Rezension: "Die Insel"

© Arena
Titel: Die Insel
AutorIn: Manuela Martini
Verlag: Arena
Seitenzahl: 400
Preis: 16,99€
ISBN-10: 3401069764
ISBN-13: 978-3401069760
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Worum geht's?

Zu ihrem 18. Geburtstag bekommt Hannah Goulding von ihren Eltern ein Geschenk, mit dem sie nicht gerechnet hätte: ihre Adoptionsurkunde. Doch erst als sie ihre leibliche Mutter kennenlernt, bricht ihre Welt völlig zusammen. Hannah stammt von einer drogenabhängigen Straftäterin ab, die sogar einen Todesfall zu verantworten hat. Bei ihrer ersten Begegnung bekommt Hannah von ihrer Mutter ein Tagebuch mit seltsamen Einträgen. Eigentlich sollte Hannah sie sofort in die nächste Mülltonne werfen! Doch irgendwas reizt Hannah an den verwirrten Worten ihrer Mutter und so fasst sie einen Beschluss: Sie reist für unbestimmte Zeit nach Sydney, um zu sich selbst zu finden und nach der Wahrheit hinter den Ereignissen aus dem Tagebuch zu suchen. Zusammen mit ihrer neuen Freundin Nikki schlägt sich Hannah in Australien mehr oder weniger erfolgreich durch, bis sie ein Jobangebot auf einer abgeschiedenen Insel bekommt, das sie nicht ausschlagen kann. Hannah und Nikki machen sich voller Vorfreude auf den Weg zum besten Job der Welt. Doch auf der Insel ist nichts, wie es scheint, und ehe sich die Freundinnen versehen, sind sie bereits Teil eines grausamen Spiels...

Meine Meinung:

"Die Insel", der erste Band einer Jugendthriller-Dilogie, beginnt ohne große Erklärungen und wirft den Leser mitten in Hannah Gouldings Abenteuer in Sydney. Hannah, die eigentlich aus London stammt, schlägt sich zusammen mit ihrer Freundin durch schlecht bezahlte Jobs und aufregende Partynächte, ehe es die beiden zum wohl besten Job der Welt auf eine Insel verschlägt. Was sie jedoch in Wahrheit nach Australien verschlagen hat, was das Tagebuch ihrer Mutter damit zu tun hat und was der Spruch Mete bab ou alatranp bedeutet, der Hannah immer wieder über den Weg läuft, behält Autorin Manuela Martini lange Zeit für sich. Durch die großen Wissenslücken fällt der Einstieg in "Die Insel" alles andere als leicht. Dafür macht das Ungewisse sofort neugierig und Lust auf mehr.

Je tiefer man in die Geschichte eintaucht und je besser man sich dort zurechtfindet, desto obskurer und skurriler werden die Ereignisse auf der Insel. Der Roman zieht mit jedem Kapitel das Erzähltempo stärker an und schlägt überraschende Wendungen ein, die man auf solch extreme und sonderbare Art nicht erwarten würde. Auch wenn diese Entwicklungen für mich zum Teil zu sehr ins Eigenartige abdrifteten, konnte ich mich dem Sog der Geschichte nicht entziehen. "Die Insel" bietet Spannung pur und reißt bis zur letzten Seite gnadenlos mit. Die vielen mysteriösen Geheimnisse, Ereignisse und Entdeckungen, die sich gegenseitig jagen und überschlagen, und die exotische Insel-Atmosphäre ziehen einen wahrlich in einen Leserausch.

Mit Protagonistin Hannah verhält es sich ähnlich wie mit der Handlung: Zu Beginn fällt es schwer, Hannah und ihre Art zu verstehen und mit ihr zu sympathisieren. Durch den außenstehenden Erzähler entsteht zusätzlich eine gewisse Distanz zwischen Hannah und dem Leser, selbst wenn er über ihre Gedanken und Gefühle zu berichten vermag. Je mehr Zeit man jedoch mit ihr verbringt, je mehr man über Hannah und ihre Beweggründe erfährt, desto besser kann man ihre Handlungen und Entscheidungen nachvollziehen. Selbst wenn ich bis zum Schluss nicht die engste Bindung zu Hannah aufbauen konnte, hat sie es geschafft, meine Abenteuerlust zu wecken und mich zum Mitfiebern zu animieren.

So packend die Geschichte auch ist, so sehr sie auch mitreißen kann: "Die Insel" ist mindestens ebenso frustrierend. Denn Manuela Martini wirft im ersten Band ihrer Dilogie Fragen über Fragen auf, die höchstens mit groben Andeutungen oder Vermutungen beantwortet werden. Was für ein schauriges Spiel hier gespielt wird, kann sich der Leser im Laufe der Handlung zwar ungefähr zusammenspinnen, aber die Hintergründe und die Bedeutungen der einzelnen Charaktere bleiben im Dunkeln. Nach der letzten Seite schlägt man "Die Insel" sicherlich atemlos, aber auch mit einem großen Fragezeichen im Kopf zu. Cliffhanger inklusive.

Für große Verwirrung sorgte allerdings nicht nur die Geschichte selbst, sondern auch die Art und Weise, wie Manuela Martini sie erzählt. Denn die Autorin spielt mit verschiedenen Zeitebenen und schildert während Hannahs Abenteuern auf der Insel auch Momente aus Vergangenheit und Zukunft, deren Bezug zur Geschichte nicht immer auf den ersten Blick erkenntlich sind. Vor allem die Sequenzen, die für Hannah noch in der Ferne liegen, haben mich so manches Mal ratlos innehalten lassen.

Die einzelnen Nebencharaktere in "Die Insel" - und davon gibt es eine ganze Menge! - stehen Protagonistin Hannah in nichts nach und können mit eigenen ausgeprägten Persönlichkeiten begeistern. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte zu erzählen, warum und wieso sie oder er auf die Insel gekommen ist, und nicht jede hat einen glücklichen Ausgangspunkt. Leider bekommen nicht alle Figuren die Chance, sich mit all ihren Facetten zu präsentieren. Die Gründe hierfür heißen die Spannung des Romans dafür mächtig an...

Cover:

Das Cover gefällt mir richtig gut. Die verschiedenen Farben und Abschnitte, die zu den drei Etappen des Buches passen, fangen die Atmosphäre der mysteriösen Insel perfekt ein und laden als Gesamtbild sofort zum Lesen ein.

Fazit:

"Die Insel" von Manuela Martini, der Auftakt einer Jugendthriller-Dilogie, hat mich mit gemischten Gefühlen zurückgelassen. Einerseits konnte mich die Geschichte um Hannah Goulding trotz mühsamer Anfangsschwierigkeiten in einen regelrechten Leserausch zerren. Wie gebannt habe ich an den Seiten geklebt und gemeinsam mit Hannah zwischen den skurrilen Ereignissen nach Antworten gesucht. Andererseits fand ich von eben diesen viel zu wenige, sodass ich "Die Insel" nach der letzten Seite zwar atemlos, aber irritiert und mit einem großen Fragezeichen im Kopf zuschlagen musste. Nun lege ich alle Hoffnungen in die sehnlichst erwartete Fortsetzung, die mich mit den ausstehenden Antworten wirklich vom Hocker reißen sollte! In diesem Sinne: Mete bab ou alatranp - Prepare for what is coming! Für "Die Insel" vergebe ich sehr gute 3 Lurche.


Über die Autorin:

Manuela Martini wurde 1963 in Mainz geboren und lebt heute als Autorin in Spanien. Nach ihrem Studium - Geschichte und Literaturwissenschaft - arbeitete sie als Regie- und Produktionsassistentin im Filmgeschäft. Ein Dokumentarfilm über Opal-Miner führte sie zum ersten Mal nach Australien, wo sie den Hintergrund für ihre ersten Romane fand. In München und Australien entstand ihre Krimireihe mit dem Ermittler Shane O'Connor.
Inzwischen lebt Manuela Martini auf einer Finca in Südspanien.

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