Rezension: "Elias & Laia - Die Herrschaft der Masken"

Sabaa Tahir // Barbara Imgrund // One // 507 Seiten // gebunden // 16,99€ // 9783846600092 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Die Martialen beherrschen das Imperium mit Gewalt. Seit jeher fristet Laia ihr Dasein daher in Angst und Schrecken vor den Masken. Als ihr Bruder Darin der Spionage bezichtigt und von den Martialen abgeführt wird, beschließt Laia alles zu wagen. Sie schließt sich dem Widerstand an und wird als Sklavin in die Militärakademie Schwarzkliff eingeschleust, um die Masken auszuhorchen. Liefert sie Hinweise, wird der Widerstand ihren Bruder befreien, so lautet der Deal. Aber hat sie überhaupt eine Chance in Schwarzkliff zu überleben? Der junge Maskenanwärter Elias hat indes genug von der Brutalität und Grausamkeit des Imperiums. Er will aus der Militärakademie fliehen. Doch plötzlich stehen große Veränderungen innerhalb des Reiches an und Elias erhält eine einzigartige Chance…

Meine Meinung:

Auf dieses Buch hat sich die ganze Welt gefreut: „Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken“ von Sabaa Tahir, das Debüt der Autorin, ist die wohl heiß ersehnteste und vielversprechendste Neuerscheinung 2015. Und der Hype hat bereits seine Wellen geschlagen: Die Rechte des Buches wurden in 24 Länder verkauft, die Filmrechte gingen an Paramount – und das alles noch vor dem offiziellen Erscheinungstermin! Elias und Laia erobern die Welt, aber haben sie diesen Hype auch wirklich verdient?

Definitiv JA! Ja, ja und nochmals ja. Sabaa Tahir ist eine der talentiertesten und außergewöhnlichsten Autorinnen, die der Buchwelt in den letzten Jahren begegnet ist. Mit ihrem bildhaften Schreibstil reißt sie ihre Leser mit und lässt sie außerdem voll und ganz in die Geschichte abtauchen. Ihr komplexes Weltenkonstrukt, das von Setting und Atmosphäre stark an das antike Rom und seine Mythologie erinnert, zieht einen unweigerlich in seinen Bann. Man möchte das Imperium erkunden, durch das Trainingslager von Schwarzkliff rennen, die lichten Plätze und ängstigenden Schattenseiten von Tahirs Welt erforschen, gar am eigenen Leibe spüren! Denn dank Sabaa Tahirs eindringlichen, bedeutungsschweren Worten kommt man in den Genuss eines Kopfkinos der Extraklasse, das einen genau das erleben lässt.

Auch der ausgeklügelte Plot von „Die Herrschaft der Masken“ weiß zu überzeugen. Sabaa Tahir verbindet in ihrem Debüt die Stärken aus verschiedenen Genres. Das Ergebnis ist ein mystisch angehauchtes High Fantasy-Abenteuer, das von starken Gefühlen beherrscht wird: das Verlangen nach Macht, Reichtum und Ansehen. Eifersucht. Rache. Freundschaft. Liebe. Und die Charaktere schrecken vor nichts zurück, um ihre Ziele zu erreichen. Brutalität, Mord und Totschlag bestimmen die Welt von „Elias & Laia“ und die junge Autorin nimmt kein Blatt vor den Mund, um die Grausamkeit ihrer Geschichte vor ihren Lesern zu verschleiern. Für zartbesaitete und zu junge Leser ist „Die Herrschaft der Masken“ daher nur bedingt zu empfehlen. Ich persönlich empfand Tahirs schonungslos ehrliche Weise, die Geschichte so echt und authentisch zu erzählen, als spektakuläres Feuerwerk an Spannung und Emotion. Ich konnte – und wollte! – mich dem Lesefluss nicht entziehen. Der Plot bietet so mitreißende Handlungsstränge, so viele unvorhersehbare Wendungen und schockierende Überraschungen, dass ich mich beim Lesen selbst immer wieder daran erinnern musste, weiterzuatmen.

Erzählt wird die Geschichte von den beiden Protagonisten Elias und Laia, die zunächst absolut nichts miteinander zu tun haben. Es verbindet sie nichts – außer dem Wunsch nach Freiheit und Frieden. Laia stammt aus ärmlichen Verhältnissen und führt ein Leben in Angst und Schrecken, während Elias als Maskenanwärter für eben diese Ängste sorgt und dafür mit seiner unwiderruflichen Loyalität zum Imperium zahlen muss. Laia sinnt nach Rache und schleust sich als Sklavin in die Militärakademie von Schwarzkliff, während Elias alles daran setzt, einen Weg aus dieser Hölle zu finden – bis sich ihre Schicksale eines Tages kreuzen. Elias und Laia sind beide großartige Charaktere mit vielen Facetten und einer breit gefächerten Palette an Stärken und Schwächen, die sie so echt und lebendig wirken lassen. Sie beide haben einen starken Willen, der mir von Anfang an imponiert hat, doch mit ihren enormen Entwicklungen haben sie mich völlig von sich überzeugt. So müssen Protagonisten sein!

Elias und Laia sind zwar die beiden Hauptfiguren, die im Fokus der Geschichte stehen, aber Sabaa Tahir hat auch eine ganze Bandbreite an starken Nebenfiguren entworfen, die maßgeblich zum Handlungsverlauf beitragen. Das Imperium von „Elias & Laia“ steckt voller spannender Persönlichkeiten, die man um jeden Preis kennenlernen will. Von den Angehörigen des Widerstandes, der die Herrschaft der Martialen beenden will, über Elias‘ Mitschüler in Schwarzkliff bis hin zu scheinbar unwichtigen Randfiguren, jeder Charakter hat seine Rolle innerhalb des Romans. Und nicht jeder von ihnen wird überleben: So wichtig sie auch erscheinen, Sabaa Tahir schreckt nicht davor zurück, ihr Figuren fallen zu lassen und damit wie aus dem Nichts für völlig neue Verhältnisse zwischen den Charakteren zu sorgen. Intrigen, Beziehungen und Lügen rauben einem als Leser immer wieder den Atem.

Was Tahirs überragendem Debüt all meiner Begeisterung zum Trotz in ein schlechtes Licht rückt, ist das Ende des Romans und die damit einhergehende Vermarktungsstrategie. Immer wieder wurde von allen Verlagen betont, dass es sich bei „Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken“ um einen in sich abgeschlossenen Einzelband handeln würde. Zwar hätte die Autorin die Geschichte für sich noch weitergesponnen, aber auf eine Fortsetzung sei das Buch nicht ausgelegt. Absoluter Quatsch! Wer mit dem Gedanken, einen Einzelband zu lesen, an „Elias & Laia“ herangeht, wird das Buch nach der letzten Seite völlig frustriert an die Wand werfen wollen. Denn statt eines runden Abschlusses wartet dort ein fieser und atemberaubender Cliffhanger darauf, die Leser in den Wahnsinn zu treiben. Nein, dieses Buch war nie und nimmer als Standalone konzipiert, und mittlerweile wurde – welch Überraschung! – die Fortsetzung auch offiziell angekündigt. Es ist nicht so, dass ich mich nicht über das (bitterbitternötige!) Sequel freuen würde, denn ich lechze schon jetzt danach, endlich wieder in diese fantastische Welt abtauchen zu können! Aber mit der großen Einzelband-Vermarktung haben die Verlage aus ihrem „vielversprechendsten Debüt 2015“ auch die für mich größte Buchlüge des Jahres werden lassen. Und das verleiht „Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken“ leider einen sehr bitteren Beigeschmack.

Fazit:

Fantastische Charaktere, ein gut strukturierter, komplexer Plot und eine Schreibe, die einen atemlos an den Seiten kleben lässt: „Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken“ von Sabaa Tahir ist ein herausragendes Debüt, das den Hype um seine Geschichte absolut verdient hat. Das mitreißende High Fantasy-Abenteuer steckt voller blutiger Überraschungen und grausamer Intrigen und ist nichts für zartbesaitete Leser! „Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken“ ist außergewöhnlich, fantasievoll, facettenreich und hat mich mit jeder Seite mehr überzeugt. Für mich definitiv ein Lesehighlight in diesem Jahr! Trotz meiner Begeisterung gibt es für Sabaa Tahirs Debüt nicht die Höchstwertung. Der fiese Cliffhanger am Ende des Romans verleiht dem ursprünglich als Einzelband angepriesenen Reihenauftakt leider einen bitteren Beigeschmack. Für „Elias & Laia – Die Herrschaft der Masken“ gibt es daher gute 4 Lurche.

Über die Autorin:

Sabaa Tahir war Redakteurin bei der Washington Post. Berichte über den Nahen Osten beschäftigten sie und führten schließlich dazu, dass sie ihren ersten Roman schrieb. Sie wollte eine Geschichte erzählen, die die Gewalt in unserer Welt abbildet. Sie wollte aber auch Figuren erschaffen, die in dieser Welt Hoffnung finden. Die nach Freiheit suchen und sich für die Liebe entscheiden, egal gegen welche Widerstände. Aus diesem Impuls heraus entstand ihr erster Roman, Elias & Laia. Die Herrschaft der Masken.

Kommentare:

  1. Ich fand das Buch großartig! Auch wenn mich Elias Part mehr gepackt hat als Laias. Ich bin schon soooooo gespannt auf die Fortsetzung. Das Ende war ja echt zum Schreien.

    Liebe Grüße!

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    1. Das Ende war gar kein Ende... das war die reinste FOLTER! :D

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  2. Hallo,
    eine sehr schöne Rezension. Ich war auch total begeistert vom Buch.
    Und mit der Buchlüge stimme ich dir zu. Ich bin ganz froh, dass ich vor dem Lesen nicht wusste, dass es ein Einzelband werden wollte, sondern gleich von einer Reihe ausgegangen bin. Wenn es ein Einzelband geworden wäre, dann wäre ich vom Buch vorne bis hinten enttäuscht gewesen.

    Alles Liebe
    Sophie

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    1. Danke dir, liebe Sophie!
      Das stimmt, wäre die Fortsetzung nicht angekündigt worden, hätte ich auch noch einmal anders bewertet. Nichtsdestotrotz finde ich es nicht in Ordnung, wie das Buch beworben wurde.

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