Rezension: "Metamorphose am Rande des Himmels"

© carl's books
Titel: Metamorphose am Rande des Himmels
Originaltitel: Metamorphose en bord du ciel
AutorIn: Mathias Malzieu
ÜbersetzerIn: Sonja Finck
Verlag: carl's books
Seitenzahl: 160
Preis: 12,99€
ISBN-10: 3570585204
ISBN-13: 978-3570585207
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Worum geht's?

Tom Cloudman – „Häma-Tom“ genannt – ist ein Stuntman, der seinen Beruf zwar mit Herzblut und Leidenschaft, aber leider auch mit größter Tollpatschigkeit ausübt. Er reist von Stadt zu Stadt und begeistert die Menschen mit seinen waghalsigen Kunststücken, die für Tom meist Verletzungen mit sich bringen. Als er nach einem weiteren missglückten Auftritt im Krankenhaus landet, erfährt Tom, dass er schwerkrank ist. Rote Bete hat sich in ihm eingenistet, die sich nun unaufhaltsam in seinem Körper ausbreitet. Tom ist nicht bereit, sich mit seinem Schicksal abzufinden, und so bastelt er sich aus den Federn seines Kopfkissens Flügel, um sich seinen größten Herzenswunsch zu erfüllen: Er möchte fliegen! Was als Idee beginnt, um der Realität entfliehen zu können, nimmt schon bald reale Konturen an. Als Tom auf dem Dach des Krankenhauses auf Endorphina trifft – ein wunderschönes Mischwesen, halb Mensch, halb Vogel – und sie ihm nicht nur die Erfüllung seines Traumes, sondern auch Heilung verspricht, kann Tom sein Glück kaum fassen. Doch alles hat seinen Preis…

Meine Meinung:

Mit seinem Debüt „Die Mechanik des Herzens“ hat sich Mathias Malzieu fest in mein Herz geschrieben. Die Geschichte um Jack mit dem mechanischen Herzen hat mich nicht einfach bloß begeistert: Ich habe mich Hals über Kopf in dieses Buch verliebt! Kein Wunder also, dass damit auch „Metamorphose am Rande des Himmels“ schon vor dem ersten Satz als absolutes Must-Read für mich galt. Ich erhoffte mir von Malzieus zweitem Roman eine märchenhafte und poetische Geschichte, die unter die Haut geht…

… und natürlich hat mich Mathias Malzieu nicht enttäuscht. Mit seinem einzigartigen Schreibstil zaubert er skurrile und faszinierende Bilder, die zum Träumen einladen. Malzieu ist ein Ausnahmekünstler, der mit seiner phantastischen Sprachgewalt geschickt umzugehen weiß und seine Leser für kurze Zeit in fremde Welten entführen kann, die einen alles um sich herum vergessen lässt. Er erzählt eine unglaubliche Geschichte, die sich dank facettenreicher und individueller Charaktere und sagenhaften Begebenheiten, die man gar niemals vergessen will. Auf Malzieus Romane muss man sich einlassen, doch man wird mit einem ganz besonderen Leseerlebnis belohnt, das tief unter die Haut und direkt ins Herz geht. Besonders Fans von Tim Burton werden sich für Malzieus Märchen begeistern können.

„Metamorphose am Rande des Himmels“ behandelt einige schwerwiegende und bedrückende Themen. Protagonist Tom muss gegen einen bösartigen Tumor kämpfen, den er selbst nur als „rote Bete“ bezeichnet, während andere Charaktere mit ihrer Andersartigkeit konfrontiert werden. Ein Großteil der Handlung spielt sich auf einer Krebsstation eines Krankenhauses ab und dementsprechend belastend ist auch die Atmosphäre des Romans. Nichtsdestotrotz schafft es Mathias Malzieu sein modernes Märchen mit einem Charme zu erzählen, der einem eine Gänsehaut bereitet. Zwischen den Zeilen steckt so viel Hoffnung, so viel Mut und Kraft. „Metamorphose am Rande des Himmels“ muss man nach der letzten Seite erst einmal sacken und wirken lassen.

Zwischen den Buchdeckeln begegnet man einer Hand voll einzigartiger Figuren, die ihre ganz persönlichen Geschichten zu erzählen haben. Tom Cloudman, der tollpatschige Stuntman, Endorphina, die verführerische Vogelfrau, Viktor, ein an Leukämie erkrankter kleiner Junge, oder Pauline, die Krankenschwester – sie alle schleichen sich mit ihren Stärken und Schwächen in die Herzen der Leser. Durch die knapp bemessene Zeit, die man mit ihnen verbringen darf, werden sie allerdings nicht in jedem Leserherz ein Nest finden. Malzieu hat Charaktere erschaffen, die trotz ihrer phantastischen Art sehr lebendig wirken. Sie sprechen nicht alles aus, was sie denken, und erwarten ihrerseits von den Lesern, dass man sie auch hinter ihren Worten kennenlernen möchte. So gilt auch bei ihnen: Wenn man sich nicht auf sie einlässt, wird man bloß oberflächlichen Hüllen mit vielversprechenden Ansätzen begegnen.

Obwohl mich „Metamorphose am Rande des Himmels“ berührt, beeindruckt und bewegt hat, kann ich mich nach der letzten Seite meiner Lobeshymne zum Debüt nicht gänzlich anschließen. „Die Mechanik des Herzens“ hat mich auf eine Art und Weise getroffen, wie es Toms Geschichte leider nicht vermochte, und auch wenn beide Romane für mich unvergleichliche Meisterwerke darstellen, so war die Erzählung um Jack mit dem mechanischen Herzen doch einen Kuckuckstick intensiver und eindringlicher.

„Metamorphose am Rande des Himmels“ kommt mit einem recht hohen Preis daher. Für gerade einmal 160 Seiten, von denen die letzten 20 bloß eine Leseprobe zu Malzieus Erstling „Die Mechanik des Herzens“ beinhalten, zahlt man satte 12,99€. Den Roman deshalb allerdings als „gestreckt“ oder – ganz im Stile der Thematik – „aufgeplustert“ zu bezeichnen, wäre alles andere als gerecht. Denn der Verlag hat bei der Produktion des Buches nicht nur großen Wert auf eine gelungene Übersetzung gelegt, sondern auch auf hochwertige Materialien und eine erstklassige Gestaltung. „Metamorphose des Himmels“ ist mit seinem grandiosen Text und seiner qualitativen Klappbroschur absolut jeden Cent wert, auch wenn der Preis zunächst ein wenig abschreckend wirkt.

Cover:

Niemand geringeres als Benjamin Lacombe hat dieses wundervolle Cover gezeichnet, wie könnte ich mich da nicht verlieben? Lacombe und Malzieu sind ein großartiges Team.

Fazit:

„Metamorphose am Rande des Himmels“, das zweite Werk des Ausnahmekünstlers Mathias Malzieu, ist ein modernes Märchen für Erwachsene, das mit poetischen Wortbildern, einer faszinierenden Geschichte und skurrilen Charakteren zu überzeugen weiß. Es ist eine Geschichte, die trotz bedrückender Themen voller Kraft und Mut steckt. „Metamorphose am Rande des Himmels“ geht tief unter die Haut, direkt ins Herz und hallt noch sehr lange nach! Mit „Die Mechanik des Herzens“ kann Malzieus zweites Buch zwar nicht ganz mithalten, dennoch bietet der außergewöhnliche Autor seinen Lesern eine grandiose Geschichte, für die sich vor allem Fans von Tim Burton begeistern werden. Für „Metamorphose am Rande des Himmels“ vergebe ich 4 Lurche.


Über den Autor:

Mathias Malzieu, geboren 1974 in Montpellier, Frontmann der französischen Kultband "Dionysos", ist ein Meister im Erfinden von einzigartigen Traumwelten. Nach dem internationalen Überraschungsbestseller Die Mechanik des Herzens wurde auch Metamorphose am Rande des Himmels zu einem sensationellen Erfolg in Frankreich. Malzieus nächster Roman erscheint in Kürze in Frankreich.

Kommentare:

  1. Huhu!
    Ich kenn das Buch noch nicht, aber ich hab "Die Mechanik des Herzens" auf meinem SuB. Das muss ich jetzt wohl unbedingt bald lesen! :)

    Liebste Grüße, Aleshanee

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  2. Aleshanee, "Die Mechanik des Herzens" hat mir sogar noch besser gefallen! :)

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