Review: "Towering"

Alex Flinn // HarperTeen // 304 Seiten // Taschenbuch // ca. 9€ // 9780062276322 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Wyatt wurde von seiner Mutter zu einer alten Bekannten in die Kleinstadt Slakkill geschickt, um die vergangenen Ereignisse in seinem Leben vergessen zu können. Doch statt der erhofften Ruhe findet Wyatt in seiner neuen Unterkunft das Tagebuch von Danielle, der verschwundenen Tochter seiner Gastgeberin Mrs. Greenwood, und er beginnt Nachforschungen anzustellen. Eines Tages hört Wyatt einen wunderschönen Gesang, den sonst niemand wahrzunehmen scheint. Er folgt der Stimme und findet einen verborgenen Turm. Dort lebt Rachel, das geheimnisvolle Mädchen mit dem goldenen Haar, das sein Herz zum Rasen bringt. Auch Rachel ist gebannt von dem jungen Mann mit den grünen Augen, von dem sie schon seit einiger Zeit träumt. Als Wyatt jedoch herausfindet, dass Rachels Leben fernab der Kleinstadt und Danielles mysteriöses Verschwinden auf irgendeine Weise miteinander zusammenhängen, ist es für das verliebte Pärchen längst zu spät zu fliehen…

Meine Meinung:

Dass Alex Flinn eine Vorliebe für Märchen hat, ist wohl kein großes Geheimnis. Schon mit „Beastly“, ihrer modernen Neuerzählung von „Die Schöne und das Biest“, hatte Alex Flinn ihren großen Durchbruch als Autorin. Es folgten jede Menge anderer Märchen-Inszenierungen, „Beastly“ wurde sogar verfilmt. In „Towering“ nimmt sich die Autorin dem Märchen von „Rapunzel“ an. Obwohl ich als riesiger Märchenfan eigentlich zu jeder Neuerzählung greife, die der Buchmarkt hergibt, ist „Towering“ mein erstes Buch der Autorin – und leider hat sie mich damit sehr enttäuscht!

„Towering“ beginnt äußerst vielversprechend. Innerhalb weniger Seiten schafft es Alex Flinn durch ihre Worte eine geheimnisvolle und mysteriöse Atmosphäre aufzuwirbeln, die Neugierde weckt und mit Spannung an die Seiten bannt. Man lernt Wyatt kennen, den stillen Jungen, der von seiner Mutter zu seiner alten Bekannten in die Kleinstadt Slakkill geschickt wurde, um von den jüngsten Geschehnissen in seinem Leben Abstand gewinnen zu können. Statt zur Ruhe zu kommen stößt er jedoch gleich an seinem ersten Abend bei Mrs. Greenwood auf das Tagebuch ihrer verschwundenen Tochter Danielle – und bringt damit einen Stein ins Rollen, der sein eigenes Schicksal verändern wird.

Wyatt teilt seine Protagonisten- und Erzählerrolle mit der mysteriösen Rachel. Sie lebt in einem Turm, weit entfernt vom Rest der Kleinstadt, und hat seit sie denken kann nur Kontakt zu einer Frau, die Rachel als kleines Kind vor den Mördern ihrer leiblichen Mutter rettete. Sie ist ein zaghafter, zurückhaltender Charakter, sogar noch stiller als Wyatt. Von jemandem, der sein gesamtes Leben in einem Turm eingesperrt gewesen ist, kann man wohl zunächst keine allzu facettenreiche Persönlichkeit erwarten. Was man jedoch erwarten kann, sind Entwicklungen und Fragen: Warum lässt sich Rachel all das gefallen? Warum hinterfragt sie nichts? Wo ist ihre Wut, ihr Wunsch nach Eigenständigkeit? Warum hat sie nie versucht, aus ihrem Turm zu fliehen, wenn sie die Außenwelt doch so interessiert und die Flucht so einfach ist? Ihre Schüchternheit und ihre Liebe zu Büchern macht Rachel zwar ganz charmant, durch ihren viel zu einfachen, blassen und glatten Charakter konnte sie mich aber nicht überzeugen.

Kommt die Handlung erst einmal richtig in Fahrt, geht es mit ihr leider steil bergab. Auch wenn Alex Flinn durchaus eine gewisse Spannung in ihre Geschichte bringt, konnten mich die Ereignisse mit jedem Kapitel weniger fesseln. Die Chemie zwischen Wyatt und Rachel hat nicht gestimmt und so habe ich ihnen weder ihre schicksalhafte Begegnung noch ihre aufblühenden Gefühle (nun ja, eigentlich wäre „urplötzlich aus dem Boden schießende Liebe“ treffender!) abgekauft. Lediglich das Interesse an der Auflösung der Geschichte animierte mich zum Weiterlesen. Irgendwie will man ja trotzdem wissen, wie es zu Ende geht.

Mit dem Abschluss von „Towering“ hat mich Alex Flinn allerdings mit Abstand am meisten enttäuscht. Nicht nur, dass das Ende völlig unpassend und unlogisch auf mich wirkte, es verlief auch noch absolut unspektakulär, viel zu leicht und langweilig. Ohne jegliche Spannung wird eine Szene von den Figuren „abgespielt“, die alles auflöst, aber nichts erklärt. Dabei hätte man aus der Idee wirklich viel herausholen können. Dass Alex Flinn durchaus schreiben kann, beweist sie ja auch. Für mich blieb „Towering“ alles in allem nur eine große Enttäuschung.

Fazit:

„Towering“ ist vielleicht nicht unbedingt das beste Buch von Alex Flinn, um sich Fans zu machen. Für mich war es das erste Buch der modernen Märchenerzählerin, die sich vor allem mit ihrem Erstlingswerk „Beastly“ einen großen Namen gemacht hat. Leider hat mich die neue Inszenierung von „Rapunzel“ absolut enttäuscht. Nach einem geheimnisvollen und atmosphärischen Start geht es von Kapitel zu Kapitel bergab. Weder die Charaktere noch die Handlung, an der ich durchaus Interesse hatte, konnten mich überzeugen. Schließlich endet „Towering“ mit einer unlogischen und oberflächlichen Auflösung, die der Enttäuschung noch die Krone aufsetzt. Alex Flinns Schreibstil hat mir ganz gut gefallen, ebenso wie der Anfang der Geschichte, aber damit hört es leider auch schon auf. Für „Towering“ vergebe ich 2 Lurche.

Über die Autorin:

Alex Flinn, geb. 1966 in New York, lernte schon mit drei Jahren Lesen und wollte bereits mit Fünf Schriftstellerin werden. Für Recherchen absolvierte sie u.a. eine Schauspielschule und eine Gesangsausbildung. Heute ist sie eine vielfach preisgekrönte Jugendbuchautorin, die Märchen ganz besonders liebt und zahlreiche Bücher erfolgreich veröffentlicht hat. Sie lebt in Miami, Florida, USA.

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