Rezension: "Schnee wie Asche"

Sara Raasch // cbt // 464 Seiten // Klappbroschur // 14,99€ // 9783570309698 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Vor 16 Jahren fiel das Königreich Winter im Krieg gegen Frühling. Die Königin wurde getötet, die Magsignie des Landes zerstört, das Volk in Ketten gelegt. Meira ist eine der letzten Überlebenden, die dem Massaker vor 16 Jahren entfliehen konnte. Gemeinsam mit Mather, ihrem besten Freund und dem zukünftigen König von Winter, und sieben anderen Winterianern lebt Meira im Exil, ihr Ziel stets fest im Blick: Die zwei zerbrochenen Teile der Magsignie wiederzufinden und Winter seine Magie zurückzugeben, um das versklavte Volk zu retten und das Königreich neu aufzubauen! Als sie das erste Mal nach all den Jahren einen sicheren Hinweis über den Verbleib eines Magsignienteils finden, setzt Meira alles aufs Spiel – und fordert damit ihr Schicksal heraus...

Meine Meinung:

„Schnee wie Asche“ von Sara Raasch ist der erste Band einer High-Fantasy-Trilogie, die ihre Leser mit ihrem außergewöhnlichen Weltenentwurf gleich auf den ersten Seiten in ihren Bann zieht. In Primoria herrschen acht Königreiche, sowohl vier Rhythmus- als auch vier Jahreszeiten-Königreiche, deren Monarchen durch so genannte Magsignien über Magie für ihr Volk verfügen. Während die vier Rhythmus-Königreiche – Ventralli, Yakim, Paisly und Cordell – über relativ durchschnittliche Magie verfügen, herrschen Frühling, Sommer, Herbst und Winter, deren Völker man ihre Zugehörigkeit auch äußerlich ansehen kann, über die vier Jahreszeiten. „Schnee wie Asche“ spielt in einer gelungenen, interessanten Welt, die Sara Raasch mit Kreativität und Herzblut konzipiert hat.

Auch die Handlung weiß ihre Leser auf Anhieb zu überzeugen: Statt einer langen Einfindungsphase startet Sara Raasch ihre Geschichte sofort mit jeder Menge Spannung und mitreißenden Geheimnissen, die die eigene Neugierde entfacht. Man ist sofort in einem mitreißenden Lesefluss gefangen, der es unmöglich macht, „Schnee wie Asche“ aus der Hand zu legen: Auf atemlose und blutige Kämpfe folgen rasante Fluchten, die nur selten von ruhigeren Momenten unterbrochen werden. Aber selbst die stillen Phasen von „Schnee wie Asche“ begeistern mit den Einblicken und Erklärungen, die man zu der Welt Primoria erhält. Sara Raaschs Debüt ist ein echter Pageturner!

Protagonistin Meira, das Waisenkind aus Winter, war mir von Anfang an sehr sympathisch. Sie ist eine mutige und starke Kämpferin, die stets versucht, sich zu beweisen und sich für ihr Königreich Winter stark zu machen. Mit ihren jungen 16 Jahren hat sie allerdings noch viel zu lernen, was sie im Verlauf der Handlung auch deutlich zu spüren bekommt. Ist sie wirklich bereit, alles für Winter zu tun? Kann sie bis an ihre Grenzen gehen, gar ihre eigenen Wünsche und Ziele völlig vergessen? Meira vollzieht von der ersten bis zur letzten Seite eine enorme Entwicklung. Mit ihren Entscheidungen und Handlungen konnte sie mich nicht immer von sich überzeugen, aber ihre Gedanken und Gefühle waren für mich stets authentisch und nachvollziehbar. Ihre Ecken und Kanten machten sie nicht unsympathischer, sondern realistischer, und auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren, so habe ich Meira doch stets gerne auf ihrem Abenteuer begleitet.

Viele Pluspunkte konnte Sara Raasch mit der Liebesgeschichte in „Schnee wie Asche“ bei mir sammeln, obwohl ich zu Beginn große Zweifel hegte: Das mittellose Waisenmädchen und der zukünftige König bringen als Liebespaar automatisch einige Klischees mit sich. Als dann auch noch der attraktive Prinz eines zweiten Königreichs um Meiras Hand wirbt, scheint das kitschige Liebesdreieck perfekt. Aber Sara Raasch hat all meine Sorgen um Kitsch und Klischee in Windeseile verworfen. Sie erzählt die Liebesgeschichte in ihrem Debüt auf authentische Art und Weise, die ich den Charakteren absolut abgekauft habe. Außerdem drängen sich die Gefühle niemals auf und entwickeln sich still und heimlich im Hintergrund des Geschehens. Meira und ihre beiden Königssöhne sind ein Vorzeigebeispiel dafür, wie eine Liebesgeschichte in einer so ernsten und blutigen High-Fantasy-Welt wie Primoria dennoch echt und überzeugend sein kann.

„Schnee wie Asche“ war für mich ein großartiges Lesevergnügen, das ich kaum aus der Hand legen wollte, das mich mit Spannung und Gefühl mitgerissen hat. Wenn ich die Geschichte allerdings Revue passieren lasse, muss ich zugeben, dass es doch einige Dinge gab, die nun dafür sorgen, dass meine überschwängliche Begeisterung sich einen Tag später wieder sehr beruhigt hat. Die Welt von „Schnee wie Asche“ ist nicht frei von Ungereimtheiten und der Handlungsverlauf war zwar gut und passend, aber leider auch sehr vorhersehbar. Auch der große „Wow“-Moment, wie man ihn von seinen Lieblingsbüchern kennt, hat mir gefehlt. Nichtsdestotrotz ist „Schnee wie Asche“ für mich zweifelsohne eine klare Leseempfehlung für alle High-Fantasy-Fans, die ich auf jeden Fall weiterverfolgen werde. Ich sehe in Sara Raaschs Debüt allerdings noch viel Luft nach oben und hoffe sehr, dass die Autorin diesen in den Folgebänden auch nutzen wird.

Fazit:

Das Debüt „Schnee wie Asche“ von Sara Raasch ist der Auftakt einer High-Fantasy-Trilogie, den sich jeder Fan des Genres definitiv einmal genauer anschauen sollte. Die junge Autorin hat in „Schnee wie Asche“ eine geniale und kreative Welt geschaffen, die mich trotz einiger Ungereimtheiten begeistert hat, und konnte mich sowohl mit einer spannenden Handlung als auch tollen Charakteren mitreißen. Originell und einzigartig, wie man es sich von einem guten Buch wünscht! Rückblickend muss man aber zugeben, dass man „Schnee wie Asche“ an einigen Stellen doch anmerken kann, dass es sich um das Debüt der jungen Autorin handelt. Hier ist noch viel Luft nach oben! Für „Schnee wie Asche“ vergebe ich schwache 4 Lurche.

Über die Autorin:

Sara Raasch wusste schon mit fünf Jahren, dass sie für die Bücherwelt bestimmt war. Während ihre Freunde Limonade verkauften, brachte sie ihre handgemalten Bilderbücher an den Mann. Seit damals hat sich nicht viel geändert. Ihre Freunde sehen sie immer noch besorgt an, wenn sie versucht, etwas zu malen, und ihre Begeisterung für das geschriebene Wort verleitet sie oft dazu, etwas Tollkühnes zu tun. Dies ist ihr erster Roman. Er enthält ausdrücklich keine handgemalten Bilder.

1 Kommentar:

  1. Das enttäuscht mich fast ein bisschen, ich hatte nämlich wirklich große Erwartungen an das Buch... Ich werde ihm vermutlich trotzdem eine Chance geben, allerdings meine überzogenen Erwartungen mal etwas runterschrauben und mich drauf einstellen, eine Debüt-Autorin vor mir zu haben ;)

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