jahrhundert, muss Johanna ihr altes Leben hinter sich lassen. Sie muss ihre Heimat für eine unbekannte Zukunft verlassen und einen Jungen heiraten, den sie nicht liebt. Doch wo bleibt da noch Platz für ihr Herz?

Meine Meinung:

Mit „Dornenherz“ legt Jutta Wilke ein neues Jugendbuch vor, das sich vor allem an junge Erwachsene richtet. Es ist eine berührende Geschichte über schwere Verluste, die Angst vor Neuanfängen und der Suche nach sich selbst. Man begleitet zwei Mädchen, Anna und Johanna, in zwei verschiedenen Zeiten durch die wohl schwersten Momente ihres Lebens. Jutta Wilke schreibt in „Dornenherz“ gekonnt atmosphärisch und dennoch deutlich und klar. Sie lässt eine Stimmung aufkommen, die mit ihrer ganz eigenen Magie an die Seiten bannt.

Die Handlung schreitet sehr zügig voran, sodass man schnell in einen Lesefluss gezogen wird. Einerseits wird „Dornenherz“ dadurch zu einem Pageturner, den man locker an einem Leseabend durchschmökern kann. Mir persönlich ging allerdings vieles doch zu schnell. Jutta Wilke bringt auf den knapp 220 Seiten sehr viel Gefühl unter, aber vollkommen entfalten können sich diese durch das rasche Tempo nur bedingt. Besonders die aufkeimenden Liebesbeziehungen entwickelten sich so plötzlich, dass sie einiges an Authentizität einbüßen mussten.

Protagonistin Anna hat in „Dornenherz“ mit einem schweren Schicksalsschlag zu kämpfen: Ihre Schwester Ruth ist vor einem Jahr bei einem Autounfall verunglückt, einem Unfall, für den Anna sich die Schuld gibt. Sie betrauert den Verlust ihrer Schwester, ihr Gewissen geht hart mit ihr ins Gericht und sie kämpft damit, Ruth für alle zu ersetzen. Vor lauter Kummer vergisst Anna sogar, sie selbst zu sein – bis sie auf Phil trifft. Jutta Wilke haucht Anna so viel Leben ein, dass man gar nicht anders kann, als mit ihr zu leiden und zu fühlen. Im Laufe der Geschichte wächst Anna sogar über sich hinaus und vollzieht eine Entwicklung, vor der man nur den Hut ziehen kann. Mit jeder Seite kann sie das Leserherz mehr für sich gewinnen.

Johanna ist der Hauptcharakter der Nebenhandlung, die parallel zu Annas Geschichte erzählt wird und im 19. Jahrhundert spielt. Die beiden Mädchen sind sich unheimlich ähnlich – nicht nur äußerlich! - und doch ist Johanna in ihrer Persönlichkeit reifer und ehrlicher zu sich selbst. Sie ist die Kämpferin, zu der Anna erst einmal werden muss. Obwohl sie viel für ihre Geschichte viel weniger Seiten zur Verfügung hat als Anna, entwickelt auch sie sich weiter. Johanna kommt mehr und mehr aus sich heraus und springt über ihren eigenen Schatten.

Jutta Wilke erzählt in „Dornenherz“ also gleich zwei Geschichten, die nicht nur Seite an Seite geschildert werden, sondern auch in anderen Aspekten starke Parallelen aufweisen. Die Charaktere sind sich zum Verwechseln ähnlich, tragen zum Teil sogar die gleichen Namen, und ihre Schicksale sind auf beinahe gleiche Weise miteinander verwoben. Sogar die Handlungen verlaufen ähnlich. Die vielen Gemeinsamkeiten sorgen schnell dafür, dass so manche Spekulation in den Köpfen der Leser aufkommen. Aber Jutta Wilke macht es ihren Lesern nicht so leicht, wie sie zunächst denken könnten. Die Geschichten von Johanna und Anna sind miteinander verwoben, aber die Hintergründe sind doch ganz anders als erwartet.

Ein besonderes Lob hat das Buch auch hinsichtlich seiner Gestaltung verdient. Neben der Geschichte als Text finden sich auch einige andere Elemente zwischen den Buchdeckeln, die die Handlung ergänzen, wie etwa ein Zeitungsartikel oder eine graphische Darstellung einer besonderen Einladung. Besonders gut gefallen haben mir vor allem die Kapitelanfänge zu Annas Handlungsstrang, die immer mit einem kleinen Gedicht oder einem Auszug beginnen, der etwas mit Rosen zu tun hat. Die poetischen Verse leiten die Kapitel nicht nur atmosphärisch ein, sie spielen auch innerhalb der Geschichte eine Rolle.

Zum Abschluss des Buches liefert Jutta Wilke noch ein paar Hintergrundinformationen zu ihrer Geschichte. Was in „Dornenherz“ basiert auf einer wahren Begebenheit, was hat die Autorin völlig frei erfunden? Was hat es mit dem Dampfschiff Cimbria auf sich? Mit kleinen, aber feinen Details beweist Jutta Wilke die eine tolle Mischung aus gelungener Recherche und eigener Fantasie.

Cover:

Die Covergestaltung gehört für mich definitiv zu den absoluten Highlights. Das Cover ist ein echter Eye-Catcher, kann die Atmosphäre des Buches einfangen und hat zudem einen deutlichen Bezug zur Geschichte selbst. Wer der Schutzumschlag abnimmt, wird allerdings von einer Buchgestaltung überrascht, die mindestens ebenso schön ist wie das Cover selbst. Toll!

Fazit:

„Dornenherz“ von Jutta Wilke ist ein berührendes Jugendbuch über schwere Verluste, die Angst vor Neuanfängen und der Suche nach sich selbst. Die Autorin erzählt die Geschichten der zwei Mädchen Anna und Johanna, die in verschiedenen Zeiten mit diesen schweren Themen zu kämpfen haben, parallel zueinander und sorgt mit ihrem tollen Schreibstil für eine gelungene Atmosphäre. Obwohl viele Ähnlichkeiten zwischen den beiden Mädchen für so manche Spekulation sorgen, ist schließlich doch nichts so, wie man es erwartet hätte. „Dornenherz“ ist voller Gefühl und zarter Spannung, verliert durch ein zu schnelles Erzähltempo allerdings leider an Authentizität. Für mich ist „Dornenherz“ trotz kleiner Makel ein gelungenes Jugendbuch, das ich gerne weiterempfehlen kann. Für „Dornenherz“ vergebe ich 4 Lurche.


Über die Autorin:

Jutta Wilke, geboren 1963 in Hanau am Main, wollte während der Grundschulzeit zunächst Zoodirektorin werden. Der heiß ersehnte Bio-Unterricht auf dem Gymnasium erwies sich jedoch als todsterbenslangweilig. Den Zoodirektor hakte sie deshalb ab. Dafür begeisterten sie Bücher immer mehr. Und das Schreiben erst recht.
Völlig aus Versehen studierte sie nach dem Abitur allerdings Jura. 1988 machte sie zunächst das erste Staatsexamen und heiratet noch im gleichen Jahr. 1991 folgen dann das zweite Staatsexamen und eine Ausbildung zur Fachanwältin im Familienrecht.
Sie bekommt fünf Kinder, arbeitet 12 Jahre als Anwältin, wird geschieden bis schließlich das Gefühl kommt: Es reicht. Sie will endlich das machen, was sie am besten kann: Schreiben.

1 Kommentar:

  1. HalliHallo:)

    Also dieses Buch reizt mich iwie überhaupt nicht, aber ich bin ein großer Fan von Jutta und kann dir ihre anderen Bücher nur empfehlen, wenn du sie noch nicht gelesen hast!:)

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