Rezension: "Das Reich der Tränen"

Janine Wilk // Thienemann // 224 Seiten // gebunden // 12,99€ // 978-3522183895 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Mias Leben ist alles andere als ein Märchen. Wenn es mal wieder Ärger daheim gibt, flüchtet sie mithilfe ihrer Tränen in das faszinierende Reich Diadala, wo sie als Bewohnerin des Sternbaumlandes mit ihren Freunden viele Abenteuer erlebt. Doch dann wird ihr bester Freund Goldiur, der Kometendrache, von der bösen Königin Zenoide entführt und droht zu sterben. Mia macht sich auf eine aufregende Reise durch ganz Diadala, um Goldiur aus den Fängen der Königin zu befreien. Aber hin und wieder muss Mia auch in die reale Welt zurückkehren und sich dort ihren wahren Problemen stellen…

Meine Meinung:

„Das Reich der Tränen“ von Janine Wilk ist eines jener Bücher, die man erst einmal einige Zeit sacken lassen muss, ehe man auch nur damit beginnen kann, Worte zu finden, die dieser Geschichte gerecht werden können. Denn die Geschichte der jungen Mia ist ein ganz besonderes und sensibles Märchen, das es sich traut, ein schreckliches Thema auf einfühlsame und eindringliche, zugleich aber auch unglaublich schöne Weise umzusetzen. Eine Geschichte, die geschrieben werden musste und die es verdient hat, gelesen zu werden!

Hat man das Buch erst einmal aufgeschlagen, die ersten Sätze inhaliert, die ersten Seiten verschlungen, ahnt man noch nicht einmal im Geringsten, was einen in „Das Reich der Tränen“ erwarten wird. Sicherlich wird man sich durch den Titel und den Klappentext denken können, um was es geht, doch mit welcher Härte und Eindringlichkeit Janine Wilk die Geschichte von Mias Misshandlung erzählt, hat mich in Mark und Bein erschüttert und mir so manchen grausigen Schauer über den Rücken laufen lassen. Mia muss nicht nur physische Gewalt über sich ergehen lassen, sondern auch unter psychischem Druck leiden, der ihr sowohl ihr Selbstwertgefühl als auch ihr Selbstbewusstsein raubt.

Immer dann, wenn Mia weint, reist sie in das geheimnisvolle Reich der Tränen, nach Diadala. Dort ist sie eine kleine Bewohnerin des Sternbaumlandes und führt ein glückliches Leben mit ihren Freunden. Der Kometendrache Goldiur ist ihr bester Freund, doch dann wird dieser von der bösen Königin Zenoide entführt – und Mia beginnt eine aufschlussreiche Reise durch ganz Diadala, um ihn zu retten. Obwohl die Hintergründe des Reiches der Tränen alles andere als schön sind, habe ich mich absolut in Diadala und seine Bewohner verliebt. Es ist eine zauberhafte Märchenwelt voller faszinierender Charaktere, die einem wundervolle Ratschläge mit auf den Weg geben und einem zeigen, was im Leben wirklich wichtig ist. Mias Diadala beweist, wie schön, bezaubernd, hilfreich und aufbauend die eigene Fantasie sein kann.

Zurück in der „echten“ Welt wird nicht nur Mia von dem Verlust der Magie und der grausamen Realität eingeholt. Was dort geschieht, was Mia erleben muss, geht unter die Haut und sorgt für jede Menge Gänsehaut. Die Misshandlungen werden immer grausamer, die Hilfeschreie immer lauter und die Wut im eigenen Herzen wird so riesig, dass man unbedingt einschreiten will. Man möchte nicht mehr zusehen müssen, wie Mia leidet, will ihr helfen, aber die Papierwände zwischen ihr und einem selbst sind unüberwindbar. Und so bleibt einem nichts anderes übrig, als Mia mit jedem Gedanken das Beste zu wünschen, mit ganzem Herzen mit ihr mitzufiebern, aber auch ganz viel für sich selbst aus ihrer Geschichte zu lernen. „Das Reich der Tränen“ ist ein Mutmach-Buch, das Kraft und Hoffnung schenkt, ohne die Grausamkeiten herunterzuspielen.

Janine Wilk verfügt über einen einzigartigen Schreibstil voller Poesie und Fantasie. Sie schreibt mit so viel Magie, dass jedes ihrer Wörter einen an der Hand nimmt und zum Träumen einlädt. Dank ihrer wunderschönen und bezaubernden Wortbilder taucht man voll und ganz in Mias Diadala ein. Zugleich kann Janine Wilk aber auch mit einer extremen Härte und Kälte schreiben, die die grausamen Szenen in der Realität nur umso schrecklicher werden lassen. Janine Wilk verbindet in „Das Reich der Tränen“ so viel Glück und Traurigkeit miteinander, so viel Schönes und Schreckliches, so viel Hoffnung und Angst – und es gelingt ihr perfekt, die beiden Extreme auf intensive und eindringliche Art und Weise zu verknüpfen, sodass „Das Reich der Tränen“ zu einem unvergleichlichen Leseerlebnis wird, das man nicht mehr vergisst.

Ein wenig unglücklich bin ich dennoch über das Ende, das die Autorin für ihren Roman gewählt hat. Es ist sicherlich kein schlechter Abschluss für Mias Geschichte, sondern einer, der beweist, dass es sich lohnt durchzuhalten und zu kämpfen. Dennoch hätte ich mir vielleicht eher eine direkte Konfrontation gewünscht, eine klare Handlung Mias, die ihren Eltern die Stirn bietet.

In ihrem Nachwort beschreibt die Autorin, wie ihr überhaupt die Idee zu Mias Geschichte gekommen ist. Außerdem finden sich dort die wichtigsten Telefonnummern und Anlaufstellen für Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die wie Mia mit schrecklichen Problemen zu kämpfen haben. Janine Wilk ruft ganz klar dazu auf, sich unter solchen Umständen Hilfe zu suchen und sie auch anzubieten – und ich bin mir sicher, dass sie den einen oder anderen jungen Leser von „Das Reich der Tränen“ bereits dazu bewegen konnte!

Fazit:

„Das Reich der Tränen“ von Janine Wilk ist ein großartiges Buch, das die schreckliche Thematik der Kindesmisshandlung mithilfe des Zaubers der Fantasie auf wunderschöne und berührende Art und Weise behandelt. Die Geschichte von Mia, die mit ihren Tränen aus der Realität flieht und in der magischen Welt Diadala unglaubliche Abenteuer erlebt, an denen sie wächst, ist nicht nur faszinierend und bewegend, sondern auch aufwühlend und eindringlich. Nicht selten ertappt man sich dabei, wie man versucht, sich durch das Papier zu Mia zu zaubern, um ihr den Beistand zu schenken, den sie in „Das Reich der Tränen“ so vergeblich sucht. Janine Wilk hat mit diesem Roman ein wundervolles Mutmach-Buch geschrieben, das selbst in den kältesten und brutalsten Zeiten Kraft und Hoffnung schenkt. Für „Das Reich der Tränen“ vergebe ich sehr gute 4 Lurche.

Über die Autorin:

Janine Wilk wurde am 07.07.1977 als Kind eines Musikers und einer Malerin in Mühlacker geboren. Schon von Kindesbeinen an war die Literatur sehr wichtig für sie, mit elf Jahren schrieb sie ihre ersten Geschichten. Mit Anfang zwanzig begann sie mit der Arbeit an ihrem ersten Buch und schon bald folgten die ersten Veröffentlichungen im Bereich Lyrik und Kurzprosa. Janine Wilk lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in der Nähe von Heilbronn.

Kommentare:

  1. Wirklich einer wunderwunderschöne Rezension. Ich habe von Janine Wilk bereits "Die Schattenträumerin" gelesen (und habe nach fast 2 Jahren endlich mal eine Rezension geschrieben :D) und war nicht allzu begeistert, und hätte der Autorin ehrlich gesagt gar nicht so ein Buch zugetraut. Von "Das Reich der Tränen" habe ich auch übrigens durch dich zum ersten Mal gehört und dank deiner tollen Rezension steht es jetzt auch auf meiner Wunschliste. Dankeschön dafür! *-*

    Ich wollte dich mal fragen, ob du vielleicht Lust hast, bei einer Aktion mitzumachen, die ich ab übermorgen veranstalte, ich mache vom 6. bis 12. September eine große Lese-Woche auf meinem Blog. (: Es wird jeden Tag ein Motto geben, ganz viele Fragen und kleine Aufgaben, und falls dich das interessiert, kannst du ja hier mal gucken:
    http://herzensgeschichten.blogspot.de/2014/08/mega-aktion-168-stunden-lesemarathon.html
    Ich weiß, der Post ist sehr sehr lang, aber wenn du dir die fett markierten Sachen kurz anguckst, reicht das eigentlich schon. ;D

    Liebste Grüße ♥

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  2. Liebe Schokokeksii, tut mir leid, das habe ich wohl leider total verpasst! :(

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