Rezension: "Ein Buchladen zum Verlieben"

Katarina Bivald // btb // 448 Seiten // gebunden // 19,99€ // 978-3442754564 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Seit Jahren verbindet die 65-jährige Amy und die 28-jährige Sara eine innige Brieffreundschaft. Die ältere Dame aus Iowa und die junge Frau aus Schweden lieben Bücher mehr als alles andere auf der Welt und so senden sie sich gegenseitig Buchempfehlungen und ihre liebsten Schmöker zu, um ihre Liebe zum geschriebenen Wort gegen alle Grenzen miteinander zu teilen. Als Sara eines Tages ihren Job in einer Buchhandlung verliert, nutzt Amy die Gunst der Stunde und lädt ihre junge Freundin zu sich nach Amerika ein. Für zwei Monate soll Sara zu ihr kommen, damit die beiden Bücherwürmer sich endlich einmal persönlich kennenlernen können. Sara nimmt Amys Angebot gerne an und reist kurzerhand nach Iowa – mitten in die absolute Einöde der Kleinstadt Broken Wheel. Doch als Sara ankommt, wird sie mit einer schrecklichen Nachricht begrüßt: Amy ist tot. Zurückreisen kann und will Sara jedoch nicht und so beschließt sie, in Broken Wheel einen kleinen Buchladen zu eröffnen, durch den sie Amys Bücher unter die nicht lesenden Bewohner der Kleinstadt bringen will. Noch ahnt Sara nicht, welche Bedeutung sie nach den zwei Monaten für Broken Wheel haben wird – und Broken Wheel für sie.

Meine Meinung:

Lust auf eine Geschichte über die Liebe zum Buch? Dann ist „Ein Buchladen zum Verlieben“ von Katarina Bivald definitiv einen genaueren Blick wert. Das Buch handelt von der jungen Schwedin Sara, die für zwei Monate in die amerikanische Kleinstadt Broken Wheel reist und dort alles verändert, indem sie einen kleinen Buchladen eröffnet. Im Gegenzug verändert die kleine, beinahe ausgestorbene Stadt Sara – und lehrt die Buchnärrin, auch einmal einen Blick über das Buch hinaus auf die echte Welt zu werfen. Es ist eine süße Geschichte, die sehr sonderbar beginnt, sich in skurrile Richtungen entwickelt und auf ebenso kuriose, aber schöne Weise ihren Abschluss findet. Eine Geschichte voller liebevoller Figuren, die man trotz einiger Klischees und Vorhersehbarkeiten ins Herz schließt, weil sie so, wie sie sind, einfach herzerwärmend ehrlich sind. Eine Geschichte mit einer sanften Liebesgeschichte, die schon ein wenig konstruiert wirkt, aber eben deshalb perfekt in die Handlung passt. Man muss „Ein Buchladen zum Verlieben“ auf sich wirken lassen, die Geschichte genießen, ohne sie bis ins kleinste Detail ernst zu nehmen. Eben eine runde, tolle Geschichte zum Wohlfühlen, wenn auch nicht für jeden.

„Ein Buchladen zum Verlieben“ ist ein sehr ruhiges Buch. Die Geschichte wird vor allem von der buchigen Atmosphäre und einer beschaulichen Stimmung getragen, nicht von atemloser Spannung oder hinterlistigen Intrigen. Die Handlung plätschert so manches Mal harmonisch vor sich hin, begleitet Sara lieber auf ihren stillen Reisen durch ihre Gedanken statt auf abenteuerlichen Geschehnissen durch Amerika. Daher ist „Ein Buchladen zum Verlieben“ in meinen Augen nur bedingt empfehlenswert, auch wenn ich mich selbst in das Buch verliebt habe. Wer sich in Romanen eher für die Handlung als die Atmosphäre begeistert und sich von vornherein nicht vorstellen kann, sich von knapp 450 Seiten Ruhe mitreißen lassen zu können, wird mit Bivalds Buch wahrscheinlich eher nicht glücklich werden. Da hilft auch die größte Buchliebe nichts.

Sara ist eine Protagonistin mit vielen Macken und seltsamen Eigenarten. Sie ist sehr schüchtern und zurückhaltend, nicht allzu bewandert im Umgang mit Menschen und reagiert in so manchen Gesprächen mit Antworten, über die man nur schmunzelnd den Kopf schütteln kann. Trotz ihrer Eigenarten werden sich viele Leserinnen in Windeseile mit Sara identifizieren können. Denn Sara ist eine Buchnärrin mit Herz und Seele, ein wahrer „Book Nerd“ durch und durch: Sie ist eine sympathische junge Frau, die die Gesellschaft von Büchern stets der von Menschen vorgezogen hat, sich schon immer lieber in neue Geschichten statt in Partynächte vertieft hat und sich ein Leben ohne den Geruch von Tinte und das Gefühl von Papier zwischen den Fingern nicht vorstellen kann. Und mal ehrlich: Wahre Buchmenschen können einander gar nicht unsympathisch sein, oder?

Für Buchliebhaber ist „Ein Buchladen zum Verlieben“ ein wahres Post-It-Buch. Jedes einzelne Kapitel steckt voller eindringlicher Buchweisheiten und wunderschöner Liebeserklärungen an das geschriebene Wort. Außerdem lässt Katarina Bivald viele bekannte Bücher aus den verschiedensten Genres in ihre Geschichte einfließen und schenkt ihnen kleine Gastauftritte, was mir immer wieder ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert hat. Diesen Roman zu lesen hat sich oftmals so angefühlt, als würde man mit einer guten Buchfreundin zu einer leckeren Tasse Tee über die verschlungene Lektüre diskutieren. Für mich ein absolutes Wohlfühl-Buch, das mir dank Sara nicht nur einmal aus der Seele gesprochen hat!

Mein wohl größter Kritikpunkt an der Geschichte ist leider das Ende. Katarina Bivald hat einen berührenden Abschluss geschrieben, der perfekt auf das gesamte Buch zugeschnitten ist und die Leser mit einem zufriedenen Seufzen Abschied von Broken Wheel und seinen Bewohnern nehmen lässt. Die Ereignisse der letzten Kapitel, die auf den tollen Epilog hingearbeitet haben, legen allerdings eine für den Roman ganz untypische Hektik an den Tag. Das plötzlich stark angezogene Tempo wirkt sich leider erheblich auf die Atmosphäre aus. Hier hätte sich die Autorin gerne mehr Zeit nehmen können, um den Roman ebenso stimmungsvoll zu beenden, wie sie ihn begonnen hat.

Fazit:

„Ein Buchladen zum Verlieben“ von Katarina Bivald ist für mich auf viele Arten ein wundervolles Buch: Es ist ein Post-It-Buch voller Liebeserklärungen an das geschriebene Wort, es hat eine seltsame, aber sympathische Buchnärrin als Protagonistin und es herrscht von der ersten bis zur letzten Seite eine stimmungsvolle Buch-Atmosphäre, durch die ich mich in der Geschichte schlichtweg pudelwohl gefühlt habe. Auch wenn mir „Ein Buchladen zum Verlieben“ sehr gut gefallen hat, kann ich Bivalds Roman leider nicht uneingeschränkt weiterempfehlen. Man muss schon eine Vorliebe für atmosphärische Geschichten haben und man darf sich nicht von einer durchgehend sehr ruhigen Handlung abschrecken lassen, um dieses Buch genießen zu können. Es geschieht viel, aber nichts, was einen sprachlos an den Seiten kleben lässt. Es ist ein Roman zum Entspannen und Wohlfühlen, den man einfach auf sich wirken lassen muss. Für „Ein Buchladen zum Verlieben“ vergebe ich – für mich – 4 Lurche.

Über die Autorin:

Katarina Bivald arbeitete 10 Jahre lang in einem Buchladen. Sie lebt in der Nähe von Stockholm, gemeinsam mit ihrer Schwester und so vielen Bücherregalen, wie sie nur gerade so reinpassen in die Wohnung. Sie weiß bis heute nicht genau, was sie bevorzugt: Menschen oder Bücher.

1 Kommentar:

  1. Hallo ^^ ich finde ein Buchladen zum Verlieben ist ein tolles Buch. mir hat es spaß gemacht es zu lesen. Ich mag auch mal solche Geschichten die ganz ohne Trubel vonstatten gehen.

    Im Übrigen, tolle Rezension. :

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