Rezension: "Im Herzen die Gier"

Elizabeth Miles // Loewe // 352 Seiten // gebunden // 17,95€ // 978-3785573792 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Nach dem großen Feuer in der Ascension High, das seine Opfer gefordert hat, kehrt in dem beschaulichen Städtchen langsam, aber sich wieder der Alltag ein – nur nicht für Emily Winters. Em steckt noch immer in ihrem persönlichen Albtraum: Sie verändert sich. Mit jedem Tag wächst der Zorn in ihrem Inneren, der Wunsch nach Rache und Vergeltung, und sie entwickelt ungeheure Kräfte. Sie wird immer mehr wie sie: die Furien, die in Ascension ihr Unwesen treiben und die Menschen ihre Fehler mit Leib und Seele büßen lassen. Em bleibt nicht mehr viel Zeit. Während Crow von seltsamen Visionen heimgesucht wird, die mit Em zusammenhängen, begreift JD endlich, was er wirklich für sie empfindet, und macht sich selbstständig auf die Suche nach Antworten. Antworten auf Fragen, über die er früher nur den Kopf geschüttelt hätte. Gibt es für Em überhaupt noch eine Rettung? Skylar ist Ems einziger Anhaltspunkt. Doch die Furien haben schon längst gespürt, dass jemand versucht, ihr Spiel aufzuhalten. Und sie hassen es, zu verlieren.

Meine Meinung:

Mit „Im Herzen die Gier“ findet die „Furien“-Trilogie von Elizabeth Miles ihren Abschluss. Als absoluter Fan der Reihe – „Im Herzen die Rache“ fand ich großartig, „Im Herzen der Zorn“ habe ich geliebt! – habe ich sehnlichst auf diesen dritten Band gewartet, um mich von der Autorin ein letztes Mal in das kleine Städtchen Ascension entführen zu lassen. Um mich ein letztes Mal von den Furien in ihren Bann ziehen zu lassen, die nach grausiger Rache sinnen. Nach dem genialen Finale des zweiten Bandes, das mir eine Gänsehaut beschert hat, waren meine Erwartungen an „Im Herzen die Gier“ hoch!

Wie alle Bücher der „Furien“-Trilogie hat Elizabeth Miles auch den Abschlussband in drei Akte unterteilt. Nach einem kurzen Prolog, der sich auf Crow spezialisiert und einen sofort wieder neugierig an den Seiten kleben lässt, setzt die Geschichte mit dem ersten Akt kurz nach den Geschehnissen des zweiten Bandes ein: Nach dem großen Brand auf dem Schulball, bei dem auch Drea ums Leben gekommen ist, kehrt langsam, aber sicher wieder der Alltag in Ascension ein. Nur nicht für Em, die den Furien immer ähnlicher wird, Crow, der von Visionen heimgesucht wird, und JD, der endlich erkannt hat, was er für Em empfindet. Die schaurig-schöne Atmosphäre, die Miles‘ Trilogie so speziell und zugleich so besonders macht, ist auch in „Im Herzen die Gier“ ab der ersten Seite präsent und hat mich zusammen mit Miles‘ beklemmenden und doch lebendigen Schreibstil in einen wahren Leserausch versetzt.

Dieses Mal stehen Em und JD im Mittelpunkt der Geschichte. Ein Erzähler, der den Charakteren in ihre Gedanken und Gefühle schauen kann, berichtet von den Geschehnissen und wechselt sich dabei Kapitel für Kapitel ab. Auch wenn der Fokus auf Em und JD liegt, lässt es sich Elizabeth Miles nicht nehmen, ihren Lesern auch kleine Einblicke in die anderen Figuren ihrer Trilogie zu bieten. Für kurze Zeit darf man auch Skylar, die einen im zweiten Band regelrecht traumatisiert hat, sowie Crow, der enger in die Geschichte verwoben ist als es ihm lieb ist, begleiten und neue Erkenntnisse über die Furien sammeln.

Mit wachsender Begeisterung bin ich durch den ersten Akt geflogen. Ich konnte und wollte nicht länger auf das Finale dieser Trilogie warten, musste um jeden Preis erfahren, was sich die Autorin für Em und die Furien ausgedacht hat. Spätestens ab der zweiten Hälfte des zweiten Aktes machte sich allerdings langsam eine gewisse Ernüchterung in mir breit, die ich erst gar nicht wahrhaben wollte. Ich wollte unbedingt, dass „Im Herzen die Gier“ das beste Buch der Trilogie wird, sodass ich einige Kritikpunkte überlesen habe, ohne mich groß an ihnen zu stören. Dennoch waren sie da: die langatmigen Szenen, die das Buch nicht vorankommen lassen, die seltsamen Dreiecksbeziehungen zwischen den Charakteren, die nicht wirklich in die Geschichte passen wollten, und die lang gestreckten Probleme, die so schnell hätten gelöst werden können.

Im letzten Akt, im großen Finale der „Furien“-Trilogie, geht es sehr hektisch her. Die Ereignisse überschlagen sich, die Handlung scheint plötzlich zu rasen und einem keine Zeit mehr zum Atmen zu lassen. Trotz meiner Kritikpunkte hat mich „Im Herzen die Gier“ von der ersten bis zur letzten Seite mitgerissen und mich keine Lesepause einlegen lassen, sodass ich den Roman innerhalb eines Tages verschlungen habe. „Im Herzen die Gier“ hat Spaß gemacht, keine Frage! Aber die Auflösung der Trilogie, das fulminante „Furien-Finale“, auf das Miles seit „Im Herzen die Rache“ hingearbeitet hat, wird der Reihe schlichtweg nicht gerecht. Es geht zu schnell, zu einfach, zu undramatisch vonstatten, fordert zu kleine Opfer von den Charakteren. Nach allem, was die Trilogie geschaffen hat, ist der Abschluss vergleichsweise schwach und unspektakulär.

Em hat mich in diesem Band als Protagonistin der Geschichte leider auch ein wenig enttäuscht. Nachdem sie im zweiten Band eine so extreme und beeindruckende Entwicklung vollzogen hat, die aus einer oberflächlichen Göre eine sympathische und nachdenkliche junge Frau hat werden lassen, bleibt Em in „Im Herzen die Gier“ eher blass. Dabei wütet in ihrem Inneren ein Sturm aus Zorn und Rachsucht, der sie mehr und mehr zu einer wütenden Furie werden lässt. Elizabeth Miles hätte aus Ems Veränderung so viele grandiose Wendungen schöpfen können, belässt es aber leider bloß bei ein paar Gefühlsausbrüchen. Erst zum Ende hin findet Emily zu alter Stärke zurück.

Sogar die Furien, die für mich in jedem Band ein absolutes Highlight darstellten, sind in „Im Herzen die Gier“ am Schwächeln. Der dritte Teil der Trilogie sollte sich um die dritte Furie im Bunde drehen: Ali. Tatsächlich spielt sie nur eine kleine, wenig relevante Rolle. Während Meg höchstens Erwähnung findet, taucht Ty sehr häufig auf und sorgt für eine Menge Trubel, der mit dem schaurigen Grusel der ersten beiden Bände allerdings nichts gemein hat. Die Furien sind in diesem Band auch nicht das, was sie einmal waren, und bekommen von Elizabeth Miles leider auch nicht die Aufmerksamkeit, die sie trotzdem verdient hätten.

Fazit:

„Im Herzen die Gier“ von Elizabeth Miles führt die geniale „Furien“-Trilogie leider zu einem Abschluss, der der gesamten Reihe nicht gerecht wird. Elizabeth Miles konnte mich mit ihrem Schreibstil und der großartigen Atmosphäre zwar wieder absolut mitreißen und an die Seiten fesseln, aber sowohl die einzelnen Charaktere als auch die Handlung mussten mit vielen Schwächen kämpfen. Der Trilogie-Abschluss ist im Großen und Ganzen nicht schlecht, aber Elizabeth Miles hat viel Potenzial verschenkt und in beiden Vorgängern bewiesen, dass sie eigentlich mehr kann. Dennoch hat mir „Im Herzen die Gier“ unterhaltsame Lesestunden beschert. Aber das Finale, das alles in den Schatten stellen sollte, blieb leider aus. Für „Im Herzen die Gier“ vergebe ich leider nur drei Lurche.

Über die Autorin:

Elizabeth Miles wuchs in der Nähe von New York auf. Nach ihrem Studium in Boston arbeitete sie als Journalistin für eine alternative Wochenzeitung. Sie spielt leidenschaftlich gern Theater, liebt Pizza über alles und eine kalte Winternacht in Maine ist für sie das Schönste, wenn auch Unheimlichste, was sie sich vorstellen kann. Sie lebt mit ihrem Freund und ihren zwei Katzen in einer chaotischen Wohnung in Portland, Maine.

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