Rezension: "Was fehlt, wenn ich verschwunden bin"

Lilly Lindner // Fischer KJB // 400 Seiten // Klappbroschur // 9,99€ // 9783733500931 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Phoebes Schwester April wird in einer Klinik behandelt: Magersucht. Phoebe darf sie nicht besuchen. Deshalb schreibt sie unermüdlich Briefe an ihre große Schwester. Doch es bleibt still, denn April antwortet nicht. Phoebe versteht die Welt nicht mehr und auch ihre Eltern scheinen nichts zu begreifen, aber sie bleibt tapfer. Sie schreibt und schreibt und wartet auf Aprils Rückkehr aus der Klinik.

Meine Meinung:

Wortkünstlerin Lilly Lindner, die durch ihre bewegende Biografie „Splitterfasernackt“ bekannt geworden ist und seither bereits mehrere Bücher veröffentlicht hat, legt mit ihrem neuen Werkt „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ ihr erstes Jugendbuch vor. Sie erzählt die Geschichte der zwei Schwestern April und Phoebe, die verzweifelt versuchen, sich gegenseitig zu retten. Denn April ist krank. Magersucht.

„Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ ist ein Briefroman. Lilly Lindner lässt den Leser ausschließlich durch Briefe der beiden Schwestern an deren Geschichte teilhaben. Schon nach den ersten Seiten zeigt sich, dass Lilly Lindner mit dieser Erzählweise genau ins Schwarze getroffen hat. Es entsteht eine sehr persönliche und intime Atmosphäre, die dafür sorgt, dass man den Roman viel intensiver und bewusster erlebt.

Nicht unschuldig daran ist natürlich auch Lilly Lindner selbst. Jeder, der schon einmal ein Buch der jungen Autorin gelesen hat, wird mir wohl in diesem Punkt zustimmen: Lilly Lindner ist ein ganz besonderes Talent. Sie schreibt wie keine Zweite und schafft es mit einer unfassbaren Leichtigkeit, jedem Satz, jedem Wort, jedem Buchstaben solch eine Schönheit beizumessen, dass es einem selbst die Sprache verschlägt.

Niemand schreibt mit so viel Emotionen, so viel Schönheit und Tiefgang wie Lilly Lindner. Mit jedem ihrer Bücher schreibt sie mir direkt ins Herz und macht mich sprachlos. „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ bildet da keine Ausnahme. Auch in diesem Buch habe ich mir unzählige Sätze und Worte mit Post-Its markiert, sodass meine Ausgabe aussieht wie ein kunterbunter Regenbogen. Für mich ein glasklarer Beweis für Lillys sanfte Wortgewalt: Trotz all der schrecklichen und traurigen Begebenheiten schreibt sie mit einer Schönheit, die sich nicht beschreiben lässt.

Lilly Lindners Bücher lassen sich eigentlich nicht beschreiben, nicht bewerten. Man muss sie selbst erleben und auf sich wirken lassen, um ihre Kraft und Stärke begreifen zu können. Um am eigenen Leib erfahren zu können, wie es ihr gelingt, so viel Licht und Hoffnung in die düstersten Zeiten zu bringen. Lilly Lindner gibt ihren Lesern Kraft – und auch ihre Charaktere Phoebe und April geben ihren Lesern unzählige Hoffnungsschimmer.

Trotz all der Schönheit in ihren Worten darf nicht vergessen werden, dass „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ auf eindringliche und brutal ehrliche Weise die Geschichte einer Krankheit erzählt, die viel zu oft unterschätzt und belächelt wird. Während man als Außenstehender in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken bewegt wird – nicht nur, was die Krankheit betrifft –, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass die Geschichte Beteiligte in vielerlei Hinsicht wieder aufwühlt und triggert. In dieser Hinsicht möchte ich also darauf hinweisen, dass man sich der Eindringlichkeit und der schonungslosen Ehrlichkeit „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ gewappnet fühlen muss.

Fazit:

„Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ von Lilly Lindner ist das erste Jugendbuch aus der Feder der talentierten jungen Wortkünstlerin. In diesem Buch erzählt sie die Geschichte zweier Schwestern, die auf verzweifelte Weise versuchen, sich gegenseitig zu retten. Eindringlich, emotional, gewaltig – und dabei stets sanft und unbeschreiblich schön: Lilly Lindner schafft es immer wieder, mich sprachlos und aufgewühlt an ihre Worte zu fesseln. Eine klare Leseempfehlung! Für „Was fehlt, wenn ich verschwunden bin“ vergebe ich 5 Lurche.

Über die Autorin:

Lilly Lindner hat keine Ahnung von Teilchenphysik und bipolaren Zwischenströmungen. Sie weiß auch nicht, wie viel Wasser man in einen Teich kippen muss, um einen See zu erhalten; aber wie man Bücher schreibt – das weiß sie. Ihr Debüt ›Splitterfasernackt‹ stand monatelang auf der Bestsellerliste.

1 Kommentar:

  1. Eine sehr schöne Rezension- die all meine Gedanken wiederspiegelt... Gerade vor einer Stunde mit einem Haufen Taschentücher das Buch zugeklappt...

    ich glaub, noch nie war ich nach einem Buch so sprachlos, wobei soviel zu sagen wäre!

    Love, Lole

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