[BotM] S. - Das Schiff des Theseus (4)


Langsam, aber sicher neigt der Dezember sich dem Ende zu - und tatsächlich scheint es so, als würde ich mein ganz persönliches Dezember-Experiment bewältigen können. Ich habe fleißig an "S. - Das Schiff des Theseus" von J. J. Abrams (der durch seine Arbeit am neuen "Star Wars"-Film ja genügend Aufmerksamkeit bekommt) und Doug Dorst weitergelesen und bin mittlerweile beim 9. Kapitel angelangt. Nur noch etwa 70 Seiten trennen mich vom Abschluss der Geschichte und ich bin unheimlich gespannt, wie die verschiedenen Geheimnisse und Handlungsstränge nun zusammenlaufen werden.

Ich erhoffe mir ein spektakuläres Ende, das mir die Worte rauben wird. Denn, so ungern ich es auch zugeben mag, während der letzten Kapitel hat sich ein wenig Ernüchterung in mir breit gemacht. Nach einem tollen Start in die Geschichte - wer lässt sich von der großartigen Gestaltung, den vielen Beilagen und den bunten Randbemerkungen nicht fesseln? - hat mich die Geschichte bisher gut unterhalten, aber nicht aus den Socken hauen können. Die beiden Protagonisten Jen und Eric sind mir sympathisch, sowohl die Rahmenhandlung als auch die Geschichte sind beeindruckend und toll geschrieben, aber die Entwicklung ist ein wenig stagniert. Das liegt einerseits sicherlich daran, dass in den "wahren" Leben der beiden Protagonisten unheimlich viel passiert, einiges davon aber nicht unbedingt mit dem fiktiven Autor V. M. Straka zusammenhängt. Und gerade sein Geheimnis ist es, das ich um jeden Preis gelüftet wissen will. Aber mehr dazu in der nächsten Woche, wenn ich das gesamte Buch ausgelesen habe.


V. M. Straka ist nicht der einzige Charakter in "S. - Das Schiff des Theseus", der ein Geheimnis zu verbergen hat. Neben Eric und Jen, den beiden Lesern, die aus Vorsicht und Furcht zunächst noch viel voreinander verbergen, ist auch der Übersetzer des fiktiven Romans ein lebendiges Rätsel. F. X. Caldeira ist der einzige Übersetzer, den V. M. Straka für deine Romane zugelassen hat. Als wahres Sprachgenie, das seine Werke gleich in mehrere Sprachen zugleich übersetzt hat, hatte Caldeira für Straka aber auch die Position eines Lektors und hat dem geheimnisvollen Autor stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Da sollte man doch erwarten, dass F. X. Caldeira der Schlüssel zu allen Fragen ist. Jemand, der so eng mit Straka zusammengearbeitet hat, sollte doch wissen, wer hinter dem Namen steckt, der auf den Büchern prangt. Aber falsch: Caldeira stellt schon im eigenen Vorwort klar, dass auch er die Antwort auf den Straka-Mythos nicht kennt.

Die beiden haben viel korrespondiert, allerdings hat sich ihr Austausch stets auf einen regen Briefwechsel beschränkt. Auch F. X. Caldeira liegt etwas daran, die wahre Identität Strakas aufzudecken. Hier spielen vor allem persönliche Gründe eine enorme Rolle, die erst nach und nach ersichtlich werden und noch lange sicher im Verborgenen liegen. Zusammen mit Eric und Jen stellt man jedoch schnell fest, dass Caldeira mehr weiß, als er in seinen Fußnoten, die manchmal nicht sonderlich akkurat recherchiert oder gar nicht professionell wirken, weißmachen möchte. F. X. Caldeira nutzt die Fußnoten, um selbst zu kommunizieren. Mit wem, weshalb und worüber - das gilt es gemeinsam mit dem Straka-Geheimnis aufzudecken. Wer die Fußnoten durchschaut, die in ihnen versteckten Rätsel löst, dürfte der Lösung definitiv einen großen Schritt näher kommen.

Ich gebe zu: Beim Lesen habe ich mich selten zum Miträtseln animiert gefühlt. Ich bin zwar durchaus "leseparanoid" geworden und habe im Text auf bestimmte Zahlen, Muster und Schlagworte geachtet, aber ich bin sehr froh gewesen, mich beim Entdecken der einzelnen Puzzlestücke an Jen und Eric halten zu können. Sicherlich ist auch den beiden Straka-Detektiven das eine oder andere Detail entgangen, aber es gelingt ihnen trotzdem, mithilfe verschiedener Dechiffriertechnik vieles aus dem Text herauszuholen und ihre eigenen Schlüsse ziehen zu können. "S. - Das Schiff des Theseus" ist dadurch unheimlich interessant, aber auch anstrengend zu lesen. Ich lese wesentlich länger und intensiver, als ich es bei anderen Büchern tue, und muss auch mehr Lesepausen einlegen. Bisher war mir diese "Lesearbeit" das Buch auch wert. Nun erwarte ich aber ein umwerfendes Ende, das mich völlig vom Hocker reißen wird.

1 Kommentar:

  1. Na, da bin ich ja gespannt auf Deinen nächsten Beitrag...
    Ob Du vom Hocker gerissen wirst ;)
    Liebe Grüße von Simone, die das Buch auch noch nicht weiter gelesen hat...

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