Rezension: "Thalam - Die Hüter der Erde"

Gabriele Ennemann // Riverfield Verlag // 336 Seiten // gebunden // 19,90€ // 9783952452325 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Der fünfzehnjährige Gidion führt in Thalam ein bescheidenes, ruhiges Leben. Doch als er eines Nachts feindliche Jäger entdeckt, die die heilige Lebenssichel aus seiner Heimat stehlen, ist an Ruhe nicht mehr zu denken. Das Schicksal der gesamten Welt droht aus den Fugen zu geraten! Zusammen mit seinem Ziehvater reist Gidion an den Hof des Königs, wo er von seiner wahren Bestimmung erfährt: Gidion ist ein Avantgarde, einer von vier Helden, die das Schicksal dazu auserkoren hat, die Welt wieder in Gleichgewicht zu bringen. Zusammen mit seinen Mitstreitern Leona, Dawn und Levinor macht sich Gidion auf in ein ungewisses Abenteuer. Wird es ihnen gelingen, die Lebenssichel aus den Fängen des Bösen zu retten?

Meine Meinung:

In ihrem Debüt „Thalam – Die Hüter der Erde“ lädt die Autorin Gabriele Ennemann jugendliche, aber auch im Herzen jung gebliebene Leser dazu ein, sich zusammen mit dem fünfzehnjährigen Gideon auf ein phantastisches Abenteuer in einer Welt unter der unseren zu begeben. Neben der uns bekannten Welt, die in diesem Roman nur eine nebensächliche Rolle spielt, gibt es das gute, magische Reich Thalam, sowie das böse, jedoch nicht minder magische Land Sinistrien, die in steter Konkurrenz für das Gleichgewicht der menschlichen Welt verantwortlich sind. Als die Lebenssichel aus Thalam gestohlen wird, droht alles aus den Fugen zu geraten. Doch Gidion und seine Avantgarde setzen alles daran, dies zu verhindern.

Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Perspektive des Protagonisten Gidion erzählt. Der zurückhaltende und stille junge Mann, der sehr schlicht aufgewachsen ist, staunt nicht schlecht, als man ihm plötzlich eröffnet, dass er einer der vier Avantgarde ist – einer jener Helden, die das Schicksal dazu auserkoren hat, die Welt und alles Leben vor dem Bösen zu beschützen. Der bescheidene Gidion kann seine Bestimmung kaum fassen, stellt sich aber ohne zu zögern und voller Tatendrang seiner Pflicht. Gidion ist ein herzensguter und für sein Alter erstaunlich reifer Protagonist, dem man während seines Abenteuers gerne zur Seite steht. Für meinen Geschmack war er allerdings mit zu wenig Ecken und Kanten ausgestattet.

Das gleiche Problem habe ich mit den anderen Charakteren der Geschichte. Sowohl die anderen Avantgarde, mit denen Gidion das Abenteuer bestreitet, noch die Antagonisten, die man in einigen Kapiteln durch geschickte Perspektivwechsel näher kennenlernen darf, haben mich als eigenständige Persönlichkeiten begeistern können. Alle haben sympathische Facetten an sich – sogar die Bösen! –, allerdings hat mich niemand mit seiner Entwicklung oder einer unerwarteten Wendung überrascht. Die Figuren sind in ihren Rollen sehr stereotyp, zu schwarz-weiß gestrickt. Sie konnten mich durchaus gut unterhalten, werden mir aufgrund fehlender Tiefe aber über die letzte Seite hinaus nicht lange im Gedächtnis bleiben.

Gabriele Ennemann hat einen tollen, sehr bildstarken Schreibstil, der in ihrer Welt voller Fantasie und Magie hervorragend zur Geltung kommt. Sie schreibt mit einer ansteckenden Leichtigkeit, die einen ebenso beschwingt durch die Kapitel fliegen lässt, und sorgt für ein buntes Kopfkino, das einem beim Lesen großen Spaß bereitet. Gabriele Ennemanns Worte haben etwas Märchenhaftes an sich, das an atmosphärische Erzählungen alter Fabeln und Sagen erinnert.

Was sich beim Schreibstil als Highlight für mich entpuppte, hat mich beim Rest der Geschichte allerdings etwas enttäuscht: Während mir die märchenhafte Stimmung in Gabriele Ennemanns Worten sehr gut gefallen hat, hätte ich während der Handlung auf so viel „Märchen“ verzichten können, denn „Thalam – Die Hüter der Erde“ ist in vielerlei Hinsicht wie die altbekannten Märchen aufgebaut: Die Handlung verläuft sehr gradlinig und oberflächlich, vorhersehbar und ohne Überraschungen. Der Roman folgt klar seinem roten Faden, gibt weiteren Handlungssträngen kaum Spielraum und hat in seinen Grundzügen ein starkes schwarz-weißes Muster, das sich ebenfalls in den Charakteren äußert. Als kleines Lesevergnügen mit Märchen-Feeling erfüllt „Thalam – Die Hüter der Erbe“ voll und ganz seinen Zweck, ich denke aber, dass Gabriele Ennemann aus ihrer tollen Romanidee mehr hätte herausholen können.

Fazit:

„Thalam – Die Hüter der Erde“ von Gabriele Ennemann ist wie ein Märchen – und das sowohl im positiven wie auch im negativen Sinne. Während man sich von dem fantasievollen und bildstarken Schreibstil der Autorin sehr gerne in ihre magische Welt entführen lässt und dabei nur allzu gern die märchenhafte Atmosphäre genießt, folgen Handlung und Charaktere für meinen Geschmack zu stark einem Märchen-Muster. Die Geschichte ist mitsamt ihren Figuren sehr schwarz-weiß strukturiert und vorhersehbar. Als kurzweiliges Lesevergnügen mit Märchen-Feeling erfüllt der Roman ganz seinen Zweck, in meinen Augen hätte Gabriele Ennemann mit ihrem Ideenreichtum aber viel mehr aus ihrem Fantasy-Debüt herausholen können. Für „Thalam – Die Hüter der Erde“ vergebe ich solide 3 Lurche.

Über die Autorin:

Gabriele Ennemann, geboren 1963, lebt mit ihrer Familie in Essen. Das Schreiben begleitet sie seit ihrer Kindheit. Nach einer Ausbildung im Einzelhandel tauschte sie ihre vertraute Arbeit gegen ein Taxilenkrad und betrieb viele Jahre interessante Studien am ‚lebenden Subjekt‘. Sie wechselte ein weiteres Mal den Beruf und wurde Fahrlehrerin. Heute ist sie in einem Seniorenzentrum beschäftigt und arbeitet mit psychisch erkrankten Menschen. In ihrer knapp bemessenen Freizeit genießt sie es, in der Natur zu sein und zu schreiben. »Thalam« ist ihr Fantasyroman-Debüt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

legal notice. based on design by Charming Templates.