Rezension: "Im Herzen der Zorn"

Elizabeth Miles // Loewe // 400 Seiten // gebunden // 17,95€ // 978-3785573785 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Um ihre Liebe zu retten, hat Emily einen Pakt mit den Furien geschlossen: Sie hat sich für immer an sie gebunden. Sein Leben konnte sie dadurch retten, seine Liebe jedoch nicht. Seit jener verhängnisvollen Nacht tut JD alles, um Emily aus dem Weg zu gehen. Wenigstens mit ihrer besten Freundin Gabby ist sie wieder im Reinen, doch das Geheimnis der Furien hat eine unüberwindbare Mauer zwischen den Freundinnen erschaffen. Wie soll sich Emily auf Bälle und Komitees konzentrieren, wie Gabby es von ihrer besten Freundin erwartet, während die Furien weiterhin ihr Unwesen treiben? Zusammen mit Drea, der Außenseiterin, die über die drei rachsüchtigen Mädchen Bescheid weiß, macht sich Emily auf die Suche nach einer Möglichkeit, die Furien zu bannen. In der Zwischenzeit nimmt Gabby sich der neuen Schülerin Skylar an, die mit ihr auf einer Wellenlänge zu sein scheint. Doch Skylar hütet ein dunkles Geheimnis, das auf keinen Fall ans Licht kommen darf. Als Emily der neuen Schülerin das erste Mal auf einer Party begegnet, setzt ihr Herz aus. Denn Skylar trägt eine rote Orchidee bei sich - das Zeichen der Furien...

Meine Meinung:

"Im Herzen der Zorn" von Elizabeth Miles ist der zweite Band der "Fury"-Trilogie und schließt etwa einen Monat nach den Geschehnissen des ersten Bandes an seinen Vorgänger an. In dieser kurzen Zeit haben sich die Dinge in Ascension verändert. Beziehungen wurden aufgelöst, Freundschaften sind auseinander gelaufen und neue wurden geknüpft. Durch aufschlussreiche Rückblenden der Charaktere findet man jedoch sehr schnell wieder in die Geschichte hinein.

Elizabeth Miles bleibt ihrem Stil treu und hat auch "Im Herzen der Zorn" in drei Abschnitte unterteilt, die die Geschichte gliedern. Jeder Akt wird mit einem Schlagwort und einem kurzen Satz eingeleitet, die einem einen kleinen Hinweis darauf geben, was im weiteren Handlungsverlauf geschehen wird. Gespoilert wird man dadurch jedoch nicht, denn die Andeutungen können die Ereignisse nicht einmal ansatzweise fassen. Nichtsdestotrotz machen sie einen unglaublich neugierig und fesseln einen an die Seiten. Auch die Erzählperspektive hat Miles übernommen. Ein außenstehender Erzähler, der ganz genau weiß, was in den verschiedenen Charakteren vor sich geht, berichtet von Emilys und Skylars Erlebnissen und wechselt dabei kapitelweise seinen Fokus.

Der erste und vergleichsweise ruhige Akt lässt dem Leser erst einmal ausgiebig Zeit, um wieder in die Geschichte hinein zu finden, die neuen Verhältnisse der Charaktere zu begreifen und sich mit den neuen Figuren "anzufreunden". Wie bereits im Trilogieauftakt fühlt man sich in dem oberflächlichen Ascension ab der ersten Seite nicht wohl. Diesmal weiß man jedoch genau, was hinter der mulmigen Atmosphäre steckt, die einem eine Gänsehaut bereitet. Man hat bereits eine gewisse Ahnung, wer ein falsches Spiel spielt, wer nur eine Maske trägt. Trotzdem ist man neugierig und möchte um jeden Preis mehr erfahren. Ehe man sich versieht, hat einen die Geschichte wieder in ihren einzigartigen Bann gezogen.

Im zweiten Akt spürt man die Steigerung zum ersten Band der Reihe. Elizabeth Miles hat in "Im Herzen der Zorn" definitiv eine bessere Balance zwischen dem Highschool-Teenie-Drama auf der Ascension High und dem übersinnlichen Teil ihrer Geschichte gefunden. Langatmige oder einseitige Szenen, wie man sie im Vorgänger noch fand, sucht man hier vergeblich, denn dieses Mal ist der zweite Akt nicht bloß darauf ausgelegt, auf ein fulminantes Ende hinzusteuern. Der Akt selbst ist bereits spannungsgeladen und kann zudem mit vielen neuen Hintergrundinformationen punkten. Gemeine Machenschaften der Charaktere, die an einigen neue Facetten zeigen und die anderen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit treiben, sorgen für eine mitreißende Handlung, während die vielen neuen Infos über die Furien und ihre Vergangenheit die Spannung weiter wachsen lassen. In "Im Herzen der Zorn" kommen die drei mysteriösen Schwestern viel besser zur Geltung.

Der dritte Akt der Geschichte überrascht mit unerwarteten Wendungen, fürchterlichen und ekelhaften Ereignissen und Wahrheiten, die man niemals in Betracht gezogen hätte. Mit dem letzten Part ihres Romans lässt Miles den zweiten Teil ihrer Trilogie so ausklingen, wie er es verdient: grausam, gemein und erschreckend. Dass die Autorin nicht davor zurückschreckt, Opfer zu bringen und Charaktere leiden zu lassen, hat sie bereits mehrfach unter Beweis gestellt, doch diesmal lassen die Ereignisse einem wahrlich das Blut in den Adern gefrieren. Was einem bisher "psycho" vorkam, ist nichts gegen diesen aufregenden Abschluss! Als wären die Geschehnisse in Ascension nicht schon gemein genug, lässt Elizabeth Miles ihre Leser auch noch mit einem fiesen Cliffhanger zurück, der einen nahezu dazu nötigt, einen Pakt mit dem Bösen eingehen zu wollen, um die Fortsetzung sofort in den Händen halten zu dürfen.

Emily Winters bleibt auch in "Im Herzen der Zorn" die entscheidende Hauptfigur. Mit der Em, die man in "Im Herzen die Rache" kennengelernt hat, hat sie jedoch nur noch wenig gemein. Sie ist keine leichtfüßige, naive Tratschtante mehr, sondern eine verschlossene und vorsichtige junge Frau. Die Erlebnisse haben sie verändert und sympathischer gemacht, auch wenn sie als Charakter nicht mehr so leicht zu fassen ist. Elizabeth Miles zeigt im Mittelteil ihrer Trilogie völlig neue Facetten an Emily, die mich überzeugen konnten. Aber nicht nur Em hat sich verändert. Die Autorin hat auch vielen Nebencharakteren, allen voran Drea und den Furien Meg, Ali und Ty, mehr Aufmerksamkeit geschenkt und ihnen damit mehr Tiefe verliehen.

Skylar ist die neue Protagonistin, die nach Chase' Tod den Emilys Seite den Handlungsverlauf bestimmt. Sie ist erst vor Kurzem zu ihrer Tante Nora nach Ascension gezogen, nachdem ihre Mutter ins Gefängnis musste. Skylar hatte es in ihrem Leben nie leicht. Sie war immer bloß die zweite Wahl und hat von ihrer Mutter nie die Anerkennung und Zuneigung bekommen, die sie sich von ihr gewünscht hat. Neben ihrer Schwester Lucy war Skylar nur ein nerviges Anhängsel, das es nie zu etwas bringen würde. Doch all das gehört nun der Vergangenheit an. In Ascension will Skylar einen Neuanfang wagen und alles richtig machen. Als Gabby, das beliebteste Mädchen der Schule, sie unter ihre Fittiche nimmt, scheint ihr Traum zum Greifen nah. Aber Skylar hütet ein schreckliches Geheimnis und ihre Vergangenheit, die sie um jeden Preis zu verbergen versucht, holt sie immer wieder ein.
Im Gegensatz zu Chase, den man erst im Handlungsverlauf mögen lernte, wird einem Skylar mit jeder Seite unsympathischer. Verspürt man zu Beginn noch das Bedürfnis, sie in den Arm zu nehmen, möchte man Skylar später am liebsten nicht mehr begegnen. Ihr schrecklicher Charakter ist es jedoch, der sie als Figur so interessant macht. Ich war fasziniert von ihrer Entwicklung, auch wenn ich sie mehr und mehr verabscheute. Skylar ist eine ungewöhnliche Hauptfigur, die auf sonderbare Weise ihren ganz eigenen Reiz hat.

In "Im Herzen der Zorn" bahnt sich eine Dreiecksbeziehung an, die Emilys Gefühle auf die Probe stellt. Nach dem dramatischen Ende von "Im Herzen die Rache" hatte ich eigentlich gehofft, dass Miles von dem typischen Liebeschaos absehen würde, aber damit hatte ich mich wohl getäuscht. Zu meiner eigenen Überraschung ist es Miles jedoch gelungen, sie eher nebensächlich in das Geschehen einzubauen und so zu gestalten, dass sie sich tatsächlich von dem stereotypen Schema abhebt. Außerdem ist Crow, den man bereits vage aus "Im Herzen die Rache" kennt, definitiv ein interessanter Charakter, der die neue Aufmerksamkeit verdient hat und einige neue Fragen aufwirft.

Elizabeth Miles hat einen angenehmen und leichten Schreibstil, der hervorragend zu ihrer Jugendbuchtrilogie passt. Ihre Worte reißen ihre Leser mit Leichtigkeit mit in einen rasenden Lesefluss, der die Seiten nur so dahinfliegen lässt. Die zarte und unbesorgte Art, wie die Schüler der Ascension High miteinander sprechen und tuscheln, gibt Miles genauso wieder, wie man es sich auf einer amerikanischen Highschool vorstellen würde. Der Autorin gelingt es aber auch, die unangenehmen Seiten ihrer Geschichte mit ihrem Schreibstil authentisch zu schildern. Das Kopfkino ist bei Miles Büchern quasi vorprogrammiert, aber sie schafft es auch, ihren Lesern einen Schauer über den Rücken laufen zu lassen, wenn es düster und dunkel wird.

Fazit:

"Im Herzen der Zorn“ hat im Grunde all das, was man sich nur wünschen könnte. Die Handlung ist spannend und mitreißend, fesselt einen an die Seiten, und auch die Charaktere faszinieren und begeistern. Selbst die offenen Fragen des Vorgängers, zum Beispiel wie es mit Zach weitergeht, werden beantwortet - wenn auch anders als erwartet. Die Geschehnisse des ersten Bandes werden nicht einfach beiseitegeschoben und durch neue Handlungsstränge ersetzt, sondern weiter thematisiert und vertieft. Neue Hintergrundinformationen sorgen zudem für neue Sichtweisen. Jedes noch so kleine Puzzleteil spielt eine Rolle in der großartigen Geschichte, die einem eine Gänsehaut bereitet. Der einzige Punkt, der "Im Herzen der Zorn" einen kleinen Dämpfer verpasst, ist das grobe Schema des Handlungsverlaufs, das man nach dem ersten Band bereits erahnen kann und die Geschichte ein wenig vorhersehbar macht. Die Atmosphäre bleibt jedoch gruselig, mit einem Hauch von "psycho", und ist nach wie vor einzigartig. Für "Im Herzen der Zorn" gibt es gute 4 Lurche.

Über die Autorin:

Elizabeth Miles wuchs in der Nähe von New York auf. Nach ihrem Studium in Boston arbeitete sie als Journalistin für eine alternative Wochenzeitung. Sie spielt leidenschaftlich gern Theater, liebt Pizza über alles und eine kalte Winternacht in Maine ist für sie das Schönste, wenn auch Unheimlichste, was sie sich vorstellen kann. Sie lebt mit ihrem Freund und ihren zwei Katzen in einer chaotischen Wohnung in Portland, Maine.

1 Kommentar:

  1. Hey,
    das ist eine sehr schöne und vorallem ausführliche Rezension. Die Reihe steht bei mir noch auf der Wunschliste vom ersten Band habe ich bisher nicht ganz so gute Kritiken gehört, aber du schreibst ja dass die Autorin sich auf jeden Fall gesteigert hat.
    Liebe Grüße,
    Fiorella

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