Rezension: "Mit Rosen bedacht"

Jennifer Benkau // Bastei Lübbe // 319 Seiten // gebunden // 14,99€ // 9783431039153 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Es war alles perfekt: In wenigen Tagen wollte Wanda ihren Verlobten Karim heiraten. Mit ihm zusammen die neue gemeinsame Wohnung beziehen. Den Rest ihres Lebens glücklich an seiner Seite verbringen. Doch dann geschah der Unfall – und nun liegt Wandas Welt in Trümmern. Karim wurde schwer verletzt und liegt im Koma. Die Ärzte geben ihm kaum noch Chancen, jemals wieder aufzuwachen. Als Wanda sich darum bemüht, Karims Angelegenheiten zu klären, stößt sie auf unerwartet viele Fragen und Ungereimtheiten. Seine persönlichen Unterlagen fehlen und sowohl Karims Vermieterin als auch sein Chef konfrontieren Wanda mit Daten, die unmöglich stimmen können – oder? Hat ihr Verlobter ihr etwa die ganze Zeit etwas vorgemacht? Sein wahres Ich hinter einem dichten Netz aus Lügen verborgen? Aber warum? Wanda kommt Karims Geheimnis gefährlich nah – und bringt damit einen Stein ins Rollen, der sie selbst zu überwältigen droht.

Meine Meinung:

Die deutsche Autorin Jennifer Benkau hat sich durch ihre bisher erschienenen Romane bereits einen Namen gemacht. Sowohl ihre paranormalen Liebesgeschichten als auch ihre phantastischen Jugendromane wurden mit vielen Lobeshymnen überschüttet. Auch ich zähle mich seit „Dark Canopy“, „Himmelsfern“ und „Marmorkuss“ zu ihren Fans. Mit ihrem neuen Werk „Mit Rosen bedacht“ wagt sich Jennifer Benkau jedoch in neue Gefilde. Sie erzählt eine Geschichte ganz ohne übernatürliche Wesen oder erschreckende Zukunftsszenarien, aber auf ihre eigene Magie – die Magie ihrer Worte – verzichtet sie keinesfalls.

„Mit Rosen bedacht“ ist eine spannende und aufregende Liebesgeschichte mit aufwühlenden Thriller-Elementen. Es wird schaurig, mysteriös und mitreißend – und tiefsinnig, emotional und bewegend, wie man es von der Autorin kennt. Sie erzählt die Geschichte auf zwei Wegen: Während jedes Kapitel mit einem Ereignis aus der Gegenwart beginnt, das Wanda näher an die Wahrheit heranrücken lässt, endet es mit einer Erinnerung Wandas an ein Erlebnis mit Karim aus den vergangenen vier Jahren, in welchen sie ihren Verlobten kennen und lieben gelernt hat. „Mit Rosen bedacht“ ist auf den ersten Seiten zunächst sehr ruhig und still, in Anbetracht der schrecklichen Geschehnisse schon melancholisch, entwickelt aber recht schnell eine unheimliche Atmosphäre, die einem einen Schauer über den Rücken laufen lässt.

Jennifer Benkau hat sich für ihre Geschichte einen komplexen und undurchschaubaren Plot ersponnen, der einen als Leser mit jeder Faser des eigenen Körpers an die Seiten bannt. Was hatte Karim zu verbergen? Kann es wirklich sein, dass der sympathische junge Mann, den man durch Wandas Erinnerungen kennenlernt, nicht derjenige war, der er vorgab zu sein? Es fällt einem von Kapitel zu Kapitel schwerer ein Urteil zu fällen. Mit jedem Puzzleteil, das Wanda entdeckt, wird das Gesamtbild nur noch verworrener und seltsamer, bis einem ganz plötzlich alles wie Schuppen von den Augen fällt. Oder man es zumindest glaubt. Jennifer Benkau beweist mal wieder mit Leichtigkeit, welch ein Schreibtalent sie ist und dass an ihren Geschichten nichts so einfach und leicht ist, wie es zunächst scheinen mag.

Der Fokus der Geschichte liegt ganz klar auf Wanda und Karim. Während man Wanda, die einen auch als Erzählerin durch die Seiten begleitet, vor allem durch ihre persönlichen Gedanken und Gefühle kennen und verstehen lernt, tritt Karim in erster Linie nur durch ihre Erinnerungen in Erscheinung. Zugegeben: Wandas Erinnerungen liest man mit einem besonders wachsamen Auge. Man sucht nach Hinweisen, Andeutungen, die Wanda durch die rosarote Brille vielleicht übersehen hat. Doch schnell wird einem klar, dass die Charaktere einiges mit der Handlung gemein haben. Sie sind ebenso komplex und tiefgründig, voller Emotionen und dabei trotzdem realistisch und authentisch. Sie sind Figuren wie aus dem echten Leben, mit Stärken und Schwächen, Talenten und Fehlern. Man will sie ergründen, sie verstehen, das Gesamtkonstrukt begreifen – und genau das macht den Reiz des Buches aus.

Es gibt nur eine Handvoll Nebencharaktere in „Mit Rosen bedacht“ und sie alle spielen eine mehr oder weniger große Rolle innerhalb der Handlung. Tatsächlich beleuchtet sie Jennifer Benkau allerdings nur dann genauer, wenn sie für das geheimnisvolle Wirrwarr um Wanda und Karim einen entscheidenden Hinweis liefern. Obwohl ich in den Nebencharakteren oft die heimlichen Helden der Geschichte entdecke und deshalb großen Wert darauf lege, dass Autoren mehr aus ihnen machen, war ich dieses Mal erstaunlicherweise nicht enttäuscht darüber, dass sich Jennifer Benkau sehr auf ihre Hauptfiguren konzentriert. Ihre Nebencharaktere stehen selten im Rampenlicht des Romans und dennoch strahlen sie eine Intensität aus, die sie niemals so wirken lassen, als wären sie nur kleine Sprechrollen.

Fazit:

Mit „Mit Rosen bedacht“ wagt sich die talentierte Autorin Jennifer Benkau in neue Gefilde: Hierbei handelt es sich keinesfalls um ein Jugendbuch, sondern um einen spannenden, ja, fast schon thrilligen belletristischen Roman! Und Frau Benkau beweist mit Leichtigkeit und schonungsloser Ehrlichkeit, dass ihr Schreibtalent sich nicht auf ein Genre festsetzen lässt. „Mit Rosen bedacht“ ist anders als ihre anderen Bücher, ganz klar, aber auf ihre einzigartige Magie hat die Autorin keinesfalls. Jennifer Benkau fesselt ihre Leser mit jedem Kapitel mehr an ihre Seiten und bietet ihnen eine mitreißende, emotionale und erschreckend ehrliche Suche nach der Wahrheit. Eine ganz klare Leseempfehlung! Für „Mit Rosen bedacht“ vergebe ich sehr gute 4 Lurche.

Über die Autorin:

Jennifer Benkau wurde 1980 in der weltschärfsten Stadt zwischen Düsseldorf und Köln geboren, wo sie mit einem Ehemann, drei Kindern und zwei Katzen lebt. Sie schreibt Bücher, weil es ihr ein Bedürfnis ist, Geschichten zu erzählen, sie aber beim Reden stottert. Zum Schreiben braucht sie Wind, laute Musik, Schokolade, Kiwis und Kaffee; aus dieser Mixtur entstehen paranormale Liebesromane, die der Autorin als Ausgleich dienen, bezeichnet sie sich doch selbst als ebenso romantisch wie einen getragenen Turnschuh.

1 Kommentar:

  1. Ich muss zugeben, dass ich immer gesagt habe, ich würde alle Bücher von Jennifer Benkau blind kaufen und lesen - bis dieses Buch rauskam, weil es einfach nicht mein Genre zu sein schien. Aber: Du hast mich überzeugt, auch dieses wird einziehen und ich hoffe, es kann mich ebenso sehr begeistern wie dich!

    Liebste Grüße!

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