Rezension: "Wunschlos unglücklich"

André Werner // Schandtaten Verlag // 286 Seiten // Taschenbuch // 9,99€ // 978-3944647104 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Wir leben in einer Gesellschaft ohne Krieg, Hungersnot oder drohender Obdachlosigkeit. Für unser Überleben ist gesorgt. Aber ist das Gewicht der täglich vergossenen Tränen, würde man sie alle auffangen und zusammentragen, tatsächlich weniger als noch vor 70 Jahren geworden? Gibt es heute mehr Glück? In 13, teils für sich selbst stehenden, teils zusammenhängenden Erzählungen widmet sich André Werner wortgewandt und emotional dem Glück, dem Unglück und der Verlorenheit unserer Generation. Die Charaktere gehen unter die Haut, die Szenarien überraschen, die Schreibweise und Tiefsinnigkeit berauschen. (Quelle: Schandtaten Verlag)

Meine Meinung:

Carina Bartsch, die Autorin der beliebten Liebesgeschichte „Kirschroter Sommer“, schwärmt von André Werners Debüt „Wunschlos unglücklich“ in den höchsten Tönen. Damit war meine Neugierde schnell geweckt: Ein Buch, das eine Autorin, die sich sich in mein Herz geschrieben hat, tief berührt hat, durfte ich mir schlichtweg nicht entgehen lassen. Doch hätte ich geahnt, was mich in „Wunschlos unglücklich“ erwartet, hätte ich das Buch nicht so euphorisch aufgeschlagen.

„Wunschlos unglücklich“ ist kein Roman, der seinen Lesern eine Geschichte erzählen will, sondern eine Sammlung eindringlicher Kurzgeschichten, die mal miteinander zu tun haben, mal aber auch nicht – zumindest nicht auf den ersten Blick. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie berichten vom Unglücklichsein, in all seinen Facetten und Nuancen. Sie erzählen von den Schattenseiten des Lebens, grausamen Schicksalsschlägenm düsteren Geheimnissen und brutalen Ereignissen, die ihre Opfer sowohl psychisch als auch physisch an ihre Grenzen treiben. Und manchmal bauch bis ans bittere Ende.

Wer also Lust auf eine unterhaltsame Lektüre hat, greift mit „Wunschlos unglücklich“ definitiv zum falschen Buch. Hier wird man mit so viel Unglück und Traurigkeit konfrontiert, dass man beim Lesen beinahe selbst in eine Depression verfällt. Die Kurzgeschichten lassen einen alles andere als kalt, gehen einem an die Nieren und vertreiben einem selbst den kleinsten Anflug eines Lächelns aus dem Gesicht. Selbst über die letzte Seite klingt dieses Gefühl noch lange hinaus.

Dennoch – oder vor allem deswegen – ist André Werners Werk ein Buch, für das ich nur eine klare Leseempfehlung aussprechen kann (und das nicht nur an Leser, die in gewisser Weise masochistisch veranlagt sind). „Wunschlos unglücklich“ geht unter die Haut und zwingt auf intensive Weise, derer man sich nicht entziehen kann, zum Nachdenken. Die Schicksale, die der Autor in den einzelnen Kurzgeschichten behandelt, sind zwar alle bedrückend, erwecken in einem aber ganz andere Gefühle als (Selbst-)Mitleid. Sie alle betrachten das Leben kritisch und zeigen neue Perspektiven auf, die dem einen oder anderen sicherlich nicht völlig fremd sein werden, aber in unserer Gesellschaft doch immer wieder verdrängt werden. Tiefgreifende und anregende philosophische Gedankenstränge bilden den roten Faden einer jeden Geschichte, eine komplexe, eindringliche Basis.

„Wunschlos unglücklich“ reizt und stößt ebenso ab. Es ist alles andere als leichte, locker-flockige Lektüre, die man gerne auf dem Nachttisch liegen hat oder mal nebenher in der Bahn liest. Es ist ein anspruchsvolles Buch, das einen mit seiner grausigen Realität und Werners direktem, schonungslosen Schreibstil gleichsam schockiert wie begeistert. Wie Werner die Psycher seiner eigen- und einzigartigen Charaktere darstellt, wie ihre Gedanken und Gefühle auf einen selbst übergehen, wie man sich dabei ertappt die Welt anders wahrzunehmen – all das macht „Wunschlos unglücklich“ zu einem mehr als lesenswerten Buch, für das man jedoch auch starke Nerven braucht.

Fazit:

„Wunschlos unglücklich“ von André Werner ist ein außergewöhnliches Debüt, das innerhalb von dreizehn Kurzgeschichten von den Schattenseiten des Lebens erzählt. Auf grausame, brutale, schonungslose Art und Weise berichtet der Autor von Schicksalen, die unter die Haut gehen. Dieses Buch infiziert seine Leser mit den eindringlichen Gefühlen seiner Charaktere und öffnet ihnen damit die Augen für neue Perspektiven. Wer „Wunschlos unglücklich“ gelesen hat und es sich wirklich zu Gemüte führt, sieht manche Dinge in der Welt, die wir in unserer Gesellschaft viel zu häufig ignorieren, plötzlich mit anderen Augen. Für „Wunschlos unglücklich“ vergebe ich 5 Lurche.

Über den Autor:

André Werner, 1981 geboren, lebt, schreibt und atmet in Berlin.

Kommentare:

  1. Das klingt wirklich wirklich wirklich gut, und da ich eine Schwäche für Kurzgeschichten habe, klingt es gleich noch besser.

    Dein Fazit macht mich neugierig und ich werde das Buch mal im Hinterkopf behalten. :)
    Schön, wenn man auch mal was Neues auf Blogs entdeckt.

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  2. Vielen Dank für diesen tollen, außergewöhnlichen Tipp!
    Bisher war ich kein großer Fan von Kurzgeschichten, aber es scheint, als könnte mich "Wunschlos glücklich" zu einem Kurzgeschichten-Liebhaber machen!

    Auf meinem Blog gibt es übrigens gerade ein Gewinnspiel zu meinem absoluten Lieblingsbuch.

    Alles Liebe
    Laura
    http://laurassterne.blogspot.de/

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  3. Hallo,

    wow, dieses Buch klingt - heftig. Aber dennoch auch interessant. Ich weiß nicht, ob ich es momentan lesen könnte, da ich viel Stress habe. Für dieses Buch muss man sicherlich Zeit nehmen. Aber du hast mich trotzdem mit deiner tollen Rezension dazu gebracht, dass ich mir dieses Buch merken werde. Für einen weniger stressigen Moment in meinem Leben.

    Liebe Grüße,
    Fraencis

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