Rezension: "Grischa - Lodernde Schwingen"

Leigh Bardugo // Carlsen // 432 Seiten // gebunden // 18,90€ // 978-3551582973 // Zum Fazit?

Worum geht's?

In einem unterirdischen Versteck suchen Alina und ihre Gefährten Schutz vor dem Dunklen. Doch dort wird Alina von Tag zu Tag schwächer, bis sie die Kraft der Sonne gänzlich zu verlieren droht. Zusammen mit Maljen und ihren engsten Freunden beschließt Alina, dass sie an die Erdoberfläche zurückkehren müssen. Sie müssen den dritten Kräftemehrer, den Feuervogel, finden, um dem Dunklen in einem alles entscheidenden letzten Kampf gegenüber treten zu können. Um seiner Schreckensherrschaft ein Ende zu setzen. Um dem Volke Rawkas das Licht zurückzugeben. Nicht nur Alina und Maljen werden Opfer bringen müssen. Aber werden ihre Kräfte reichen, um den Dunklen zu besiegen?

Meine Meinung:

„Lodernde Schwingen“ von Leigh Bardugo ist der dritte und somit letzte Band in ihrer „Grischa“-Trilogie. Als absoluter Fan der „Grischa“-Welt habe ich sehnlichst auf dieses Buch gewartet, dem Erscheinungstermin regelrecht entgegen gefiebert. Meine Erwartungen waren nach „Eisige Wellen“ extrem hoch, aber Leigh Bardugo hat mich als Autorin noch nie enttäuscht. Und „Lodernde Schwingen“ sollte diese Tatsache auch nicht ändern.

Schon nach dem ersten Kapitel war ich wieder voll und ganz in der Geschichte gefangen. Ich liebe Leigh Bardugos Stil, ihre Magie, ihre Welt, die mich auch diesmal wieder mit jeder Faser meines Körpers verzaubert haben. Die Autorin ist für mich ein großes Schreibtalent: Sie schafft es, ihre Leser so stark in ihre Geschichte hineinzuziehen, dass man alles um sich herum vergisst. Man will lesen, noch tiefer in die Geschichte eintauchen, sich von dem mächtigen Lesefluss mitreißen lassen – die Realität ist dabei bloß störend!

Die Entwicklung des Handlungsverlaufs von „Lodernde Schwingen“ hat mir wahnsinnig gut gefallen. Nach dem relativ ruhigen Start, der beinahe nahtlos an den Vorgänger anknüpft, zieht Leigh Bardugo das Tempo rasch an. Die Spannung steigert sich, schon bald fallen die ersten Opfer. Doch für Alina muss die Reise weitergehen. Ohne den letzten Kräftemehrer kann sie sich dem Dunklen nicht im alles entscheidenden Kampf stellen. Ehe es im großen Finale um Leben und Tod geht, bietet Leigh Bardugo ihren Lesern einige Überraschungen und Wendungen, die einen mal jubelnd, mal schluchzend, mal bibbernd an den Seiten kleben lassen. „Lodernde Schwingen“ steht seinen Vorgängern in nichts nach. Kopfkino vom Feinsten!

Dass Alina eine sehr schwankende Protagonistin ist, hat sie im Verlauf der gesamten Trilogie bereits mehrfach bewiesen. Im ersten Band hat sie noch als sehr unsicheres, unbeholfenes Mädchen agiert, während sie im zweiten Teil durch ihre Fähigkeiten und ihre Macht selbstsicherer und stärker geworden ist. In „Lodernde Schwingen“ muss Alina erneut Rückschläge erleiden. Ihre Kräfte, durch die sie sich identifiziert hat, verweigern sich ihren Befehlen und machen Alina so wehrlos, wie sie einst war. Doch nun trägt sie eine schwere Verantwortung auf ihren Schultern: Die Hoffnung ganz Rawkas ruht auf ihr, der Sonnenkriegerin. Die Menschen verlassen sich auf sie, vergöttern sie sogar. Aber wie soll Alina ihrer Verantwortung gerecht werden, wenn sie nicht einmal über ihre Kräfte verfügen kann? Trotzdem steckt Alina nicht den Kopf in den Sand. Sie flüchtet nicht, wie sie es früher getan hätte. Aus Alina ist längst eine reife und starke Protagonistin geworden, die für Rawka kämpft. Ob sie jedoch auch stark genug ist, muss sie in ihrem letzten Abenteuer erst noch beweisen.

Dass Leigh Bardugo nicht nur eine Weltenzauberin ist, beweist sie vor allem durch ihre genialen Nebencharaktere. In kaum einer anderen Trilogie sind mir so viele Figuren begegnet, zu denen ich mir eigene Romane wünschen würde. Leigh Bardugo schreibt ihren Charakteren keine Rollen auf den Leib. Vielmehr wirkt es so, als hätte sie als Schicksalsschreiberin das Leben der Figuren in ihre Geschichte gelenkt. Vor allem der Dunkle und Nicolai sind Personen, die vor Facetten geradezu strotzen, mit ihren Persönlichkeiten faszinieren, mit ihren Hintergrundgeschichten begeistern. Sich von ihnen zu verabschieden schmerzt auf den letzten Seiten ebenso sehr wie bei Alina – wenn nicht sogar noch einen Funken mehr.

Wer sich, so wie ich, nach der letzten Seite noch nicht aus dem magischen und faszinierenden Grischa-Universum verabschieden will, darf nun erleichtert sein und sich freuen! Denn Leigh Bardugo schreibt bereits an einer neuen Reihe, die die Geschichte von Alina zwar nicht fortführen, aber dennoch in der gleichen Welt spielen wird. Neue Charaktere werden im Fokus der Handlung stehen, die wir an neue Schauplätze begleiten werden dürfen – und vielleicht dürfen wir uns sogar über den einen oder anderen Gastauftritt freuen. „Six of Crows“, so der Originaltitel, soll 2015 auf Englisch erscheinen.

Fazit:

„Lodernde Schwingen“ ist der dritte und somit letzte Band der faszinierenden „Grischa“-Trilogie. Damit führt Leigh Bardugo eine meiner absoluten Lieblingsreihen zu Ende – und das mit einem Finale, das der „Grischa“-Trilogie würdig ist! „Lodernde Schwingen“ hat mich ab der ersten Seite wieder begeistert, mich mit Irrungen und Wirrungen an den Worten kleben lassen. Leigh Bardugo hat die Handlung mit vielen Hintergrundinformationen verfeinert und für eine gehörige Portion Spannung gesorgt. „Lodernde Schwingen“ hat mich partout nicht losgelassen! Bis zur letzten Seite war ich nicht mehr Teil der Realität, sondern des grandiosen „Grischa“-Universums, das sich kein Fantasy-Fan entgehen lassen sollte. Für „Grischa – Lodernde Schwingen“ vergebe ich verdiente 5 Lurche.

Über die Autorin:

Leigh Bardugo wurde 1975 in Jerusalem geboren und wuchs in Los Angeles auf. Sie studierte an der Yale University. Wenn sie nicht schreibt, arbeitet sie als Make-up-Artist. Grischa - Goldene Flammen ist ihr erster Roman, danach folgten zwei weitere Bände der Saga um die Sonnenkriegerin Alina.

Kommentare:

  1. Huhu Simone,

    ich bin auch ein riesiger Fan der Reihe (und vor allen Dingen von Sturmhond)! Die Reihe wird aber auch mit jedem Buch einfach besser und besser.

    Liebe Grüße
    Sandra

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  2. Ich fand Band 1 damals ganz gut und habe auch schon mit dem zweiten Band begonnen. Nach deiner guten Wertung zu urteilen erwartet mich dann wohl noch ein tolles Lesevergnügen! Schönes Fazit. :)

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