Rezension: "30 Tage und ein ganzes Leben"

Ashley Ream // Alexandra Baisch // btb // 416 Seiten // Klappbroschur // 12,99€ // 9783442746118 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Die erfolgreiche Künstlerin Clementine beschließt, sich in 30 Tagen das Leben zu nehmen. 30 Tage gibt sie sich, um alles zu planen und genau das zu tun, worauf sie Lust hat. Zum Beispiel ein neues Heim für ihren Kater Chuckles zu finden. Oder ihren Vater zu suchen, der spurlos verschwand als sie noch ein Kind war. Clementine hat ihr Vorhaben stets fest im Blick, doch in den 30 Tagen ändert sich alles…

Meine Meinung:

„30 Tage und ein ganzes Leben“ von Ashley Ream kommt mit einer Idee daher, die mit ihrer Moral, den Mut zu(m) Leben wiederzufinden, absolut im Trend der aktuellen Bestseller liegt. Die Künstlerin Clementine beschließt, sich in 30 Tagen das Leben zu nehmen und bis dahin nur genau das zu tun, was sie noch erleben und erledigen will. Sie feuert ihre Assistentin, pfeift auf ihre Ausstellung, sucht nach neuen Herrchen für ihren Kater Chuckles und macht sich auf die Suche nach ihrem Vater, der ihre Familie verlassen hat und verschwunden ist. Es ist ein Buch über Vergangenheitsbewältigung, die Suche nach dem eigenen Ich, den Mut zur Veränderung und das Risiko, alles für etwas auf eine Karte zu setzen – mitsamt allen Konsequenzen. Es ist ein Roman über Themen, die immer wieder berühren, zum Nachdenken bewegen und Spuren hinterlassen.

Ashley Ream hat im Gegensatz zu den unzähligen Konkurrenzromanen eine Protagonistin konzipiert, die man nicht auf Anhieb leiden und verstehen kann. Clementine ist eine Figur, der man eine starke Persönlichkeit nicht absprechen kann, aber in die Kategorie „allseits beliebt“ fällt sie mit Sicherheit nicht. Clementine ist schwierig, das spürt man als Leser ebenso wie ihre Mitmenschen. Sie ist eine Künstlerin durch und durch, deren Gemüt zunächst etwas klischeehaft immer wieder zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt hin und her wechselt. Sie ist eigenwillig, distanziert, hat einen seltsamen Humor. Nein, zu Clementine findet man nicht schon auf Seite eins einen Draht. Aber genau deshalb, gerade wegen ihrer speziellen Persönlichkeit, möchte man weiterlesen, möchte man Clementine kennen- und verstehen lernen.

Tatsächlich lernt man Clementine mit jedem ihrer letzten 30 Tage besser kennen. Ihre Vergangenheit, besonders ihre Kindheit und die Zeit, nachdem ihr Vater ihre Familie verlassen hat, haben Clementines Leben nicht nur beeinflusst, sondern maßgeblich geprägt und viele Löcher und Fragen hinterlassen. Eben diese möchte die Künstlerin vor ihrem Ableben noch stopfen und beantworten. „30 Tage und ein ganzes Leben“ hat ein bisschen was von einem Road Trip, sowohl im metaphorischen als auch im wörtlichen Sinne. Je mehr Clementine für sich abschließt und hinter sich lässt, desto mehr Überraschungen tauchen plötzlich in ihrem Leben auf. Ihr Vorhaben behält sie zwar stets fest im Blick, aber Clementine beginnt sich zu verändern, sich für andere und für sich selbst zu öffnen.

Leider ist es Ashley Ream nicht gelungen, mich auf Clementines Reise voll und ganz mitfühlen zu lassen. Es gab immer mal wieder tolle Momente berührender, tragischer und sogar lustiger Art, doch dann wurde es wieder sehr zäh und der entscheidende Funke wollte nicht überspringen. Ich mochte die Geschichte, aber nach der letzten Seite überkam mich nicht das Gefühl, das Buch in die Hände der nächstbesten Lesefreundin drücken zu wollen. Clementine war eine nette Bekanntschaft, die ich mit Interesse näher kennengelernt habe, aber eine Freundschaft ist zwischen uns nicht entstanden. „30 Tage und ein ganzes Leben“ ist für mich leider ein Buch voller Abers, das mir durchaus gefallen, mich aber nicht tiefgreifend begeistert hat.

Ganz ohne Aber hat mir aber der 30-Tage-Kalender gefallen, der direkt im Anschluss an die Geschichte auf die Leser wartet und dazu einlädt, sich 30 Tage lang neuen lebensbejahenden und motivierenden Aufgaben zu stellen. So fordert der Kalender einen zum Beispiel auf, jemandem einfach mal Danke zu sagen, der es viel zu selten hört, oder jemandem zu verzeihen, über den man sich zuletzt so richtig geärgert hat. Mit diesem tollen und passenden Extra hat der Verlag definitiv Bonuspunkte bei mir einheimsen können. Einfach schön!

Fazit:

„30 Tage und ein ganzes Leben“ von Ashley Ream ist für mich ein Buch voller Abers: Ich habe es gern gelesen, aber begeistert hat es mich nicht. Ich habe Clementine kennen- und verstehen gelernt, aber Freunde sind wir nicht geworden. Das Buch hat mich durchaus zum Nachdenken bewegt, aber es hat keine Spuren hinterlassen. Gut, aber nicht überragend. Lesenswert, aber kein Must Read. Für „30 Tage und ein ganzes Leben“ vergebe ich deshalb 3 Lurche.

Über die Autorin:

Mit 16 Jahren bekam Ashley Ream ihren ersten Job bei einer Zeitung. Seitdem hat sie für verschiedene Magazine in ganz Amerika geschrieben, bis sie es irgendwann leid war, ständig einer Deadline hinterherzulaufen. Also suchte sie sich einen "richtigen" Job und schrieb nur noch in ihrer Freizeit - mit Erfolg: In den USA wollten gleich mehrere Verlage ihren Debütroman "30 Tage und ein ganzes Leben" veröffentlichen. Nach über zehn Jahren in L.A. lebt Ashley Ream heute in Wisconsin, trainiert für einen Marathon und schreibt an ihrem zweiten Buch.

1 Kommentar:

  1. Huhu, ich muss leider sagen, dass es mir genauso ging wie dir. Zum einen kam ich mit Clementine so gar nicht zurecht. Das lag aber nicht so sehr daran, dass sie eben nicht Everbodys Darling ist, sondern weil ich fand, dass man nicht so wirklich einen Einblick in ihr Innerstes bekommen hat. Auch konnte mich die Geschichte nicht so sehr mitreißen.
    Daher kann ich deine Kritikpunkte voll und ganz nachvollziehen und würde ich so unterschreiben :)

    Viele liebe Grüße
    Nelly von Nellys Leseecke

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