Rezension: "Halb drei bei den Elefanten"

Kyra Groh // blanvalet // 480 Seiten // Taschenbuch // 9,99€ // 978-3442380763 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Max hat schon als Embryo im Mutterleib nicht das große Los gezogen: Während ihre Zwillingsschwester Jo die ganzen Schönheitsgene gewonnen hat, hat Max ein kluges Köpfchen bekommen. Eigentlich ist Max damit auch ganz zufrieden – wäre da nicht ihr bester Freund, auf den sie schon seit Jahren heimlich verliebt ist und der sich leider so gar nicht für kluge Köpfchen, sondern für hübsche Schwestern interessiert. Und jahrelang nur kumpelhaft zurückgeliebt zu werden, fühlt sich ziemlich mies an. Davon kann Max wirklich ein Lied singen! Als sie eines Tages spontan einen Zoo besucht, um ihre Gedanken zu ordnen, trifft sie auf den fotografierenden Fahrradkurier Moritz. Und damit beginnt ihre ganz eigene Geschichte: Es waren einmal Max und Moritz, die sich um halb drei bei den Elefanten das erste Mal begegneten…

Meine Meinung:

In „Halb drei bei den Elefanten“ erzählt Kyra Groh die Geschichte der jungen Studentin Max, die seit Ewigkeiten in ihren besten Freund verliebt ist. Der steht aber gar nicht auf sie, sondern auf ihre attraktive Zwillingsschwester Jo. Max ist die kluge, einfühlsame Schwester, die bei der Vergabe der Schönheitsgene im Mutterleibe allerdings nicht gerade den Jackpot geknackt hat. Max gerät bei jedem Kerl schneller in die Friendzone, als sie gucken kann, und ist eben der nette Kumpel, mit dem man gut einen trinken gehen kann – bis sie im Zoo auf einen fotografierenden Fahrradkurier trifft, mit dem plötzlich alles anders ist.

Klingt nach typischer Chick-Lit? Ist es irgendwie auch, trotzdem hebt sich „Halb drei bei den Elefanten“ für mich ganz deutlich von der breiten Masse ab. Denn Kyra Grohs zweiter Roman ist so amüsant, so herzerwärmend, so ehrlich, dass sie mich von der ersten Seite an begeistern konnte. Und das, obwohl ich mich sonst überhaupt nicht als Chick-Lit-Leserin bezeichnen würde! Viele Geschichten des Genres schrecken mich schnell ab, weil sie zu kitschig, zu einfach oder zu klischeehaft gestrickt sind. Kyra Groh schreibt jedoch so echt, dass man sich nicht so fühlt, als würde man bloß eine Geschichte lesen. „Halb drei bei den Elefanten“ fühlt sich eher an wie die Erzählung einer wahren Liebesgeschichte, mit all ihren Höhen und Tiefen, ihren lustigen und traurigen Momenten – und ist dabei so lebendig schön!

Lebendig ist auch Protagonistin Max, die junge Studentin, die den Roman durch ihren eigenen Blickwinkel auf das Geschehen erzählt. Sie ist eine sympathische junge Frau, die man gern zur besten Freundin hätte. Mit Max kann man Pferde stehlen und durch ihre sarkastische und lustige Art jagt ein Schmunzler den nächsten. Außerdem nimmt sich Max nicht so ernst, was herrlich erfrischend ist. Sie braucht sich nicht verbiegen, damit man sie ins Herz schließt. Bloß Max‘ Selbstwertgefühl ist nicht gerade das Gelbe vom Ei, aber auch dieser Macke begegnet sie mit viel Humor – und außerdem hat sie über 400 Seiten Zeit, daran etwas zu ändern. Ich mochte Max als Protagonistin unheimlich gerne, habe sie lachend und weinend durch die Seiten begleitet und wollte sie zum Schluss auch gar nicht mehr gehen lassen!

Zugegeben: Voraussehbar ist die Geschichte schon. Trotz einiger Überraschungen und Wendungen kann man schon früh erkennen, in welche Richtung sich der Roman entwickeln, gar wie er enden wird. Als Kritikpunkt habe ich das zu meiner eigenen Verblüffung aber gar nicht wahrgenommen. Denn so, wie uns auch die romantischen Filmkomödien trotz ihrer Vorhersehbarkeit zum Lachen (und manchmal auch zum Schluchzen) bringen können, schafft es auch Kyra Groh, ihre Leser amüsiert und berührt an die Seiten zu fesseln. Sie schreibt mit so viel Spaß und Herz, dass die lustige Herz-Atmosphäre aus „Halb drei bei den Elefanten“ direkt auf einen abfärbt. (Pssst, sollte sich zufällig mal ein Filmproduzent unter meine Leser verirren, dann lass‘ dir gesagt sein: Dieses Buch würde auch grandiosen Filmstoff bieten!)

Kyra Grohs Roman hat mich ständig zum Lachen und Schmunzeln gebracht, was vor allem an Max‘ großartigem Charakter lag. Dennoch hat „Halb drei bei den Elefanten“ auch seine düsteren Seiten, die einem Magenschmerzen bereiten. Max‘ Leben ist eben nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen, auch wenn man ihr das von ganzem Herzen gönnen würde. Sie muss sich zwar nicht mit grausamen und endgültigen Schicksalen beschäftigen, wie es der Trend momentan will, aber auch Themen wie Vertrauensbruch und Liebeskummer können mehr als schmerzhaft sein. Da leidet man schon ordentlich mit Max mit, aber mal unter uns: eine ordentliche Portion Herzschmerz gehört zu einer guten Liebesgeschichte schon irgendwie dazu, oder?

Aber auch die Nebencharaktere können sich lesen lassen: Wie im wahren Leben trifft man in „Halb drei bei den Elefanten“ auf jede Menge unterschiedliche Menschen. Liebe (wenn auch manchmal nervige) Familienmitglieder. Beste Freunde, auf die man sich immer verlassen kann. Freunde, auf die man sich nicht immer verlassen kann, die aber trotzdem für einen da sind. Bekannte, denen man gerne mal aus dem Weg geht, aber auch welche, aus denen im Laufe der Zeit wahre Freunde werden. Obwohl die Figuren in Grohs Roman in gewisser Hinsicht ihre Rollenbilder erfüllen müssen, haben sie alle ihre ganz eigene Persönlichkeit, die sie sympathisch macht (oder eben so unsympathisch, dass man sie überhaupt nicht leiden kann. Was in diesen Fällen aber völlig in Ordnung ist, denn man braucht auch mal Charaktere, die man einfach blöd finden darf).

Fazit:

„Halb drei bei den Elefanten“ von Kyra Groh hat sich für mich als absolutes Wohlfühl-Buch entpuppt. Die Geschichte um die junge Studentin Max, die im wahrsten Sinne des Wortes ihren Moritz findet, hat mich bestens unterhalten und zum Schmunzeln und Schluchzen gebracht. Kyra Groh ist ein großes Talent und schreibt mit so viel Herz und Witz, dass ich gar nicht anders konnte, als mich mit jeder Seite mehr in die Geschichte zu verlieben – und das, obwohl ich mich sonst kaum in der Chick-Lit herumtreibe! Ein richtig, richtig tolles Buch, das ich sehr gerne weiterempfehle! Für „Halb drei bei den Elefanten“ vergebe ich 5 Lurche.

Über die Autorin:

Kyra Groh, geboren 1990, lebt in Seligenstadt und hat in Gießen Geschichte und Fachjournalistik studiert. Zurzeit arbeitet sie als Werbetexterin.

Kommentare:

  1. Hallo,
    das ist eine ganz wunderbare Rezension geworden und hat mich gleich in das letzte Jahr transportiert als ich diese Geschichte auch gelesen habe. Deine Meinung spiegelt meine exakt wieder und für diese Autorin werde ich weiterhin kleine Ausflüge in das so verhasste Chick-Lit Genre machen.

    Alles Liebe
    Sophie

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  2. Ich kann deine wundervolle Rezension absolut unterschreiben. Als ich das Buch gelesen habe, habe ich genau so empfunden. Klar, es ist vorhersehbar, aber gestört hat mich dies auch überhaupt nicht. Das Buch ist in der Tat ein absolutes Wohlfühlbuch. Das hast du echt super auf den Punkt gebracht. :)
    GlG
    Kitty ♥

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