Rezension: "Glücksdrachenzeit"

© Magellan
Titel: Glücksdrachenzeit
AutorIn: Katrin Zipse
Verlag: Magellan
Seitenzahl: 272
Preis: 16,95€
ISBN-10: 3734850045
ISBN-13: 978-3734850042
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Worum geht's?

Nellie und ihr Bruder waren einmal unzertrennlich, doch jetzt ist alles anders. Denn Kolja ist abgehauen, nach Avignon, weil er es daheim einfach nicht mehr aushält. Das will Nellie allerdings nicht einfach so hinnehmen! Sie und Kolja gehören schließlich zusammen: Sie sind ein Herz und eine Seele. Also fasst sie den Entschluss, gemeinsam mit ihrem Hund Jackson nach Frankreich zu trampen und Kolja zurückzuholen. Nach zwei eher wenig erfolgreichen Mitfahrgelegenheiten landet Nellie schließlich im pfefferminzgrünen Oldtimer der schrulligen alten Miss Wedlock, die kurze Zeit später auch noch den hinreißenden Elias mitnimmt. Das seltsame Quartett schafft es tatsächlich nach Frankreich. Doch statt ihres Bruders, der sie mit offenen Armen empfängt, findet Nellie dort jede Menge Schwierigkeiten. Und einige davon – das muss sie sich eingestehen – schlummern in Nellie schon länger, als sie wahrhaben will...

Meine Meinung:

Lust auf einen abenteuerlichen Roadtrip, der verrückter, schöner und berührender kaum sein könnte? Dann schnappt euch Katrin Zipses Debüt „Glücksdrachenzeit“ und setzt euch gemeinsam mit der mutigen Nellie, ihrem süßen Hund Jackson und dem nicht minder schnuckeligen (allerdings durchaus menschlichen) Elias in den klapprigen, pfefferminzgrünen Oldtimer der schrulligen Miss Wedlock. Es soll nach Frankreich gehen, genauer gesagt nach Avignon, wo gerade das berühmte Theaterfestival stattfindet. Doch für Nellie, Jackson, Elias und Miss Wedlock steckt viel mehr hinter dieser Reise.

Kaum hat man „Glücksdrachenzeit“ aufgeschlagen, steckt man bereits mitten in der Geschichte: Nellies Bruder Kolja verabschiedet sich von seiner Schwester, weil er abhauen will. Zuhause hält er es einfach nicht mehr aus. Nellie lässt ihn ziehen, beschließt aber schon bald, ihnen Bruder zu suchen und zurückzuholen. Kolja war immer derjenige, auf den Nellie sich verlassen konnte. Sie sind schließlich eine Familie – Differenzen und Probleme hin oder her! - und gehören zusammen. Mutig, tapfer, mit jeder Menge Willenskraft und ihrem Hund Jackson macht sich Nellie also auf den Weg, um nach Frankreich zu trampen und gerät damit in das seltsamste Abenteuer ihres Lebens.

Was habe ich gegrinst und gelacht! Nellie ist wirklich nicht auf den Mund gefallen und dabei herzerwärmend ehrlich. Sie sagt, was sie denkt, und stellt die verrücktesten, komischsten und leichtsinnigsten Dinge an, die man sich für ein trampendes junges Mädchen nur vorstellen kann. Sie bringt sich sogar so manches Mal in Schwierigkeiten, aus denen sie sich eher schlecht als recht wieder retten kann. Als sie schließlich auf Miss Wedlock und Elias trifft, fängt die Geschichte allerdings erst richtig an. Es wird herrlich merkwürdig, ein wenig romantisch und absolut lebendig.

Je tiefer man in die Geschichte eintaucht, desto deutlich spürt man jedoch, dass hinter „Glücksdrachenzeit“ viel mehr als ein skurriler Roadtrip steckt. Schon lange bevor man überhaupt weiß, in welche Richtung sich der Roman entwickeln wird, beschleicht einen tief im eigenen Herzen ein ungutes Gefühl. Während die einzelnen Worte einem Warnungen zuzuflüstern scheinen, kommt man dem Geheimnis immer näher. Ich habe mich sogar dabei ertappe, wie ich eine Lesepause einlegte, weil ich mich für die Wahrheit noch nicht bereit gefühlt habe – nur um nach wenigen Minuten wieder nach dem Buch zu greifen, weil es mich doch so sehr reizte und ich Nellie dabei begleiten wollte.

Jede Figur in „Glücksdrachenzeit“ hat ihr eigenes Päckchen zu tragen. Sei es Nellie, die um jeden Preis ihren Bruder zurück nach Hause holen will, Elias, der innerlich so rastlos ist, Miss Wedlock, die vor den „kleinen Leuten“ flüchtet und den ganzen Koffer voller Schuhe hat, oder Kolja, der nicht der Sohn sein kann, den seine Eltern sich wünschen würden. Hinter jedem Charakter steckt eine eigene Geschichte, die es zu entdecken gilt und dem gesamten Roman eine unglaubliche Tiefe verleiht. Zwischen den Zeilen der „Glücksdrachenzeit“ hat Katrin Zipse so viele kleine Schätze versteckt, dass es sich lohnt, ganz genau zu lesen. Und vielleicht, nein, eigentlich ganz sicher, wird man dort auch etwas finden, dass man für sich selbst aus der Geschichte mitnehmen kann.

Katrin Zipse hat für ihre „Glücksdrachenzeit“ einen ganz besonderen Erzählstil gewählt. Nellie schildert die Ereignisse ihres Abenteuers nämlich „nicht einfach so“. Durch persönliche Ansprachen macht Nellie immer wieder deutlich, dass sie ihren verrückten Roadtrip für jemanden nacherzählt. Einige Kapitel geben zudem Einblicke in die Vergangenheit – nicht nur in die von Nellies Familie – und bringen Geheimnisse ans Tageslicht, die ergründet und endlich offenbart werden wollen.

Auch der Schreibstil der Autorin ist besonders. Sie schreibt genauso, wie man sich die Gedanken und Gefühle des fünfzehnjährigen Mädchens vorstellen würde, und legt dabei eine Ausdrucksstärke an den Tag, die für so manchen Gänsehaut-Moment sorgt. Zipse schreibt eindringlich, gefühlvoll und authentisch und zugleich mit einer lockeren Leichtigkeit, die die Seiten davonfliegen lässt. Einfach „echt“!

Fazit:

Was für ein Debüt! Mit „Glücksdrachenzeit“ hat sich Katrin Zipse sofort einen festen Platz in mein Leserherz geschrieben! Der aufregende Roadtrip mit Nellie, Jackson, Miss Wedlock und Elias hat mich in jeglicher Hinsicht begeistern können und nach der letzten Seite sogar sprachlos zurückgelassen. Hinter „Glücksdrachenzeit“ steckt so viel mehr, als man je vermuten könnte. Es ist eine Geschichte voller Emotionen, voller Ehrlichkeit. Ein Buch über das Leben und seine Zwickmühlen. Katrin Zipse hat mich tief berührt, mich Lachen und Weinen lassen, und so beeindruckt, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Unbedingt lesen! Für „Glücksdrachenzeit“ gibt es 5 Lurche.


Über die Autorin:

Katrin Zipse ist Radioredakteurin und lebt mit ihrer Familie in Baden-Baden. So oft es geht, unternimmt sie Spritztouren nach Frankreich und genießt das Savoir-vivre.

1 Kommentar:

  1. Ich liebe diese Rezension und ich kann jetzt überhaupt nicht mehr verstehen warum ich dieses Buch nicht schon längst im Regal stehen habe :D

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