Rezension: "So rot wie Blut"

Salla Simukka// Arena Verlag // 304 Seiten // gebunden // 14,99€ // 978-3401600109 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Die 17-jährige Einzelgängerin Lumikki hat schon früh gelernt, sich aus fremden Angelegenheiten herauszuhalten. Doch dann entdeckt Lumikki in der Dunkelkammer ihrer Schule gewaschene Geldscheine. Ehe sie sich versieht wird sie zu einer Zeugin in gefährlichen Drogengeschäften, deren Drahtzieher kein Erbarmen kennen. Für Lumikki gibt es kein Entkommen mehr – sie muss die kriminellen Machenschaften aufdecken, um nicht nur sich selbst zu retten.

Meine Meinung:

Der Handlungsaufbau von „So rot wie Blut“, dem Auftakt der „Lumikki“-Trilogie, unterscheidet sich stark von denen anderer Jugendbuch-Thriller, die ich bisher gelesen habe. Die finnische Autorin Salla Simukka hat die Geschichte aus Sicht eines außenstehenden Erzählers geschrieben, der Einblicke in die verschiedenen Charaktere hat und sich von Kapitel zu Kapitel mit anderen Figuren befasst. Dadurch erfährt man recht schnell, was es mit den gewaschenen Geldscheinen auf sich hat, wer in die Angelegenheit verwickelt ist und welches korrupte Netz von den Beteiligten gesponnen wurde. Überraschenderweise nimmt das der Handlung nicht den Wind aus den Flügeln. Die Spannung hält sich konstant auf einem hohen Niveau und weiß zu fesseln, denn je mehr man von „So rot wie Blut“ liest, desto mehr Details werden offenbart. Diese betreffen nicht nur das Verbrechen, sondern auch die einzelnen Charaktere, und sorgen dafür, dass man vor Neugierde immer weiterlesen will.

Protagonistin Lumikki ist keine leichte Hauptfigur. Mit ihrer kühlen, distanzierten und stillen Art kommt man als Leser kaum an sie heran. Trotzdem fasziniert Lumikki als Protagonistin. Man will wissen, was es mit dem intelligenten Mädchen auf sich hat. Welche Geheimnisse verbirgt sie? Welche Teile ihrer Vergangenheit versucht sie so stark zu verdrängen? Was ist mit Lumikki geschehen, dass sie zu der reservierten jungen Frau geworden ist, die man in „So rot wie Blut“ kennenlernt? Lumikki ist keine Protagonistin, mit der man ab der ersten Sekunde sympathisiert, aber durchaus ein Charakter, den man gern und gespannt durch die Seiten begleitet.

Auch wenn ich von Kapitel zu Kapitel besser mit Lumikki zurechtkam, ging sie mir als Figur bis zum Schluss nicht wirklich ans Herz. Scheinbar habe ich mir ihren eigenen Ratschlag, sich nicht in fremde Angelegenheiten einzumischen, selbst zu sehr zu Gemüte geführt. Lumikki ist eine Protagonistin, die nicht nur voller Geheimnisse, sondern auch voller Ungereimtheiten steckt. Sie legt teilweise Verhaltensweisen an den Tag, die nicht zu einem 17-jährigen Mädchen passen wollen, die sich stets bedacht zurückgehalten hat. Wie, wo und wieso hat sie gelernt, sich so zu verhalten, so zu denken, so zu planen? Salla Simukka bietet auf diese Frage im Auftakt ihrer Trilogie keine aufklärenden Antworten, wodurch Lumikki für mich irgendwo zwischen „interessant und geheimnisvoll“ und „zu viele Widersprüche und Unklarheiten“ stecken geblieben ist.

Auch wenn der Titel des Buches es vermuten lässt: Bei „So rot wie Blut“ handelt es sich nicht um eine moderne Märchenadaption. Willkürlich gewählt ist der Titel jedoch nicht, denn auch wenn Schneewittchen selbst keine entscheidende Rolle in dem Roman spielt, so ist das Motiv für die Autorin dennoch von großer Bedeutung. Salla Simukka spielt mit den typischen Schneewittchen-Farben und webt Zitate des Märchens in ihre Geschichte ein. Damit sorgt sie für eine tolle und aufregende Atmosphäre, die trotz des Nervenkitzels etwas Märchenhaftes an sich hat. Ein gewagter, aber gelungener Mix, der einen vor allem an die grausamen Seiten des grimmschen Märchens erinnert.

Mit der letzten Seite ist das Rätsel um die blutigen Geldscheine zwar gelöst, nicht jedoch das Rätsel um Lumikki und ihre Vergangenheit. Salla Simukka bietet durchaus Einblicke in Lumikkis Gedanken, ihre Gefühle, ihre Psyche, doch mit dem Epilog tauchen plötzlich neue Geheimnisse enormer Bedeutung auf. Hier wird schnell klar: Was man bisher von Lumikki erfahren hat, hat nur an ihrer Oberfläche gekratzt. In den Fortsetzungen, die passende Titel zum Schneewittchen-Thema erhalten sollen, wird es dann hoffentlich mehr Informationen über Lumikki geben. Denn diese Protagonisten macht es einem wahrlich nicht leicht – und sich selbst damit wahnsinnig interessant.

Fazit:

„So rot wie Blut“, der Auftakt der „Lumikki“-Trilogie aus der Feder der finnischen Autorin Salla Simukka, ist ein spannender Jugendbuch-Thriller. Fans des Genres wird zwischen den Buchdeckeln eine ordentliche Portion Nervenkitzel erwarten, die die Autorin ganz geschickt in ihre Geschichte eingewoben hat. Denn obwohl man recht früh über die kriminellen Machenschaften aufgeklärt wird, herrscht konstant eine mitreißende Spannung, die einen zum Weiterlesen zwingt. Es sind vor allem die Details und die Hintergründe der toughen und geheimnisvollen Protagonistin Lumikki, die den Reiz des Auftakts ausmachen. Für meinen Geschmack hätte die Autorin aber gerne etwas mehr über Lumikki preisgeben können. Für „So rot wie Blut“ vergebe ich schwache 4 Lurche.

Über die Autorin:

Salla Simukka, Jahrgang 1981, ist eine junge Autorin, die sich mit preisgekrönten Jugendbüchern in Finnland einen Namen gemacht hat. Sie arbeitet außerdem als literarische Übersetzerin sowie Rezensentin und Redakteurin für verschiedene finnische Zeitungen. Ihre Trilogie um Lumikki hat sie zu internationalem Erfolg geführt. "So rot wie Blut" erscheint in mehr als 40 Ländern.

1 Kommentar:

  1. Eine tolle Rezension! Das Buch schaue ich mir gleich mal genauer an.

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