[BotM] S. - Das Schiff des Theseus (5)


Ich hab’s geschafft: Ich habe „S. – Das Schiff des Theseus“ beendet! Eben habe ich die letzten Seiten des Schmökers ausgelesen und deshalb möchte ich den letzten Beitrag zum aktuellen Buch des Monats gerne nutzen, um meinen gesamten Leseeindruck mit euch zu teilen.

Kaum hatte ich das Buch das erste Mal in die Hand genommen, waren die Neugierde und die Spannung schon kaum zu ertragen. Kein Wunder bei dieser tollen Ausstattung! Als bibliophiler Bücherjunkie kommt man nun einmal nicht darum herum, sich auf den ersten Blick in „S. – Das Schiff des Theseus“ zu verlieben. Und auch die ersten Seiten versprechen viel: Angefixt von den vielen Beilagen und den bunten Randbemerkungen inhaliert man die mysteriöse Geschichte des fiktiven Autors V. M. Straka, während man „außerhalb der Geschichte, aber noch immer innerhalb des Buches“ mit den Randnotizschreibern Jen und Eric nach der wahren Identität hinter dem Straka-Pseudonym sucht. Sowohl die eigentliche Geschichte als auch die Handlung um die beiden Literaturfreunde lesen sich mitreißend und aufregend. Ich wollte zunächst gar nicht mit dem Lesen aufhören, empfand die „Lesearbeit“ dann aber doch so anstrengend, dass mehrere Pausen unumgänglich waren.

Für „S. – Das Schiff des Theseus“ braucht man eine Menge Geduld und Konzentration. Zwischen den Buchdeckeln spielen sich auf so vielen Ebenen unterschiedliche Handlungsstränge ab, dass man sehr genau und intensiv mitlesen muss, um nichts zu verpassen. Als nette Bettlektüre ist der Brocken nicht unbedingt geeignet, ebenso wenig für unterwegs (hier ist auch die Gefahr viel zu groß, dass man einen der beigelegten Hinweise verliert! Das wäre wirklich fatal!). Für dieses Buch muss man sich Zeit nehmen. Dafür wird man aber auch mit einem außergewöhnlichen Leseerlebnis belohnt, dass man so definitiv noch nicht erlebt hat. Mir hat es unheimlich gut gefallen!

Mit dem Titel der Geschichte konnte ich mich immer besser anfreunden, je mehr ich gelesen habe. "S. - Das Schiff des Theseus" klingt nicht nur mysteriös, hinter alledem steckt auch ein tiefer Sinn. Auf Wikipedia kann man dazu folgendes nachlesen:
Das Schiff des Theseus (auch Theseus–Paradoxon) ist ein philosophisches Paradoxon, das bereits in der Antike aufgezeigt wurde. Es berührt die Frage, ob ein Gegenstand seine Identität verliert, wenn viele oder gar alle seiner Einzelteile nacheinander ausgetauscht werden. (Quelle: Wikipedia)
Und genau diese Frage nach der Identität ist es, die den fiktiven Protagonisten S. durch seine Geschichte treibt. Abrams und Dorst haben sich eine aufregende Handlung ersponnen, die mit Grusel-Elementen, einer Agenten-Jagd, starker Gesellschaftskritik und vor allem vielen Geheimnissen daherkommt.


Ich wünschte, dass mich das Buch durchweg hätte begeistern können. Die Voraussetzungen waren perfekt, aber ich kann nicht leugnen, dass ich das eine oder andere Mal durchaus ein wenig von der Geschichte war. Ein genialer Auftakt mit tollen Charakteren, einem verwobenen Netz aus Geheimnissen und einer guten Story haben mich lange gefesselt, aber bei seinen über 500 Seiten hat auch „S. – Das Schiff des Theseus“ mit Längen zu kämpfen. Nach einigen zähen Sequenzen haben mich Abrams und Dorst mit dem achten Kapitel wieder milde gestimmt. Die Spannung hat für mich ihren bisherigen Höhepunkt erreicht und viele neue Erkenntnisse mit sich gebracht. Bis hierhin habe ich immer wieder gedacht, die Geschichte durchschaut zu haben, und dennoch bin ich nie das Gefühl losgeworden, mich bitterlich zu täuschen. Das ist auch kein Wunder: Klare Antworten sind in "S. - Das Schiff des Theseus" Mangelware.

Ich hätte mir aber durchaus mehr klare Antworten gewünscht. Möglicherweise habe ich nicht aufmerksam genug gelesen, vielleicht müsste ich das Buch mit dem Wissen, wohin es führt, auch noch einmal von vorne beginnen. Fakt ist jedoch, dass mich der Abschluss der Geschichte nicht aus den Socken gehauen hat. Für mich blieben zu viele Handlungsstränge auf zu vielen Ebenen ungeklärt und auch von der Auflösung hätte ich mir mehr versprochen. Überfordert habe ich mich von „S. – Das Schiff des Theseus“ nicht gefühlt, trotzdem hätte ich mir mehr klärende Randbemerkungen gewünscht. Um das Buch mit neuem Blick noch einmal zu beginnen, dafür fehlt es mir momentan dann leider doch an Energie und Zeit, die man für dieses Buch unbedingt aufbringen muss.

Auch wenn ich „S. – Das Schiff des Theseus“ (auf Geschichtsebene!) nicht zu meinem absoluten Jahreshighlight küren kann, bin ich sehr froh darüber, das Buch gelesen zu haben. Allein von der Aufmachung her ist das Werk für jeden Buchliebhaber ein Muss im eigenen Bücherregal. Ich hätte mir vor allem vom Abschluss des Romans mehr erhofft, bin aber im Großen und Ganzen von den Charakteren, den mysteriösen Irrungen und der Handlung trotzdem sehr begeistert. „S. – Das Schiff des Theseus“ ist ein aufwendiges, aber besonderes, zeitintensives, aber lohnenswertes Leseabenteuer, an dem man sich allein des Gefühls wegen versuchen sollte.

Empfehlenswert? Zweifelsohne.

Lesenswert? Definitiv – wenn auch mit kleinen Abstrichen.

Ich hoffe, dass ich euch einen kleinen Einblick in die verworrene Welt von „S. – Das Schiff des Theseus“ geben konnte. Hier noch einmal alle Beiträge im Überblick, falls jemand von euch erst heute in die Beitragsreihe reingelesen hat (und diesen Post verständlicherweise als alles andere als aufklärend empfindet):


Und nun Hand auf’s Herz! Bei wem von euch steht das Buch schon im Regal!?

Kommentare:

  1. Ich weiß nicht, ob ich das Buch wirklich lesen werde, denn es klingt zwar wirklich außergewöhnlich und ich habe auch schon mal hineingeblättert und festgestellt, dass dieses Buch ziemlich einzigartig ist, aber um es mir selbst zu kaufen, ist es mir etwas zu teuer (obwohl ich den Preis bei den vielen Einzelteilen durchaus nachvollziehen kann) und ich weiß nicht, ob ich genug Durchhaltevermögen für dieses Werk besitze. Und um es ungelesen im Regal stehen zu haben, ist das wohl wirklich zu schade.
    Aber vielleicht lasse ich mal vor meinem Geburtstag anklingen, dass mich das Buch interessiert und dann schaue ich mal, ob ich es bekomme oder nicht ;)

    Liebe Grüße
    Chrisi

    AntwortenLöschen
  2. Huhu Simone

    Ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, ob ich das Buch wirklich lesen möchte ;-) Ich habe es aber meinem Bruder zu Weihnachten geschenkt.

    lg Favola

    AntwortenLöschen
  3. Hallo Simone,

    Bei mir steht das Buch ja nicht im Regal, sondern liegt auf dem Tisch und ich lese es gerade zum zweiten Mal. Aber Du hast ganz Recht, es hat so seine Längen...
    Aber es ist trotzdem das schönste Buch das ich 2015 erstanden habe, diese Aufmachung ist wirklich was ganz besonderes, ein Buchliebhaber muss es einfach besitzen.
    Hast Du diese Codierungsscheibe nutzen können?!
    Viele Grüße von Simone

    AntwortenLöschen
  4. Liebe Simone,

    es steht äußerst dekorierend in meinem Regal und Besucher fragen auch immer recht flott, was es denn damit auf sich habe ;-)
    Ich erkläre dann und sage, dass ich dieses Mammutprojekt eines Tages angehen werde :)
    Nach deiner Einschätzung werde ich damit wohl noch länger warten als geplant, weil mir das im Verhältnis zu dem, was man geboten bekommt, doch zu anstrengend scheint... leider :/ zumindest momentan...
    Vielen Dank jedoch für deine Einschätzung und sehr cool, dass du es noch letztes Jahr gepackt hast!
    Liebe Grüße,
    Charlie

    AntwortenLöschen
  5. Hallöchen!

    Ich stand auch schon einige Male bewundernd vor diesem Buch im Buchladen. Ich würde es wirklich wahnsinnig gerne lesen, aber die 45€ sind bei mir momentan einfach absolut nicht drin - vielleicht reicht es ja mal für die englische Ausgabe, wenn ich wieder liquide bin. :'D

    Liebe Grüße,
    Sarah

    AntwortenLöschen

legal notice. based on design by Charming Templates.