"Was fehlt, wenn ich verschwunden bin"-Blogtour: Station 6


Lilly Lindner ist eine Künstlerin, die sich mit ihrer Worten ganz fest in mein Herz geschrieben hat. Ihre Bücher sind aus meinem Leben nicht mehr wegzudenken und deshalb freue ich mich sehr, euch heute nun schon zur sechsten Station der Blogtour zu Lillys neuem Buch "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" begrüßen zu dürfen. Meine lieben Blogkolleginnen haben euch bisher schon viel zu dem Thema des Romans vorgestellt. Ich möchte euch heute ein wenig an meinen Gedanken und Gefühlen teilhaben lassen, die ich beim Lesen empfunden habe, und habe euch deshalb ein kleines Lesetagebuch mit Zitaten aus dem Buch vorbereitet.

Was fehlt, wenn ich verschwunden bin


Liebe April,
du bist jetzt schon fast eine Woche weg, und ohne dich ist es schrecklich langweilig hier.
(S. 9)

Jeder von Lilly Lindners Romanen ist einzigartig. Wer bereits eine ihrer Geschichten gelesen hat, wird genau verstehen, was ich meine. Und auch "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin" bildet da keine Ausnahme. Aus der Sicht der erst 9-jährigen Phoebe, die ihrer kranken Schwester April Briefe in die Klinik schreibt, nimmt man das Thema Magersucht auf eine ganz besondere, berührende, aber auch erschreckende Weise wahr.

Dazu haben wir doch Augen, oder? Um hinzugucken, wenn da etwas ist, was gesehen werden muss.
Und Kinder darf man nicht einfach übersehen.
Sonst werden sie nicht groß.
(S. 30)

Phoebe sieht hin. Sie ist diejenige, die mit ihren wachen Augen hin- und nicht wegschaut und die Fehler erkennt. Und so wach wie ihre Augen ist auch ihr Verstand. Die Erwachsenen mögen denken, dass sie noch viel zu jung ist, um das Leben und vor allem April zu verstehen, doch in Wahrheit ist sie der einzige, viel zu kleine Mensch, der tatsächlich versteht. Es hat keine 30 Seiten gedauert, bis Phoebe es geschafft hat, mich mit ihrer Sicht auf die Dinge zu bewegen. Nicht nur zum Nachdenken.

Ich glaube, es gibt bei Erwachsenen immer wieder Momente, in denen sie sich fragen, warum sie all die Dinge tun, die sie tun. Und dann überlegen sie ganz heftig, was sie stattdessen machen könnten. [...] Und am Ende machen sie dann doch das Gleiche, was sie auch schon vor dem Nachdenken getan haben.
(S. 55)

"Kinder sehen die Welt durch andere Augen", sagt man doch. Und durch Phoebe merke ich immer wieder, wie wahr der Spruch tatsächlich ist. Ich bin noch nicht richtig erwachsen, aber doch schon lange kein Kind mehr, und trotzdem zeigt mir Phoebe deutlich, wie sehr ich bereits verlernt habe, zu sehen. Wie oft machen wir uns das Leben kompliziert, wie oft bleiben wir stehen, obwohl uns das Ziel nur einen Hauch Überwindung kosten würde, ja, wie oft schließen wir die Augen und bleiben still, obwohl wir etwas ändern könnten. Ach, Phoebe, wenn ich dir doch nur wirklich begegnen könnte. Ich würde dir danken dafür, dass du mich an das erinnerst, was wichtig ist.

Wenn du ganz lange weg wärst und furchtbar krank - würdest du dich dann nicht auch freuen, wenn ab und zu jemand ein Hallo in dein Zimmer ruft?
(S. 132)

Ja. Ja, das würde ich.

Und wenn dann ein neuer Frühling kommt, mit einem neuen April, dann werde ich deinen Namen flüstern.
An jedem Tag.
(S. 205)

Plötzlich, ganz plötzlich, ist alles anders, so leer und voll von Gefühlen zugleich. Phoebes Worte sind gewachsen, so wie sie, und längst viel mehr als bloß Buchstaben auf Papier. Und das, obwohl es genau das ist, was von Anfang an zu sehen war. Wenn man es denn hätte sehen wollen.

...

An dieser Stelle mache ich bewusst einen Schnitt, auch wenn dieses Zitat gerade einmal aus der Mitte des Buches stammt und die Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt ist. Warum? Das werdet ihr verstehen, wenn ihr das Buch selbst lest.

Gewinnt eines von 3 Büchern

Im Rahmen unserer Tour verlosen wir insgesamt drei Exemplare von "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin". Um in den Lostopf zu hüpfen, müsst ihr mir nur folgende Frage in einem Kommentar beantworten:

Habt ihr euch auch schon einmal dabei ertappt, die Welt nicht mehr so zu sehen, wie ihr sie früher einmal gesehen habt?

Das Kleingedruckte:
Teilnahmeschluss ist der 19. Februar um 23:59 Uhr. Bitte gebt unbedingt eure Mailadresse im entsprechenden Kommentarfeld an! Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Teilnahme ist ab 18 Jahren oder mit Einverständnis der Eltern. Der Versand erfolgt innerhalb Deutschlands, der Schweiz und Österreich. Für den Versand wird keine Haftung übernommen. Eine Barauszahlung des Gewinns ist ausgeschlossen. Die Daten werden ausschließlich für das Gewinnspiel verwendet und danach gelöscht.

Die Blogtour-Stops

11.02. - Bibliofeles
12.02. - Born from the Sky
13.02. - Privatkino
14.02. - Im Kopf eines Bookaholic
15.02. - Bücherwurm2punkt0
16.02. - Leselurch
17.02. - Julis Leseecke
18.02. - Schattenwege

Kommentare:

  1. Huhu :)

    Wieder ein sehr interessanter Beitrag! :)

    Mir ging es schon öfter so, besonders in der Pubertät hat man oft das Gefühl die Welt ganz anders zu sehen als früher.
    Oft fühlt man sich als Teenager deshalb auch so verloren.

    Ganz liebe Grüße,
    Hannah
    (hannahsophie.jaeger@gmail.com)
    <3

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  2. Hallo Simone,

    wow, dieses Buch klingt wirklich total berührend.

    Und ich kann Dir nur zustimmen, Kinder sehen die Welt wirklich mit anderen Augen. Das seh ich täglich in meiner Arbeit. Sie verstehen oft gar nicht, wieso wir Erwachsenen alles immer so kompliziert machen, wenn es doch so einfach ist. Und ich werde dadurch auch oft daran erinnert, mal einen anderen Blick auf die Dinge zu werfen und nicht immer mit dem Kopf an verschiedene Sachen ranzugehen, sondern manchmal einfach zu machen ;)

    Liebe Grüße,
    Moni

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  3. Hallo und guten Morgen,

    ja durch den plötzlich Tod meines Vater im letzten Herbst!! Da sieht man viele Dinge in einem ganz anderen Licht..

    LG..Karin..

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  4. Hallo Simone,

    durch meine Depressionen und verschiedene Begleitsituationen ist meine Sicht auf die Welt mittlerweile verändert.

    Liebe Grüße,
    Ramona

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  5. Guten Morgen!

    Ich finde, dass man die Welt als Kind oder auch noch als Teenager mit ganz anderen Augen sieht, als Erwachsener. Man ist da noch viel unbedarfter und muss sich nicht um alles und jeden Gedanken machen - das finde ich schön. Was haben wir Erwachsene oft den Kopf voll mit Dingen, die eigentlich gar nicht so wichtig sind...

    LG, Claudia
    cst.lemon@kabelmail.de

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  6. Hallo Simone,

    also ich denke, dass ich den Blick eines Kindes in vielen Fällen noch ein großes Stück weit in mir drin habe.
    Das fällt mir z.B. auf, wenn ich Rezensionen von "Erwachsenen" zu Kinder- und Jugendbüchern lese: "Die Protagonistin verhält sich naiv, kindlich, albern, unverantwortlich ..." Dann frage ich mich des öfteren, ob diese Schreiberlinge als Erwachsene zur Welt gekommen sind. Auch auf Spielplätzen oder beim Einkaufen wünsche ich manch einem Kind gelassenere Eltern. (ich weiß jedoch auch, dass man als Außenstehender zur eine Momentaufnahme mitbekommt, aber dann frage ich mich oft, wie es zu solchem Verhalten kommen konnte)
    ... oh weh, ein Thema über das man endlos diskutieren könnte. :-)

    Deine ausgewählten Zitate machen jedenfalls noch neugieriger auf das Buch. Danke dafür.

    Liebe Grüße
    MacBaylie

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  7. Hallo,

    toller Beitrag :)

    Ja als Erwachsener sieht man die Dinge anders als Kinder. Das merkt man wenn man Kindern zuhört und Ihre Version der Dinge anhört.

    LG
    SaBine
    (kupfer-sabine@t-online.de)

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  8. Die Weltansicht ändert sich doch wahrscheinlich mit jeder Entscheidung und jedem Ereignis, das man erlebt. Dementsprechend sehe ich die Welt jetzt auch anders, als früher als Kind. Damals waren auch meine Fantasiefreunde echt. Würde ich jetzt davon anfangen, irgendjemanden zu haben, den man nicht sehen kann, bekommt man nur komische Blicke. Man wächst also aus bestimmten Dingen raus und ändert seine Sichtweisen, weil es genau das ist, was Erwachsenwerden doch meistens bedeutet.

    Liebe Grüße,
    Caro ♥

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  9. Hallo Simone,
    du hast einen sehr berührenden Beitrag geschrieben. Ich sehe oft die Dinge ganz anders als früher. Heute macht man sich einfach zu viele Gedanken als einfach mal das zu machen, was man gerade machen will. Man hat viel mehr Bedenken oder auch Ängste als zum Beispiel als Jugendliche. Also mir geht es zumindest so. Manchmal sollte man das denken einfach mal abschalten und nur tun :-).

    Liebe Grüße,
    Vanessa

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  10. Simone ♥ das war der bisher schönste Beitrag der Tour und er hat mich so sehr berührt! Danke!
    Danke euch allen, jeder von euch!

    Ich wollte das nur sagen, ich möchte nicht am Gewinnspiel teilnehmen... wenn ich soweit bin, und das dauert sicher noch, dann werde ich mir Lilys Bücher kaufen.
    Liebe Grüße
    ClauDia

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  11. Ja, dieses Buch sprudelt wirklich nur so vor wunderbaren Zitaten, in meiner eigenen Ausgabe ist mittlerweile fast jede Seite mit irgendwelchen Herzen und Unterstreichungen markiert, weil ich es einfach nicht lassen kann, schöne Stellen zu markieren und dieses Buch einfach so viele davon hatte... Mein persönliches Lieblingszitat ist allerdings bei deinen gar nicht dabei, das ist nämlich dieses:

    "Denn um ein Lachen sollte man normalerweise auch nicht bitten müssen. Ein Lachen sollte man geschenkt bekommen. So wie Liebe. Und Ostereier."

    Ich denke, man ertappt sich andauernd dabei, die Welt nicht mehr so zusehen, wie man sie einmal gesehen hat. Mich überrascht es und macht es zugleich immer wieder glücklich zu sehen, wie neugierig so viele Kinder noch sind, wie sie immer nach Antworten auf ihre Fragen suchen und die Fragen freiheraus stellen und die Erwachsenen immer wieder damit überrumpeln. Manchmal frage ich mich, warum wir selbst gar nicht mehr so über solche Fragen reden oder sie überhaupt einfach stellen, denn ich merke bei mir selbst, wenn ich mich etwas frage, dann merke ich mir das, nehme mir vor, später vielleicht mal die Antwort bei Google oder so zu suchen, aber ich stelle sie selten laut. Eigentlich schade, denn nur weil wir ja keine kleinen Kinder mehr sind, sind wir ja noch lange nicht allwissend und da könnte man doch gut noch über Fragen reden und selbst nach Antworten suchen, denn wenn Kinder keine Antwort bekommen, dann überlegen sie sich oft selbst eine kreative Lösung, während wir nur noch hinnehmen, dass es keine Antwort gibt.

    SO, etwas unstrukturiert und an der Frage vorbei, was ich gesagt habe, aber egal, das ging mir grad so durch den Kopf :D

    Am Gewinnspiel möchte ich NICHT teilnehmen, das Buch durfte ich ja schon lesen ;)

    Liebe Grüße
    Chrisi

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  12. Hallo Simone,
    das hier ist garantiert einer meiner Lieblingsposts dieser Blogtour! Ich finde die Ziatate die du gewählt hast, aber auch deine Gedanken dazu wunderschön, ich bin gerade wirklich hin und weg! Danke dafür, für diese schönen Minuten in denen ich das hier lesen durfte <3

    Natürlich habe ich schon oft einen Sichtwechesl der Welt erlebt. Ich bin zwar noch recht jung, aber je älter ich werde, desto "anders" sehe ich die Welt. Ob das gut oder schlecht ist, das kann ich dir nicht sagen. Denn du hast recht; Kinder sind die einzigen, die wirklich sehen und wir "Großen" verkomplizieren immer alles.

    Ich habe die Erlaubnis meiner Eltern, hier mitzumachen und meine Emailadresse ist leaskleinebuecherecke@hotmail.de

    Ganz liebe Grüße und nochmal vielen Dank für diese wunderschönen Wort!
    Lea ♥

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  13. Guten Abend!

    Dein Beitrag ist wirklich fantastisch, ich kann es nicht anders sagen.
    Lilly Lindner ist einfach die begnadetste Autorin unserer Zeit...
    Du hast wirklich schöne Zitate ausgewählt und schöne eigene Sätze dazu verfasst. Ich freue mich so darauf dieses Buch endlich lesen zu können.

    Zu deiner Frage: Ja. Ich denke das kennt jeder. Heute mache ich mir viel mehr Gedanken, übersehe schnell die kleinen, aber doch so wichtigen Dinge und verkompliziere vieles. Wie wahrscheinlich die meisten Vertreter unserer Spezies die mein Alter haben oder älter sind, die glauben man kann alles logisch erklären und irgendwie mit irgendeiner Matheformel lösen.
    Der Kopf ist so voll und man ist so ausgelastet mit allem und nichts, dass man kaum dazu kommt die Welt wie früher zu sehen, als alles noch etwas leichter war, oder wenigstens so erschien.
    Man fühlt sich oft verloren, nicht nur in der Welt draußen, sondern auch in der eigenen. Vielleicht liegt das ja daran, dass sich der eigene Blick auf das was passiert immer wieder verändert.

    Ich hoffe die Frage ist so beantwortet.:)

    Auch ich habe die Erlaubnis meiner Eltern mitmachen zu dürfen.
    Meine E-Mail Adresse lautet:
    josistorys-blogspot@web.de

    Alles Liebe und einen schönen Abend noch
    Rubin:)

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  14. Hallo :)
    Was für ein toller Beitrag.
    Ja, als Kind sieht man die Welt oftmals mit anderen Augen. Man ist unbeschwerter und macht sich keine Gedanken, was morgen kommt, sondern lebt im Hier und Jetzt. Jetzt, wenn es so langsam auf mein Abi und damit auch auf das Erwachsen werden zu geht, kann ich es mir nicht mehr erlauben, nicht über meine Zukunft nachzudenken. Es fühlt sich auch so an, als würde die Zeit nur so an mir vorbei rasen. Und wenn ich jetzt schon solche großen Veränderungen in meiner Sichtweise bemerke, wie wird das denn dann erst sein, wenn ich erwachsen bin, einen Job ausübe und eine Familie gründe? Manchmal wünsche ich mir meine kindliche Unbeschwertheit zurück, aber durch das Alter verliert man nicht nur etwas, sondern man gewinnt auch an Erfahrungen.
    Liebste Grüße
    Lena
    lenaszeugs@web.de

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