Rezension: "Dunkellicht"

© Papierverzierer
Titel: Dunkellicht
AutorIn: Martin Ulmer
Verlag: Papierverzierer
Seitenzahl: 432
Preis: 14,95€
ISBN-10: 3944544617
ISBN-13: 978-3944544618
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Worum geht's?

Seit jeher sind die Bruderschaft des Lichts und die Bruderschaft der Dunkelheit verfeindet. Nur ihre Pflicht, die Magie der Welt im Gleichgewicht zu halten, hält sie von einer gegenseitigen Auslöschung ab. Doch kurz vor der Jahrtausendwende, im Jahre 1999, werden die Mitglieder der beiden Bruderschaften plötzlich kaltblütig ermordet. Johannes Sturm, ein Bruder des Lichts, und Antoine Chevallier, einem Bruder der Dunkelheit, bleibt nichts anderes übrig, um sich gegen den unbekannten Feind zu verbünden. Weitere Unterstützung finden sie in der geheimnisvollen Ella und dem unabhängigen Magiker Martus. Doch die Antworten, die sie finden, geben kaum Grund zur Hoffnung, und das verhängnisvolle Ende der Bruderschaften scheint unausweichlich…

Meine Meinung:

Mit „Dunkellicht“ von Martin Ulmer bringt der Papierverzierer-Verlag seinen zweiten Trilogie-Auftakt der „Dark Edition“ auf den Buchmarkt, die sich mit komplexer Fantasy an erwachsene Leser richtet. In „Dunkellicht“ entführt Ulmer seine Leser nicht in völlig fremde Welten, sondern in das Dortmund des Jahres 1999: Zwei verfeindete Bruderschaften – die Bruderschaft des Lichts und die der Dunkelheit -, die die Magie im Gleichgewicht halten, werden plötzlich angegriffen! Nicht jedoch von der jeweils anderen Bruderschaft, sondern von einem unbekannten Feind, dessen Absichten im Dunkeln liegen…

Martin Ulmer erzählt die Geschichte nicht linear und gradlinig, sondern macht sich einen abwechslungsreichen Perspektivwechsel zunutze. Statt sich auf einen Charakter zu fixieren, switcht er Kapitel für Kapitel zwischen den unterschiedlichen Figuren und ihren Handlungssträngen hin und her. Auf diese Weise erhält man nicht nur Einblicke in jede einzelne Facette des Romans, die im Verlauf der Handlung immer stärker miteinander verschmelzen, sondern auch in die einzelnen Charaktere und ihre wahren Persönlichkeiten, die sie hinter Masken zu verstecken versuchen.

Die recht kurzen Kapitel und damit verbundenen raschen Perspektivwechsel bringen ein rasantes Tempo in die Geschichte und sorgen für ein hohes Spannungsniveau. Leider waren sie aber auch verantwortlich dafür, dass ich mich lange nicht in „Dunkellicht“ zurechtgefunden habe. Ich zähle mich wahrlich nicht zu einem geübten Leser des Genres (treibe ich mich doch sonst eher in der etwas seichteren Jugend-Fantasy herum) und hatte große Einstiegsschwierigkeiten, über die Fans sicherlich nicht stolpern werden. Die Charaktere blieben mir zu distanziert, obwohl Martin Ulmer sie sehr interessant gestaltet hat, und konnte mich durch die vielen offenen Fragen nicht in den Roman fallen lassen, obwohl die Handlung mich doch gereizt hat.

Der zähe Einstieg hat es mir zunächst wirklich nicht leicht gemacht. Als Fan von detailreichen Beschreibungen muss ich zugeben, dass mir mehr Erklärungen und Hintergrundinformationen zu Beginn der Geschichte nicht nur gut gefallen, sondern auch sehr geholfen hätten. So trottete ich zunächst eher unbeholfen durch den Roman, zwar fasziniert und neugierig, aber gleichzeitig durch die vielen Fragezeichen in meinem Kopf frustriert. Dank des schnellen Erzählstils und Martin Ulmers flüssigem und bildreichen Schreibstil kam ich trotz meiner Schwierigkeiten jedoch sehr zügig mit der Geschichte voran.

Ab der zweiten Hälfe hat „Dunkellicht“ für mich plötzlich einen riesigen Sprung gemacht. Obwohl ich nur wenige meiner Fragen beantwortet bekommen hatte, mich in Martin Ulmers magischer Welt noch immer nicht ganz zurecht fand, hat mich der Roman von einem Moment an schlagartig mitgerissen. „Dunkellicht“ ist von Anfang an sehr spannend und actionreich, aber nun fühle mich regelrecht in einen mysteriösen Blockbuster hineinversetzt, der schaurige Wendungen, brutale Kämpfe und jede Menge Angst und Schrecken zu bieten hat. Ganz plötzlich war er da: der mitreißende Lesefluss, der mich an die Seiten gebannt hat, mich Stück für Stück tiefer in die Geschichte hineingezogen hat.

Ähnlich erging es mir mit den Charakteren. Zu Beginn waren sie für mich nur Statisten des Romans, Figuren in einem Spiel, das Martin Ulmer für sie entwickelt hat. Johannes, der Bruder des Lichts und ein geübter Krieger, Antoine, ein Bruder der Dunkelheit und kluger Gelehrter, Ella, die geheimnisvolle Retterin, Steiner, der Einsatzleiter des mysteriösen Büro 13, Martus, der Magiker, und Dorn, der skrupellose Cleaner – in „Dunkellicht“ spielen viele grundlegend verschiedene Charaktere mit, die nicht leicht zu ergründen sind. Ein emotionaler Zugang zu den einzelnen Personen blieb mir bis zur letzten Seite verwehrt, aber den braucht es auch gar nicht: Hat man erst einmal einen Draht zur Geschichte entwickelt, betrachtet man auch die Charaktere unter einem ganz anderen Blickwinkel. Ulmers Figuren sind alles andere als einfach gestrickt und haben eine Menge zu bieten, das auch im Handlungsverlauf für so manche Überraschung sorgt.

Spannend und mitreißend, wie sich der Roman entwickelt, fühlte ich mich viel zu früh mit dem Showdown des Trilogie-Auftakts konfrontiert. Dies ist allerdings nicht als Kritik an den Autor zu verstehen: Kaum hatte ich Blut geleckt, wollte ich gerne noch viel mehr von „Dunkellicht“ zu lesen bekommen, noch mehr von der Geschichte erfahren, wissen, wie weit Martin Ulmer sein Spiel mit den Charakteren noch treiben wird. Die ersten Opfer fallen – und eines ist klar: die „Dunkellicht“-Trilogie hat erst begonnen.

Wie Martin Ulmer seinen Auftakt jedoch zu Ende führt, hat mich höchst frustriert und beinahe sogar ein wenig enttäuscht. Der Autor liefert im letzten Kapitel einen unglaublichen, unfassbaren Cliffhanger ab, der dafür sorgt, dass man durchaus in Versuchung gerät, das Buch an die nächstgelegene Wand zu schmeißen. Werter Herr Ulmer, Cliffhanger sind sicherlich eine gute Möglichkeit, um seine Leser gebannt nach der Fortsetzung greifen zu lassen! Wenn diese jedoch noch gar nicht erschienen ist, grenzt ein Cliffhanger – besonders in diesem äußerst gemeinen Fall – jedoch ganz klar an Körperverletzung…

Fazit:

„Dunkellicht“ von Martin Ulmer, der Auftakt der gleichnamigen Trilogie, ist ein actiongeladener Lese-Blockbuster, der mitten in Dortmund spielt. Martin Ulmer erzählt die Geschichte der zwei verfeindeten Bruderschaften des Lichts und der Dunkelheit, die sich plötzlich gemeinsam gegen einen fremden Feind behaupten müssen. Es wird blutig, grausig und vor allem sehr aufregend und rasant, doch bis man in den vollen Genuss des Romans kommen kann, wird es für Genre-Neulinge wie mich leider sehr zäh. Fans von düsterer Fantasy für erwachsene Leser, die auch vor komplexen Verstrickungen nicht zurückschrecken, kommen hier allerdings voll auf ihre Kosten! Für „Dunkellicht“ vergebe ich gute 3 Lurche.


Über den Autor:

Martin Ulmer lebt in Dortmund, wo auch sein erster Roman spielt. Beruflich ist er als Produktmanager für ein Abrechnungszentrum tätig. Schreiben gehört seit jeher zu seinem Leben. Immer wieder von kreativen Pausen unterbrochen, schreibt er in seiner Freizeit Texte und Gedichte oder nimmt an Projekten mit anderen schaffenden Künstlern teil.

1 Kommentar:

  1. Hallo :)

    Am 06.06. Startet unsere Blogtour zu Dunkellicht. Vielleicht magst du ja vorbeischauen :)

    http://kaylies-life-of-books.blogspot.de/2016/05/blogtour-ankundigung-dunkellicht.html

    Alles Liebe Kaylie

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