Rezension: "Coherent"

Laura Newman // Books on Demand // 410 Seiten // gebunden // 21,99€ // 9783738629323 // Zum Fazit?

Worum geht's?

Seit ihre Eltern bei einem tödlichen Autounfall verunglückt sind, ist das Leben der 17-jährigen Sophie völlig aus den Fugen geraten. Dass sie sich ausgerechnet in dieser Zeit noch mit einem Schüleraustausch beschäftigen soll, ist für sie kaum zu begreifen. Aber da sie dem Wunsch ihrer Mutter nicht entsagen will, reist sie nach Avignon – und trifft auf Jean, in den sie sich mehr und mehr verliebt. Bei ihm fühlt sie sich sicher und verstanden. Sophie vertraut Jean sogar so sehr, dass sie überlegt, ihm von ihrer Begabung zu erzählen. Denn Sophie kann sich allein durch ihre Gedanken mit vernetzten Geräten verbinden. Eine Fähigkeit, die erst kurz vor dem Unfall ihrer Eltern in Erscheinung getreten ist und die in Sophies Kopf für jede Menge Chaos sorgt. Dass auch eine mysteriöse Organisation auf ihre Gabe aufmerksam geworden ist, erfährt Sophie erst, als sie längst in großer Gefahr schwebt …

Meine Meinung:

Hinter dem wunderschönen Cover von „Coherent“ steckt ein Einzelband der netzaffinen Laura Newman, der sich in Anbetracht der realen Entwicklungen unserer Zeit schon beinahe als „zeitgenössischer Sci-Fi-Roman“ bezeichnen lässt. „Coherent“ erzählt die Geschichte von Sophie, einem 17-jährigen Mädchen, das ein ganz alltägliches Leben gelebt hat und wie jeder ihrer Mitmenschen im Internet gesurft und über soziale Netzwerke kommuniziert hat. Bis sie eines Tages eine seltsame Fähigkeit an sich bemerkt und plötzlich jeglicher Kontakt mit einem vernetzten Gerät für sie zugleich zu Fluch und Segen wird. Denn Sophie kann mit diesen Gegenständen allein durch ihre Gedanken kommunizieren. Woher kommt diese seltsame Gabe? Auf der Suche nach Antworten auf ihre unzähligen Fragen gerät Sophie in das Visier einer geheimnisvollen Organisation – und muss fliehen.

„Coherent“ beginnt sehr bedrückend und braucht ein paar Kapitel, um richtig in Schwung zu kommen. Zu Beginn nimmt sich Laura Newman die Zeit, den Lesern ihre Protagonistin und ihr Leben nahezubringen. Denn Sophie hat es mit ihren 17 Jahren alles andere als leicht. Bei einem tödlichen Unfall verunglücken ihre Eltern und der geplante Schüleraustausch nach Frankreich ist während ihrer Trauerzeit das letzte, was sie braucht. Da sie den Wunsch ihrer verstorbenen Mutter aber nicht absagen möchte, reist sie für einige Monate nach Avignon – und damit beginnt Sophies großes Abenteuer. Sie findet zurück ins Leben, verliebt sich in den charismatischen Franzosen Jean und lernt sogar, mit ihrer besonderen Gabe umzugehen. Dabei ahnt sie jedoch im Gegensatz zum Leser nicht im Geringsten, dass sie durch ihre technische Ausnahmebegabung längst interessant für eine Organisation geworden ist, die es nicht gut mit ihr meint. Während der Zeit in Frankreich bekommt man als Jugendbuch-Fan alles geboten, was man sich nur wünschen kann: Viel Spannung, noch mehr Gefühl und einen tollen Schreibstil, der einen beschwingt durch die Seiten fliegen lässt.

Sophie ist eine tolle Protagonistin, die man gerne durch ihre Geschichte begleitet. Trotz der schweren Schicksalsschläge, die sie durchaus auch authentisch Schwäche zeigen lassen, gibt sich Sophie niemals auf. Sie ist eine mutige, wenn auch vorsichtige Protagonistin, die mich nicht nur aufgrund ihrer besonderen Begabung fasziniert hat. Sophie macht im Verlauf der Handlung Fehler und trifft nicht nur perfekte Entscheidungen, aber genau diese realistische Entwicklung ihres Charakters, ihre Natürlichkeit haben sie mir sympathisch gemacht. Das gilt auch für die Nebencharaktere in „Coherent“, die Laura Newman toll herausgearbeitet hat. Vor allem Jean und Lamar, die neben Sophie ebenfalls große Rollen in der Geschichte spielen, haben mir mit ihren starken Persönlichkeiten gefallen. Sophies beste Freundin Beth war für meinen Geschmack leider viel zu stereotyp und wollte sich nicht so recht in den Roman einfügen, aber da sie ohnehin nur sporadisch auftaucht, habe ich sie ohnehin kaum wahrgenommen.

In „Coherent“ ist ein außenstehender Erzähler am Werk, der zwischen den Kapiteln gerne mal seinen Fokus wechselt. Die meiste Zeit steht Protagonistin Sophie im Mittelpunkt des Geschehens, aber auch Love-Interest Jean und der geheimnisvolle Agent Lamar bekommen viel Zeit im Scheinwerferlicht. Durch den ständigen, aber nicht zu hastigen Perspektivwechsel bekommt man tiefe Einblicke in die Gedankenwelt der drei Charaktere – und das ist auch gut so! Vor allem im ersten Teil der Geschichte kommt durch Lamars Perspektive viel Spannung in das Geschehen, während Sophie und Jean für die romantische und gefühlvolle Seite des Romans einstehen. Die Mischung aus einer zeitgenössischen Liebesgeschichte mit tragischem Hintergrund und den mittlerweile gar nicht mehr so abwegigen Sci-Fi-Elementen macht „Coherent“ zu einem aufregenden Rätsel-Abenteuer, der einen neugierig durch die Seiten treibt. Was steckt hinter Sophies Gabe? Und was ist das für eine mysteriöse Organisation, die ihr auf den Fersen ist?

Wie auch schon in einem anderen Buch, das ich von der Autorin gelesen habe, hatte ich auch in „Coherent“ das eine oder andere Mal im Gefühl, dass sie es sich mit manchen Entwicklungen der Geschichte etwas leicht gemacht hat. Besonders im leider etwas enttäuschenden zweiten Teil des Romans, in dem es auch zu einem Zeitsprung kommt, hätte ich mit mehr rasanter Action gerechnet, auch mehr Erläuterungen hätte ich mir stellenweise gewünscht. Dies hat meinem Lesespaß allerdings nicht solch einen Abbruch getan wie die langatmigen Sequenzen, die sich immer mal wieder in die Geschichte geschlichen haben. Beide Kritikpunkte sind jedoch nicht so schwerwiegend, wie sie klingen mögen. „Coherent“ hat mich gut unterhalten und mir tolle Lesestunden beschert, auch wenn es mich nicht völlig aus den Socken gehauen hat.

Der letzte Teil der Geschichte hat mich am meisten gepackt. Laura Newman bringt „Coherent“ mit einer ordentlichen Portion Spannung, Action und Drama zu einem würdigen Abschluss. Das Erzähltempo nimmt rasant an Fahrt auf und macht es unmöglich, dass man sich von den Seiten des Romans löst. Ein grausiges Ereignis jagt das nächste und sorgt neben einer atemlosen Atmosphäre sogar für eine schaurige Gänsehaut. Mich hat das Ende von „Coherent“ sehr begeistert und das Buch zufrieden zuschlagen lassen.

Fazit:

„Coherent“ von Laura Newman ist ein innovativer Einzelband, den ich als „zeitgenössischen Sci-Fi-Roman“ bezeichnen würde. In einem realistischen und gar nicht allzu abwegigen Setting begleitet man die 17-jährige Sophie, die plötzlich auf seltsame Weise mit vernetzten Geräten „kommunizieren“ kann. Woher stammt diese technische Ausnahmebegabung und wie soll Sophie damit umgehen? Auf der Suche nach Antworten beginnt eine spannende und abenteuerliche Jagd, die sich über einige Jahre und Kontinente erstreckt und besonders zum Ende hin mit einer atemlosen Atmosphäre beeindruckt. Eine romantische und authentische Liebesgeschichte, die sich nicht klischeehaft in den Vordergrund rückt, rundet das Sci-Fi-Abenteuer mit grausiger Hintergrundgeschichte ab. Leider hatte ich besonders im etwas enttäuschenden Mittelteil des Romans mit so manchen Längen und Lücken zu kämpfen. Nichtsdestotrotz ist „Coherent“ ein tolles Lesevergnügen, das mich mit einer gelungenen Idee, guten Charakteren und einem zufriedenstellenden Abschluss gut unterhalten hat. Für „Coherent“ vergebe ich schwächelnde 4 Lurche.



Über die AUtorin

Kommentare:

  1. Huhu!

    Großartige Rezi, jetzt würde ich das Buch am liebsten direkt lesen! :-)

    LG,
    Mikka

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  2. Bety? Beth? hätte ich fast vergessen :-) Mich hat der Zeitsprung nicht gestört, ich hätte mich aber über mehr Entwicklungen Sophies gefreut. War eine schöne Rezi :-)

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