Rezension: "Das Herz des Sternenbringers"

© Thienemann Verlag
Titel: Das Herz des Sternenbringers
AutorIn: Priska Lo Cascio
Verlag: Thienemann Verlag
Seitenzahl: 432
Preis: 16,99€
ISBN-10: 3522201833
ISBN-13: 978-3522201834
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Worum geht's?

1066: Ein Spionageauftrag treibt den Normannen Garred nach England, wo er sich unter Vortäuschung falscher Tatsachen das Vertrauen der Bewohner von Wertlyng erschleicht. Garred hat jedoch nicht damit gerechnet, dass er sich ausgerechnet in die schöne Alwynn verliebt. Sie ist die Schwester des Thane und wacht während der Abwesenheit ihres Bruders Wigstan über Wertlyng und ihrer Bewohner. Je mehr Zeit Garred mit Alwynn verbringt, desto stärker wird sein Wunsch, sie zu beschützen – doch mit jedem Tag, der vergeht, rückt auch der große Krieg zwischen den Normannen und den Angelsachsen näher. Garred muss sich entscheiden: Auf wessen Seite will er stehen – und hat seine Liebe überhaupt eine Chance?

Meine Meinung:

In „Das Herz des Sternenbringers“ entführt Autorin Priska Lo Cascio ihre Leser in die Vergangenheit – und zwar nach England, fast 1000 Jahre zurück! Der historische Jugendroman lässt dank Lo Cascios Schreibstil schon nach wenigen Seiten eine typisch historische Atmosphäre aufkommen, die Fans des Genres augenblicklich für sich einnehmen wird. Priska Lo Cascio umschreibt die Schauplätze und die Ereignisse mit viel Liebe zum Detail und legt ihren Charakteren genau die richtigen Worte in den Mund: Sie sprechen zeit- und standesgemäß, allerdings in Maßen, sodass sich jüngere Leser keinesfalls davon überfordert fühlen werden.

Der Einstieg in die Geschichte gestaltet sich trotz der tollen Stimmung zunächst schwierig. Die vielen unterschiedlichen Figuren stürzen geradezu auf einen ein, ohne dass man etwas mit ihnen anzufangen weiß, und ihre altertümlichen Namen machen es schwer, sie auf Anhieb voneinander unterscheiden zu können. Es dauert ein paar Kapitel, bis man sich auf die Handlung und die einzelnen Charaktere eingestellt hat. Hat man diesen Punkt jedoch erst einmal überwunden, fragt man sich schnell, wie man es überhaupt nur wagen konnte, Goderun mit Guthyld zu verwechseln!

Alwynn ist die Protagonistin des Romans. Als Schwester des Thane von Wertlyng ist sie zwar wohlbehütet aufgewachsen, doch sie musste durch den frühen Verlust ihrer Eltern schnell lernen, Verantwortung zu übernehmen. In Abwesenheit ihres Bruders Wigstan ist es ihre Aufgabe, über sein Hofgut und seine Bewohner zu wachen und zu herrschen. Alwynn tut dies mit einer solchen Hilfsbereitschaft und Güte, dass sie sich einen ehrenwerten Namen gemacht hat. Man sollte allerdings tunlichst nicht den Fehler begehen, sie zu unterschätzen! Auch wenn Alwynn eine herzensgute junge Frau ist, kann sie hart und bestimmt durchgreifen. Sie ist stark, schlagfertig und mutig und lässt sich von Nichts und Niemandem bezwingen.

Im Gegensatz zu ihr steht Garred, der es als Normanne mit angelsächsischem Blut in seinen Adern nie leicht im Leben gehabt hat. Aufgewachsen auf einem reichen Gut, hat Garred nach dem Tod seines Großvaters alles verloren. Nun schlägt er sich eher schlecht als recht durchs Leben. Kein Wunder, dass er nicht lange zögert, als er als Spion für die Normannen alles zurückgewinnen kann. Garred kämpft für das, was er liebt, und ist im Grunde ein guter Kerl mit lobenswerten Moralvorstellungen. Außerdem verfügt der junge Mann über eine gehörige Portion Charme, mit der er Frauenherzen im Sturm erobern kann! Garred ist ein interessanter Charakter, dessen Absichten und Beweggründe man sehr gut nachvollziehen kann.

In „Das Herz des Sternenbringers“ steht die Liebesgeschichte zwischen Alwynn und Garred und auch die zwischenmenschlichen Beziehungen der anderen Charaktere ganz klar im Vordergrund. Kapitel für Kapitel spürt man, wie Alwynn und Garred sich durch die Ereignisse näher kommen, welche Bande die Menschen von Wertlyng knüpfen und welche reißen. Priska Lo Cascio konzentriert sich auf die Emotionen in ihrer Geschichte und weiß genau, wie sie das Herz ihrer Leser erreichen kann.

Die Autorin kann mit den Gefühlen zwar mächtig punkten, aber leider gerät vor allem durch die Liebesgeschichte vieles in den Hintergrund. Garred wahre Absichten an Alwynns Hof werden lange Zeit kaum thematisiert und auch die große Schlacht, die der Herrscher der Normannen bereits im Prolog ankündigt, lässt lange auf sich warten. „Das Herz des Sternenbringers“ lebt von den Gefühlen, die sich zwischen den Buchdeckeln entwickeln, und wird erst auf den letzten 100 Seiten zu einem spannungsgeladenen Roman, in dem sich die Ereignisse überschlagen. Wer lieber aufregende statt gefühlvolle Geschichten liest, wird mit diesem Roman vielleicht eher nicht so glücklich, während Fans von romantischen und historischen Jugendbüchern voll und ganz auf ihre Kosten kommen!

Welche historischen Ereignisse sie zu dem Roman inspiriert haben, erklärt die Autorin in ihrem Nachwort. Sie erläutert grob, was die normannische Invasion für England bedeutete und sogar was wirklich im Jahre 1066 mit Wertlyng geschah. Erst mit den letzten Seiten, mit den Anmerkungen von Priska Lo Cascio, wird klar, wie nah an den historischen Überlieferungen sich der Handlungsstrang entwickelt. Ein klarer Pluspunkt für die tolle Recherchearbeit der Autorin!

Cover:

Das Cover gefällt mir sehr gut! Die Farben und Verzierungen passen sehr gut zueinander und ergeben ein wunderschönes Gesamtbild. Leider wird durch das Cover nicht wirklich klar, was für eine Geschichte zwischen den Buchdeckeln steckt. Es ist zwar schön anzusehen, aber mir fehlt der Bezug zur Geschichte.

Fazit:

„Das Herz des Sternenbringers“ von Priska Lo Cascio ist ein historischer Jugendroman, der seine Leser in das England des 11. Jahrhunderts entführt. In einer stimmigen Atmosphäre lernt man die Angelsächsin Alwynn und den Normannen Garred kennen. Alwynn, die Schwester des Thane von Wertlyng, und Garred, den es eigentlich nur wegen eines Spionageauftrags nach England getrieben hat, entwickeln schnell verbotene Gefühle für einander und der Ärger scheint unvermeidlich. Tatsächlich lässt der spannungsgeladene Showdown aber lange auf sich warten. Priska Lo Cascio legt die Gefühle in ihrer Geschichte ganz klar in den Vordergrund. Für Fans von historischen Jugendbüchern voller Romantik ist „Das Herz des Sternenbringers“ eine ganz klare Leseempfehlung, aber als absolutes Must-Read des Genres hat sich der Roman nicht erwiesen. Für „Das Herz des Sternenbringers“ vergebe ich schwache 4 Lurche.


Vielen Dank an den Thienemann Verlag und Blogg dein Buch für dieses Rezensionsexemplar!

Über die Autorin:

1972 in Bern geboren und aufgewachsen, war Priska Lo Cascio bereits in frühster Jugend fasziniert von Kulturen und Geschichten aus aller Welt. Nach der Ausbildung zur Reisefachfrau hat es sie mehrere Jahre lang auf die Britischen Inseln, nach Italien und in den Nahen Osten gezogen, bevor sie sesshaft wurde. Seit 1998 lebt sie mit Ehemann und Sohn in Zürich und arbeitet hauptberuflich für einen Schweizer Reiseveranstalter. Wenn sie nicht gerade schreibt, stöbert sie oft und gerne durch herrlich verstaubte Geschichtsarchive oder versucht sich im Studium nicht ganz alltäglicher Sprachen.

Kommentare:

  1. Liebe Simone,

    eine tolle und ausführliche Rezension, herzlichen Dank dafür.
    Es freut mich, dass dir der Sternenbringer trotz allem gefallen hat.

    Glg Priska

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  2. Liebe Frau Cascio, vielen lieben Dank an SIE für den Kommentar! So etwas erlebt man als Blogger ja auch nicht oft, dass Autoren sich selbst zu Wort melden. Ich habe mich sehr gefreut und kann versichern: Ihre anderen Bücher haben es auch schon auf meine Wunschliste geschafft... :)

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