Rezension: "Der Sommer, in dem ich Vampir wurde"

Flynn Meaney // Tanja Ohlsen // Egmont INK // 253 Seiten // Taschenbuch // 8,99€ // 9783863960544 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Finbar Frame hat es nicht leicht. Im Vergleich zu seinem Zwillingsbruder Luke, dem Sport-Ass und Mädchenschwarm der Schule, steht Finn mit seinen seltsamen Augen und seiner Sonnenallergie wie der absolute Loser dar. Als er auf eine neue Schule wechselt, hat er plötzlich eine grandiose Idee: Er wird zu einem Vampir! Mädchen stehen doch momentan alle auf Blutsauger, oder? Also gibt Finn den unnahbaren und mysteriösen Untoten - und hat damit mehr Erfolg als erwartet. Mehr und mehr Mädchen buhlen um seine Aufmerksamkeit. Doch dann trifft Finn auf ein Mädchen, das sein Herz zum Rasen bringt. Zu blöd, dass ausgerechnet sie sich nicht von Finns Vampircharme verführen lässt...

Meine Meinung:

Flynn Meaneys Debütroman kommt gleich in zwei Varianten daher: zum einen in der rosa Hardcover-Version "Vampir wegen dir", zum anderen in der mystisch-düsteren Taschenbuch-Fassung "Der Sommer, in dem ich Vampir wurde". So unterschiedlich die Cover auch sind, keine der beiden Varianten lässt tatsächlich auf die Geschichte schließen, die zwischen den Buchdeckeln verborgen liegt. Denn bei Flynn Meaneys Buch handelt es sich keinesfalls um einen Vampirroman für Teenies, sondern viel mehr um eine witzige Contemporary-Geschichte, die den Hype um die Blutsauger mächtig auf die Schippe nimmt.

So ungewöhnlich wie die Geschichte selbst ist auch Protagonist Finbar Frame, genannt Finn. Und das liegt nicht nur an der Tatsache, dass Flynn Meaney endlich mal einen männlichen Hauptcharakter agieren lässt! Finn ist alles andere als der attraktive Neue, als er auf seine neue Schule kommt. Ausgerechnet das Klischee, dem er gerne entsprechen würde, lässt ihn im Stich! Dafür hat der sympathische Anti-Mädchenschwarm allerdings viele andere interessante Seiten, die sich im Laufe des Buches immer stärker herauskristallisieren. "Der Sommer, in dem ich Vampir wurde" ist gar nicht so oberflächlich, wie man es nach den ersten Seiten denken könnte, und es macht großen Spaß, Finn während seiner seltsamen Entwicklung zu einem sexy Vampir zu begleiten.

Finn hat aber noch eine weitere tolle Eigenschaft an sich: Er liebt Bücher! Er liest, was ihm in die Hände gerät, und kann sich kaum etwas besseres vorstellen, als den ganzen Tag darüber zu reden. Was ihm bei bekennenden Bücherjunkies einige Pluspunkte verschafft, hat aber auch seine Schattenseiten. Denn Finbar spoilert! Wer Bücher wie etwa "Schiffbruch mit Tiger" noch lesen möchte und nicht zuvor schon den Ausgang der Geschichte kennen will, sollte "Der Sommer, in dem ich Vampir wurde" in seiner Leseliste also weiter unten ansiedeln.

Humorvolle Bücher haben es besonders schwer: Treffen sie mit ihren Witzen nicht den Geschmack ihrer Leser, können sie nur seltenen Fällen trotzdem begeistern. Auch "Der Sommer, in dem ich Vampir wurde" steht vor solchen Schwierigkeiten, denn Finns Humor ist zum Teil sehr speziell. Meaney behandelt beinahe jedes Klischee, das man in Jugendbüchern nur finden kann, und kann damit vor allem Vielleser sicherlich begeistern. Wenn bei Finn allerdings - ganz der Stereotyp "Mann" - das Testosteron durchkommt, bleibt einem das Lachen manchmal im Halse stecken. Im Großen und Ganzen bietet das Buch jedoch einen ausbalancierten Humor, der sich sowohl an weibliche als auch an männliche Leser richtet.

Auch wenn man zwischen den Buchdeckeln immer mal wieder über Szenen gestolpert ist, die einen ungläubig den Kopf schütteln lassen haben, findet "Der Sommer, in dem ich Vampir wurde" ein tolles und rundes Ende. Flynn Meaney schafft es trotz aller veralberten Klischees, die das Buch von der ersten bis zur (fast) letzten Seite füllen, Finn zu einer ernsten Erkenntnis zu bringen. Obwohl Meaneys Debüt nicht so anmutet, verbirgt es eine tolle Moral, die einen die Geschichte des Vampirs, der eigentlich gar keiner war, nicht so schnell vergessen lässt.

Fazit:

"Der Sommer, in dem ich Vampir wurde" (oder auch "Vampir wegen dir") aus der Feder von Flynn Meaney ist ein witziges Debüt und ein perfektes Buch für einen kurzweiligen Leseabend. Die Geschichte von Finbar Frame, dem Vampir, der eigentlich gar keiner ist, nimmt so manches Jugendbuch-Klischee und die Auswirkungen des Vampir-Hypes mächtig auf die Schippe und hat mit einem locker-leichten Schreibstil genau meinen Geschmack getroffen. Ein humorvoller Roman, der eine wundervolle Erkenntnis in sich birgt und schlichtweg Spaß macht. Für "Der Sommer, in dem ich Vampir wurde" vergebe ich 4 Lurche.

Über die Autorin:

Flynn Meaney wurde zu ihrem Debütroman von der Bemerkung einer Freundin inspiriert, die meinte: “Jetzt, wo Vampire so angesagt sind, können wir uns endlich den Selbstbräuner sparen.” Erstaunlich, was für einen Einfluss auf einmal dieser ganze Vampirkult auf die schmächtigen, blassen Teenager hat, die während der “Baywatch”-Jahre lange Durststrecken durchlitten haben! Die Autorin lebt in Mamaroneck, New York. Sie hat ein Studium an der Universität Notre Dame absolviert und ist zurzeit am Hunter College für Kreatives Schreiben und Poesie eingeschrieben.

Kommentare:

  1. Hi, also das Buch hört sich für mich total interessant an. Mir gefällt das sehr wie du deine Rezensionen aufbaust.
    LG Livia

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  2. Oh man, das Buch SUBt bei mir auch schon seit über einem Jahr herum und ich konnte mich nicht wirklich dazu durchringen es es zu lesen. Aber deine Rezi macht schon neugierig.
    Lieben Gruß ^^

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